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Full text of "Die plautinischen Cantica und die hellenistische Lyrik"

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ABHANDLUNGEN 

DER KÖNIGLICHEN GESELLSCHAFT DER WISSENSCHAFTEN ZU GÖTTINGEN. 

PHILOLOGISCH -HKTOBISCHE KLASSE. 
NEUE FOLGE BAND 1. Nro. 7. 



Die plautinischen Oantica 



und 



die hellenistische Lyrik. 



Von 



Friedrich Leo. 



Berlin. 

Weidmannsche Buchhandlung. 

1897. 



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Die plautinischen Cantica und die hellenistische Lyrik. 

Von 

Friedrich Leo. 



Vorgelegt in der Sitzung vom 6. Februar 1897. 



Das Kapitel über die Metrik der Cantica, das ich meinen Tlautinischen 
Forschungen' ursprünglich hatte beigeben wollen, ist damals zum Vortheil der 
Sache ungeschrieben geblieben. Denn der Standpunkt, von dem aus die Natur 
und Geschichte der plautinischen Lyrik betrachtet werden muss, ist seitdem 
durch das Auftauchen des GrenfeUschen Liedes^) mit einem Schlage verschoben 
worden. In ihren Abhandlungen über dieses Lied haben sowohl Wilamowitz') 
als Crusius ') mit Nachdruck darauf hingewiesen , dass es auch auf die Lyrik 
des römischen Dramas neues Licht werfen muss. In der That ist es eine drin- 
gende Aufgabe, die Consequenzen der neuen Eenntniss für die plautinische Yers- 
kunst zu ziehen und zu diesem Zwecke das ganze metrisch-litterarische Problem, 
das sich an diese knüpft, neu zu prüfen. Ich will mich dieser Pflicht um so 
weniger entziehen, als ich vor 12 Jahren^) den ersten Versuch gemacht habe, 
die plautinische Lyrik historisch zu erklären. 

Seit Anfang 1885 hat sich auf diesem Gebiete viel geändert. Einmal durch 
neues Material, das uns Fach för Fach der hellenistischen Lyrik aufgeschlossen 
hat: noch 1886 erschien der jonische Päan des Isyllos^), von 1893 an die del- 



1) Grenfell An Alexandrian erotic fragment and other papyri, Oxford 1896; Nachtr&ge dazu: 
Grenfell and Hont New classical fragments, 1897, p. 209 sq. (s. u. Kap. II 1). 

2) Nachr. d. Gott. Ges. 1896, 281. 
8) PhUol. 56, 884. 

4) Rhein. Mos. 40, 161. 

6) y. Wilamowitz Philol. Unters. IX. 

1* 



FRIEDRICH LEO, 



pfaischen Hymnen: die glyconeischen des Philodamos und Aristonoos und die 
beiden päoniscfaen, der eine mit glyconeischen Anhangt); endlich das Grenfell- 
sehe Lied. Isyllos gehört in den Anfang des 3. Jahrhunderts, die delphischen 
Hymnen reichen etwa von Alexanders Anfang bis Mammias, das Grenfellsche 
Lied ist nach, aber vielleicht bald nach 173 v. Chr. aufgeschrieben worden (Plau- 
tus' Tod 184 V. Chr.). Sodann hat Wilamowitz in dem Buche über Isyllos die 
Metrik der jonischen, in den beiden Commentariola metrica *) die der jambischen 
Lieder aufgehellt und in seinen Commentaren zu Herakles Hippolytos Choephoren 
die Metrik des Dramas auf ein neues Fundament gestellt, so dass diese durch 
Westphal in Verwirrung gebrachte Disciplin endlich wieder in Bahnen einlenkt 
die aufs Ziel gerichtet sind. 

Kein Wunder also, daas in meiner Ausgabe vieles anders erscheint als in 
jener Abhandlung. Dennoch würde ich ohne das Grrenfellsche Lied von der 
Grundanschauung, zu der ich damals gelangt war, dass nämlich die plautinische 
Lyrik aus der alten Komödie herzuleiten sei, nicht abgewichen sein. Denn für 
diese Herleitung spricht vieles was erst jetzt eine andere und in sich natür- 
lichere Erklärung zulässt. Die delphischen Festgedichte geben zwar sehr wich- 
tige metrische Aufschlüsse, aber sie lehren mehr über den Zusammenhang mit 
der älteren hieratischen Poesie als über die ihnen gleichzeitige Kunstbewegung, 
In diese führt erst das Grenfellsche Lied hinein und zwar indem es den hand- 
greiflichen Beweis liefert, dass die griechische dramatische Lyrik der hellenisti- 
schen, der plautinischen Zeit sich in unmittelbarer Continuität mit der jüngeren 
euripideischen Lyrik befand; was vordem nur vermuthet werden konnte. Nun 
öffnet sich die Aussicht, die plautinische Technik an die gleichzeitige griechische 
anzuknüpfen ; und das wäre auf die Frage nach ihrem Ursprünge ohne Zweifel 
die einfache und natürliche Antwort, die die Grewähr der Richtigkeit in sich 
trüge. Eine gewisse Aehnlichkeit der plautinischen Cantica mit dem G-renfell- 
schen Liede fällt ohne weiteres ins Auge ,- da aber das Lied für die Yergleichung 
des Einzelnen nur ein minimales Material bietet, ist der Weg gewiesen, die 
Verse und Lieder des Plautus mit den Euripideischen der letzten Periode und den 
verwandten zu vergleichen. Sollte sich hierbei ein ähnliches Resultat ergeben wie 
für das Grenfellsche Lied, so wäre die Sache erledigt. Wir werden sehen, dass 
auf eine so einfache Gleichung das Problem nicht zu bringen ist, dass aber in 
der gegebenen Richtungslinie auch andere Wege dazu fuhren, den Zusammen- 
hang der plautinischen mit der hellenistischen Kunst zu erweisen und auch die 
Momente, die vor allem für die Verbindung mit der alten Komödie zu sprechen 
schienen, in Einklang mit dem Ganzen zu bringen. 

Untersucht werden müssen zuerst die Verse der Cantica, um festzustellen, 
welche Arten und Bildungen Plautus angewendet hat und vneweit diese mit der 



1) Weü und Reinach Bull, de corr. hell. 17, 611; 18, 346; 19, 893. GrasiuB Die delphischea 
Hymnen, Philol. 58 Erg&nzongsheft (1894). 

2) ▼. Wüamowitz ind. schol. Gotting. 1895. 1895/96. 



DIE PLAUTINISCHEN GANTICA UND DIE HELLENISTISCHE LYKIK. 5 

griechischen Technik seiner Zeit oder der für seine Zeit vorauszusetzenden über* 
einstimmen. Die Möglichkeit freier, ja sehr freier Umbildung der griechischen 
Formen ist dabei ja immer gegeben; aber Unformen im griechischen Sinne darf 
man doch nur annehmen wenn der Zwang dazu vorliegt. Erst nach Erledigung 
dieser Fragen wird es möglich sein die Gesichtspunkte zu gewinnen, die ein 
Urtheil über die Composition der Lieder möglich machen und ihnen ihre litte* 
rarische Stellung anweisen. Ich kann mich bei diesen Erörterungen des Vor- 
theils bedienen, meine Ausgabe des Textes vorauszusetzen, also über die emen- 
datio (die selbstverständlich der metrischen Untersuchung vorausgehen muss) 
nur da etwas zu bemerken wo die erneuerte Prüfung des Textes mich dazu 
geführt hat, meine Anschauung in Punkten zu ändern die für das Metrum in 
Betracht kommen^). 



I. 
DieVerse. 

Ein Vers ist ein selbständiges Gebilde, mag er eine Einheit von Ursprung 
oder aus cola zusammengewachsen sein, und kann seinen gesonderten Raum 
beanspruchen; eine Forderung die nur für die stichisch ausgesprägten Formen 
ohne weiteres leicht zu erfüllen ist. Im Liede die cola Stück für Stück abzu- 
setzen, wie es die alexandrinischen Herausgeber, wahrscheinlich zuerst Aristo- 
phanes von ßyzanz, gethan haben, empfiehlt sich nicht sonderlich, da es der 
Verwechselung von Vers und Kolon immer wieder Vorschub leistet ; auch sollte 
ausser bei äolischen Versen und einigen besonderen Gattungen, wie den Dakty- 
loepitriten, in der Metrik gar nicht von cola (was ein musikalischer Begriff ist) 
sondern, besonders bei den beliebig langen katalaktischen Versen (den Hermann- 
schen ^Systemen') , von metra gesprochen werden. Wie viele solche cola oder 
metra man in eine Zeile setzt ist metrisch ganz gleichgiltig ; die längsten Verse 
bis zur Fermate hintereinander zu schreiben macht aber wieder typographische 
Schwierigkeiten. Man wird sich also den Umständen fügen; ich habe in meiner 
Ausgabe cola im allgemeinen nur da abgesetzt wo die Ueberlieferung es deut- 
lich indicirte, sonst durch Spatien oder Anmerkung die gegen die Ueberliefe- 
rung anzunehmende metrische Gliederung angedeutet. 

Denn freilich sind die plautinischen Cantica mit einer Kolometrie überlie- 
fert, die im Ambrosianus genau durchgeführt und in den Palatini nur verdunkelt 
ist, einer im Princip mit Heliodor übereinstimmenden, d. h. aristophanisch-alexan- 



1) £s ist wohl gat wenn ich besonders bemerke, so selbstverst&adlich es ist, dass eine 
Menge von Versen metrisch yieldeatig ist, plautinische Verse noch mehr als griechische wegen der 
prosodiflchen Vieldeatigkeit der altlateinischen Dichtwsprache nnd der vielfachen Möglichkeiten 
des Hiatus. Mit dea Erwägungen, die mich im einzelnen Falle zu meiner Auffassung bestimmt 
haben, behellige ich den Leser hier natürlich nicht. 



6 FBIEDBICH LEO, 

drinischen Kolometrie ^). Ich habe ihre Bedeutung für die Bestimmuiig der 
Verse früher selbst überschätzt, als ich in der Textgeschichte noch nicht klar 
sah und das Verhältnis der ursprünglichen Texte zur Kolometrie der alexandri- 
nischen Ausgaben noch nicht aufgeklärt war. 

Vor allem erhebt sich die Frage, wie alt die Kolometrie ist. Die im wesent- 
lichen vorliegende Uebereinstimmung von Ä und P fuhrt auf Probus zurück*) 
und die Frage kann nur sein, ob in der durch seine Thätigkeit (wenn auch nicht 
durch ihn) entstandenen ersten Ausgabe des corpus der 'Varronianae' die cola 
zum ersten male oder ob sie nach Massgabe der ihm zu Grebote stehenden 
Texte abgetheilt worden sind; mit anderen Worten, ob schon in der ersten, zu 
Anfang der philologischen Studien in Rom veranstalteten Plautusausgabe die 
metrische Grliederung der Cantica eingeführt war. Dass dies in der That ge- 
schehen war, kann ich aus zwei Citaten Varros wahrscheinlich machen. Der 
Vers Men. 352 wird von Varro de 1. 1. 7, 12 angeführt wie er in P abgetheilt 
ist {A fehlt), intus para cura vide, quod opust fiat^ d. h. jambischer Dimeter mit 
anapästischem metron, das mit den folgenden Anapästen zusammenzufügen näher 
liegt als von ihnen zu sondern. Varro führt den Vers wegen des absolut ge- 
brauchten vide = cura an; dass er die Worte quod opust fiat mitnimmt, erklärt 
sich daraus, dass sie mit in der Zeile standen. Die zweite Stelle ist Cist. 8, in 
den Handschriften so abgetheilt: 

pol isto quidem nos pretio facile est frequentare 

tibi utilisque habere, 

ita in prandio nos lepide ac nitide 

accepisti apud te ut semper meminerimus. 
Varro führt 7, 99 die Verse bis accepisti mit Auslassung von tibi utilis^pAe habere 
an und lässt diese doch unentbehrlichen Worte auch in der Paraphrase (fädle 
est curare ut adsimus^ cum tarn bene nos accipias) unberücksichtigt. Das lässt 
keine andere Erklärung zu, als dass er bei dem Excerpt, das er von dem 
Anfange der Cistellaria genommen hatte (unmittelbar vorher führt er v. 1 und 6 
an), den Vers tibersehen hat. Sein Exemplar hatte also dieselbe Kolometrie 
wie unsere Handschriften {A fehlt). Der Fall ist um so bemerkenswerther als 
das Metrum von v. 8 für uns unkenntlich ist. 

Dieses Resultat, dass gleich in der ersten litterarischen Plautusausgabe die 
Cantica metrisch gegliedert waren, stimmt durchaus zu unsrer Vorstellung von 
dieser Ausgabe, die nach der kritischen Technik der alexandrinischen Philologie 
gearbeitet war^). Ebenso fügt es sich vollkommen in die Geschichte des Textes 
ein, sowohl dass der Herausgeber der 21 die überlieferte Kolometrie beibehielt 



1) Rhein. Mus. 40, 161 Plaut. Forsch. 20 ; nachgewiesen von Studemund WQrzb. Festgrass 48. 

2) Ich darf bei dieser Gelegenheit bemerken, dass gegen meine Darlegung der üeberliefe- 
rungsgeschichte und (wie ich wegen einer unten folgenden Erörterung hinzufüge) der Biographie 
des Plautus zwar Widerspruch, aber nicht der Schatten eines Argumentes bisher vorgebracht 
worden ist. 

8) Plaut. Forsch. SO. 




DIE PLAUTINISCHEN CANTICA UND DIE HELLENISTISCHE LYRIK. 7 

als dass sie in A und P im allgemeinen intact erscheint. Natürlich sind in 
jeder dieser Ausgaben willkürliche Aenderungen im einzelnen vorgenommen wor- 
den ; nnd bei Priscian de metris Terenti (II 422) finden sich Spuren einer eignen 
Eolometrie von Amph. 161 sq. (während die von Truc. 120. 121 mit AP überein- 
stimmt)'^ aber im ganzen tritt auch hier die Stabilität der Ueberlieferung von 
den Anfangen grammatischer Thätigkeit her deutlich vor Augen. 

Daraus aber dass die Ausgaben von Anfang an metrische Gliederung hat- 
ten, folgt keineswegs dass diese von Plautus herrührte. Es ist sogar in hohem 
Grade unwahrscheinlich. Wir wissen jetzt dass bis auf die Ausgaben des Aristo- 
phanes von Byzanz die lyrischen Verse und cola ohne räumliche Sonderung bis 
zum Ende der Periode hintereinander geschrieben wurden^). Seit Aristophanes 
war die metrische Gliederung der Lieder, wie sie Dionys von Halikamass be- 
zeugt und der Alkmanpapyrus, alle auf Grammatikerarbeit zurückgehenden Hand- 
schriften und die heliodorischen Schollen aufweisen, im gelehrten Gebrauch; 
keineswegs aber im allgemeinen Gebrauch. Denn nicht nur die Päane des Isyllos 
und Philodamos, auch der päonisch - glyconeische Hymnus, der für die Romer 
betet, die Seikilosinschrift und, ein in Aegypten geschriebener papyrus, das 
Grenfellsche Lied sondern weder Verse noch cola. Nun faUt die Thätigkeit 
des Plautus für die Bühne ungefähr in dieselben Jahrzehnte wie die des Aristo- 
phanes für den gelehrten Büchermarkt. So gewiss Plautus und seine dichtenden 
Genossen mit der hellenistischen Cultur und dem Schatze ihrer classischen Lit- 
teratur in Beziehung standen , so gewiss gab es in Rom noch keine Philologie ; 
und es ist sehr unwahrscheinlich dass die für den höchstgebildeten Kreis des 
griechischen Publikums bestimmten aristophanischen Ausgaben in Rom überhaupt 
damals bereits bekannt wurden, sehr wahrscheinlich dass Plautus seine Texte 
schrieb wie es die Griechen die keine Philologen waren zu thun gewohnt waren'). 
Dann hat ein Zeitgenosse des Accius und Lucilius nach dem Muster des Aristo- 
phanes in seine Plautusausgabe die metrische Gliederung der lyrischen Partien 
eingeführt; und diese ist uns überliefert ungefähr in demselben Masse wie die 
aristophanische des griechischen Dramas in dessen Handschriften. 

Immerhin enthält die Kolometrie eine nicht unwichtige Ueberlieferung; denn 
ihrem Urheber stand die metrische Tradition und Kenntniss seiner Zeit und die 
musikalische Composition der Lieder zu Gebote, von der wir freilich nicht wis- 
Ben ob er sie ausnutzte. Gewiss müssen wir von der überlieferten Versabthei- 



1) y. Wilamowitz Isyllos 12 Herakles^ I 141, vgl. Crusius Philol.52, 182, delph. Hymnen 58. 

2) Ich bin in Zweifel, ob man in Saetons Zeugniss über Naevius' bellom Ponicum (de 
gramm. 2 quod uno volumine et continenH scriptura eacpoaüum dimsit in VII Itbras) die Worte 
cantinenH scriptura auf die mangelnde Yerstheilong beziehen darf; ich sehe was dagegen spricht, 
aber der Ausdruck gestattet kaum eine andere Deutung. Unsre Copie des Carmen fratrum Arva- 
lium zeigt, dass in den librl dieses Gollegiums das Lied ohne Yerstrennung geschrieben war. Die 
Inschrift des Scipio Barbatus trennt die Verse durch Striche, die der YertuleU durch Spatien« 
Eigentlich gestatten ja die Saturnier als stichische Verse keine Vergleichung. 



8 PBISDBZCH LEO, 

long ausgehen, aber auch über eie hinausgehen wie über die aristophanische der 
griechischen Lyrik. 

1. 

Die jambischen, trochäischen und anapästischen Verse können, 
da sämmtliche Jamben und Trochäen des Dramas (ausser den recipirten äolischen 
cola) jonisch sind, d.h. auf der Einheit u— u— und — u— w beruhen, und da 
sämmtliche anapästischen Verse des Dramas unter die Einheit uu— uu~ gezwungen 
worden sind, gemeinsam behandelt werden; es kann hier, wenn Plautus nicht 
barbarisch gedichtet hat (was ja von vornherein nicht ausgeschlossen ist), nur 
aus diesen metra hervorgegangne Verse geben. Plautus kennt denn auch die 
gangbaren Trimeter und Tetrameter, auch die nicht gangbaren Dimeter, Trimeter 
und akatalektisohen Tetrameter. Was die einzelnen Formen betrifft, so bedürfen 
einiger Worte nur die unter dem Masse des Dimeters bleibenden clausulae oder 
TuoXdgw und die über das Mass des Tetrameters hinausgehenden Systeme. 

Tentapodien' sind für alle drei Grattungen ein Barbarismus so gut in der 
römischen wie in der attischen Metrik. Für anapästische 'Tripodien' gilt das- 
selbe^), es gibt dergleichen nicht. Der ithyphallicus ist ein äolisches Kolon, 
wie die Reinheit der inneren Senkungen zeigt. Dass er bei Plautus häufig ist 
habe ich £hein. Mus. 40 , 172 ff. nachgewiesen ; die nöthigen Correcturen gibt 
meine Ausgabe. Ich weise hier nur darauf hin, wie häufig er, ganz in der Weise 
der tragischen Lyrik, als Schlusskolon eines Liedes oder einer Periode erscheint ')• 
Die 'Tripodien' — u—u— und u— u^u— sind, wenn man sie als trochäische und 
jambische cola auffasst, ünformen. ~.u— u— ist in attischer Technik nicht 
trochäisch, sondern ein anaklastisoher Dochmius; für einen bestimmten Fall, 
nämlich die Verbindung des Kolons mit cretici, werde ich im 4. Abschnitt nach- 
weisen, dass das Kolon zwar auch nicht trochäisch, aber specifisch kretisch ist, 
und nehme dieses ßesultat hier vorweg. Das Kolon u— u— u— kann, wenn es 
überhaupt irgendwo anzunehmen ist, gleichfalls nur als eine Form des Dochmius 
angesehen werden'). Dass Plautus katalektische ithyphallici oder 'brachykata- 
lektische' jambische Dimeter^) gebildet hätte, dürfte man ihm erst imputiren, 



1) Üeber Kratinos' a^tuttvntoi &vd%atatoi 8. u. I 4« 

2) Gas. 888. Epid. 168. 170. 172 Most. 882 Fers. 254. 271 Psead. 141. 922. 960. Daza S. 18 A« 
8) Vgl. Kaibel Soph. £1. S. 147. — Wenn man bei Rossbach und Christ xl x&vS' &vbv 

%a%&v als jambischen Vers findet, so kann ihnen das niemand verübeln, denn Entdeckungen wollen 
gemacht sein. Aber für den Verfasser der jüngsten Abhandlung de versuum iambicorum in melicis 
partibos qbq Aeschyleo (Leipzig 1896), A. Preuss, gibt es eine solche Entschuldigung nicht mehr, 
and ich wüsste überhaupt nicht welche. — Anakr. 93 hat mit dieser Frage nichts zu thun. Aus 
der äolischen Metrik stammt u - u — u- 

4) Bfar. Vict. 81, 28 dimebrum si fuerü hraehycataiectufn, Eupolidion nomnatwr^ also beaiua 
Hie gut; ohne Beleg, so dass wir nicht sagen können woher das Missverst&ndniss kommt und 
worauf es geht. Ersichtlich falsch Priscian de metr. Ter. p. 422, 10 utüur tamm in hoc ipaa 
«eoena et äimetria brackycatiUeeUe ». e.a tribus simplicibua pedibus, ut ^ita peregre adveniens^, «i* 
müiter 'gut hoc noctis a portu' (Amph. 161. 164). 



DIE PLAX7TINIS0HEN OANTTCA TTND DIS HELLENISTISCHE LTRIK. \3 

wenn die auf griechische Technik zu begründenden Erklärungen nicht ver^ 
fangen*). 

Das Kolon u — u — u— ist mit Sicherheit nur an einer Stelle überliefert, im 
Anfang des Stichus , und dort nicht unter Jamben , sondern unter Versen be- 
sondrer Art, als Anfangskolon einer Combination, deren zweites Eolon das Reizi- 
anum ist; voraus geht ein wirklicher versus Reizianus, also jambischer Dimeter 
mit demselben zweiten Kol(te, dann v. 10 

loqui de re' viri. Salvene *), amabo ? 
Spero quidem it volo. sed hoc, soror, crücior 
und noch 3 Verse gleicher Atri, dann 2 Beiziana als üebergang zu Anapästen. 
Ein Analogen für diese Spielart des versus Reizianus gibt es nicht und ich finde, 
wenn man nicht ein blosses ^i^l annehmen will, keine andere Erklärung dafür 
als dass Plautus das äolischd Kolon * 

6%i^a6^B Si ft' bI 6oq)äg 
aito'bg xsQidQxoiMxt 
tovg oiofiivovg q>QOVBtv 
xai (i i^aTCatvHeLVj 
dessen katalektische Form eben das ßeizianum ist, nach Analogie des versus 
Reizianus jambisch gebildet und mit jener verbunden hat. Dasselbe äolische 
Kolon leitet in der Form (o) — u— uu— in Bmaliger Wiederholung die Scene ein, 
gefolgt von 3 versus Reiziani. 

Unsicher, aber auch wenn man es gelten lässt nur in einer besonderen 
Verbindung überliefert ist das Kolon in der Eingangsscene des Epidicus. Die 
Scene ist ein Duett zwischen den Sklaven Epidicus und Thesprio, in bunt wech- 
selnden kurzen und langen trochäischen und jambischen Versen, gefolgt von 
einer Monodie des Epidicus. Unter den jambischen Langversen ist eine Anzahl 
die, unter sich von gleicher Art, von der Bildung der übrigen abweichen*): 29. 
52. 57. 68 

Sed quid ais? Quid rogas? Vbi arma sunt Stratippocli ? 
Quid igitur? Quot minis? Tot: quadraginta minis*). 
Epidice. Perdidit me. Quis? lUe qui arma perdidit. 
venire ad Chaeribulum iussit huc in proxumum. 
Diese 4 Verse fügen sich dem Schema u — u — u— v-» — u — u — o — , aber eine me- 
trische Erklärung für solche Jamben ist nicht zu erdenken. Nun zeigen die 3 



1) Weitgehende Freiheit in der Bildung dieser claiisulae nimmt Marius Vict. 79, 1 an: guod 
vero ad clausulas, t. e. minuscula cola, perünet, guot genera verauum sunt, totidem eorum membra 
pro Clausulis poni possunt et solent in canticis magis quam diverbiis — collocarij et praedpu^ apud 
Plautum et Naevium et Äfranium. nam hi maocime ex omnibus [memhris] versuum colis ah his 
separatia licenter usi reperiuntur in clausulis. Es ist die gewöhnliche Unsicherheit der römischen 
Metriker, wenn ihnen die unmittelbare Vergleichung mit dem griechischen Lehrbuche versagt. 

2) Durch grossen Buchstaben bezeichne ich Personenwechsel. 

3) Vgl. Rhein. Mus. 40, 181 ff. 

4) BeddigUur statt Quid igitur überliefert und natürlich in Handschriften richtig verbessert. 

Abhdiffn. d. K. Oea. d. WIbb. zq Oöttingen. Phil.-hUt. Kl. N. F. Band 1, -r. 2 



10 FRIEDRICH LEO, 

ersten Verse eine gemeinsame Eigenschaft , einen in kurzen Fragen und Aus- 
rufen abhäpfenden Dialog. Die Einschnitte solcher Dialoge (Personenwechsel) 
fallen in den Massen, die mit Vorliebe Tuctä ^ixQov gebaut werden, häufig mit 
den Einschnitten des Metrums zusammen; so in kretischen Versen Pers. 17 

Vt vales? ¥t queo> Qirid agitut? Vivitur. 
Rud. 243 I I I I 

Cedo manum.* Adcipe. Die, tivisnef obsecro. 
Gas. 233 • I i • 

Nolo ames. Non potes Ibpetraret Enicas. 

Dies führt darauf, die 3 cola^ * ' * 

Sed quiti ais? Quid rogas? 
QuidMgitur? *Quot nÄms? 
Epidice. »Perdidft * 

als kretische Dimeter anzusehen; die syllaba anceps im Auslaut von Epidice 
findet gleich an dem angeführten Verse Rud. 243 ihre Analogie (vgl. Most. 328), 
der Choriambus sed quid ais an v. 98 der Monodie des Epidicus quid faciam? 
men rogas? Von den 3 Versen lassen der erste und dritte einen jambischen, 
der zweite einen trochäischen Dimeter auf den kretischen folgen; dieser Vers 
(52) ist also eine dem Plautus geläufige Form, aufi^allender die Verbindung des 
kretischen mit dem jambischen Kolon. Nun folgt aber v. 29 auf 4 jambische 
Dimeter, denen er nach der Unterbrechung durch sed quid ais? quid rogas? den 
fünften hinzufügt; dann setzen Trochäen ein, 1 Septenar, 2 Dimeter, Septenare. 
V. 57 andrerseits folgt auf trochäische Septenare , aber er leitet eine Folge von 
5 jambischen Dimetern ein (denn so ist v. 58 — 60 zu fassen, gleichviel wie man 
absetzt). Es scheint mir dass man hier in beiden Fällen die Absicht des Dich- 
ters fassen kann. 

Es bleibt v. 68 venire ad Chaeribulum iussü huc in proxumunif der sich der 
Messung der 3 übrigen nicht fügt und ihre Merkmale nicht theilt. Der Vers 
steht in folgender Umgebung (66 sq.): 

Plusque amat quam te umquam amavit. luppiter te perduit. 

Mitte nunciam, nam ille me vetuit domum 

venire, ad Chaeribulum iussit huc in proxumum; 

ibi mauere iussit, eo venturust ipsus. Quid ita? Dicam: 

quia patrem prius convenire se non volt neque conspicari, 70 

quam id argentum quod debetur pro illa denumeraverit. 

Es ist alles bis auf das Metrum tadellos , ein sicheres Urtheil über die ersten 
Verse aber doch nicht möglich, da in A zwar die Anfange und Schlüsse von 
V. 66. 68 — 71 stimmen (das Uebrige ist zerstört, in P die Versabtheilung gestört), 
zwischen 66 und 68 aber 3 Zeilen hergehen , in denen nichts zu lesen ist ; es 
bleibt also die Möglichkeit, dass statt v. 67 in A ganz etwas anderes stand. 
Nach der Fassung von P löst sich durch die Katalexen ab mitte nunciafn^ das 
Kolon — u — u — , ein neues Element mit dem Eintreten einer neuen Phase im 



DIB PLAUnNISCHEN CAimCA UND DIE HELLENISTISGHE LTRIK. 11 

Gespräch. Wenn man das was darauf folgt bis zur nächsten Eatalexis weiter- 
liest, so ergibt sich ein durch Yersschluss nicht unterbrochner trochäischer 
Rhythmus von 17 metra, nach unserer Gewohnheit in cola zerlegt: ^ 

nam ille|me vetiiit domum ye^ 
nire, ad Chaeribulum lussit , 
huc in.proxumum, ibi mauere, 
iussilL eo yenturustL ipsus., 
Quid ita^ Bicam; 
quia palrem prius convenire 
se non.volt neque conspicari,t 
quam id^rgentum quod debetur 
pro illa|aenumeraverit. 

So verschwindet das unrichtige Kolon v-» — u — u — , es bleibt das andere mitte nun- 
otam, dessen häufiges Auftreten unbezweifelt ist. Mit diesem haben wir uns nun 
zu beschäftigen. Das Eolon hat eine feste Stelle in dem von Plautus stichisch 
angewendeten Verse, den es durch Antreten an einen kretischen Dimeter bildet^). 
Nicht anders als hier, wo es ein den cretici eigenes Element ist, darf das Eolon 
beurtheilt werden, wo es sonst mit cretici zusammen erscheint; ja Verse von 
denen man sonst vermuthen dürfte dass sie rein trochäisch seien, werden durch 
das Eolon als mit cretici vermischt erwiesen, wie Cist 14: 

qu6d ille dixit qui secundo vento vectus est tranquillo mari: 
ventum gaudeo ecastor ad ted, ita hodie hie acceptae sumus 

suavibus modis, 

d. h. zweimal ein akatalektischer trochäischer mit kretischem Dimeter verbunden. 
Pseud. 1280: 

nimiae tum voluptati edepol fdi ob casum, datur 

cantharus, bibi. 

So findet sich Sud. 199 — 203 in der Monodie der Palästra folgende kretische 
Periode (vorauf geht ein anapästischer Vers, es folgen Baccheen): 

is navem atque omnia perdidit in mari: 
haec bonorum eius sunt reliquiae. etiam quae simul 
vecta mecum in scaphast, excidit. ego nunc sola sum. 
quae mihi si foret salva saltem, labor 
lenior esset hie mi eius opera. 
Dim. + Eol. , Trim. + Eol. 2 mal , Tetram. , Dim. H uuu - Die Eretiker ab- 
schliessend Capt. 836: 

quantumst hominum optumorum optume in tempore advenis. 

Das Eolon findet sich verdoppelt mehreremal als Einleitung kretischer Verse: 
Bacch. 620 (Monodie des Mnesilochus, vorher Trochäen Anapäste Baccheen): 



1) Dahin gehört auch Gas. 888 (tmten S. 18 A.). 



l; 



12 FBIEDSICB LEO, 

Omnibus probris quae improbis viris: 
digna sunt, dignior nollus est homo. 

643 (Monodie des Chrysalus, vorher Anapäste und 1 troch. Octonar) : 

callidum senem callidis äoU^ 
compuli et perpuli, mi omnia ^t crederet. 
nunc amanti ero filio senis, ^ 
quicom ego bibo, qoicam edo et amo, 
regias copias anreasque optul^ 

(ob der 4. Vers vielmehr jambisch ist kann man bezweifeln). Coro. 119: 

Quam longo a 'me abest ? Lumen hpc vide. 
Grandiorem gradum ergo fac ad mt , obsecro. 

Pseud. 258 nach Baccheen wie Bacch. 620: • I 

Eheu quam ego maus perdidi modis 

quod tibi detuli et quod dedi. Mortua 

verba re nunc facis. stultus es, rem actam agis. 

V. 1109 folgt auf das Doppelkolon ein unsicherer Vers, dann ein kretischer Di- 
meter. ^) Oder das Kolon steht nach und zwischen kretischen Versen: Most. 137 

venit ignavia, ea mihi tempestas fuit, 

mi adventu suo grandinem [imbremque] attulit;^) 

haeo verecundiam mi et virtutis modum 

deturbavit detexitque a me ilico, 

postilla optigere me neglegens fui, 

das Doppelkolon zwischen 2 kretischen Tetrametern , dann 2 mal der aus 2 cre« 
tici und dem Eolon bestehende Vers. v. 344 nach einer aus diesem Verse und 
dem verwandten mit — uuu— bestehenden stichischen Partie: 

da illi quod bibat. Dormiam ego iam. 
Num mirum aut novom quippiam facit? 

4 cola, das zweite — uuv>— , die übrigen — i-» — u — , als Abschluss der cretici. 
Pseud. 1292: 

quod fero, si qua in hoc spes sitast mihi. 
Vir malus viro optumo obviam it, 

es folgt ein kretischer Vers. v. 1307: 

cum tuo filio perpotavi modo, 
sed, Simo, ut probe tactus Balliost. 
quae tibi dixi ut effecta reddidi. 
pessumu's homo. Mulier haec facit. 
cum tuo filio libera accubat. 



1) üeber Rad. 2S1 s. u. 

2) Die Nothwendigkeit imbremque zu streichen muss sich jedem ergeben der einerseits v. 142» 
andrerseits v. 108—113 and 162—165 vergleicht. 



DIE PLAÜTINISCHEN CAJSTICA UND DIE HELLENISTISCHE LYItlK. 13 

Merkwürdig ist das kleine Duett Trac. 116 sq.: 

Heus, mane dum, Astaphium, prins quam abis. 
Qui rerocat? Scies: respice huc. Quis est? 
Vobis qui mnlta bona esse voIt. Dato si esse vis. 
Faxe eront. respice huc modo. Oh, 
enicas me miseram qaisqnis es. 

Pessuma, mane. 120 

Optome, odio es. 

Diniarchusne illic est? atque is est. 
Salva sis. Et tu. 

Dann nach 3 anapästischell Dimetem v. 127: 

peregre quoniam advenis, cena detur. 

y. 116. 117. 119 sind jambisch, v. 122. 123 würde man in einem gp^iechischen 
Liede als einen trochäischen Vers lesen ; ob das im allgemeinen auch für Plautus 
statthaft ist, werde ich unten erörtern ; für dieses Lied lehrt das Eolon 120. 121, 
das nur mit Kretikern vorkommt, dass die einzelnen cretici 118. 122 und der 
doppelte 127 wirkliche cretici sein sollen, zu denen sich das Kolon — u — u^ 

V. 116 u. 118 stellt^); dem ithyphallicus in der Form — u 123 werden wir 

noch begegnen, ebenso gleich dem Kolon — u — u, das diese Partie abschliesst. 

In der kretischen Natur des Kolons liegt die Rechtfertigung für Epid. 67, 
mute nunciam steht dort mit demselben Recht wie die kretischen Dimeter in den 
besprochenen Versen. Und dass diese mit Recht stehen lehrt die Fortführung 
der Scene nach v. 71: es folgt ein trochäischer Septenar, 2 Dimeter und die 
beiden kretischen 76. 76: 

quid istuc ad me attinet, 

quo tu intereas modo. 

Diese cretici präludiren der Monodie des Epidicus (81 sq.) , die durch vier tro- 
chäische Septenare eingeleitet aus einer sechsmal wiederholten Folge eines xatä 
nitQQv gebauten kretischen Dimeters mit trochäischem Septenar besteht und 
folgendermassen abgeschlossen wird (96): 

nequam homo es, Epidice. 
qui lubidost male loqui? 
quia tu tete deseris. 
quid faciam? men rogas? 
tuquidem antehac aliis solebas dare consilia mutua. 

Hier schliessen zwei kretische Dimeter zwei trochäische ein, wie 73 — 76 zwei 
kretische auf zwei trochäische folgen. 

Wie in diesem Falle das Kolon nicht unmittelbar unter cretici steht, so 
das Doppelkolon Most. 316 in einer nichtkretischen Partie (Baccheen mit Rei- 



1) Vgl. Gore. US cenaeo hone appeüandam anum (s. unten). 



14 FBIEDBICH LEO, 

ziana), einer kurzen Monodie des Callidamates, die das Duett mit Delphium ein- 
leitet; aber die Antwort der Delphium beginnt kretisch: sentper istoe modo 
(320) und es folgen 324 sq. kretische Verse mit trochäischen cola ; auf das Duett 
folgt ein Terzett (336 sq.) ganz in kretischen Versen. Aehnlich steht es Gas. 940. 
Auf den Anfang der Monodie, 4 dactylische cola und einen trochäischen Dimeter, 
folgt Omnibus fnodis occidi miscTj dann verstümmelte aber wahrscheinlich anapästi- 
sche und trochäische Verse; doch sicher von 948 an eine Gruppe von cretici. 
Eine andere Monodie, die der Leaena Cure. 96, beginnt gleichfalls mit 2 dakty- 
lischen Versen, es folgt ein anapästischer Dimeter mit jambischem Monometer, 
dann Liberi lepos und nach einem jambischen Dimeter {ut veteris vetus tut cupida 
sum) ^) kretische Tetrameter. 

Die Fälle, in denen das Kolon nicht in naher Beziehung zu Kretikern 
steht ^) , sind selten und zum Theil unsicher, wie Capt. 625 omnis res palamst 
mit Dimeter unter lauter Langversen; Most. 899: 

heus ecquis hie est, maxumam qui bis iniuriam 

foribus defendat? ecquis has aperit foris? 

Der Vers wird ein Reizianus sein wie 892. Pseud. 577 sondert sich res perinde 
sunt von den Anapästen, aber diese sind 576 sq. nicht sicher '). Bud. 924 und 925 
verbinden sich vielleicht zu einem Octonar wie 923 : 

ndm ego nunc mihi qui impiger fui röpperi ut piger si velim sim. 

Most. 872 haben Baccheen unter Baccheen nur durch Corruptel den Schein des 
Doppelkolons angenommen. Von Versen, die überhaupt in Betracht kommen 
können, bleibt so viel ich sehe nur noch Pseud. 1267 (nach baccheischen Tetra- 
metem) : 

victum ceterum ne quis me roget. 

hoc ego modo atque erus minor hunc diem sumpsimus prothyme, 

postquam opus meum omne ut volui perpetravi hostibus fugatis. 

Ob ich richtig die beiden langen Verse als die wiederkehrende Folge — u— u— 
— u — u— u— — u — w — u erklärt habe, muss ich in Zweifel lassen; gewiss 
ist es nicht ein jambischer Septenar und trochäischer Octonar. v. 1267 kann 
ebenso gut wie als doppeltes — u— u— auch als reiner doppelter dochmius 
gelesen werden, und man kann nicht leugnen, daß der unmittelbare Anschluss 
des Verses an Baccheen den Rhythmus — «-— u— eher empfiehlt als den trochäi- 
schen. Vorausgesetzt nun, dass danach hoc ego modo und postquam opus meum 
zu sondern ist, erhebt sich die zwiefache Frage, ob solche cola wie jenes 
victum ceterum als wirkliche Dochmien anzusehen und ob in —u— u— ausser 



1) Man könnte freilich abtbeilen Liberi lepos, ut veteris väus tut cupida sum: 2 Trocb&en 
2 Kretiker wie Pseud. 1280 (oben S. 11). 

2) Für Caecilios bezeugt Yarro die Clause! dt boni quid hoc als Anfang eines Liedes (y. 280), 
ohne zu sagen wie es weiter ging; vgl. y. 153 sq. 

3) y. 676. 7 bin ich wohl mit Unrecht yon der hergebrachten Messung troch. Septenar + Di- 
meter abgewichen; zweifelhaft bleiben 678. 9, die so oder so der Emendation bedürfen. 



DU PLAÜTINISCHEN CANTICA UND DIE HELLENISTISOHE LYBIK. 15 

der kretischen Natur auch die dochmische anzuerkennen ist. Die Verbindungen 
in denen es erscheint sprechen, wie wir sehen, nicht dafür; aber es wäre doch 
sehr möglich, dass in einigen der angeführten Fälle das Kolon — w— u— in der 
That dochmisch wäre, z. B. Cure. 98 sq., mit welcher Stelle ich etwa Eur. Ion 
1466 zu vergleichen bitte: 

8 ts ynfyBvhaq 86fkog oixdtL vihcta di^xetaL^ 
&Uov d' ivaßkiitßL kayLicd6i,v. 

d. h. uu — uu — uu — uu— u — u— — w — w— \j \j— 2 Anapäste, 1 lambus, 

2 Dochmien^); im Curculio steht nur statt des zweiten dochmius ein jambi- 
sches Kolon. Wenn Plautus überhaupt die Dochmien latinisirt hat, so ist gegen 
^yj^yj^ als dochmius natürlich gar nichts einzuwenden. 

Bei der grossen Bolle, die in der monodischen Lyrik und zwar, wie das 
Grenfellsche Lied beweist, noch in der Zeit des altrömischen Dramas, die Doch- 
mien spielen, wird man geneigt sein, die Frage ohne weiteres zu bejahen. Ich 
habe selbst geglaubt, an dem Kolon — w— w— eine sichere Handhabe für den 
Beweis zu haben, bis ich dessen kretische Natur erkannte. Nun liegt die Sache 
so, dass dieses Kolon in der Regel in Verbindung mit Ejretikem auftritt, nie 
(wenn nicht Pseud. 1267) mit reinen Dochmien, was man doch zunächst erwarten 
müsste, wenn es auch für Plautus eine anaklastische Form des dochmius wäre. 

Der dochmius in der Form u u— ist bei Plautus gar nicht selten, aber er 

erscheint stets in Verbindung mit Baccheen : in der Monodie der Alkmene Amph. 
633 sq. die Perioden 637 : 

nam ego id nunc experior domo atque ipsa de me scio, cui yoluptas 
parumper datast, dum viri mei mihi potestas videndi fuit 
noctem unam modo ; atque is repente abiit a me hinc ante lucem. 
(8 Baccheen, 2 Jamben katalektisch, dochmius, 4 Baccheen, Reizianum) und 641: 
plus aegri ex abitu yiri quam ex adventu yoluptatis cepi. sed hoc me beat 
saltem, quem perduellis vicit et domum laudis compos revenit: id solaciost. 
absit, dum modo laude parta domum recipiat se; feram et perferam usque 

abitum eins animo 
forti atque offirmato, id modo si mercedis datur mi, ut mens victor vir belli clueat. 

satis mi esse ducam. 
virtus praemiumst optumum, virtus omnibus rebus anteit profecto: libertas Sa- 
lus vita res et parentes, patria et prognati 
tutantur servantur: virtus omnia in sese habet, omnia adsunt 

bona quem penest virtus 
d. h. Reizianum, 4 Baccheen, dochmius, 6 Baccheen, dochmius, 7 Baccheen, Uei- 
zianum, 8 Baccheen, Reizianum, 3 Baccheen mit Katalexis, 8 Baccheen, Reizia- 
num, 6 Baccheen, Reizianum. Bacoh. 1136: 

exsolvere quanti fuere, omnis fructus 

illis decidit. non vides ut palantes solae liberae 

grassentur? quin aetate credo esse mutas, 

1) V. WUamowiU Nachr. d. Gott. Ges. 1896, 217. 



16 FBIEDRICH LEO, 

ein dochmius zwischen baccheischen Tetrametern. Men. 970: 
tergum quam gulam, erura quam ventrem oportet 
potiora esse cui cor modeste situmst. 
recordetur id qui nihili sunt quid eis preti 
detur ab suis eris, ignavis improbis viris: 

verbera compedes molae [magna] lassitudo fames frigus durum, 
haec pretia sunt ignaviae, 

baccheischer Tetrameter, derselbe katalektisch, dochmius, jamb. Dimeter, troch. 
Septenar, dochmius, bacch. Tetr., jamb. Dimeter. Pers. 807: 

Decet me facetum esse et hunc inridere 

lenonem lubidost, quando dignus est. 

Perge ut coeperas. Hoc leno tibi. 

Perii, perculit me prope. Em serva rusum. 

Delude ut lubet, erus dum hinc abest. 

Viden ut tuis dictis pareo? 

zuerst ganz wie Men. 970, aber 2 Dochmien, dann bacch. Tetr.; die beiden 
letzten Zeilen können als 4 Dochmien so gut wie als 4 Jamben gelesen werden; 
es folgen wieder baccheische Tetrameter , dann 815 dochmius mit 2 Trochäen : 

restim tu tibi cape crassam ac suspende te. 

Genau wie Men. 970 und Pers. 807 folgt auf einen akatalektischen und einen 
katalektischen bacch. Tetrameter ein dochmius Poen. 243 

nisi multa aqua usque et diu macerantur, 

olent, Salsa sunt, tangere ut non velis: 

item nos sumus, 

dann wieder Baccheen. Wie man sieht, schliesst sich diesen Beispielen Pseud. 
1265 

unguenta atque odores, lemniscos coroUas 

dari dapsiles, non enim parce promi, 

victum ceterum ne quis me roget 

so vortrefflich an, dass die Entscheidung nicht wohl schwanken kann, ob 1267 

zu messen sei — «-— c»~ oder -^ v>— . Eine besondere Form findet sich in 

der Casina, in dem grossen Duett der Pardalisca mit Lysidamus, die Verbin- 
dung eines dochmius mit dem ßeizianum: v. 663. 691. 703 und vielleicht 834^). 

nee quemquam prope ad se sinit adire. 

sed etiamne habet nunc Casina gladium? 

nostro vilico. Saepicule peccas. 

valete. Ite iam. Ite. lam valete. 

In derselben Scene erscheint 12 mal (angeführt zu v. 649. 650) die Verbindung 
des baccheischen Dimeters mit dem Reizianum, die auch sonst häufig ist (s. u.); 
der Bau der Verse und die Nachbarschaft der Dochmien legt die Möglichkeit 



1) Vgl. Most. 890. Doch s. unten K. II. 



DIE PLAUnKISGHEN CAFEICA XJND DIR HE!LLENISTJBCUK LYBIK. 17 

nahe, die B.eihe als dochmius mit ityphallicus ^ u— — u— w— u*) zu fassen, 

z. B. 665. 674. 675. 685 

metu mussitant. Occidi atque interii. 

illuc dicere, vilicum volebam, 

sciens de via in semitam degredere. 

adaeque miser. Ludo ego hunc facete. 

Wie dem auch sei, diese 15 — 16 Verse der Casina stehn ebenso wie die sämmt- 
liehen anderen Dochmien in unmittelbarer Verbindung mit Baccheen. Bei dieser 
Sachlage kann man nur folgendes Dilemma aufstellen: entweder sind die plau- 
tinischen Baccheen aus Dochmien entstanden ; das habe ich selbst früher ver- 
muthet^), werde aber im 4. Abschnitt darlegen, warum diese Ansicht unhaltbar 
ist; oder die plautinischen Dochmien sind nicht was sie scheinen, sondern kata- 
lektische baccheische Dimeter. Diese letztere Auffassung ergibt sich, wie mir 
scheint, mit Nothwendigkeit erstens aus der steten Verbindung mit Baccheen, 
zweitens aus der Thatsache, dass Plautus katalektische baccheische Verse, be- 
sonders Tetrameter, baut, deren zweite Hälfte äusserlich dem dochmius gleich 
ist (ohne dass man darum doch in der ersten Hälfte das in dochmischen Liedern 

häufige Kolon u u sehen dürfte), drittens aus der an 3 Stellen (Men. 970 

Pers. 807 Poen. 243) beobachteten unmittelbaren Folge: akatalektischer , kata- 
lektischer Tetrameter, dochmius. Ich halte es danach für gewiss, dass Plau- 
tus die eigentlich dochmischen metra nicht recipirt hat. Dafür mag der Grund 
in dem specifisch tragischen Ethos der Dochmien liegen ; es kam aber dazu, dass 
die im wesentlichen neugebildeten Baccheen einerseits, andrerseits die kreti- 
schen trochäischen jambischen anapästischen Clausein Plautus genügendes Ma- 
terial gaben, den dochmifichen Liedern ähnliche Bildungen hervorzubringen. 

Wie das £olon — c» — w— , so erscheint auch — u— u ausschliesslich in Ver- 
bindung mit cretici, und zwar nicht selten. Die Existenz des Kolons wird am 
sichersten dadurch erwiesen, dass es zweimal kretische cantica abschliesst: 
Amph. 247 iure iniustas und Rud. 681 nimis inepta es^ beidemal auf Tetrameter 
folgend ; man bedenke hierbei die Verschiedenheit im Gebrauch des ithyphallicus, 
der, gleichfalls mit Vorliebe als Schlusskolon verwendet (S. 8 und 18), keineswegs 
an kinetische Lieder gebunden ist. Ln Amphitruo gehen vorher v. 242. 245: 

hoc ubi Amphitruo erus conspicatust. 
cum clamore involant impetu alacri, 

im ßudens, gleichfalls in demselben canticum, v. 667. 668 (unter der Voraus- 
setzung, dass die verstümmelten Anfange richtig, wie das ganze Lied, zu Ejre- 
tikem ergänzt sind): 

(nee quam in) partem ingredi persequamur 
(scimus, tanto) in metu nunc sumus ambae 



1) Vgl. Y. WUamowitz Orestie n 228. 

2) Rhein. Mm. 40, 170 ff. 

▲bhdlgn. d. K. Oet. d. Wifs. la Oöttingen. PhU^Uit. Kl. N. F. Band 1, t. 8 



18 FBIEDBICH LEO, 

und 674: 

sed nunc sese ut ferunt res fortunaeque nostrae^). 

Die Verbindung zweier cretici mit dem Eolon kehrt noch wieder Capt. 215: 

sed brevem orationem ineipisse. 
und Truc. 127: 

peregre quoniam advenis cena detur, 

die dreier cretici (Rud. 674) noch Pers. 805: 

quin elude, ut soles, quando liber locust hie. 
hui babae, basilice te intulisti et facete. 
Noch einmal löst sich das Kolon — u — u mit Nothwendigkeit aus der Umgebung 
los, Pseud. 921 : 

haec ea occasiost : dum ille dormit, volo 
tu prior ut occupes adire. 

Die Wörter von tu bis adire ergeben weder einen trochäischen noch einen jambischen 
Vers. Der ithyphallicus schliesst, wie oftmals, die kretische Periode*); zu ihm 
leitet das Kolon — *-»— u von den Kretikern über*). Ich stehe nach diesem 
ganzen Sachverhalt nicht an, das Kolon — u — u ebenso wie — u— u— (und ~vaa^— ) 
als einen Bestandtheil kretischer Lieder anzusehen, nicht erst von Plautus auf 
die Verbindung mit cretici beschränkt, sondern in der junggriechischen drama- 
tischen Lyrik ebenso mit den kretischen metra zusammengehörig wie die ver- 
sprengten xankAgta der dochmischen Lieder mit den Dochmien. 

Ein Wort verdient die Verbindung des kretischen Dimeters mit dem tro- 
chäischen, wie Bacch. 653 uhicumque ilsus stet pectore expromat suo, Amph. 223. 
233 Gas. 237. 628 Most. 325. 328 Rud. 677, vgl. Epid. 52. 96 sq. (oben S. 10. 13), 
alles in kretischen Liedern. Verbindung von Kretikern und Trochäen ist auch 
sonst so häufig wie in der alten Komödie. Aber die Combination dieser beiden 
Dimeter erscheint unter kretischen Tetrametern und Most. 326, 328 alternirend 
mit katalektischen , als ausgeprägte Form in kretischen Liedern. Hiermit trifft 
es zusammen, dass dieselbe Parodie der euripideischen Kretiker, die uns den 

Vers —u u— — u — u— kennen lehren wird (14), grade vor diesem die lange 

kretische Reihe so abschliesst: x&kd i^ ifixaklars xvxloiifisvoi rijv oixiaVj d. h. 



1) So ist auch, nach der Ueherlieferung, aafzufassen Bacch. 666 impröbis cum imprchus sit 
Yor KretikerD, s. S. 19. 

2) Nach Tetrameter Aul. 148. 145 Capt. 208 (vgl. 213) Cure. 121, nach Trimeter Epid. 327, 
nach Dimeter Cas. 147 Pseud. 1248, nach Monometer als Schluss des Liedes Pseud. 264; vgl. 
nächste Anm. 

8) Ganz ähnlich das Eolon — u~u— Cas. 888 reppulit mihi manum negue enim dare 
aibi savium me sivit, Epid. 169 is adeo tu es. quid est quod pudendum stet, gener e natam 
bano pauperem domum ducere ie uxorem. Vor diesen Versen stehen Epid. 166 zwei troch. 
katal. Trimeter; ich habe sie in — u — c» mit Dimeter .zerlegt, was bei der anmittelbaren Verbin- 
dung mit cretici wohl angeht. Zu Pseud. 922 s. auch unten über Cas. 730. 



DIE PLAUrmiSCHEN CANTICA UND DIE HELLENISTISCHE LYRIK. 19 

Auch einzelne cretici verwendet Plautns: so, wie wir sahen (S. 13), Truc. 
118. 122, so am Schiasse des kretischen Liedes Pseud. 261: 

nosce saltem hunc quis est. lam diu scio 
qui fuit: nunc qui sit ipsus sciat. 
ambula tu. Potin ut semel modo, 
Ballio, huc cum lucro respicias ? 

Ferner Cure. 113 

censeo hanc appellandam anum, 
worauf ein baccheischer , ein kretischer, ein trochäischer Vers und zwei bacch. 
Tetrameter folgen, dann das Kolon appellandam anum verdoppelt, dann £retiker, 
die durch einen ithyphallicus abgeschlossen werden. Bacch. 656: 

improbis cum improbus sit, harpaget furibus, 

fdretur qu6d queat, 

vorsipellem frugi convenit esse hominem 

pectus quoi sapit: bonus 

sit bonis, malus sit maus; 

utcumque res sit ita animum habeat, 

der 3. Vers ein trochäischer Trimeter (mit dem folgenden zusammen 5 Trochäen 
mit Katalexis) oder 2 ithyphallici (s. u. zu Capt. 213), Schluss doppeltes Reizianum. 

unter diesen Versen könnten Truc. 122 Pseud. 262 Bacch. 666 trochäisch 
sein und es erhebt sich die Frage, die schon auf einige der zuvor behandelten 
Verse Anwendung findet, ob Plautus 'synkopirte' Trochäen und Jamben 
gebildet hat. 

Man muss bei Behandlug dieser Frage sondern die zu stichischer Verwen- 
dung in der griechischen Technik ausgebildeten Formen und die im griechischen 
Drama übliche Continuation trochäischer oder jambischer metra mit unterdrückten 
Senkungen und Anaklasis. Was die stichischen Reihen anlangt, so ist der Tetra- 
meter in der Form u — w— u— o c»— u— u*) von Bücheier Cure. 104 nachge- 
wiesen worden: 

nam ubi tu profusu's, ibi ego me pervelim sepultam. 

Er findet sich ausserdem zweimal hintereinander Rud. 945: 

Cave sls malo. quid tu, malum, nam me retrahis? Audi. 
Non audio. At pol qui audies post. Quin loquere quid vis 

und vielleicht Most. 896: 

novit erus me. Suam quidem pol culcitulam oportet. 

Mit demselben Tetrameter in akatalektischer Form o — w — c» — c» ^ — u — u — 

(Xaßovöa övyxÖQsr/öov, algav dl xov(pi& fi iyäl) beginnt der Persa: 

Qui amans egens ingp^essus est princeps in Amoris vias, 

wonach der folgende Vers zu ergänzen ist: 

superavit aerumnis suis (miser) aerumnas Herculi. 



1) Vgl. V. WUamowitz Gomm. metr. II 32. 

8 



20 FBIEDRICH LBO, 

Derselbe Vers findet sich im Persa noch einmal, 278 (mit sjUaba anceps in der 

Diärese) : 

dicis ubi sit, yenefice? Nescio inquam, ulmitriba ta, 

endlich in Smaliger Wiederholung, durch ein kretisches Kolon eingeleitet, durch 
einen ithyphallicus unterbrochen, Pseud. 1111 : 

cum his mihi nee locus 
nee sermo convenit neque is umquam nobilis fui. 
ego, ut mi fmperatumst, etsi abest, hie adesse erum arbitror. 

nunc ego illum metuo 
quom hie non adest, ne quem adsiet metuam: ei rei operam dabo. 
Was nun die Unterdrückung der Senkungen in freien trochäischen und 
jambischen Bildungen angeht, so weiss ich nichts anzuführen was sie für Plautus 
bewiese oder wahrscheinlich machte. Zunächst die Trochäen. Wir haben ge- 
sehen dass es wirkliche Kretiker sind, die Plautus, oft in bunter Mischung, 
mit Trochäen und scheinbaren Trochäen verbindet. Wir dürfen darum die Ver- 
bindung des kretischen Dimeters mit dem trochäischen nicht etwa als trochäi- 
schen Tetrameter ansehen, auch nicht wo die cola einmal die umgekehrte Folge 
haben : Epid. 174 tixorem quam tu extulisti pudare exequi (unter kretischen Tetra- 
metern) oder der trochäische Dimeter mit dem Kolon — u — u— verbunden er- 
scheint: Bacch. 650 qui duas aut tris minas auferunt eris (in kretischer Periode 
mit trochäischen cola). Ebenso wenig ist es gestattet, bei Verbindungen von 
Trochäen mit Kretikern wie Cist. 14 sq. (oben S. 11) oder bei regelmässiger Ab- 
folge trochäischer Verse und kretischer cola wie Epid. 86 sq. Pseud. 1107. 1122 
(1131)^), bei Abwechselung von Versen und Gruppen wie z.B. Cas. 193 — 202 
Truc.584sq. Amph.219sq. Most. 114 sq. 144 sq. oder bei Einstreuung eines einzelnen 
kretischen Tetrameters unter trochäische wie Pers. 17 die kretischen Verse als 
trochäisch in Anspruch zu nehmen. Auch in anderen Fällen findet sich unver- 
mittelter Uebergang von Kretikern zu stichischen trochäischen Septenaren, wie 
Asin. 137 Most. 153. 

Noch bleibt das Kolon — u ^, von dem man zweifeln kann ob es als 

ithyphallicus mit unterdrückter 2. Senkung^) oder als katalektischer kretischer 
Dimeter aufzufassen ist. Von den Stellen, an denen es erscheint, stelle ich 
Most. 878 sq. voran, weil es hier mit dem ithyphallicus alternirt: 

bene merens hoc preti inde abstuli. abii foras. 
solus nunc eo adversum ero ex plurumis servis. 
hoc die crastini quom erus resciverit, 
mane castigabit eos bubulis exuviis. 

1) Man würde, wenn man in einem griechiacben Liede hintereinander Reihen fände wie 

diese (Gas. 147): 

Prandium iusserat senex sibi parari. 

St tace atque abi, neqae paro neque hodie coquetor, 

gar nicht zweifeln, dass sie identisch wären. 

2) In der Tragödie ist — ^ legitim als trochäischer Dimeter, vgl. ▼. Wilamowitz Her. 

II 192; bei Plautus darf man das Kolon nach dem Gesagten nicht so auffassen. 



DIB PLAUTINISCHEN CAICTICA UND DIB HELLENISTISCHE LYRIK. 21 

Der 1. und 3. Vers sind kretische Tetrameter, der letzte ein glyeoneus mit 
ithyphaliicus, der das ganze Lied abschliesst, der zweite ein trochäischer Dimeter 

mit — u ; hier fordert einerseits die ähnliche Schlussreihe zur Identification 

mit dem ithyphaliicus auf, andrerseits sprechen die umgebenden Kretiker für 
kretische Natur des Kolons. Für die erste Alternative fallen wohl die Verse 
Rud. 9B2. 953 ins Gewicht: 

si fidem modo das mihi te non fore infidum. 

Do fidem tibi, fidus ero, quisquis es. Audi, 

denn hier geht zweimal demselben — u derselbe glyeoneus voraus, dem 

Most. 881 der ithyphaliicus folgt; aber auch hier gehen kretische Tetrameter 
(949 — 9B1) unmittelbar vorher. Ebenso liegen Cure. 155 — 157 vielleicht die mit 
dem glyeoneus sehr verwandten dactylischen B.eihen mit demselben Kolon pessuli 
fiunt vor (doch s. unten); aber auch hier sind die 3 Verse der Abschluss eines 
rein kretischen Liedes. Dies deutet sicherlich darauf, dass Plautus das Kolon 

— u , auch wenn es für ihn ein synkopirter ithyphaliicus war, doch für die 

Verbindung mit kretischen Versen (die, wie wir sehen werden, mit Glyconeen 
besonders häufig von ihm verbunden werden) aufgespart hat; eine Entscheidung 
gibt diese Beobachtung nicht, denn auch der ithyphaliicus schliesst Ejretiker ab 
(oben S. 18 A.). Aber die Entscheidung scheint darin zu liegen , dass auch an 
den beiden anderen Stellen, an denen sich das Kolon noch findet, es in kreti- 
schen Perioden steht: Truc. 123 salva sis. et tu (wo sowohl cretici als die cola 
-_v-» — o— und — uvA^— voraufgehen, s. S. 13) und Capt. 203: 

At nös pudet quia cum catenis sumus. At pigeat postea 
nostrum erum si vos eximat vinculis 
aut solutos sinat, quos argento emerit, 

wo das Kolon den Uebergang von Jamben zu Elretikern vermittelt und wohl 
zu dieser, nicht aber zu jener Gattung gehören kann. Sonach haben wir das 

Kolon — u als katalektischen kretischen Dimeter zu betrachten und als 

identisch mit den zweiten Hälften der Tetrameter wie Most. 324 (duc me amabo. 
cave ne cadas asta) oder Trin. 243 sq. (da mihi hoc, niel meum, si me amas, si aades); 
in völliger Analogie des Verhältnisses von u u— zu den Baccheen. 

Terenz zeigt sich hier wie so vielfach gelöst von der plautinischen Technik, 
indem er das Kolon in dreimaliger Wiederholung {consili quit vah guo modo me 
ex hoc expediam turbä) als Uebergang von choriambischen ionici (s. u.) zu 
Trochäen verwendet; wenn auch ihm das Kolon als kretisch galt, so ist das 
für uns durch seine Anordnung der metra nicht kenntlich geworden. 

Für unterdrückte Senkungen jambischer Verse lässt sich noch- weniger 
anfuhren. Ich habe zu Gas. 167 nam ubi domi sola sum, sopor manus calvitur die 
Vermuthung ausgesprochen, dass es 4 Jamben mit Unterdrückung der ersten 
Senkung im 2. und 4. metron seien , weil kretische Verse (denn die Messung 
als kret. Tetrameter ist die nächstliegende) in der ersten Periode des Duetts 
nicht vorkommen (wohl aber von v. 186 an), dagegen ein jambischer Dimeter 



22 FRIEDRICH LEO, 

auf 167 unmittelbar folgt. Aber die Unterstützung durch ähnliche jambische 
Verse fehlt. Wenn Poen. 252 

Quiesco. Ergo amo te. sed hoc nunc responde 

mihi : sunt hie omnia 

quae ad deum pacem oportet adesse? Omnia accuravi 

zwischen Baccheen (zuerst ein Tetrameter, zuletzt ein Trimeter mit Reizianum) 
die Reihe steht u u— und Rud. 204 

nunc quam spem aut opem aut consili quid capessam? 
ita hie sola solis locis compotita sum. 
hie saxa sunt, hie mare sonat 

von einem baccheischen Tetrameter zu jambischen Dimetem durch die Reihe 
\j \j u yj—Kj— Übergeleitet wird oder Gas. 839 unter Baccheen und jam- 
bischen cola der Vers überliefert ist 

meast haec. Scio, sed mens fructus est prior, 

so dürfen wir in diesen Versen , die Richtigkeit der Ueberlieferung vorausge- 
setzt^), nicht jambische Dimeter und Tetrameter mit unterdrückten Senkungen 
des ersten oder des ersten bis dritten metron, sondern wir müssen darin Bac- 
cheen sehen, die mit der jambischen Clausel u— u— verbunden sind, in Poen. 
und Gas. übereinstimmend vor einem in Reizianum ausgehenden Verse, Rud. 206 
als Vorklang der folgenden Jamben. 

Das Kolon u— u— findet sich ausserdem noch fünfmal, und zwar als Schluss** 
kolon eines anapästischen Duetts Pseud. 240: 

Mane mane, iam ut voles med esse ita ero. Nunc tu sapis, 

in der ersten Periode des Liedes der Erotium Men. 361 sq. , die aus anapästi- 
schen und jambischen cola besteht, vor dem schliessenden Trimeter: 

Sine fores sie, abi, nolo operiri, 

intus para cura vide, 

quod opust fiat: stemite lectos, 

incendite odores; munditia 

inlecebra animost amantium. 

amanti amoenitas malest, nobis lucrost. 

(anap. und jamb. Dim., 2 anap. Dim., ein anapästisches mit einem jamb. metron, 
Trimeter) ; gleichfalls hinter anapästischen Dimetem Epid. 171 (hanc quae domisf) 
und Gurc. 99 (salve anime mt), hier gefolgt von — u— w— (s. o.), dort vom ithy- 
phallicus füiam prognatam\ mit dem freilich, wie z. St. bemerkt ist, hanc quae 
domist sich zu einem anapästischen Dimeter zusammenschliessen könnte; aber der 
schliessende ithyphallicus wird durch die ganze Gomposition der kleinen Monodie 



1) Ganz unsicher ist Gas. 869 Ubenf fecero ei sökns (vgl. Poen. 253), denn in A stand etwas 
anderes als in P. 



DIE PLAUTINISOHEN CANTICA UND DIE HELLENISTISCHE LYRIK. 23 

empfohlen. Endlich, wodurch auch diese Messung bestätigt wird, lesen wir 
Cure. 103, gleich nach den -angeführten Versen und 2 kretischen Tetrametern : 

tu crocinum et casia es, tu telinum 
nam ubi tu profusu's ibi ego me pervelim sepultam, 

das jambische Kolon nach einem daktylischen, als Ueberleitung zu dem oben 
besprochnen jambischen Tetrameter, dessen zweite Hälfte durch die Unter- 
drückung der ersten Senkung wie ein ithyphallicus ins Ohr fallt. 

Den xfoXagia stellen sich entgegen die övöxiliuara i^ diioimv^ deren 
kleinstes, da die Tetrameter stichisch ausgebildet sind, 5 metra umfasst; dass 
auch Flautus diese Bildungen gekannt hat, pflegte zwar bisher in den Ausgaben 
nicht anerkannt zu werden, aber G-. Hermann wusste es und es kann in der 
That nicht bezweifelt werden. Niemand würde es gegenüber einem griechischen 
Material von derselben Art wie die überlieferten plautinischen Verse bezweifeln. 
Andrerseits ist ein stricter Beweis nicht wohl zu führen, da Flautus auch aka- 
talektische Tetrameter und Dimeter verwendet, ja 3 anapästische metra ohne 
Katalexis verbindet. Octonare von Septenaren gefolgt haben also , auch wenn 
die cola mit Synaphie gebildet sind, das Recht als Einzelverse angesehen zu 
werden ; und es ist müssig , in solchen Fällen die Frage aufzuwerfen , ob der 
Dichter Tcatä 6xCxov oder xara öiiörrnia hat bauen wollen. Die Judicien für 
Systembildung sind folgende: durch eine Reihe von metra bis zur Katalexis 
durchgeführte Synaphie; Vernachlässigung oder Aufgeben der Diärese durch 
Synalöphe, Froclisis, Wortmitte ; Trennung eng zusammengehöriger Wörter durch 
scheinbaren Versschluss; ungrade Zahl der cola oder metra; endlich die Kolo- 
metrie oder die durch unrichtiges Zusammenschreiben der getrennten cola in den 
Handschriften oftmals entstandene Störung der Kolometrie. Aus diesen Indicien, 
deren letztes nur auf die metrische Auffassung des ersten Herausgebers deutet, 
während die übrigen die Absicht des Dichters verrathen, muss im einzelnen 
Falle der Grad der Wahrscheinlichkeit bestimmt werden. Einzelne Hiate 
zwischen den metra sind nicht anders als andre Hiate bei Flautus zu beur- 
theilen. Die freiere Behandlung der Diärese und die Einmischung von paroe- 
miaci lehrt, dass die anapästischen Systeme nach denen der Tragödie geformt 
sind , mit Einschluss der Klaganapäste. In trochäischen und jambischen Sy- 
stemen ist die Diärese zwischen den metra überhaupt nie Gesetz gewesen ; denn 
das sind alte jonische Formen, die anapästischen Systeme secundäre, erst im 
Drama den jambischen nachgebildete und daher von vornherein in der attischen 
Technik strenger als die Vorbilder behandelte Bildungen. 

Wir sind seit G-. Hermann gewohnt *System* zu nennen was für Hephae- 
stion (p. 71) entweder ein övötruia i^ öfioicov äicegiögiörov ist, nämlich wenn der 
ganze metrische Abschnitt aus einem einzigen 'System* besteht (wie Ar. Nub, 
889 — 949), oder ein durch die Katalexis abgegrenzter Theil eines övörrjfia ilS 
6fioi(ov xarä TCsgvoQifffio'bg iviffovg. Diese Ausdrücke sind umständlich und man 
mag, wie ich es sonst auch gewohnt bin, bei der vulgären Ausdrucksweise 



24 FBrBDBICH LEO, 

bleiben oder aas der Parabase die Bezeichnnng (ucxqAv oder xvtyog entnebmen; 
aber wenn man eine Masse auseinanderlegen und rubriciren will, wie ich es hier 
vorhabe, so ist es gut sich an die alten Techniker zu galten, sofern diese eine 
Handhabe bieten. 

Um mit den anapästischen Formen zu beginnen, so haben wir ein ixegiö- 
Q16XOV in dem Schlussabschnitt des Duetts zwischen Gripus und Trachalio Rud. 
954 — 962. Dem Duett geht eine Monodie des Gripus voraus (906—937), die in 
3 Abschnitte zu zerlegen ist. Der erste ( — 919, Gebet und Erzählung) besteht 
aus baccheischen Tetrametern mit 2 dazwischentretenden anapästischen Octona- 
ren und einem anapästischen Dimeter als Clausel; der zweite (—927, Betrach* 
tung und Anwendung) aus trochäischen Versen , die wieder 2 anap. Octonare 
einschliessen und von 2 kleinen anapästischen 'Systemen' (zu je 6 metra?) ge- 
folgt werden; der dritte (Zukunftspläne) ist ganz anapästisch, aber stichisch, 
aus Langversen, oder, wohl richtiger, aus Dimetern gebildet. Das nun folgende 
Duett enthält in seinem ersten Theil keine Anapäste, sondern jambische Verse 
bis 948, dann 3 kretische und 2 glyconeische (s. 0.), an die sich die lange vorbereitete 
Erzählung des Trachalio v. 964 sq. anschliesst. Hier werden die Anapäste der 
Monodie wieder aufgenommen und in einen langen System das ganze canticum 
abgeschlossen. Es sind 28 metra bis zur einzigen Katalexis. Einmal ist die 
Synaphie verletzt (969 dimidium \ indicium^ nicht 968 pacto \ ego), einmal die cola 
durch Synalöphe verbunden, zum Schlüsse: 

nunc advorte animum, namque hoc omne 
attinet ad te. Quid factumst? 

Geschrieben sind in B zuerst 2 Octonare, dann 4 Dimeter, von da an ist die 
Folge gestört. 

Nicht unähnlich ist der letzte Abschnitt der Monodie der Halisca Cist. 697 sq. 
Das Lied (671 sq.) ist im wesentlichen baccheisch, aber die 8 Gruppen bacchei- 
scher Tetrameter (6, 8 und 3, diese 3, den Abschnitt schliessend, katalektisch) 
werden eingeleitet durch 2 anapästische Septenare und unterbrochen (die 5 und 
8) durch 2 anap. Octonare und (die 8 und 3) durch 3 anap. Dimeter mit 2 kre- 
tischen Versen. Nach einem Zwischenspiel der beiden Lauscher folgt ein ana- 
pästisches System , aus 16 metra bestehend , nur zum Schluss Katalexis. Die 
Synaphie geht durch, das 10. ist mit dem 11. metron durch Synalöphe verbun- 
den; in B ist zuerst ein Octonar geschrieben, dann die Folge gestört. Auf 
diese Periode folgen aber noch, als Abschluss der ganzen Monodie, 2 Septenare, 
wie dergleichen zwei die Monodie eingeleitet haben. 

Auch die aus Octonaren bestehende Monodie des Charmides Trin. 820 — 842 
wird durch ein solches System abgeschlossen ^), ganz wie die Anapäste der Para- 
basen und Streitscenen, so viele tragische Scenen und die Tragödien selbst ; ebenso 
die aus anapästischen Octonaren und Septenaren bestehende Scene Pers. 763 — 



1) Wahrscheinlich auch begonnen, ▼. 820—828. 



DIE FLAUTINISCHEN OANTIGA UKD DIE HELLENI8TISGHE LTRIK. 26 

802, WO ein paroemiacus (797) das System (14 metra) einleitet. Den charak- 
teristischen unterschied von rein stichischen Scenen kann man sich gut durch 
die Vergleichung mit Pers. 168 — 182 klar machen, wo von Systemen iS 6fiota>v 
keine Rede sein kann, da sowohl Synaphie als Katalexis fehlt. Von gleicher 
Art wie Trin. 820 sq. ist die Monodie des Euclio Aul. 713—726 , die auf 7 Oc- 
tonare und einen Septenar ein schönes System von 22 metra folgen lässt, mit 
durchgeführter Synaphie his zum Schlüsse , mit Synalöphe zwischen den metra 
6. 7 und 16. 17. Man kann diesem Liede gegenüber zweifeln, ob nicht auch 
seine erste grössere Hälfte eine einzige grosse Periode von 32 metra bildet; 
dagegen sprechen nur die beiden Hiate 715. 6 und 719. 20, dafür noch besonders 
der Schluss des 10. metron mitten im Wort {investi \ gare). 

So zählt vielleicht dieses Lied zu der anderen Kategorie, die bei Plautus 
wie im griechischen Drama stärker vertreten ist, den Systemen xcetä nsQiogiöfioifg 
&vl6ovQ^ d.h. solchen die nicht nur am Schlüsse eine Katalexis haben. Zwei solche 
Systeme bilden im Stichus die anapästischen Lieder 18 — 47 und 309 — 330*). 
Zwei paroemiaci gehen v. 16. 17 voraus und beschliessen die erste Periode des 
Duetts der Schwestern, die aus Glyconeen und einzelnen anapästischen metra 
mit 2 Arten des Eeizianus besteht (oben S. 9). Das 6'66xrma hat 4 Katalexen, 
die erste nach 22, die zweite nach 8, die dritte nach 10, die vierte nach 18 me- 
tra; in A und B sind Dimeter überliefert. Die zweite und dritte Periode hat 
ungestörte Synaphie, die erste nach dem 16., die vierte nach dem 4. und 8. me- 
tron syllaba anceps. Auch Y. 309 beginnt der zweite Theil eines canticum: 
Pinacium beginnt seine Botschaft auszurichten, Gelasimus redet ihn an, aus dem 
Duett entwickelt sich durch das Erscheinen der Herrin (326) ein Terzett. Die 
erste Periode hat 18 metra , auf die Katalexis folgen 6 paroemiaci , bei deren 
zweitem Gelasimus einsetzt; auf die zweite Periode von 8 metra folgen 3 paroe- 
miaci, deren erster durch enge Wortverbindung mit dem vorigen zusammenhängt 
{si in te \pudor assü). Dann kommt das Terzett, zwei Perioden von 8 und 11 
metra, das letzte 

Tuos inclama, tui delinquont, 

ego quid me volles visebam. 328 

nam me quidem harum miserebat. 

Ergo auxilium propere latumst. 329 

Quisnam hie loquitur 

tam prope nos? Pinacium. Vbi is est. 330 

Die Periode ist in 3 Zeilen wie bezeichnet (328. 329. 330) geschrieben, in Ä und 
jB. Dieses 6i6xriyM 309 — 330 hat also 12 Katalexen, von denen 8 auf paroemiaci 
fallen ; die Häufung der paroemiaci entstammt, wie bemerkt, der Tragödie. Die 
Synaphie ist von 309 bis 330 nicht verletzt; ob 329 quidem und 330 Finacium 
Hiatus machen steht dahin'). 

1) Q. Hennann Eiern. 891. 395. 

2) Auch das Lied des Pseudolus 905 beginnt mit 16 anapästiscben metra, die Synaphie und 
schliessende Eatalexis haben und von 2 paroemiaci gefolgt werden ; danach Oetonare und 2 Dimeter 

▲blidlgii. d. K. Oea. d. Win. ra Oflttiiifftii. PhU.-hist. Kl. M. F. Buid 1, t. 4 



26 FRIEDRICH LEO, 

Die beiden ersten Abschnitte der grossen Monodie des Lysiteles Trin. 223 
enthalten zwar einzelne anapästische cola, aber keine Periode ; der dritte beginnt 
y. 265 mit 4 Dimetem, die xarä 6tC%Qv gebaut sind (zweie schliessen mit Hiatns, 
einer mit syllaba anceps) nnd durch einen nichtanapästischen Vers beschlossen 
werden. Dann folgt 260 ein System mit 3 Katalexen (260 — 274), die erste nach 
22 metra, die zweite und dritte nach je 4 metra, durchaus mit Synaphie (denn 
habeto \ Amor ist kein Hiatus). Danach 6 Dimeter ohne Katalexis , mit deren 
drittem Philto einsetzt, worauf das Duett in die Masse des zweiten Abschnittes 
der Monodie einlenkt (s. Kap. ü); v. 288 beginnen wieder die Anapäste , und 
zwar in 3 Perioden von 9, 4 und 16 metra j worauf 2 Octonare ') das canticum 
abschliessen : 

haec ego doleo, haec 

sunt quae med excruciant, haec dies 

noctesque tibi canto ut caveas. 

quod manu non queunt tangere tantum 

fas habent quo manus abstineant, 290 

cetera: rape trahe, fuge late — lacrumas 
haec mihi quem video eliciunt, 

quia ego ad hoc genus hominum duravi. 

quin prius me ad plures penetravi? 

nam hi mores maiorum laudant, 

eosdem lutitant quos conlaudant. 29B 

hisce ego de artibus gratiam facio, 

ne colas neve imbuas ingenium. 

meo modo et moribus vivito antiquis, 
quae ego tibi praecipio ea facito. 

Ä verbindet haec ego — caveas und die Dimeter zu Langversen, B theilt haec — 
excruciant und haec — caveas, dann quia — prii^ und me — penetravi. Die Synaphie 
geht durch. 

Die Monodie des Alcesimarchus Cist. 203 — 228') ist ein anapästisches öv- 
ötrifia mit 8 Katalexen, von denen 6 das jedesmal 4. metron treffen; d.h. drei Sep- 
tenare leiten das Lied ein und zwei sind in ihm verstreut (211 ') und 221); jene 
drei sind als Septenare, diese zwei mit den übrigen cola in gestörter Folge ge- 



ohne Katalexis, nach 2 jambischen Langversen wieder Sparoemiaci. Aehnlich v. 1816 sq. 10 ana- 
p&stische metra mit Synaphie und Eatalexis, von 2 paroemiaci gefolgt, danach Septenare and Oc- 
tonare. 

1) Diese beiden Octonare (299. 800) enthalten, wie vor Augen liegt, nur schwache nnd die 
Wirkung schwächende Wiederholung ; ich gebe zu bedenken , ob sie nicht sp&ter hinzugedichtet 
sind , um das ganze System 288—298 zu ersetzen. Das sonderbare twrbidos w&re dann aus 286 
turbant entnommen. 

2) Vgl. Bhein. Mus. 88, 12. 

8) Wohl zu schreiben ubi sum ibi non sum, vbi non süm ibi ammust, tta mi omnia sunt 
ingenia. 



DDE PLAÜTDOSCHEN CANTICA ITND DIE HELLENISTISGHE LYBIE. 27 

schrieben. Die 3 andern Perioden bestehen aus 8, 13^) und 13') metra. Die 
Synaphie geht durch (213 continuo | ita ist nicht als Hiatus zu rechnen). 

Der letzte Akt der Bacchides (1076—1206) hat folgende Theile: Monodie 
des Philoxenus (1076—1086), Monodie des Nicobulus (—1103), Duett der beiden 
( — 1116), Zwischengespräch in 3 trochäischen Septenaren; Duett der beiden Bacchis 
mit Betheiligung der Alten (1120 — 1140); Zwischengespräch aller vier in 8 tro- 
chäischen Septenaren; Quartett als Finale (1149—1206). Die beiden Monodien 
und das Quartett, also die umgebenden Hauptstücke, sind anapästische övöti^iucta 
HS öiioiatv Tcatä nsQtOQL6fLoi)g ivCöovgj die Monodien mit wenigen, das Quartett mit 
vielen Katalexen, jene in der gewohnten einfachen, dieses in mannigfaltiger Bil- 
dung. Das Duett der Alten besteht aus kretischen Versen, die durch 6 ana- 
pästische Septenare eingeleitet und durch eine anapästische Clausel geschlos- 
sen werden, das Duett der Schwestern aus baccheischen Versen mit jambischen 
Clausein (Beiziana). Uns beschäftigen hier die anapästischen Lieder. 

Das Lied des Philoxenus hat 4 Perioden, von 8, 8, 12 (mit Ausscheidung 
von V. 1081, syllaba anceps nach dem sechsten metron) und 10 metra ; das letzte 
verläuft folgendermassen : nunc Mnesüochum^ guod mandavij viso ecquid eum ad 
virtutem aut ad frugem opera sua compulerit^ sie ut eum, si convenit, scio fecisse: 
eost ingenio natuSj d. h. nur mit 3 Diäresen die geeignet wären einen Vers zu 
theilen. B schreibt 3 Verse: nunc — virttUem^ aut — compulerüf sicut — natus. 

Das Lied des Nicobulus wird eingeleitet und abgeschlossen durch je 2 Sep- 
tenare ; dazwischen stehen 4 Perioden von 12, 24, 6 und 8 metra (mit Ausschei- 
dung der Literpolation in v. 1100), das ganze System hat also 8 Katalexen; ein- 
mal findet sich in der Diärese syllaba anceps, ein zweiter Fall wird mit der 
Literpolation ausgeschieden. 

Das Finale enthält 31 Septenare (wie ich sie der Kürze wegen nenne, es 
sind eigentlich Perioden von je 4 metra), die in Gruppen von 1 — 6 Versen verstreut 
sind, das Lied einleiten (2) und abschliessen (3); 8 paroemiaci, deren beide erste 
die erste grössere Periode (16 metra) aufnehmen, die folgenden vier jeder einer 
solchen voraufgehen (v. 1166. 1171. 1183. 1193), während die letzten beiden die 
letzten 9 Septenare in Gruppen von 4, 2, 3 zerlegen; endlich 9 Perioden von 6 
bis 16 metra (16, 6, 8, 6 • 6, 6, 8, 12, 12) , nur einmal , wo ich es durch den 
Punkt bezeichnet habe (v. 1173), zwei zusammenstossend , sonst stets durch pa- 
roemiacus (1184) oder Septenare (1176. 1181) oder paroemiaci mit Septenaren (1166) 
oder durch Septenare mit paroemiacus (1160. 1169. 1188) voneinander getrennt. 
Von Responsion, nach der zu suchen man bei dieser Vertheilung allenfalls ver- 
sucht sein könnte, ist keine Spur. Es ist ein System mit 48 Katalexen, jedes- 
mal bis zur Katalexis durchgehender Synaphie und mit keinem akatalektischen 
Verse (auch nicht 1151 — 1153); in diesen Daten liegt zugleich der Beweis und 
die Probe für die Richtigkeit der metrischen Auffassung. 



1) Oder 12, vgl. za v. 217. 

2) unsicher wegen der Yerstümmelong des vorletzten Verses. 



28 FRIEDKICH LEO, 

Die Gesangscene Poen. 1174 — 1200 besteht aus 3 Abschnitten; bis 1186 
Duett der beiden Schwestern: 6 anapästische Octonare (die mit der folgenden 
Periode zusammenzunehmen nicht indicirt ist); ein System von 21 metra, dessen 
erste Hälfte der Adelphasium, die zweite der Schwester gehört, die Synaphie 
beim drittletzten metron {jcaQatiXsvtov) gestört; dann 3 Septenare. Der zweite 
Abschnitt, bis 1191, ist Duett des Hanno und Agorastocles; das Gebet Hannos 
nimmt, wie vorher die Monodie der Adelphasium, den grössten Raum ein, es be- 
steht, obwohl an zwei Stellen corrupt, augenscheinlich aus einem System von 16 
oder 17 metra und folgendem Abschluss: 

Omnia faciet luppiter faxe, 
nam mi est obnoxius et me 

metuit. Tace quaeso. 

Ne lacruma, patrue, 

d.h. einer kleinen anapästischen Periode (Septenar) und als Abschluss 2 cola 
ßeiziana. Durch anapästische Dimeter mit Reiziana wird auch der letzte Ab- 
schnitt, der die vier Personen zum Quartett vereinigt, beschlossen und dadurch 
metrisch mit den voraufgehenden Theilen verbunden; denn dieser Schlussab- 
schuitt ist im übrigen jambisch. 

Mit Wahrscheinlichkeit ist noch hierherzuziehn der anapästische Theil der 
grossen Scene Cure. I, 2, nämlich v. 128 — 146. Die 6 Langverse zu Anfang 
können als Periode von 24 metra gefasst werden, freilich ohne andere Judicien 
als die Synaphie und schliessende Katalexis. Dann folgt eine kretisch - glyco- 
neische Partie (s.u.), von den Anapästen eingefasst ^) ; dann 1 Septenar, 10 me- 
tra mit Katalexis: 

Tibin ego, si fidem servas mecum, 

vineam pro aurea statua statuam, 

quae tuo gutturi sit monumentum. 

qui me in terra aeque fortuna- 

tus erit, si illa ad me bitet? 
dann B Septenare. 

Eine freiere Form finde ich auch in der kleinen Monodie der Erotium Men. 
351 — 368. Sie besteht aus 3 Theilen, der erste (—366, Befehl und Betrachtung) 
aus anapästischen und jambischen metra (2 an. 2 i. 4 an. 1 an. 1 i. 3 i., alles 
ohne Katalexis, auch Hiatus und syllaba anceps zwischen metra gleicher Gat- 
tung) ; der zweite (—360 , Vorbereitung der Anrede) aus folgenden .beiden ana- 
pästischen Perioden (4 und 7 meträ): 

sed ubi illest quem cocus ante aedis 

esse ait? atque eccum video, 
qui mist usu et plurumum prodest. 



1) Sehr ähnlich Pers. 768 sq. , wo die einleitenden 5 Octonare auch Synaphie, aber keine 
Eatalexis haben, die folgenden auch keine Synaphie (die erste Katalexis ▼. 770). 



DIE FLAÜTINISCHEN CANTICA UND DIE HELLENISTISCHE LYRIK. 29 

item hinc ultro fit, nt meret, potissumus 

nostrae domi ut sit; 

nunc eam adibo, adloquar ultro. 

Den dritten Theil, die eigentliche Anrede, habe ich früher (Rhein. Mus. 40, 168) 
bis auf die beiden Schlusscola nach Anderen auch für ein ^System' gehalten, aber 
es ist Willkür v. 366 darauf hin zu corrigiren, zumal die Verstheilung in Ä (das 
vorletzte colon schliesst — ti neqtie tibi) zu einer anderen Auffassung führt: 

animule mi, mihi mira videntur 

te hie stare foris, fores quoi pateant, 

magis quam domus tua domus quom haec tua sit. 

omne paratumst, ut iussisti 

atque ut voluisti, neque tibi 
ulla morast intus, 

d. h. auf 4 Dimeter folgt ein jambischer Dimeter mit Reizianum (d. h. ein versus 
Reizianus) wodurch ein Anklang an die metra des ersten Abschnitts gegeben ist. 
Dass die anap. Dimeter stichisch gemeint sind, wird um so wahrscheinlicher 
dadurch dass 2 anap. Dimeter ohne Katalexis die Monodie abschliessen. 

Aus den übrigen anapästischen Liedern einzelne ^Systeme' aufzustechen ist 
nicht schwer*); aber ihre Masse wird mit überwiegender Wahrscheinlichkeit un- 
ter die xatä 6tl%ov gebauten oder die inolslv^^va zu rechnen sein. 

Die anapästischen 'Systeme' sind, wie bemerkt, in Athen den trochäischen 
und jambischen , die zu den ursprünglichen und volksthümlichen Formen des 
Dramas gehören, nachgebildet und, wie es bei secundären Bildungen zu gesche- 
hen pflegt, unter strengeres Gesetz gebracht, vor allem der regelmässigen Diärese 
unterworfen worden; so haben sie in Tragödie wie Komödie ihre feste Stelle 
und in der Tragödie freiere Entwicklung gefunden. Die entsprechende trochä- 
ische und jambische Form, mit den Charakterismen der wenigstens im allgemei- 
nen herrschenden Diärese und des Verbots der unterdrückten Senkung, sind der 
Tragödie fremd, der alten Komödie geläufig, aber die jambische Form in weit 
minderem Grade als die trochäische. Wenn Plautus trochäische und jambische 
'Systeme' hat, so können wir diese, soweit uns das griechische Drama bekannt 
ist , direct nur an die alte Komödie anknüpfen ; freilich wird uns die Erklä- 
rung der akatalektischen Langverse lehren, dass auch aus der Technik der 
hellenistischen Zeit die trochäischen und jambischen ^Systeme' nicht verschwun- 
den waren. 

Was nun die trochäischen övörriiiara i^ 6^oi(ov betrifft, so ist die Frage ob 
Plautus sie angewendet hat ohne Schwierigkeit zu beantworten. Sie liegt nicht 
wesentlich anders als für die Anapäste. Die Formen und ihre Anwendung sind 
im allgemeinen dieselben, die Häufigkeit und das Yerhältniss der Häufigkeit 
verschieden, entsprechend dem Bilde das die Anapäste und Trochäen der alten 



1) 6 metra: Most. 860 Rad. 926 (927) Truc. 566. 572; vgl. za Trac. 655—558. 



30 FRIEDRICH LEO, 

Eomödie geben. Während Piautas zahlreiche Lieder hat, die nichts anderes 
sind als anapästische övöti^^ara ilS ö^oicav xarä negioQLöiMybg iviöovg, kann ich 
das mit Bezug auf trochäische Lieder nur von !dem zweiten Theil des Duetts 
zwischen Amphitruo und Sosia Amph. 575 — 585 behaupten , dessen erster Theil 
baccheisch ist (Tetrameter) und durch eine anapästische Clausel geschlossen wird. 
Das System hat 3 Katalexen, nach 17, 10, 8 metra; Hiatus nach dem 2., 9., 14., 
25. metron, aber den ersten bei Personenwechsel, den zweiten in m, den letzten 
in m vor hodie : das thut in der That nichts wesentliches zu oder ab. Keine der 
Eatalexen fallt in den Satzschluss, an die letzte schliessen sich unmittelbar 
trochäische Septenare an. 

Ein ixsQiÖQiötov ist die kleine Monodie des Lyconides Aul. 727, die aus 
einem trochäischen System von 16 metra besteht; wofür freilich die Wahrschein- 
lichkeit nur in der Synaphie der auf die Katalexis ausgehenden metra gegeben 
ist. Auch hier folgen Septenare. Das canticam Pseud. 1103 — 1135 wird durch 
ein ähnliches trochäisches System abgeschlossen, das aber 2 Katalexen hat (1132) : 

Venus mi haec bona dat, quem hos huc adigit 

lucrifagas damnicupidos qui 

se suamque aetatem bene curant, 

edunt bibunt scortantur: illi 

sunt alio ingenio atque tu, 
qui neque tibi bene esse patere et 

illis quibus est invides. 

In der grossen jambisch - trochäischen Anfangsscene des Epidicus habe ich oben 
(S. 10) ein System, v. 67 — 71, nachgewiesen (17 metra, wie Amph. 575 — 579); 
auch diese Scene schliesst wie es scheint, mit einem trochäischen System gleicher 
Art wie Pseud. 1132 ab : 

Quia perire solus nolo, 
te cupio perire mecum, 
benevolens cum benevolente. 
Abi in malam rem maxumam a me 
cum istac condicione. I sane, 

siquidem festinas magis. 
Numquam hominem quemquam conveni unde 

abierim lubentius. 

Li den Zusammenhang eines grösseren Liedes eingefügt ist auch das System 
Men. 590 — 593 (16 metra), aber es muss wegen der doppelten Corruptel zweifel- 
haft bleiben; sicher ist, dass von diesem ganzen Abschnitt (v. 588—601) nur in 
den bezeichneten Versen Synaphie herrscht. In die grosse jambisch-trochäische 
Monodie des Chrysalus Bacch. 925 — 978 ist das System 953 — 956 eingelegt, 
dessen Bau und Umfang genau mit Aul. 727 übereinstimmt. Der Schluss dieses 
Liedes (dem noch zwei Gruppen eingedichteter Verse und ein Uebergangsvers 
folgen) ist überliefert als troch. Septenar, jamb. Dimeter, jamb. Octonar mit 



DIE PLAUTINISCHEN CAKTIGA UND DIE HELLENISTISCHE LYRIE. 81 

überschiessender Silbe und troch. Septenar (969 — 972). Eine Verbindung wie 
die der beiden letzten Reihen ist bekanntlich nicht beispiellos ; aber der gleich- 
massige Bau des ganzen Liedes und der fortlaufende trochäische Rhythmus 
dieser 4 Verse legt die Frage nahe, ob nicht auch dieses Lied durch ein tro- 
chäisches System abgeschlossen wird : 

cepi spolia. is nunc ducentos 

nummos Philippos militi quos 

dare se promisit dabit. nunc 

alteris etiam ducentis 

usus est qui dispensentur 

nio capto, ut sit mulsum 
qui triumphent milites. 

Auf dieses Lied folgt unmittelbar ein Duett des Chrysalus mit Nicobulus 
979 — 996. Es beginnt mit trochäischen Langversen, bis 986; dann kommen 5 
jambische Dimeter und 4 Glyconeen; dies ist die Mittelpartie des Liedes, sie 
wird aufgenonmien wie eingeleitet durch trochäische Verse, 991 — 994. Die erste 
trochäische Gruppe enthält die Begrüssung und die TJebergabe des Briefes, die 
Mittelpartie den heimlichen Jubel des Chrysalus, während der Alte ihn zur 
Verlesung ruft und harmlos in die Falle geht, die zweite trochäische Gruppe 
die Vorbereitung der Leetüre; danach wird zum Abschlüsse des ganzen Duetts 
durch eine jambische Folge von 7 metra (oder 3 Dimetem mit Monometer) und 
1 Reizianum wirklich zur Verlesung des Briefes übergegangen. Das Schema 
ist abac, darin a trochäisch. Nun haben die beiden ersten Verse folgende 
Gestalt : 

Quoianam vox prope me sonat? Nicobule. Quid fit? 

quid quod te misi, Scquid egisti? Rogas? congredere. Gradier. 

Diese Verse hat R. Klotz (Grundzüge altrömischer Metrik 423) nebst zwei 
anderen, für die es sicher nicht zutrifft^), mit Ar. Eq. 616 vvv &(f* äh^ ys 
naöiv iötiv iicoloXii^at verglichen, einem Verse den er als 'brachykatalektischen' 
Tetrameter ansieht. Die Analogie hat etwas bestechendes, kann aber sicherlich 
nicht gelten. Der angeführte Vers ist ein Tetrameter, dessen 4. metron beide 
Senkungen unterdrückt, er leitet das Liedchen ein, dass aus 22 metra besteht, 
aber nach dieser ersten noch eine ganze Reihe von Katalexen hat, bis die letzten 
8 metra durchlaufen: 

x&v iiaxgäv ödbv SibMbXv 

&6'i äxovöat, ngbg riä* & ßdX- 

ti6xB &aQ(f^6ag Xi'^ &g &- 

navtsg iidöfLSöd'i öot. 

Die Langverse aber, in denen Plautus Senkungen unterdrückt, sind solche die 
in der griechischen Technik stichisch vorkommen (oben S. 19); eine Synkope 



1) Bacch. 1149 Gas. 681. 



32 FBIEDBICH LEO, 

wie diese bildet er nicht nach. Nun könnte man ja Nicöbtde quid fU und rogas 
congredere gradier als ithyphallici fassen ; aber die ganze erste trochäische Gruppe 
von 23 nnd 8 metra hat Synaphie und zwei Eatalexen, die zweite schliessend: 

Quoianam vox prope me sonat? 

Nicobule. Quid fit? quid quod 

te misi, ecquid egisti? Rogas? con- 
gredere. Grradior. Optumus sum ora- 

tor. ad lacrumas coegi hominem 

castigando maleque dictis, 

quae quidem quivi comminisci. 

Quid ait? Verbum nullum fecit: 

lacrimans tacitus auscultabat 

quae ego loquebar; 

tacitus conscripsit tabellas, 
obsignatas mi has dedit. 

tibi me iussit dare, sed metuo 

ne idem cantent quod priores. 

nosce Signum, estne eins? Novi. 
libet perlegere has. Perlege. 

Die Absicht des Dichters wird vollends deutlich dadurch dass die zweite tro- 
chäiscfae Gruppe (991 sq.) ein System gleicher Art bildet, in dem nur die kürzere 
Periode (Septenar) vorangeht und beide geringeren Umfang haben, 4 und 12 me- 
tra, isusammen etwa die Hälfte (16 gegen 31 metra): 

Enge litteras minutas. 

Qui quidem videat parum, 
verum qui satis videat, grandes 
satis sunt. Animum advortito igitur. 
Nolo inquam. At volo inquam. Quid opust? 
At enim id quod te iubeo facias. 
lustumst ut tuos tibi servos 

tuo arbitratu serviat. 

Das Duett der beiden Sklaven im Eingänge des Persa wird durch zwei 
Monodien von je 6 jambischen Versen eingeleitet; dann verläuft das Gespräch 
zunächst in einer Gruppe trochäischer Verse (13 — 18) mit einem kretischen (17) 
und einer Gruppe jambischer Verse (19 — 25), sämmtlich Langversen. Darauf 
setzt folgendes trochäische System ein: 

Quid ego faciam? disne advorser? 
quasi Titani cum eis belligerem 

quibus sat esse non queam? 
Vide modo, ulmeae catapultae 

tuom ne transfigant latus. 

Basilice agito eleutheria. 



DIE PLAUTINISCHKN CANTICA UND DIB HELLENISTISCHK LYRIK. 33 

Quid iam? Quia eras peregrist. Ain ta? 

peregrist? Si tu tibi bene esse 

pote pati, veni: vives mecum^ 

basilico accipiere victu. 

Vah iam scapulae pruriunt, quia 
te istaec audivi loqui. 
Die Perioden haben 6, 4, 12 metra ; eingesprengt ist, wie oben (17) der eine kreti- 
sche Vers, der glyconeische basilice agito eleuOieria: er bedeutet die Peripetie des 
Gesprächs. Auf dieses System folgt eine von dem bisherigen verschiedene 
Partie, die aus Jamben und Trochäen gemischt ist (33 — 42) und vielleicht auch 
zu Perioden sich zusammenfügende Verse enthält (s. u.). Der Abschluss des 
Ganzen ist wieder jambisch: zweimal 4 Septenare (die Gruppe von 4 auch vorher 
V. 19 — 22), die wie es scheint 2 Octonare und einen Dimeter einschliessen ; aber 
diese Verse sind durch Wortausfall undeutlich geworden. 

Die Fälle, in denen vereinzelte jambische auf trochäische Verse in der Weise 
folgen, dass der trochäische Rhythmus sich fortsetzt und in Katalexis ausläuft, 
wie Amph. 1072 (Septenar + Dimeter) Epid. 23 (Sept. + Senar) Stich. 288 (Di- 
meter + Senar) , will ich nur erwähnen , da eine solche Folge an sich wohl die 
Möglichkeit der Systembildung, aber kein Argument dafür abgeben kann. 

Wir kommen nun zu der Frage, ob Plautus jambische övöti^fiata i^ 6[ioi(ov 
gebildet hat, eine Frage von der wir sehen werden dass sie sich auf inductivem 
Wege nicht ausreichend lösen lässt; doch wird es gerathen sein, auch hier zu- 
nächst das Material vorzulegen. Es gibt zunächst bei Plautus keine Lieder 
oder für sich stehende TheUe von Liedern wie die anapästischen und trochäischen, 
die sich als Systeme von einer oder mehreren katalektischen Perioden erweisen. 
Man könnte dafür nur anführen einige Stücke, in denen eine Keihe von Octo- 
naren durch einen Septenar aufgenommen wird, wie den jambischen Monolog 
Poen. 817—822 (4 Oct. , 2 Sept.) , der aber in v. 818 und 821 syllaba anceps 
hat; oder den jambischen Schluss der Gesangscene Most, in 2 (v. 741 — 746), 
dessen Lücken nicht hindern die metrische Form zu erkennen (4 Oct., 1 Sept.); 
oder den Schluss der Monodie Men. 131—134 (2 Oct., 2 Sept.); vgl. Stich. 769. 770 
Men. 979. 980 Epid. 7—9 Pseud. 914. 915. Auf einige dieser Versgruppen 
werde ich unten noch zurückkommen; keine ist von der Art, dass sie an sich 
ausreichende Sicherheit für Systembildung gäbe. Andere Partien, wie Pseud. 
146 — 172, lehren auf den ersten Blick , dass sie nur aus Tetrametem bestehen 
und Gruppen wie 146 — 153 ; 154. 5 ; 167 — 169 ; 170. 1 sich nicht auslösen lassen. 
Das grosse Duett der PardaJisca mit Lysidamus Cas. III 5 hat einen jam- 
bischen Schluss 709 — 712, während vorher nur 636 sq. zwei jambische Octonare 
auf ionici folgen, v. 706 gehen die Baccheen in Trochäen über, 2 Octonare, 
dann der jambische Schluss nach der Abfolge in A (709) : 

si effexis hoc, soleas tibi dabo et 
anulum in digitum aureum et bona pluruma. 
Operam dabo. 

Abhdlgn. d. K. Gea. d. WIbb. ra GAttingen. PhU.-liJBt. Kl. N. F. Band 1, t. 6 



84 FBIEDRIGH LEO, 

Face ut impetres. 
Eo nunciam, 
nisi quippiam 
remorare me. 
Abi et cura. 

JS theilt die beiden ersten Verse ebenso ab und schreibt überdies ^ bona, dann 
das Folgende in 2 Zeilen, die mit nunciam and cura schliessen. Der Metriker, 
dessen Hand hier vorliegt, nahm Bildung i^ 6fioi(ov an und wollte die metra 
herausstellen. Es sind 11 metra; die syllaba anceps nach dem 6. kann, bei 
Personenwechsel, kein Bedenken geben. Auffallend und ohne Zweifel beabsich- 
tigt ist die fast durchgehende Bildung uu— u— . Hier ist also ein Fall, auf 
dem sich weiter bauen Hesse. 

Sonst treten nur sehr selten jambische Gruppen auf, die mit Synaphie 
gebaut in Katalexis ausgehn; wo sie auftreten sind sie gelegentlich in die 
cantica eingestreut. Man kann in diesen Fällen wohl die Frage aufwerfen, ob 
man es mit Einzelversen oder Systemen ilS d^oimv zu thun hat. So wird der 
Schluss der baccheischen Scene Rud. 259 — 289 durch die Verse eingeleitet (283) : 

egomet ^meam) vix vitam colo, 
Veneri cibo meo servio. 

Veneris fanum, obsecro, hoc est? 

Fateor, ego huius fani 
sacerdos clueo. 

Wenn hier die ersten 6 metra eine Periode bilden, so wird das katalektische 
Eolon wiederholt (darauf ein Keizianum, das ganz zu diesen Versen gehört) wie 
im anapästischen System nach der Katalexis der paroemiacus; so im jambischen 
System Ar. Ach. 932 sq. 

'E^ol fLsXi^ösv rathr', ixsi 

rot xal tlfoq>Bt XdXov xi xal 

nvQOQQaykq 

T^kkfog &sot6iv ixd'QÖv. 

TC XQtffisxaC myi vjbx^\ 

n&yjuf^tfixov &yyog iöxai, 

Vergleichen kann man Poen. 1196, Pseud. 1266; Pers. 47 — 49, wo wie wir 
sahen der Wortverlust die Sicherheit der Messung behindert. 

Andere jambische Versgruppen, die einerseits sich nicht ohne weiteres in 
die üblichen Trimeter, Tetrameter, Dimeter zerlegen, andrerseits die Deutung 
als System gestatten, weiss ich nicht anzuführen; deshalb nicht, weil allen die 
Katalexis, das unerlässliche Merkmal, fehlt. Kein Zweifel, dass der beliebig 
lange jambische Vers ohne Katalexis zu den Urformen dieser Gattung gehört; 
das beweist das Phalloslied des Dikaeopolis; aber es wäre widersinnig anzu- 
nehmen, dass Plautus auf eine Urform zurückgegriffen hätte, (^rruppen der 
bezeichneten Art bestehen ohne Frage aus Einzelversen. 



DOS FLAUTINISCHEN CAimCA ÜKD DIE HELLENISTISCHE LYBIK. 36 

Zweifel können, so viel ich sehe, noch einem Liede gegenüber geltend 
gemacht werden, dem Duett des Grripus und Trachalio Rud. 938. Der letzte 
Abschnitt des Liedes, 964 — 962, ist ein anapästisches System (oben S. 24); der 
erste, 938 — 948, ist jambisch; beide fassen eine kretisch -glykoneische Gruppe 
ein. Das Lied würde offenbar sich durch einen besonders durchsichtigen Aufbau 
auszeichnen , wenn auch der jambische Theil als System gebildet wäre. In der 
That beginnt er mit 13 Dimetem, deren keiner eine Freiheit des Yersschlusses 
zeigt, und lässt auf diese, gleichfalls noch mit Synaphie, den ersten der beiden 
'synkopirten' Septenare folgen, über die ich oben gesprochen habe (S. 19). Es 
wäre hiemach möglich, v. 938 — 946 als ein System von 28 metra aufzufassen, 
das durch einen ithyphallicus geschlossen würde, worauf dasselbe System in der 
Verkleinerung, wie so oft, folgen (dim. + ith.) und das Ganze in 4 katalektische 
Dimeter, deren gleichen uns oben (S. 34) begegnet sind, ausgehen würde. Der 
ganze Abschnitt hätte auf diese Weise eine durchaus legitime Bildung, für den 
Abschluss von Jamben durch den ithyphallicus gibt es berühmte Beispiele wie 
Id^s^oc 8h luctdQcav, idXs^oL 8h xaQd'Evayv iördva^ov oüxoig. £s wird auch richtig 
sein, die Verse 938 — 944 als Dimeter zu fassen und die syncopirten Septenare auf 
die angegebene Weise zu erklären. Aber gegen die Auffassung des Ganzen als 
öiöxriiLa ii bfioiojv werde ich gleich einen entscheidenden Grund anführen. 

Als Beispiele jambischer Versgruppen, die keine Katalexis haben und deren 
Versen gewiss nur zufällig die Freiheiten des Versschlusses fehlen, führe ich 
an Capt. 196—200: 

Si di immortales id voluerunt, vos hanc aerumnam exequi, 
decät id pati animo aequo: si id facietis, levior labos erit. 

domi fuistis credo liberi: 
nunc servitus si evenit, ei vos morigerari mos bonust 
et erili imperio eamque ingeniis vostris lenem reddere. 
indigna digna habenda sunt, erus quae facit. 

d. h. je 2 Octonare, die einen Dimeter einfassen; auf redderej den ersten äusser- 
lich bezeichneten Versschluss, folgt noch ein Senar als Abschluss. Epid. 183 
•{vorher als Beginn des Liedes stj jamb. Dim., paroem., Reizianum): 

acutum cultrum habeo, senis qui exenterem marsuppium. 
sed eccum ipsum ante aedis conspicor (cum) Apoecide, 

qualis yolo vetulos duo. 
iam ego me convortam in hirudinem atque eorum exugebo sanguinem, 

senati qui columen cluent. 

Es fehlt danach der Anfang des Gesprächs, aber schwerlich etwas diesem Liede 
(Octonar, Senar, Dimeter, Octonar, Dimeter). Epid. 68: 

Nam quid ita? Quia cottidie ipse ad me ab legione epistulas 
mittebat. sed taceam optumumst, 

plus scire satiust quam loqui servom hominem. ea sapientiast. 

Es folgen Trochäen, v. 324, an Eretiker anschliessend: 

•5* 



I 



66 TBIEDSICH LEO, 

copiam parare aliam licet, soivi equidem in principio ilioo 
nollam tibi esse in illo copiam. Interii hercle ego. 
Auch hier folgen Trochäen. Die beiden ersten Abschnitte der grossen Scene 
Poen. 1174 — 1200 habe ich S. 28 besprochen; der dritte ist jambisch, 1192 — 1198, 
worauf zweimal anapästischer Dimeter mit Reizianum das Ganze schliesst. Die 
Jamben haben eine Katalexis (1197, s. o.), vorher 3 Octonare, je 1 Senar, 
Dimeter, Senar, dann der katalektische Dimeter, darauf 3 akatalektische Dimeter. 
Endlich zeigt noch eine besondere Eigenheit der jambische Schluss des oben 
(S. 31) analysirten Duetts zwischen Cbrysalus und Nicobulus, Bacch. 995: 

Hoc age sis nunciam. Vbi lubet, 

recita: aurium operam tibi dico. 

Cerae quidem haud parsit neque stilo ; 

sed quidquid est, pellegere certumst. 
Wenn man cef'oe — certumst zu einem Verse zusammennimmt, so muthet man 
Plautus eine Unform zu, die ihm fremd ist; wie wir gleich sehen werden; auch 
sed — certumsty das äolische Kolon Xat<pog äi tcSlv gadijAoi/ ^dij, ist ihm fremd. Was 
hier vorliegt, sind 7 jambische metra mit einem Reizianum, das zugleich, wie 
80 oft, das canticum abschliesst; zweifeln kann man nur, ob auf die trochäischen 
Systeme ein jambisches folgt , oder ob auf 3 Dimeter ein Monometer , auf 2 
Dimeter ein Senar. Das Reizianum schliesst sich so legitim an wie in der 
stichischen Form Dimeter + Reizianum. 

Die Entscheidung aller dieser Zweifel liegt in folgender Erwägung. Jede 
akatalektische jambische Yersbildung, also auch jedes für sich stehende metron, 
bedarf für Plautus wie für die Grriechen der reinen Senkung vor der letzten Hebung ; 
sed quidquid sit ist für Plautus so wenig ein Jambus wie für Horaz. Das bedeutet 
einen wesentlichen unterschied der jambischen Formen gegen die anapästischen 
und trochäischen. Die Senkungen der Anapäste werden sämmtlich rein gebildet, 
— oder v>u; die der Trochäen brauchen überhaupt nur vor der Schlusssübe kata- 
lektischer Verse rein gebildet zu werden, eine beliebige Menge trochäischer metra 
kann ohne eine einzige reine Senkung daherlaufen (bekanntlich wird das im all- 
gemeinen vermieden, aber das berührt die Theorie nicht, sondern die Praxis). 
Die metra der anapästischen und trochäischen Systeme , die wir bei Plautus 
gefunden haben, sind jedes einzelne für Plautus richtige anapästische und tro- 
chäische metra; die Systeme sind in der That i^ bfioiav. Wie wir sehen folgt 
aus der Thatsache, dass Plautus trochäische Systeme gebildet hat, keineswegs 
dass er auch jambische gebildet hat. Wenn er jambische övöti^^ata i^ 6^oi(ov 
hätte machen wollen, so hätte er die zweite Senkung jedes Metrons rein erhalten 
müssen; erfüllte er diese Forderung nicht, so fielen diese Gebilde in Dimeter, 
Trimeter u. s. w. auseinander — wie sie es denn in der That thun ; d. h. er hat 
in der That keine jambischen övöt^^fiara Ü b^lmv gebildet. Daher kommt es 
dass die unregelmässigen G-ruppen jambischer Verse in der Regel nicht katalek- 
tisch auslaufen. Dass aber solche in Katalesis endigende Versgruppen wie die 
Rede oder das Lied Poen. 817: 



DIE PLAÜTINISCHEN CANTIOA UND DIE HELLENISTISCHE LTBIE. 87 

Expecto quo pacto meae techinae processnrae sient. 

studeo hunc lenonem perdere, qni meum erum misere macerat, 

is me autem porro verberat, inciirsat pugnis calcibas: 

servire amanti miseriast, praesertim qui quod amat caret. 

attat, e fano recipere video se Syncerastum, 

lenonis servom; quid habeat sermonis auscnltabo, 

oder die Liedperiode Stich. 769: 

qui lonicas aut cinaedicust, qui hoc tale facere possiet? 
Si istoc me vorsu viceris, alio me provocato, 

dass solche Gruppen keine 6v6tf/^iiaxa ii biioCtov sind, bedarf keines weiteren 
Beweises. 

Dagegen ist es augenscheinlich, dass Plautus für seine jambischen Lieder 
und Perioden nach einem Ersatz für die Systeme {^ bfioCmv gesucht hat. Er 
hat darum grössere Gruppen jambischer Dimeter häufiger als trochäische; er 
hat darum solche Gruppen jambischer Verse zusammengestellt wie die S. 36 
angeführten. Dahin gehört auch eine besondere Form, die er öfter angewendet 
hat, dass er nämlich auf einen um eine Silbe verlängerten jambischen Octonar 
einen trochäischen Septenar oder Octonar + Septenar folgen lässt ; dadurch wird 
der Rhythmus fortgeführt, aber auch hier die Eatalexis vermieden. Es sind die 
Stellen, über die Kiessling Anal. Plaut. 11 gehandelt hat, Amph. 1067 (vgl. 
die Note): 

ut iacui, exsurgo. ardere censui aedes, ita tum confulgebant. 
ibi me inclamat Alcumena; iam ea res me horrore adficit. 
Bacch. 971 (oben S. 30 sq.) Pers. 34 ; mit zwei folgenden Versen Pers. 39 : 
qua confidentia rogare tu a med argentum tantum audes, 
impudens? quin si egomet totus veneam, vix recipi potis est 
quod tu me rogas; nam tu aquam a pumice nunc postulas 
tind Stich. 291: 

atque oratores mittere ad me donaque ex auro et quadrigas, 
qui vehar, nam pedibus ire non queo. ergo iam revortar. 
ad me adiri et supplicari egomet mi aequom censeo. 

Für die übrigen angeführten Stellen bitte ich die Probe, dass sich nirgend jam- 
hische metra rein herausstellen, selbst zu machen. Ein einziger Fall bildet eine 
Ausnahme ; es ist der auf S. 33 sq. behandelte Liedschluss Gas. 709 sq. Hier ist 
nicht nur Synaphie und Katalexis, auch die metra sind rein und sogar durch 
Diärese von einander gelöst. Hier ist ein jambisches öiiörrnia i^ öfLoitoVj aber 
eine Singularität wie anderes in der Casina. 

2. 

lonici bei Plautus hat G. Hermann nachgewiesen , zwar nicht als der 
erste und einzige, aber mit System und Sicherheit. PlatUum ionicis a maiore 
f4sum esse uti certum ita mirwn esty cum quod sdam non inveniatur hoc metrum apud 



38 FRIEDRICH LEO, 

comicos graecos (Elem. 464). Nach dieser Einleitung analysirt er, zum Theil unter 
starken Textänderungen, vier cantica: Aul. 133 — 160; 415 — 446 Stich. 1 — 10 
Amph. 163 — 172. Von diesen scheidet das zweite aus (es ist die in versus 
ßeiziani geschriebene Scene); das erste und dritte wird uns noch beschäftigen. 
Kein Zweifel kann bestehen in Betreff der Verse Amph. 168 — 172; hier haben 
wir rein überlieferte, klar und schön gebaute katalektische Tetrameter in fallenden 
ionici vor uns: 

noctesque diesque assiduo satis superquest 
quod facto aut dicto adeost opus, quietus ne sis. 
ipse dominus dives operis et laboris expers 
quodcumque homini accidit libere posse retur : 
aequom esse putat, non reputat laboris quid sit. 
Der 2. und 3. Vers sind otatä (litQov gebaut ; sonst gibt es keine Diäresen. Die 
zweiten Hälften, durchweg anaklastische Dimeter -^ u — u -^ttj haben nur reine 
Senkungen ; sie haben auch keine Auflösungen ausser v. 169, wo Zweifel erlaubt 
sind (überliefert adest: dies die einzige Aenderung, ausser quod für quo in dem- 
selben Verse). Die ersten Hälften sind rein im ersten und letzten Verse, 

\ju uu; ganz anaklastisch im mittleren, aber mit Auflösungen, so dass 

die Recitation zwischen der reinen und anaklastischen Form schwanken kann, 
— vAAA^ — uvAA>; das erste metron rein, das zweite anaklastisch im 2. und 4., 

aber im 2. choriambisch: —uu — , im 4. trochäisch uu —u—u; nur 

eine Contraction, im ersten metron des 2. Verses. 

Es sind vollkommene Sotadeen, der erste und letzte Vers wie Big oi)% 
ööifjv XQviiaXtifif tb xdvtQov Sid'Bv (Athen. 621*), der vierte wie iöd^e^ vd(i€taL q>XiyEv 
TCQatBt xv(fot fiaXdööBv (Luk. Tragodop. 123) oder ibant mälaci viere Veneriam 
corollam (Ennius bei Varro de 1. 1. V 62) , der dritte wie tötoQa xaxitig ifULvthv 
oix ix<ov ilsyxov (Inschrift des Maximus *) v. 4). Die Contraction wie im zweiten 
Verse konunt häufig vor, der Choriambus freilich ist im Sotadeus nicht belegt. 
Ich würde gar kein Bedenken tragen ihn für Plautus anzunehmen ; aber adeost 
ist, wie schon bemerkt, nicht überliefert, und mit dem überlieferten adest wäre 
der Vers gut, das zweite metron wie in den beiden folgenden *). 

Die Verse haben vollkommen griechische Technik, wie die des Ennius; 
diese verhalten sich zu Sotades wie die palliata zu Menander und sind von den 
plautinischen gänzlich fernzuhalten, selbst wenn des Ennius saturae und Sota 
vor dem Amphitruo entstanden sein sollten. Ueberhaupt ist der den Sotadeen in 



1) Ber. Berl. Ak. 1896, 781. 

2) Palmer, der die Verse überhaupt richtig misst, hat cuiest beibehalten, ohne doch zu sagen 
was es bedeuten könnte. Andrerseits ist auch adeo nicht einwandfrei, es steigert dicto in unnö- 
thiger und wie mir jetzt scheint fehlerhafter Weise ; denn facto aut dicto umfasst die Gesammtheit 
der möglichen Aufträge, da darf das eine der beiden Glieder nicht hervorgehoben werden, dictod 
est führt in die Irre; in unsrer üeberlieferung ist kein ablativisches d erhalten oder verdunkelt. 
Den Versen 168 sq. fehlt eine Verbindung mit dem vorhergehenden Thema: 'dem Sklaven eines 
reichen Herrn geht es besonders schlecht'; diese würde durch Ubi est statt adest hergestellt. 



i 

/ 



DIE PLAUnNISCHEN CAmiCA UND DIE HELLENISTISCHE LTSIK. 39 

sticliischer Anwendung gegenüber nächstliegende Gredanke, der an Sotades, kei- 
neswegs unbedenklich, schon da die Verse in einer zweifellos gesungenen Partie 
und ohne kinädisches Ethos stehen. Sotades hat ja nicht die jonischen Tetrameter 
a maiore erfunden, sondern eine besondere Compositions- und Vortragsart dieser 
Verse; dass sie Tcatä 6xC%ov auch unabhängig von ihm bei Plautus auftreten 
können, werde ich im 4. Abschnitt zeigen. 

Die den Sotadeen im Liede des Sosia voraufgehenden und folgenden Verse 
widerstehen zum Theil gleichfalls den landläufigen Messungen. Es folgen auf 
die 6 einleitenden jambischen Octonare die Reihen: 

ita quasi incudem me miserum homines octo validi caedant: 

ita peregre adveniens hospitio publicitus accipiar. 

haec eri immodestia coegit me qui hoc noctis a portu ingratiis excitavit. 

nonne idem hoc luci me mittere potuit? 166 

opulente homini hoc servitus durast, 

hoc magis miser est divitis servos: 

noctesque diesque e. q. s. 
Diese Verstheilung trifft genau mit der Satztheilung zusammen, wie nicht an- 
ders zu erwarten. Priscian de metr. Ter. 422 befolgt eine andere Kolometrie; 
er sondert als jambische cola ita peregre adveniens und qui hoc noctis a portu 
(brachykatalektischer Dimeter, aus ^tres simplices pedes^ bestehend, d.h. «jv^u — 

uu— und u ), ingratis excitavit (katalektischer Dimeter, u—u, 

mit falschem ingratis wie es die Handschriften geben), hospitio publicitus accipiar 
(hyperkatalektischer Dimeter ^id est quibus una äbundat syllaha^ d.h. mit Elision 

des s\ —yju UU-/-UU— (vgl. Plaut. Forsch. 232'), wobei freilich gar kein 

jambischer Rhythmus übrig bleibt, oder nicht schöner — uu uuu — uu— ). Das 

sind misslungene Versuche, die auch uns überlieferten Worte zu messen, genü- 
gend gekennzeichnet durch ingratis ; weder cola noch metra können für uns mass- 
gebend sein. Die erste Reihe ist ein trochäischer Octonar. Trochäen kehren 
wieder zu Anfang von 164; anapästisch liest sich 167 und, nicht ohne Bedenken 
wegen der Messung von servitus^ 166. Als baccheischer Hexameter löst sich aus 
164 {portu macht nicht Hiatus), denn die Worte geben keinen anderen Rhythmus 
und diesen sicher, vorher immodestia trägt das Zeichen des Versschlusses ^). Die 
übrigen Verse sind jonisch, wohl auch die beiden letzten: 

sj — u — u — u — u — u — u — u 

uuuu — Kju \ju — — yj^^Kj — uu — 

— u — u — u-^ 

u u u u — — u ^J — — 

5 "^ VA->UU — 165 



VA-» UU — U- 

UUUU UU 



1) Baccheische Hexameter, durch die Umgebung gesichert, sind Amph. 640. 642 in der Mo- 
nodie der Alcmene; daher auch 688. 686 — 637 anzunehmen. 



40 FBIBDBICH LEO, 

Es sind die einfachsten Formen: keine sechssilbigen metra, keine choriambische 
Anaklasis; Katalexis \ju— und zweisilbig. Wahrscheinlich sind 6. 7., die den Sota* 
deen unmittelbar vorauf gehen, fallend, mit diesen vielleicht auch 6 {idem nanne?); 
dann ist in 6 im zweiten metron die Schlnsskürze durch eine Länge ersetzt« 
3 ist vielleicht ein anaklastischer, also fallender, Dimeter. 2 wird stei* 
gend sein, für publicitus accipiar macht es die Wortbetonung wahrscheinlich. 
Dieser katalektische Dimeter ist derselbe der im Liede des Agathen die meisten 
Perioden abschliesst : dcUfiovag i%Bi, öeßiöm (Thesm. 106. 110 u. s. w.) ; der kata- 
lektische Trimeter vorher derselbe wie ebenda 116 xögav icsCöax' "Aqxsiuv iyg<niifav^ 
von Hephaestion für Anakreon bezeugt p. 40 ^loviiöov öavXai Baö^izgideg (frg. 
65); der fallende 6. 7 Sapphos xki^gtig (ihv iq>€Uvst^ i öekava (63), 5 bereitet die 
Sotadeen vor. 

Auf die Sotadeen folgen 3 baccheische Tetrameter (deren erster Variante 
zu 172 ist), danach als Schluss dieser Partie die beiden Reihen 176 sq.: 
satiust me queri illo modo servitutem: hodie qui fuerim liber, 
cum nunc potivit pater servitutis, hie qui vema natus est queritur. 
Von den beiden baccheischen Tetrametern satiust — servitutem und cum — servüu- 
tis lösen sich ab die Worte hodie qui fuerim liber und hie qui vema natus est 
queritur ; jene sind ein regulärer jonischer Dimeter, aber Palmer bemerkt richtig, 
dass sich in eum nunc jonisches Mass fortsetzt. Nimmt man das Yerbum hinzu, 
so stellt sich ein schöner steigender Tetrameter mit der in anaklastischen For- 
men geläufigsten Katalexis dar; also, mit Hinzunahme der beiden voraufgehenden 
baccheischen Tetrameter, 174 — 179: 

\j o — — u — u 

\j — u — — o — — v^ — u 

VA-» — UU — \JU U — 

U U 

\j \j VA-* — 

3 baccheische, 1 jonischer Tetrameter, baccheischer Dimeter, jonischer Trimeter. 
Dieser Trimeter schliesst die jonische Partie wie er sie einleitet, am Schlüsse 
erscheint er in anaklastischer Form. So ist 159 — 179 ein jonisches Lied: in der 
Mitte stehen stichische Tetrameter, denen eine Gruppe freierer Bildungen vor- 
aufgeht und folgt; das Schema ist aba. 

Verbunden sind mit den ionici, ausser den Trochäen zu Anfang, lediglich 
Baccheen; in der ersten Periode eine längere Reihe, in der entsprechenden drit- 
ten 3 Tetrameter und vor der jonischen Schlussreihe 1 Dimeter, Diese Verbin- 
dung lässt sich auf griechischen Vorgang zurückführen. 

Das metron u erscheint in den ionici der jüngeren Tragödie und Ko- 
mödie; zunächst als erstes einer Reihe Eur. Phoen. 1639 und in den beiden fol- 
genden Versen (v. Wilamowitz Isyllosl61); das Kolon u uu Bacch. 908 sq. 

402 = 416, 413 = 428 (schwerlich Pherekrateen). Das Mystenlied in den Frö- 
schen beginnt (324) : 



DDE FLAUTINISCHEN GANTICA UND DIE HELLENISTISCHE LYBIE. 41 

'TßLKj^ & xoXvti^lifijftOLg €d(faLg iv^dds valtov^ 
1a%%^ & laxxe 

mit yj zu Anfang und dem Dimeter u u nach dem ersten Verse 

(y. Wilamowitz Isyllos 137 sq.). Diesen Dimeter, richtiger das Metron zweimal, 
hat auch Sophokles Phil. 1179 unter ionici (v. Wilamowitz 152) und in der Pa- 
rodie der euripideischen Monodien Aristophanes Ran. 1346 iyh d' & xiXaLva nach 
einem daktylischen und einem jambischen, vor jonischen Eola (y. Wilamowitz 166). 
Man mag hiemach annehmen, dass in der Folge die Baccheen häufigere Verwen- 
dung in jonischen Liedern gefunden haben. Isyllos freilich meidet sie, wie er 
die eigentliche Anaklasis und alle Nebenform und Beimischung meidet, yermuth- 
lich weil sie dem Stile des feierlichen Päan fremd sind. 

Wie im Liede des Sosia eine stichische Reihe regelmässiger Sotadeen, so 
zeigt in der letzten Monodie des Pseudolus die Bezeichnung des Tanzes, den er 
agirt, als jonisch den Weg zum Verständniss der metra. Das Lied (1246 — 1282) 
besteht aus 3 durch den Inhalt gesonderten Abschnitten: 1246 — 1268 die Trun- 
kenheit und ihr Anlass; — 1270 Seligkeit eines Liebesgelages, wie es drinnen 
zur Siegesfeier begangen wird; — 1282 die Tänze die Pseudolus zum besten 
gegeben hat und deren Erfolg, der zugleich sein Heraustreten motiyirt^). Der 
erste der 3 Abschnitte zerfallt in 2 Theile : im ersten umgeben 2 Paare bacchei- 
scher Tetrameter eine aus 2 kretischen Reihen mit einem trochäischen Kolon 
und einem anapästischen Dimeter bestehende Gruppe; der zweite beginnt mit 
anapästischem Septenar, yersus Reizianus, 2 cola Reiziana, an die sich 6 jam- 
bische metra mit Eatalexis anschliessen, endlich 2 einzelne jambische Metra. Der 
zweite Abschnitt besteht aus einem Satze, den ich in der Anmerkung zu y. 1269 sq. 
analysirt habe. Anfang und Schluss bilden trochäische Reihen, das Mittelstück 
sind Anapäste engyerbunden mit Baccheen, 2 Tetrametern und 2 katalektischen 
Dimetem , über deren Messung ich oben S. 14 und 16 zur Genüge gehandelt 
habe. Der dritte Abschnitt wie der erste beginnt und schliesst mit je einem Paar 



1) Hierzu mosB bemerkt werden, dass die Handlung eine solche Motivirung nicht verlangte. 
In der Handlung lag es, dass Pseudolus dem Simo das Geld abverlangte; dieses Motiv seines Er- 
scheinens ist 12S9 — 1245 vorbereitet, es wird unmittelbar nach dem Liede von Pseudolus vorge- 
bracht (1288. 1284) in trochäischen Versen, die den üebergang von der Monodie zum Schlussduett 
des Stückes geben. Auch hatte Simo v. 1246 die Absicht das Geld zu holen und gleich damit 
herauszukommen : nunc ibo intro, argefntum promamy Pseudolo insidias dabo. Er bleibt aber wäh- 
rend der langen Monodie im Hause und erscheint erst auf das Klopfen und Rufen des Pseudolus 
V. 1283. 1284. Wenn diese beiden Verse (nunc ah ero ad erum meutn maiorem venio foedus comme- 
morcUum, aperite aperite, heua^ Simoni me adesae dliquis nuntiate) oder ihr Inhalt unmittelbar auf 
1246 folgte, so wäre kein Bedenken. Dies ist der eine auffallende umstand ; der andere, dass jetzt 
zwei Motive für das Auftreten des Pseudolus verwendet sind und zwar in der Weise dass sie sich 
stossen: v. 1282 heisst es inde huc exti, crapulam dum amoverem, eine völlig ausreichende Mo- 
tivirung ; dann folgt unvermittelt die andere. Ich sehe hierin den Beweis , dass im Original die 
Monodie nicht vorhanden war, dass sie von Plautus eingelegt ist, der die Trunkenheit des Pseu- 
dolus ausgebeutet hat, um seinen letzten Akt musikalisch zu beleben. 

Abhaadlgn. d. K. 0«. d. WIm. la OdttiDg«n. Phil.-Ust. Kl. N. F. Band 1, t. 6 



42 FRIEDRICH LEO, 

baccheischer Tetrameter. Ich schreibe das G-anze aus; die Kolometrie ist nur 
von occepi bis cado (1277 sq.) bewahrt, meist sind mehrere cola oder Verse zu- 
sammengeschrieben : 

illos accubantis potantis amantis cum scortis 1271 

reliqui et meum scortum ibidem, 

cordi atque animo suo obsequentes. sed post 

quam exurrexi, orant med ut saltem, 

ad hunc me modum intuli illis satis facete, nime ex disciplina, quippe ego 

qui probe lonica perdidici. sed palliolatim amictus 1275 

sie haec incessi ludibundus. plaudunt, 'parum' clamitant mi, ut revertar. 

occepi denao, hoc modo : noiui 

idem; amicae dabam me meae, 

ut me amaret : ubi circumvortor, cado : 

id fuit naenia ludo. itaque dum enitor, prox, iam paene inquinavi pallium. 

nimiae tum voluptati edepol fui ob casum, datur cantharus, bibi. 1280 

commuto ilico pallium, illud posivi; inde huc exii, crapulam dum amoverem. 
(überliefert 1273 corde^ sq. me id utj 1274 intulit, 1276 fehlt hcKC in CD, vgl. meine 
Note; me für mi, 1278 tibi für ubi; 1274 nime ist = nimis: Plaut. Forsch. 267). 
Nach den beiden Tetrametem {illos — ibidefn) lässt sich cordi — exurrexi allen- 
falls, aber nur mit Zulassung unerfreulicher Härten und ohne dass irgend der 
Rhythmus dem Ohr sich aufdrängte, als jambischer Langvers, auch oratU — facete 
als trochäischer fassen; nicht so nimis — perdidici als trochäischer ohne das un- 
antastbare lonica zu ändern, noch sed — ludibundus ohne haec aufzugeben, das 
doch vorzüglich dient den die Tanzbewegung agirenden Pseudolus anschaulich 
zu machen. Diese Verse sind es, die von jonischem Tanze sprechen und ihn vor- 
führen; sie geben ohne Unterbrechung jonischen Rhythmus (nimis ex disciptilina — 

ludibundus) l <ju uw — uvj — vju — uu — \ju — vju — KJ — u 

yj , 10 metra, deren letztes als Baccheus abschliesst. Nun ist aber in den 

Worten vorher deutlich gesagt, dass sie bereits den jonischen Tanz begleiten: 
ad hunc me modum intuli Ulis saiis facete] es ist, mit Baccheus beginnend, ein 
katalehtischer Tetrameter, dessen zweites metron die jambische, das dritte die 

trochäische Anaklasis hat: u u — u— — u — u *). Es bleiben die beiden 

Zeilen cordi — sattem. Ich habe in der Ausgabe suo vor cordi gestellt und so 
Baccheen von suo — sattem gewonnen; aber cordi — obsequentes lässt sich als joni- 
scher Trimeter, sed — saltem als Tetrameter lesen, beide katalektisch , freilich 

nach den ersten beiden metra mit beständiger Contraction: uu — u — u 

. Auch aus 1276 i^totK^un^ — revßrtor ist ein baccheischer 

Tetrameter gemacht worden; aber auch hier liegt ein reiner jonischer Trimeter 

vor: uu —u u steigend, das 2. metron mit der Länge beginnend, 

das dritte baccheisch, oder auch, mit mihi^ kju — u — u — u — u. Als sicher 



1) satis jambisch wie Amph. 168. Möglich ist auch, mit Hiatus nach dem 2. metron, ^ 

u— u- \ju u f satis pyrrhichisch. 



DIE FLAUTIKISGHEN CAimCA UND DIE HELLENISTISCHE LYBIE. 43 

jonisch ergibt sich aus dieser Analyse die Yersgruppe ad hunc —■ ludibundus, der 
eigentliche Tanz. 

Danach beginnt t. 1277 der neue Tanz, ein andrer modus i in einem andern 
Mass, in Kretikern (occepi — codo); dann ein Schlusscolon id füit fitienia Itido und 
für das Nachspiel Trochäen mit einem kretischen Dimeter H — u — u — ; als 
Schluss, zum Anfang zurückkehrend, die beiden baccheischen Tetrameter. 

Aehnlich beginnt Fers. 804 , nach einem Einleitungsverse , mit dem Tanze 
{vin cinaedum novom tibi dari?) das neue Metrum; auch hier ist es kretisch, zwei- 
mal ein Tetrameter mit akatalektischem Schwänzchen (S. 18) : hui, bdbae^ basilice 
ie intulisti et facete. So wird auch im Schlusstanz des Stichus das Metrum ge- 
wechselt. Zur cantio cinaedica (760) singt zuerst Sangarinus 769: 

qui lonicus aut cinaedicus^t), qui hoc tale facere possiet. 

Dass dies jambisch gemeint ist (vgl. Plaut. Forsch. 239), beweist wohl der fol- 
gende Vers des Stichus: 

si istoc me vorsu viceris, alio me provocato. 

Es sind eben Jamben von der Art, die ihre Familienähnlichkeit mit den ionici 
an der Stirn tragen. Der zweite vorsus aber bewegt sich in Reiziani : nunc pa* 
riter ambo, omnis voco cinaedos contra. Diese Beispiele lehren deutlich wie das 
Metrum mit der Tanzart wechselt. Anders Pers. 824: hier tanzen Sagaristio 
und Toxilus dem Dordalus einen staticulus vor, der eine wie ihn Hegea, der an- 
dere wie ihn Diodorus in lonia aufführte; das wird in trochäischen Septenaren 
ausgesprochen die, nach Beendigung der Sang- und Tanzseene (818 iam taut, 
Paegnium^ da pausam), v. 819 begonnen haben. Der staticulus ist, nach dem Na- 
men zu schliessen, ein 6%f^{La das in einer grotesken Stellung besteht ; wenn auch 
eine Tanzweise dazu gespielt werden mochte, war es doch nicht, wie bei einem 
bewegten Tanze, geboten die Worte sich dem Rhythmus fügen zu lassen. 

Auch in der Monodie der Astaphium Truc. 96 — 111 liegt eine zusammen- 
hängende (xruppe jonischer Verse vor. Das Lied besteht aus 2 Theilen , der 
zweite aus 7 anapästischen Octonaren , der erste aus folgenden gleichfalls 7 
Reihen : 

ad fores auscultate atque adservate aedis, 95 

ne quis adventor gravier abaetat quam adveniat 

neu qui manus attulerit steriles intro ad nos 

gravidas foras exportet. novi ego hominum mores; 

ita nunc adulescentes morati sunt: quini 

aut seni adveniunt ad scorta congerrones.' 100 

consulta sunt consilia : quando intro advenerunt e: q. s. 

(cAaetat v. 96 nur in B gegen CD und Priscian {abeat)] 101 consilio). Priscian 
macht hierzu Bemerkungen (de metr. Ter. 425) die so unnütz sind wie die zum 
Amphitruo. In den Versen erscheinen sehr selten einzelne Kürzen (6 mal), etwas 
häufiger Doppelkürzen ; das legt den Gedanken an Anapäste nahe. Aber ana- 
pästische Messung ist nicht durchzuführen. Verbindung anapästischer Kola mit 

6* 



(-) 



44 FRIEDRICH LIO, 

Reiziana ist metrisch möglich, aber durch Wortschlttsse nirgend indidrt. Einen 
sonst geläufigen Rhythmus kehren nur einzelne Verse (98) und Verstheile her- 
vor. Auf jonisches Metrum hat mich der Klang yon v. 98 geführt. Dieses ist 
das Schema: 

-U-- --^ 95 

— \j .^(^^.^ ^ VA-» 

^ — - ,,^j _ yjyj — — 

<JV> yj _ — — , _- ^ vj^ —_ _ 

VA> UO — . — 

VJU — u 100 

Es sind auffallend viele Contractionen , aber kein anaklastisches metron ohne 
reine Senkung, v. 96. 96. 99. 101 sind ohne Anstand als steigende akatalek- 
tische Tetrameter zu lesen, wobei in legitimer und besonders dem Isyllos durch- 
aus geläufiger Weise die ersten metra von 96 und 96 die erste Kürze durch 
eine Länge ersetzen ; v. 97 nur mit Hiatus nach intro, ohne den der Vers akata- 
lektisch ist (in welchem Falle intro ad nos steriles ein deutlicheres Metrum er- 
geben haben würde), wie auch v. 96 mit abeat statt abaetat und 96 mit S3rnalophe 
auscuUate (xtque. Alle 7 Verse haben Wortschluss nach dem zweiten metron, 
zweie (96 und 101) mit versschliessender Silbe ^); wir haben es also in der That 
mit Dimetern zu thun. Diese heben sich am deutlichsten in v. 98 und 100 her- 
aus. Beide Verse haben als zweite Hälfte (novi ego hominum mores und scorta 
congerrones) einen fallenden anaklastischen Dimeter (gleich dem ithyphallicus), mit 
Länge schliessend, während der erste Dimeter in beiden steigend ist, in 98 ana- 
klastisch (anacreonteus), in 100 rein mit Contraction des ersten Metrums. 

So regulär nun jonische Verse sind wie ^diivvös 6oi>g XQoq>iitag iv äfitlXat" 
6iv ävdyxag oder xoliol (ihv i^/aIi/ f|di} Tcgöratpoi Tcdgri ts Ibvhöv oder Iti toi yigmv 
äotdbg xskadBt iivafioöiivav so selten wird man in wirklichen ionici der griechi- 
schen Lyrik einen steigenden mit einem fallenden Dimeter verbunden finden. 
Anakreons röv Ivpoicoibv ^pd/ii^ Urgdttiv et KOfii^öH zeigt diese Verbindung; es 
ist daher wohl möglich, dass sie später wieder häufiger wurde. Ohne Bedenken 
wäre es, einen jonischen Dimeter mit ithyphallicus verbunden anzunehmen. Aber 
die Verse 98 und 100 haben die stärkste Aehnlichkeit mit dem archilochischen, 
dem attischen Drama in Komödie und Tragödie geläufigen, von Diphilos noch 
verwendeten (Athen. 11, 499°) Verse ^Egaöiiovidri Xagikas XQfiiid tot yekotovj des- 
sen erstes Glied auch die Freiheit der reinen Sendung und dadurch eine noch 
gesteigerte Aehnlichkeit mit dem anacreonteus hat. Ja auch mit dem Sotadeus, 
wenn er das zweite und dritte metron anaklastisch bildet, ist diese Versart zum 
Verwechseln ähnlich. Man vergleiche nur die Verse des Sotades (Athen. 14, 
621^) : 



1) V. 95 habe ich sehr zweifelnd so angesetzt 



DIE PLA.UTINISCHEN GANTICA UND DIE HBLLENISTISOfiE LYBIE. 46 

6 d^ iieoötsyäöag tb r(^(ia t^g thciö^s ka'AQtjg 
8Ut 8sv8qo^6qov tpaQayyog i^dmöe /}poi/Ti}i; 
oder des Lükian Tragodop. 123 Sö^si vdfietai tpXiyBi xpatst nvgot naXdaöBi, (vgl. 
117. 120. 122) oder Amph. 171 quodcumque homini accidü libere passe retur. Man 
darf sich freilich hierdurch nicht verleiten lassen, ein Kolon uu — u — -i^ an- 
ders als steigend zu lesen ; sollte gravidas foras exportet fallend sein , so müsste 

man scandiren uw — uu , etwa wie Maximas v. 2 iigt tb itod'sivbv in)xilg 

nvsvii? hcttvetvcct. IJeberhaupt wäre es, wie sich jeder überzeugen kann, nicht 
schwer aus den vorhandenen Silben 7 Sotadeen nach dem Schema herauszuscan- 
diren; aber recitiren lassen sich diese Sotadeen nicht, und wie Plautus die sei- 
nen baute zeigt der Amphitruo. Sehr verständlich aber ist es, dass Plautus dem 
Verse ^Egaöfiovidij Xagikas , der ihm mit jonischem Masse so eng verwandt er- 
scheinen musste (und es in der That vielleicht ist), Aufnahme unter seine joni- 
schen Verse gewährt hat^). 

Im Liede des Messenio Men. 966 sq. sind die beiden Verse 977. 978 : 

id ego male malum metuo: propterea bonum esse certumst potius quam malum; 
nam magis multo patior facilius verba, verbera ego odi 

unter keines der bisher angewendeten Masse zu bringen, obwohl Verse und cola 
verschiedener Grattungen sich leicht herausschneiden lassen. Es folgen 2 jam- 
bische Septenare mit schliessendem Reizianum; gewiss sind auch jene beiden 
Verse eines Metrums: 

<,AAAAA-> V-«J — LAJ U— U —CA-/ — 

\JU \JU \JU yJU KAJ "^ \J <JU — — 

d, h. 10 steigende ionici oder zwei Pentameter (id — potius, quam — odi). 

Die Monodie des Menaechmus 110 — 122 besteht in ihrem zweiten Theil (119 sq.) 
BUS einem trochäischen Octonar und 6 jambischen Dimetem, ohne Versschluss aber 
auch ohne Katalexis; im ersten aus 6 kretischen Tetrametem, die durch eine 
aus 2 daktylischen cola (katal. Tetrametern) bestehende Keihe unterbrochen wer- 
den. Vorauf gehen 2 Verse, deren erster choriambisch ist, der zweite ein gly- 
coneus mit ithyphallicus ^). Die zweite Hälfte von v. 110 m ntaia ni stulla sies 
ni indomita imposque animi ist mehrdeutig; es kann ein Vers sein wie tbv Usiii- 
lag tbv icagä oialXLOtsfpdvoig s'öfpQoOiivaig (Eur. Bacch. 376) oder iönCSa ^C^ag 
xota^ov xalXiQÖov itag* iS%^ag (Anacr. 28); schwerlich ein choriambisch-jonischer 
Dimeter mit ithyphallicus. Denselben Vers hat in der gewöhnlichen choriam- 
bischen Form (wie Anacr. 28) Terenz in der Monodie des Aeschinus Ad. 610 sq. 
zweimal hintereinander'), gefolgt von 3 Choriamben; vorher geht das daktyli- 

1) Die Verse Truc. 448 — 452 (die erste Periode einer Monodie der Phronesiom) lassen sich 
jonisch messen, wie Palmer zu Amph. S. 143 bemerkt. Dasselbe gilt Ton vielen Yersgruppen, die 
nach der h&ofigsten Analogie anap&stisch gelesen werden; darauf einzugehen verlohnt nur wo 
sichere Kriterien vorhanden sind. 

2) Rhein. Mns. 40, 198. 

8) Auch hier in membra metu debilia sufU animus timore syllaba anceps am Schlüsse des 
2. metron. 



46 FBIEDBIOH LEO, 

sehe Kolon discrueior animi — va^ — uw— und vielleicht ein Reizianus, es folgt 

3 mal das Kolon — u (oben S. 21), dann Trochäen. Femer: wie Men. 110 

der choriambische Vers einer kretischen Periode voransteht, so ist er (wie Men. 
114 der daktylische) zwischen cretici, welche die Monodie des Argyrippus Asin. 
127 — 137 ausmachen, eingesprengt v. 133: perlecdn-ae permüies adulescenium exi- 
titmi] hier ist durch das 3. Metron der jonische Charakter des Verses deutlich 
gekennzeichnet : — <ju — — uu — uu — uu — ^). 

In allen diesen Fällen haben wir die jonischen Verse in enger Verbindung 
mit kretischen Liedern oder Versgruppen gefunden und erinnern uns dabei der 
Verwandtschaft zwischen jonischem und kretischem rgöitog, die sich in Pseudolus 
und Persa herausgestellt hat. Dies führt hinüber zur Scene der Casina 621 — 
712 (in B), die mit einer aus 8 Tetrametem, deren letzter trochäisch ausgeht, 
bestehenden kretischen Monodie der Pardalisca beginnt. Diesen 8 Versen schliesst 
sich ein neunter in dem aus Menaechmi Asinaria Adelphi bekannten choriam- 
bischen Masse an, und darauf unmittelbar folgt als Anfang eines grossen Duetts 
eine Gruppe jonischer Verse. Das Duett besteht aus 2 Abschnitten. Der zweite 
(647—712) ist im wesentlichen baccheisch, mit dem colon Reizianum (S. 16) unter- 
mischt ; er zerfallt in 3 Theile, deren erster durch 2 anapästische (660. 661), der 
zweite wie der dritte durch trochäische Verse (^677 — 681; 706—708) abgeschlos- 
sen werden; das Ganze schliesst das jambische System 709 — 712 (S. 33). Der 
erste Abschnitt zerfallt in 2 Theile: 629 — 640 jonisch mit daktylischen cola, 
durch 2 jambische Verse beschlossen; 641 — 646 wieder 3 kretische Tetrameter, 
dann 1 dactylischer, 1 jonischer, 1 anapästischer Vers, also dieser zweite Theil 
auf die Monodie zurückgreifend. 

Auf den ersten Abschnitt des Duetts muss ich etwas näher eingehen, ob- 
wohl das Nöthige in meiner adnotatio gesagt ist. Die Monodie schliesst eripite 

isti gladium guae suist impos animi — va-^— — u*j— — u — uu— Doch kann 

suist pyrrhichisch gefasst werden und das 3. metron auch die choriambische Form 
erhalten^). Es ist offenbar derselbe Vers wie Men. 110 wo er am Anfang, wie 
Asin. 133 wo er in der Mitte einer Gruppe von cretici steht. Nun greift Lysi- 
damus ein: 

Nam quid est quod haec huc timida atque exanimata exsiluit foras? 630 

Pardalisca. Peru, unde meae usurpant aures sonitum? 

Kespice modo ad me. ere mi. Quid tibist? quid timida es? Perii. 

Quid, periisti? Perii et tu periisti. A perii? quid ita? 

Vae tibi. Immo, vae tibi sit. Ne cadam, amabo, tene me. 

Quidquid est, eloquere mihi cito. Contine pectus, 635 

face ventum, amabo, pallio. Timeo hoc negoti quid siet, 

nisi haec meraclo se uspiam percussit flore Liberi. 



1) Weder ithyphallicns nach dem 2. metron noch Anapäste sind wahrscheinlich. 

2) Dass im Auslaut von impos die Doppelconsonanz noch wirksam ist muss als wahrschein- 
lich gelten. 



DIE FLAUTINISCHEN CANTICA UND DIE HELLENISTISCHE LTRIK. 47 

(630 exsiUfnt A statt exüuit foras] 631 sonum A; 632 o fehlt in P; 633 tibi statt 
ita P; 634 tmmo i^tio tibi sit P; 635 loquere A). Dass die Verse trochäisch an- 
fangen hat dazu verleitet sie trochäisch durchzumessen ; aber es sind keine Tro- 
chäen, der vermeintliche Ausgang — u — u — u erscheint nirgend mit auch nur 
einer reinen Senkung; das ist bei stichischer Verwendung eines seltnen Versge- 
bildes undenkbar. Die metra von 629 — 635 sind folgende: 

CAJ — ~— <AJ \J \AJ 

\J — U V-«J V-«J \JU — u — 630 

U \J \JU KAJ — OU — 

y^AJU — CAJ — \JM. VA> KAJ 

KAJ UU KAJ UU KAJ U 

\j u OL/ — — ULy — 

- U VAAAAAJ OL/ 635 

Es sind sämmtlich fallende ionici, verbunden in v. 632 und 633 mit dem dakty- 
lischen Colon — uu — L>o— , mit dem Terenz sein canticum beginnt {dicrucior animi). 
Der Vers den Lysidamus allein spricht, ehe er Pardalisca anruft (630), ist ein 
katalektischer Pentameter, die Form der Katalexis — u — beweist den auch sonst 
unzweideutigen fallenden Rhythmus. 631 und 634 sind akatalektische Tetra- 
meter; auffallend ist im 3. metron von 631 die Anaklasis ohne reine Senkung 
(die Stellung t^surpant meae würde den Anstoss heben , das metron hätte dann 

die Form u — , wie auch das 3. metron in 632 gelesen werden kann); aber 

doch theoretisch nicht bedenklicher als ebensolche trochäische und jambische 
metra. v. 632. 633 haben jeder vor dem daktylischen colon 3 jonische metra, 
632 reine 0) nur mit einer Auflösung, 633 choriambische. Endlich 635 schliesst 
die Gruppe durch seine katalektische Form. Es ist ein einfacher Sotadeus, 
das zweite metron ganz aufgelöst wie in xöda yövv xoxvkriv (Luk. Trag. 121) 
das erste; es ist gewiss kein Zufall, dass diese Häufung von Kürzen auf die 
Worte eloquere mihi dto trifft ; ich erinnere nur an den wegen derselben Häufung 
vielbezweifelten Vers des Piaton (schol. Eur. Hec. 838) oitog t{g el] kiys xa%v^ 
xl 6iy&g] (yinc ipetg] oder den Sotadeus des Kinesias (Wilamowitz Isyllos 155) 
Ar. Av. 1395 xbv äkdögonov &Xdfi6Vog &ii iviiicav nvoatöc ßaCrpf \juuuuu uuuuuu 

— u — u . Im 3. metron ist contine daktylisch, nach vielen Analogien (Plaut. 

Forsch. 293). Die unmittelbar anschliessenden jambischen Verse zeigen wie 
sehr sich Plautus der Verwandtschaft des jonischen und jambischen Masses 
bewusst ist. 

Auf das Duett des Lysidamus mit Pardalisca folgt Gas. UI 6 eine neue 
Gresangscene , der ein anapästischer Vers des Lysidamus vorauf geht ; diesen 
kann man beliebig zu dem folgenden System ziehen, mit dem Olympio und der 
Koch beginnen. Es hat bis zur Katalexis 21 metra; in den vorletzten Dimeter 



1) Dabei sind me (med) und o (oh A) als L&ngen angesetzt, was f&r o vor Vocal nicht 
unbedenklich ist; fasst man o als Kürze, also ad mi ö ere^ so entsteht die Messung — uuuu 
-.VAAA>, mit Hiat nach tnodo^ wie er auch Asin. 313 und Rad. 1069 überliefert ist. 



48 FBIEDBICH LEO, 

greift Lysidamus ein, von hier an schweigt der Koch und es geht im Duett 
weiter. Die anapästische Partie wird durch 3 Octonare abgeschlossen. Es folgt 
die zweite Periode des Liedes, in^der Kolometrie des Ambrosianus (mit der die 
Palatini, in denen jetzt die kleinen Verse mit den grösseren verbunden sind, 
vielleicht ursprünglich übereinstimmten) : 

Dabo tibi 
^dya xaxöv, 
ut ego opinor, nisi resistis. lH Zev, 730 

potin a me abeas, 
nisi me vis 
vomere hodie? 
Mane. Quid est? quis hie est homo? 
Ems sum. Quis erus? Cuius tu servo's. Servos ego? Atque mens. 735 

Non sum ego liber? 
memento, memento. Mane atque asta. Omitte. 
Servos sum tuos. Optumest. Opsecro te, 
Olympisce mi, mi pater, mi patrone. Em, 

sapis sane. * 740 

Tuos sum equidem. 
Quid mi opust servo tam nequam? 
Quid nunc? quam mox recreas me? 
Cena modo si sit cocta. 
(738 fehlt te in Pj 739 mi vor pater in -4; 742 servo opus est P). Die Verse 
734 — 739 lesen sich leicht: ein trochäischer (oder auch jambischer) Dimeter, 
anapästischer Dimeter mit Keizianum, dies Eolon wiederholt ; dann 3 baccheische 
Tetrameter. Am Schluss stehen 3 paroemiaci; 742 könnte (mit mihi) auch aka- 
talektisch sein; das letzte Kolon ist eingerückt, vielleicht um es (mit modlf) als 
jambisch zu bezeichnen. Es bleiben die kurzen cola 728 — 733 und 740. 741, 
mit deren Aussonderung der Urheber der Kolometrie natürlich eine Absicht 

verbunden hat. 732. 733 und 740. 741 passen auf das Schema ^ju vAAA-r— , 

und doch wohl nur auf dieses. Nun kann man dabo — resistis kretisch-trochäisch 
und & Zsv — hodie anapästisch messen (jambische cola sind durch nichts indi- 
cirt); aber wenigstens der Absicht und Ansicht jenes Metrikers, der freilich in 
nicht höherem Grade als Heliodor für uns Autorität ist, muss man doch zunächst 
nachgehn und sehen ob sie haltbar ist. Danach ergibt sich (mit med): 

uuu — 

\JUU — 

VJU — \JU — 

<AJ — <ÄJ\JU 

und 740. 41 

Das bedeutet: creticus, creticus, das Kolon — u— u mit ithyphallicus (wie Pseud. 



DIE PLAÜTINISCHEN CAimCA tJKD DIE HELLENISTISCHE LYBIE. 49 

922, oben S. 18); jonischer Dimeter zuerst katalektisch , dann akatalektisch ; 2 
jonische akatalektische metra wieder 740. 41 , alle steigend. Diese jonischen 
metra sind verbanden mit Eretikern, das andre mal mit Baccheen, also in beiden 
Fällen mit Massen die uns als den Jonikem nahe verwandt wohl bekannt sind. 

Es folgen 744 — 748 Anapäste und Daktylen; dann die letzte Periode des 
Duetts, 749 — 758, ganz bestehend aus Reiziani, d.h. jamb. dim. + 6 cola Rei- 
ziana, dim. + 3 cola, dim. + colon. 

Dass der Vers mit dem die kleine Monodie der Pardalisca 815 — 821 beginnt 
ein guter jonischer Tetrameter ist, habe ich zur Stelle angemerkt. Der nächste 
Vers ist unsicher, vielleicht kretisch mit Kolon (wie zur Stelle bemerkt), viel- 
leicht 3 jambische metra, nicht als Senar gebaut {sospes Her incipe hoc uti viro 
tiM))y dann ithyphallicus. In beiden folgenden Scenen sind verstümmelte und 
sonst metrisch zweifelhafte Verse, die ich jetzt beiseit lasse. Nur von v. 935. 936: 

Quid nunc? satin lepide aditast vobis manus? Merito. 

sed concrepuerunt fores. num illa me nunc sequitur? 

will ich bemerken, dass im ersten als versus Reizianus genommen die Betonung 

von lepide, im zweiten die Prosodie von illa bedenklich macht. Dagegen sind 

beide Verse schöne Sotadeen: 

uu ulW. — u uu — 

Auch 934 sed ubist palliolum tuom ? hie intus reliqui lässt sich hinzunehmen : 

yju uu—vA^ uu . Andere Verse dieser Scenen bespreche ich an 

andrer Stelle. 

3. 

Das Plautus glyconeische Verse angewendet hat^), habe ich Rhein. 
Mus. 40, 196—201 nachgewiesen und die mir damals bekannten Stellen nach 
Massgabe der alten Komödie analysirt. Das neue Material und die neuen Ge- 
sichtspunkte haben an der metrischen Auffassung hier nichts wesentliches 
geändert; aber der ZusammenhaDg, in den ich die Dinge bringen muss, nöthigt 
mich doch auch die erledigten Stücke wieder mit vorzuführen. 

In dem Duett Bacch. 979—996* (s. oben S. 31. 36) bildet den Kern der 
Mittelpartie folgende kurze Versgruppe (989 sq.) : 

ut scias quae hie scripta sient. 

Nil moror neque scire volo. 

Tamen ades. Quid opust? Taceas. 

quod iubeo id facias. Adero. 



I) Die Frage nach dem ursprünglichen Zusammenhange Ton Jamben, Jonikern und Qly- 
coneen ist im Flusse, vgl. v. Wilamowitz Orestie II 154 und sonst, Weil Bull, de corr. hell. 
19, 413 sq., Eaibel Elektra 98, Zielinski Philol. 55, 528. 540, Steurer de Aristophanis carminibus 
lyricis (Dlss. Strassburg 1896) 17. Ich brauche nicht darauf einzugehen, da es sich für Plautus 
nur um Üebernahme ausgeprägter Formen handelt. 

▲bhdign. d. K. Oes. d. Wiu. sa Oöttingen. Flül.-]iiit. Kl. N. F. Band 1, t. 7 



60 FRIEDRICH LEO, 

Das Versschema ist C3j>,—v>y— '-«-'— . Die letzte Senkung besteht überall, die vor- 
letzte mit einer Ausnahme aus 2 Kürzen, die erste mit einer Ausnahme aus 
einer Kürze; die erste Hebung ist einmal aufgelöst. Der letzte Vers erscheint 
rein dactylisch. Wie geläufig diese Formen des glyconeus der Komödie und 
der jüngeren Tragödie sind ist bekannt ; ich greife zur Ergänzung der Bhein. 
Mus. 40, 197 angeführten Komödienbeispiele ein paar euripideische Verse beliebig 
heraus: Bacch. 115: 

Bgöiiiog airi ttv &y^ ^viöovg 

elg Hqos slg tigog Iv^a [idvei^ 



Or. 831 : 



Iph. T. 1130: 



tig vööog tj xiva SixQva not 
xtg ikeog luCiatv xatä yav 

6v tf' ^A^ipfaCiov ixi yäv 



Hei. 1312: 



täv &Qna6^6t6av xvxUatv 

Dazu kommen nun mit im wesentlichen gleicher Technik (polyschematistischer 
Form und Auflösung) die delphischen Hymnen, wenigstens die jüngeren; denn 
der des Philodamos, der älteste, hat zwar die Auflösung aber nicht die Doppel- 
kürze vor der schliessenden Senkung ^). Im Hymnus des Aristonoos ') z. B. 
V. 37 tgutiöiv fpavaZg Bgöiiiogy 41 

ilX & Uccfvaööoi^ yviXwv 

im glyconeischen Schlussgebet des zweiten kretischen Hymnus v. 36'): 

[&kX & Ootßs] 6^ia dcö- 
xti[s]tov üakkiSog \&6xv xal 
ktthv xksivövj öiiv] XB ^eä 
xöl^atv diöitoxi Kgvi6CfD\y, 

Wenn sich bei Euripides lauter zweikürzige Senkungen finden (Bacch. 116 Or. 831), 
so wird man die Reihe daktylisch nennen; für Plautus liegt es näher anzu- 
nehmen, dass er ~u— uo— uu— und — va^— va^— uu— als identisch angesehen hat. 
Denn für diese und alle ähnlichen glyconeischen Verse und Versgruppen stellt 
sich als das G-emeinsame und Charakteristische heraus, dass er die Senkung vor 
der letzten Hebung aus 2 Kürzen bestehen lässt^). 



1) Das Schema bei Weil Bull, de corr. hell. 19, 399. 

2) Die Formen bei Grusius die delph. Hymnen 24. 

8) Nach Weils Ergänzung Ball, de corr. hell. 18, 355. 

4) Auch sapphiBche 'Elfsilbler' mit 2 Dactylen gibt es in der römischen Poesie, aber erst 
bei Seneca, Verse wie sumtre innumeriM aolitum figuraSf d. h. Zwölfsilbler (die SteUen bei B. Schmidt 



DIE PLAUnNISGHEN CANTICA UND DIE HELLENISTISCHE LYBIK. 51 

Das Duett Epid. 633 — 646 besteht aus zwei Theilen. Im ersten beob- 
achtet Periphanes die Philippa, die ihm bekannt yorkommt, diese sucht sein 
Haus ( — 637), im zweiten erkennen sich die beiden und gehen auf einander zu 
(640 — 646); die beiden Theile werden durch 2 kretische Verse verbunden, die 
stark bewegten Inhalts sind: Periphanes kommt auf den G-edanken, dies sei 
Philippa, Philippa erblickt den Periphanes und erinnert sich ihn zu kennen 
(638. 639) ^). Der zweite Theil ist anapästisch im Anfang, dann trochäisch. Den 
ersten setze ich her: 

Quis illaec est mulier, timido 

pectorä peregre adveniens 

quae ipsa se ndseratur? In his 

dictus locis habitare mihi 
6 Periphanes. Me nominat haec; 

credo ego illi höspitio usus venit. 

Pervelim m^rcedem dare qui 

monstret eum mi hominem aut ubi habitet^). 

Noscito ego hanc, nam videor nescio ubi mi vidisse prius. 
Das Schema der ersten 7 Verse ist dasselbe wie Bacch. 989 sq. , nur ist im 
ersten die erste Senkung eine Länge statt einer oder zweier Kürzen; 4. 6. 7 
sind daktylisch, 2. 3 gleich den beiden ersten Bacch. 989, 6 gleich dem dritten 
mit Länge in der zweiten Senkung wie tig ikeog /a^^^gh/ Tcatä yäv. Der 8. Vers 
hat die Form — va^— *ju— vaa^— , das ist ein um eine Silbe fortgesetzter glyconeus, 
eine Reihe die grade als Abschluss einer glyconeischen Periode legitim ist, vgl. 
Wilamowitz zu Hipp. p. 190, Her.* 11 147 und die Verse Hipp. 68: 

vaieig ^bnaxiQBiav ai- 
Xäv Ztp/bg noX'öxQvöov olxov^ 

Her. 676: 

Ikii ipviv {ux* ifioxHSiag (690 eCkiööovöat TcaXUxoQOt) 
alsl d* iv 6xeq>avoi6iv sCriv. 

Ich halte es danach nicht für rathsam, habet statt hahitet zu schreiben, um so 
weniger als die 8 Verse durch Synaphie verbunden sind. Der 9. Vers wäre 
durch Umstellung von mi vor videor in 2 dactylische Glyconeen aufzulösen. 
Aber von selbst ergibt der Vers 3 Choriamben, Ttaxä fiitgov gebaut, mit dem 
Abschluss *-^-v7> den man sowohl als das glyconeische KoloYi Maecenas 



de emendandamm Senecae trag, rationibus 71 sq.). Dies mit Bergk poet. lyr. III 171 auf metri- 
sche Lehre zurückzuführen geht nicht an, da die Ton Seneca befolgte Theorie den Vers nur als 
hendecasyllabus kennt (Gaes. B. p. 258). 

1) y. 637 wird wohl richtiger auch zu dieser Gruppe gezählt. 

2) In der adnotatio habe ich ein paar Aenderungen vorgeschlagen, Ton denen ich Jetzt sehe 
dass sie nicht nöthig sind; nur 4 ist dictust überliefert (A nicht zu lesen), man kann das est 
natürlich auch nach mihi unterbringen. 6 stand in A credo ego Uli usus hospi — : wenn der Vers 
ausging höspitio est, so ist das auch ein richtiger glyconeus. — In ^ sind je 2 Glyconeen ver- 
bunden, in P ist die Ordnung gestört, war aber wohl ursprünglich dieselbe. 

7* 



62 KBXSDRICH LSO, 

aiavis wie als dactylische Tripodie auffassen kann, in welchem Falle der Vers 
völlig den jonisehen Gas. 632. 633 entsprechen würde (s. 3* ^)« Für die Ver- 
bindung der äolischen und jonisehen Verse brauche ich nur auf das eben citirte 
Lied des Herakles und auf den Hjrmnus des Philodamos hinzuweisen — wenn 
es dessen bedarf; und für den Uebergang zu kretischen Versen (538. 639) auf 
Alles was wir über die Verbindung von ionici und cretici bei Plautus gefunden 
haben. 

Von der Monodie des Menaechmus 110 — 122 habe ich S. 46 gehandelt. 
Wir finden da zwischen Kretikem v. 114 die beiden daktylischen cola 

nam quotiens foras ire volo, 
me retines revocas rogitas, 

die auch in diesem Falle unter die G-lyconeen gerechnet werden müssen; denn 
vorauf gehen 2 kretische Verse und vor diesen die Anfangsverse des Liedes: 

ni mala, ni stulta sies, ni indomita imposque animi, 
quod viro esse odio videas, tute tibi odio habeas, 

d.h. der oben besprochene jonisch - choriambische Vers und —yj — uu—yju-^ 
— u^juKjuu— ein glyconeus mit ithyphallicus. Es sind also genau dieselben Ele- 
mente in andrer Verbindung, die uns hier und im Epidicus begegnen. Dieselbe 

Reihe glyc. + ithyph. — u uu— — u uo— finden wir Most. 882, wo sie, 

wiederum nach einem kretischen Tetrameter, das canticum abschliesst : 

hoc die crastini quem erus resciverit, 
mane castigabit eos bubulis ezuviis. 

Dazu kommt Bud. 962. 963, auch hier nach kretischen Tetrametem (949 — 961): 

si fidem modo das mihi te non fore infidum. 
Do fidem tibi, fidus ero, quisquis es. Audi. 

Hier ist das Schema — u — va^ — uu — — u , über das schliessende Kolon 

habe ich S. 21 gesprochen. 

Die Scene Epid. 320 — 336 zwischen den beiden Jünglingen ist buntgemischt 
aus kretischen, jambischen, trochäischen, anapästischen Versen. An sie schliesst 
sich ein Monolog des Epidicus in jambischen Septenaren; die ersten beiden 
spricht er zu dem Herrn zurück, in der Thür stehend, die letzen Worte hoc 
quidem iam periit zum Publicum. Die Thür ist nun geschlossen , er bleibt vor 
ihr stehn und apostrophirt höhnisch den Geprellten im Hause (339): 

ne quid tibi hinc in spem referas, oppido hoc poUinctumst ; 
crede modo mihi: sie ego ago, sie egerunt nostri. 

Dann tritt er vor, dankt den Göttern, will abgehn seinen jungen Herrn zu 
suchen und erblickt ihn nun mit dem Freunde. Die beiden Verse zu Septenaren 
zu machen ist weder schwer noch leicht. Da sie einen Anstoss nicht geben 
und durch Spiel und Inhalt gesondert sind, muss man versuchen die Ueber- 
lieferung metrisch zu erklären. Der zweite Vers ergibt ohne weiteres das 
bekannte Schema — ou— uu — va^— , der erste, wenn man ne als 



DES PLAÜTINISCHEN GAKTICA üin> D^S HELLENISTISCHE LTRIE. 68 

Kürze fasst (zu Aul. 340; vielleicht richtiger so als quid für kurz gelten zu 

lassen), das entsprechende uuu \^— — u . 

Pers. 29 steht in einem zwischen jambischen und trochäisohen Versen und 
Systemen wechselnden Duett (oben S. 32) zwischen Trochäen : 

basilice agito eleutheria. 

Der Inhalt hebt die Worte besonders hervor; sie gestatten keine andere Mes- 
sung als vAA^ uuu -^ uuuy das ist ein glyconeus, mit Auflösungen der beiden ersten 
Hebungen. 

Einen Schritt weiter führt das Lied des Lysidamus Cas. 937-^956. Er 
stürzt aus dem Hause mit den dactylischen Versen, die wir kennen: 

Maxumo ego ardeo flagitio 
nee quid agam meis rebus scio 
nee meam ut uxorem aspioiam 
contra oculis, ita disperii. 
Die cola sind durch Synaphie verbunden. Es folgen trochäische cola (S. 14), dann 
in der verstümmelten Partie 941 — 947 wie es scheint anapästische und trochäische 
Verse. 948 ist ein kretischer Tetrameter, dann 949—956 (v. 963 setzt A ein): 
sed ecquis est qui homo munus velit fungier pro me? 
quid nunc agam nescio, nisi ut improbos famulos imiter ac domo fugiam. 
nam salus nullast scapulis, si domum redeo. 
nugas istic dicere licet, vapulo hercle ego invitus tamen 953 

etsi malum merui. 
hac dabo protinam et fugiam. Heus, sta ilico, amator. 
Occidi, revocor. quasi non audiam, abibo. 

V. 954. 955 sind in P in eine Zeile geschrieben. Zwei SteUen geben Anstoss: 
im vorletzten Verse kann me bei dabo nicht entbehrt werden, wie es denn Came- 
rarius bereits zugesetzt hat (vgl. Cure. 363 exinde me üieo protinam dedi)] und 
zwar darf es der Regel nach nicht vor hoc stehen^), ob es unmittelbar nach 
hac , dabo oder protinam zu setzen ist muss das Metrum entscheiden (das , wie 
wir sehen werden, intact ist). Femer v. 953 kann nugas istic dicere licet nicht 
richtig sein : ^gehe ich wieder nach Haus , so sind mir die Prügel sicher , denn 
herausreden kann ich mich nicht mehr; verdient habe ich die Prügel auch, aber 
ich mag sie doch nicht; so werde ich davonlaufen'. Das positive nugas istic 
dicere licet (wie er es in der Scene II 3 gethan hat) ist, wie man sieht (und 
Ussing bemerkt hat), widersinnig ; verlangt wird nicht nur die Negation, sondern 
'nicht mehr'. Was das Metrum angeht, so läuft der kretische Rhythmus bis 
nescio j dann wird er unterbrochen; der trochäische, der dann zu beginnen 
scheint, hört schon mit salus auf. Die ^dactylischen' Reihen im Anfang des 
Liedes rathen dazu es mit Glyconeen zu versuchen, und die Kretiker geben, 
wie wir nun wissen, eine gute Fährte. Die Verse sind folgende : 



1) Kaempf de pronom. person. usu et collocatione dO. Eine Stellung wie Merc. 1001 ammus 
ruraus te hue indueet ist selten. 



64 FRIEDBICH LEO, 

sed ecquis est qui homo munus velit fuDgier 

pro me? quid nunc agam nescio nisi ut 960 

improbos famalos imiter ac domo Aigiam. 
nam salus nullast scapulis si domum redeo. 
nngas istic dicere (iam non ut ante) licet, 
vapulo hercle ego invitus tarnen etsi malum meroi. hac 
(me) dabo protinam et fugiam. Heus sta ilico, amator. 966 

Occidi, revocor. quasi non audiam, abibo. 

Die Verse 951 — 956 beginnen sämmtlich mit dem glyconeus in der festen Form 
— u— vA^ — ou — , nur 953 (dessen Ergänzung natürlich nur zeigen soll dass der 
Vers in der Reihe stehen kann) bildet die Senkungen wie t&v &Qica6^£t6av xv- 
xlicov. Darauf folgt 961. 952 das Kolon — u— uu — , 954 dasselbe steigend 

u — uu— -*). Als zweites Kolon v. 956 das Reizianum anzusetzen (wie es ja 

auch 954 möglich wäre) widerräth der folgende Vers. Aber sehr wirksam ist 
es, dass mit dem Einspringen des Chalinus in die Monodie , das dieser ein jähes 
Ende bereitet, das Schlusskolon sich ändert: ein anderes logaödisches tritt für 
das bisherige ein, — uu der sogenannte adonius, und wiederholt sich im fol- 
genden, dem Schlussverse der Monodie. Fragen kann man noch, ob die Ueber- 
leitung von den Kretikem zu den Glyconeen nicht besser als durch das (übrigens 
grade in dieser Verbindung ganz gewöhnliche) trochäische Kolon nescio nisi ut 
durch das mit den folgenden Schlusskolon identische nescio nisi uH herge- 
stellt wird. 

Als ich die metra dieses Liedes erkannt hatte, verglich ich mit ihnen die 
Verse Cure. 166—167, die ich in der Ausgabe als Sotadeen analysirt habe, wie 
sie sich dem xagccxkaxHSidvQov wohl anschliessen würden: 

re spicio nihili meam vos gratiam facere. 

st tace tace. Taceo hercle quidem. Sentio sonitum. 

tandem edepol mihi morigeri pessuli fiunt. 

Aber dass sich dreimal, auch durch Wortschluss, die dactylische Reihe— uo—*ju—vju— 
sondert, dass dann dreimal das Kolon — u— u^u»— folgt, nur einmal mit Contrac- 
tion der zweiten Senkung, dass also in all diesen Versen nur gratiam, sentio, 
pessuli, und zwar in so identischer Bildung, als Senkung die Kürze zeigen, 
deutet doch mit Bestimmtheit darauf, dass die Verse mit Gas. 961 sq. und den 
vorher besprochenen zusammengehören. Die Contraction pessuli fiunt kommt 
freilich in dem Kolon — u — uu— sonst nicht vor und es ist vielleicht richtiger, 



1) Es wäre leicht den Vers gleichzumachen, indem man tametsi setzte, dreisilbig wie sicher 
Pseud. 244; so ist tarnen etsi für tam etsi geschrieben Fers. 862 (ÄP) Trin. 679, vgl. Stich. 27. 
Aber auch Stich, l sq. steht das fallende neben dem steigenden Kolon; die syllaba anceps zwischen 
den beiden cola Ton 954 erinnert daran, dass Mil. 1209 tarnen und etsi durch den Vers getrennt 
sind (vgl. Braune obs. gramm. et crit. 1881 p. 44). Sonst besteht von 951 bis 956 Synaphie (vor- 
und nachher Hiatus), daher habe ich hac an y. 954 gehängt (vgl. z. B. v. 643) ; man könnte sonst 
me hinter dabo setzen und gewönne so die dactylische Form des glyconeus. 



DIE FLAUnNISCHEN CANTIGA UND DIE HELLENISTISCHE LTBIK. 56 

das zweite Eolon aller 3 Verse mit dem von Bud. 952. 953 zu identificiren, 
vgl. Ter. Ad. 610 sq., oben S. 21. 

— yj—\ju— ist das Eolon ^Msg ix neQdxwv (Maecenas atavis)^ das die Les- 
bier mit — uu— u— yäQ iksq>avt(vav {edite regibus) verbunden haben; z. B. in der 
Strophe Eur. Her. 674 sq. erscheint sowohl (loXnäv tucI ACßw oebkhv oüxm xata- 

xa'ööofiev u«j — u— — uu — u— wie ifirovif i(iq>l milag rbv Aarovg eüitaida 

yAvov vA^— uu— . Bei Plautus finden wir gradezu stichische 

Verwendung so verbundener Bicihen , aber doch so dass die Beweglichkeit der 
Verbindungen nicht aufgehoben wird. Für die Verbindung des steigenden 
Eolons u— u— VAJ— mit dem glyconeus führe ich ein paar Stellen an: Eur. 

Hei. 1302: 

^dtfiQ %B&v iö'ö^fi 

äi/ ikdevra vinri 

7totdfii6v XE XBv^i i)8&tiov 

ßaQvßgoiiöv xa xt)ft' SXtov, 

lo 112: ^ ^ 

£/ & vsti^alhg & 

xttkXiöxag ngoitöXev^ ddtpvag^ 
& xäv ^oißov &v^dXav 
öaigeig i)icb vaotg 
xi^TCfov i^ äd'avdxmv, 
tva ÖQÖöoL xiyyovtf tsgat etc. 
Dergleichen ist leicht zu häufen; statt anderer möge noch die Parodie aus den 

Fröschen gelten, 1348: 

etsMööovöa xsgotVf ^ va^— 

xXa)6xrjQtt noiovff Znmg \a^ — u — 

xvBq>alog slg iyogäv u— u — v^» — 
fpigovö^ iacoSolitav u — kaj 

die unmittelbar zu dem das Kolon v^ — u — ou— stichisch verwendenden Liede des 
Plautus hinüberfuhren kann. 

Wie die Anfangsscene des Stichus metrisch verstanden werden muss, habe 
ich Rhein. Mus. 40, 200 nachgewiesen. Die Kurzverse sind in A überliefert, 
in jB je zwei verbunden. Die ältere Schwester beginnt, die jüngere folgt, in 
ihre Rede greift die ältere mit einer Frage ein: 

Credo ego miseram 
fuisse Penelopam, 
soror, suo ex animo, 
quae tarn diu vidua 

viro suo caruit; 6 

nam nos eins animum 
de nostris factis noscimus, quarum viri hinc absunt, 
quorumque nos negotiis absentum, ita ut aequomst, 
sollicitae noctes et dies, soror, sumus semper. 



66 FRIBDBICH LEO, 

Nostrum officium 10 

no8 facere aequomst, 

neque id magis facimus 

quam nos monet pietas. 
sed hie, soror, assidedum: multa volo tecam 
loqui de re viri. Salvene, amabo? 15 

(8 a. ut est aeqtmm P, 14 mea saror P), es folgen noch 4 Verse von der letstea 
Art, dann 2 cola B.eiziana, 2 paroemiaci als Ueberleitung zu anapästischen Sy- 
stemen. Hier finden sich also zunächst stiohisch verwendet die versus Beiziani 
(7 — 9. 14) und deren nur hier erscheinende Abart u— u— u— u— u— u (S.9) gleich- 
falls stichisch, 2 anapästische metra (10. 11). Das Lied beginnt mit dem Kolon 
— u— uu — , es setzt sich fort stichisch (nicht mit Synaphie) in der steigenden 
Form j^— u — vA^ — , die Senkungen stets gleich gebildet. Bei 6 kann man 
schwanken: die Worte ergeben sowohl das Kolon Maecenas atavis (= 1) wie 
das Reizianum; dieses vorzuziehen veranlasst mich die Bildung der ersten Sen- 
kung und die gute Ueberleitung zu den folgenden Versen. Ein ähnlicher Zweifel 
entsteht vor 12. 13: es sind zwei reine cola wie 2 — 5; nur die Prosodie von 
magis (Plaut. Forsch. 270) macht es mir wahrscheinlich , dass 12 mit 10. 11 
metrisch identisch ist, und dann tritt 13 in die Analogie von 6. Aber die Mög- 
lichkeit bleibt offen , dass auch 6. 12. 13 = 2 sq. sind. Wegen der stichischen 
Verwendung dieses Kolons, wegen der augenscheinlichen Verwandtschaft des 
Keizianum mit diesen Glyconeen auch bei Plautus, wie im attischen Drama, ist 
das canticum besonders wichtig. 

Der adonius vertritt das colon Keizianum Trin. 240: 

cuppes avarus elegans despoliator 
281: 

patrem tuom si percoles per pietatem 

und ebenso wie es scheint v. 236. 247, alles in derselben Monodie und der sich 
anschliessenden Scene. 

In der grossen mit der Monodie der Leaena beginnenden Gresangscene 
Cure. I 2 wird die Rolle der Leaena abgeschlossen durch das kurze Duett 
zwischen ihr und Phädromus 134 — 139: 

hoc volo scire te: perditus sum miser. 

At pol ego oppido servata. 

sed quid est? quid lubet perditum dicere 

te esse? Quia id quod amo careo. 

Phaedrome mi, ne plora amabo. 
tu me curato, ne sitiam, ego tibi quod amas iam huc adducam. 
Der erste und dritte Vers sind kretisch. Die 3 übrigen vor dem letzten habe 
ich, wie es der letzte ist, anapästisch bezeichnet, da ich den an zweiter und 
vierter Stelle erscheinenden äolischen Vers — va^ — u — u — u sonst bei Plautus 
nicht nachweisen konnte. Es ist aber doch nur der verlängerte glyconeus 
wie Epid. 536, in derselben Form z. B. Anacr. 46 : 



DIE PLAUTINISCHEN CAimCA UND DIE HELLENISTISCHE LYBIE. 67 

iffXQdyaXfa d^ "Egotög et- 

6tv fMCvCac TS Tcal Tcvdoi^ot, 
selir ähnlich für den Körner, wenn auch nicht gleichen Ursprungs mit dem alkai^ 
sehen ZehnsUbler srard' j^yccfisiivoviav XatQS'üa (Iph. T. 1115). Dass hiermit das 
richtige getroffen ist, zeigt sowohl der vierte Vers, der ein einfacher dactylisoher 
glyconeus ist, als die Verbindung dieser Verse mit kretischen. Die Periode hat 
also folgende metra: 

— o u u u 

— uu — \J u 

— u u \J u — 

— Lfu^yju^sju — 

dann der anapästische Vers, mit dem Leaena abgeht. 

Die Schlussscene des Fseudolus, ein Duett zwischen dem Sklaven und sei- 
nem Herrn, zerfallt in zwei grosse Abschnitte und einen kleinen zum Schluss. 
Der erste (1285 — 1314) besteht aus Kretikern mit zugehörigen und einigen jam- 
bischen cola ; seine erste Periode , in der Simo und Pseudolus sich begegnen, 
wird durch einen anapästischen Septenar (1295) abgeschlossen, die zweite, in der 
Pseudolus mit der Frechheit des Sieges glänzt, durch einen trochäischen Septenar 
mit kretischem Tetrameter. Der zweite Abschnitt (1315 — 1328) ist anapästiscb, 
er enthält die Bitten Simos und das Zugeständniss des Sklaven. Dann folgt 
der Abgesang der Scene und des Stückes: zuerst 8 Baccheen, dann 6 Elretiker 
mit einem glyconeischen Kolon (1330): 

Te sequor. quin vocas spectatores simul? 

Eercle me isti hau solent 

vocare, neque ergo ego istos. 
und genau dieselbe Gruppe wiederholt: 

verum si voltis adplaudere atque adprobare 

hunc gregem et fabulam, 

in crastinum vos vocabo. 
Das erste mal ist syllaba anceps nach dem 4. creticus, das zweite mal sind alle 

6 verbunden. Das äolische Kolon ist dieses: ^ — uu — kj 8i9vKB nikv & ffsUvuj 

es wird aber wohl für Plautus einfach mit dem enoplios zu identificiren seint 
der dieselbe Form hat z. B. Eur. Her. 354 bIx^ ^A^txQ'öiovog Iviv (Wilamowitz 
n' 83). Die charakteristische Verbindung mit Kretikern tritt uns auch hier 
entgegen. 

£ud. 229 beginnt das durch zwei Monodien eingeleitete Duett der Palaestra 
und AmpeUsca mit folgenden Versen, um gleich danach gleichfalls in Kretiker 
fiberzugehn, die dann bis auf die Schlusskola herrschend bleiben: 

Quoianam voz mihi prope hio sonat? 
Pertimui, quis hie loquitur prope? 
Spes bona, obsecro, subventa mihi, 
ezime ex hoc miseram metu. 

Abkdlgn. cL K. Gm. d. WIm. ra GdttiiigoB. PkiL-Uit. KL N. F. Band 1, t. 8 



58 FBIEDBICH LEO, 

Es sind 3 gleich lange Verse und ein kürzerer als Abschloss. 'Trochäische Fen- 
tapodien' sind ein metrisches Unding. Der fallende Rhythmus ist unzweifelhaft; 
dass es nicht Dactylen sind, zeigt die Bildung der Senkungen. Vielleicht sind 
auch dies äolische Reihen, diesesmal durchgehend mit der Kürze vor der letzten 
Hebung. Der erste Vers würde mit der Wortstellung mihi vox nicht seinen 
Rhythmus, aber sein Metrum deutlicher zeigen; wie er überliefert ist fehlt ihm 
der Dactylus. Der Vers erscheint z. B. Eur. Bacch. 866 zwischen 2 Glyconeen : 

^ijttovö^ Ag veßgbg x^osgatg 

ffyiil otv g>oß6Qctv q>iiyji 
Auch bei Flautus schliesst (mit ex als £ürze) ein glyconeus: 

— U VAA> — U — 

— yju — u — yju — u ^ 

— u — c«j — u ^ 

— \ju — KAJ — u — 

Die plautinischen Glyconeen lehren uns, dass man von dactylischen Versen 
bei Flautus nur dann sprechen darf, wenn eine Reihe von cola reine Dactylen 
aufweist, wie Gas. 747: 

sed lepide nitideque volo, 

nil moror barbarico bliteo. 

stasne etiam? i sis, ego hie habeo. 

numquid est ceterum quod morae sit? 

wo der letzte Vers Anlass zu Zweifel gibt (morae)] der kretische Vers numquid 
est ceterum quod morae siet (siet wahrscheinlich Ä) verbände sich gut mit jenen. 
Man darf wohl fragen, ob nach Flautus' Absicht diese dactylischen cola von den 
Glyconeen, denen auch rein dactylische beigemischt sind, verschieden sein sollen. 
Es folgt auf diese Verse, als Schluss des Duetts, eine Versgruppe die sich als 
den Glyconeen verwandt ohne weiteres ausweist : 3 versus Reiziani so vertheilt, 
dass zwischen dem ersten und zweiten 5, zwischen dem zweiten und dritten 2 
Reizische cola stichisch beieinander stehn (S.49). Aehnliche Erwägungen stellen 
sich ein, wenn man Cure. 122 auf Eretiker mit ithyphallicus zwei dactylische 
Tripodien folgen sieht: 

Salve. Egon salva sim, quae siti sicca sum? At 
iam bibes. Diu fit. 
Em tibi anus lepida. 
Salve, oculissime homo, 

oder vorher 103 dasselbe dactylische Eolon auf Eretiker; vgl. Men. 114. Im 
ganzen hat Flautus nicht häufig genug reine Dactylen angewendet, dass eine 
sichere Bestimmung dieser Grenzlinie möglich wäre. 

Hier ist der Ort, einige Bemerkungen über das colon.Reizianum anzu- 
knüpfen. Dass dieses nichts ist als ein äolisohes colon (ndxipfagy 6 vo^g Si öay | 



DIE PLA.ÜTIXISGHEN CANTIGA UND DIE EEELLENISTISCHE LTBIK. 59 

TCttQhv &7eoSriiut)^) , das aber auch in dorisclien ^ jonischen') jambischen^) doch- 
mischen^) Liedern vorkommt, habe ich £hein. Mus. 40, 185 — 195 nachgewiesen. 
Es ist, wie Bergk (Kl. Sehr. U 395. 402) erkannt hat, eine zum Urbestande gehörige 
Form; die Senkungen, die ursprünglich frei waren, haben in der Metrik der 
Stämme verschiedne Ausbildung gefunden. Plautus bildet das Kolon mit völliger 
Freiheit der Senkungen, wie seine Jamben: cÄ>""dfc""-^> ^^^ zugleich mit der 
sonst nur seinen Anapästen eignen Silbenvertheilung : quia fumus molestust wie 
tixa^e Si vixriv. Doch scheint es dass er zwei Bildungsweisen gesondert und in 
deren Anwendung wenigstens einen negativen Unterschied gemacht hat; denn die 
charakteristisch anapästische Bildung der zweiten Senkung ist in der Regel in 
den cola nicht zugelassen, die er baccheischen Versen beigemischt hat*). Er 
verwendet das Kolon so häufig wie das griechische Drama, zum Theil in den- 
selben Verbindungen. Die bekannteste von diesen ist der sogenannte versus 
Reizianus, in dem das Duett Aul. 415 — 446 geschrieben ist, unter Anwendung 
aller erdenklichen Formen des Kolons; ausserdem erscheint der Vers einigemal 
in kleineren Gruppen , wie am Anfang und Ende des Stichus je 3 ; und öfter 
einzeln, in Gesellschaft meist von Anapästen, auch von Jamben, Kretikern oder 
Baccheen : inmitten von Ferikopen vor Anapästen nach Kretikern Most. 330, nach 
Anapästen Most. 877 (? vor cret.) 892 (unmittelbar vor und nachher andere Rei- 
ziana) Fseud. 589 (vor troch.) 1254 (bacch. und anap., dann Reiziana und iamb.) 
Rud. 189 ; nach Jamben vor Baccheen Gas. 826, nach Baccheen vor Jamben Poen. 
238, unter Baccheen Bacch. 1124^), nach Kretikern vor Jamben Trin. 285. Zwei- 
mal beginnt der Vers ein canticum: Most. 858 Rud. 185 (hier ist vielleicht der 
verstümmelte zweite Vers gleichfalls ein Reizianus), beidemal als Einleitung von 
Anapästen; dreimal beschliesst er ein canticum: Aul. 160 Most. 347 Truc. 129 
(in beiden letzten Fällen vielleicht auch der vorletzte Vers ein Reizianus, über 
den ersten s. u.), deren erstes vor den Reiziani (155 sq.) anapästisch, das zweite kre- 
tisch, das dritte in seinem letzten Abschnitt kretisch-anapästisch ist^). Perioden 
schliesst er Trin. 254 (nach kretischen, trochäischen, jambischen Versen®)) Men. 



1) Vgl. Y. Wilamowitz Isyllos p. 148 Hippol. p. 211. Auch in der Parodie Ar. Ban. 1861. 

2) Yolksthümlich (^19' ^l^s ^sZi^cbv) wie bei Epicharm (za erschliessen ans Theokrits Epi- 
gramm: Bhein. Mas. 40, 198). 

8) V. Wilamowitz Her. II 146, vgl. Bacch. 586. Scheinbare Ban. 888 Ay. 1898 (y. Wilamo- 
witz IsylloB 187. 166). 

4) Tragödie z. B. Tro. 1086 (y. Wilamowitz comm. metr. I 24) Iph. T. 896. 426 Or. 994. 
Komödie Bhein. Mas. a. 0., y. Wilamowitz Arist. a. Ath. 863. 

6) Y. WUamowitz Her. I 146 H 219; Ygl. Orestie TL 169. 

6) Bhein. Mas. 40, 190; anten 8. 60 A. 6. 

7) Bacch. 988« zwischen Jamben und Glyconeen quid me tibi adease opus est ? völo ut quod 
ivheo fadaa durch Interpolation entstanden; iübebo (B) ist noch weniger möglich. Ueber Mosl. 
899 oben S. 14. 

8) So schliesst Soph. Ai. 427 eine dochmisch-jambische Strophe *EXXavidog^ tic v^ d* ätiitog 
&ds 9CQ6*etiuti, (y. Wilamowitz Her. U 219). Ueber Gas. 986 sq. oben S. 49. 

9) Y. 261—268 ist Yielleicht ein troch&isches Systenr Yon 10 metra. Ueber y. 286 a. a. oben S. 66. 

8* 



60 FBIEDBICH LEO, 

865 (Anapäste, oben S. 29) nnd vielleicht Truc. 462, wo es möglich ist auf ana* 
pästische Verse (8 metra ohne Katalezis) einen Reizianns folgen zn lassen. Ne- 
ben diesem versus Heizianus, und zwar in seiner unmittelbaren Nähe, hat Flau- 
tus nicht selten den trochäischen Dimeter vor dem £olon (s. u. Anm. 3) und an 
einer Stelle, in der stichischen Folge Stich. 10 — 14, den oben besprochnen Vers 
spero quidem ei volo, $ed hoc soror cruciar. 

Das Kolon gefolgt von einem jambischen Dimeter, also in umgekehrter 
Folge die Elemente des versus Reizianus^) leiten die Monodie der Astaphium 
Truc. 209 ein (danach 2 bacch. Tetr., jambische Langverse). Als Abschluss von 
Liedern und Abschnitten dient das Kolon häufig, häufiger als der Vers: Amph. 
653 Bacch. 670. 996». 1140» Capt. 790 Gas. 162. 873. 936 Poen. 1191\ 1200 
Pseud. 935, vielleicht Pseud. 603 Stich. 330 Bud. 289, vgl. Men. 981 Rud. 218; 
verdoppelt Cas. 162. Es verbindet sich mit jambischen^, trochäischen'), kreti- 
schen^) cola und Versen, häufiger mit anapästischen ^) , am häufigsten mit bac- 
cheischen^). Unter diesen Bildungen wird besonders der baccheische Dimeter 
mit dem Beizianum wie ein eigner Vers behandelt. Häufig, wie in griechischen 
Liedern, erscheint das Kolon verdoppelt: als Abschluss einer kretisch-trochäischen 
Partie Bacch. 661, einer anapästischen Poen. 1191% des Liedes Cas. 162, zwischen 
baccheischen Tetrametem Men. 760^) Most. 874, zwischen Anapästen Pers. 849» 
zwischen einem anapästischen und einem kretischen Verse Capt. 216, abwechselnd 
mit anapästischen und einem Senar Cas. 175. 177. 179, zwischen jambischen cola 



1) Vgl. Rud. 268 sq. 

2) Bad. 286 fatecr, ego huius fani sacerdos dueo (vorher jamb. Octonar u. katal. Dim.) 
Cas. 848 corpMculum malaculum mea uxorcülat ^<^ ^^^ (folgen die beiden cola in omgekebrter 
Ordnung); Bacch. 996» (oben S. 86} Men. 981 (nach jamb. Sept.). 

8) Troch&ischer katal. Dimeter mit Beiziannm, dem versus R zun&chststehend und meist mit 
ihm verbunden: Cas. 892 (vgl. zur Stelle) 934—936 Most. 846. 893; vgl. Bacch. 661 Cas. 159 
Pseud. 938*. Eur. Hipp. 631 schliesst die äolische Strophe olov th t&g 'AtpQodf\tag tfjciv i% xsq&v 
"IBiftog 6 ^ihg nutg, 

4) Nach kretischem Tetrameter Pseud. 935«, nach Dimeter mit — u — u — Cas. 873 , vgl. 
Bad. 253. 

6) Nach anap. Dimeter (analog dem versus Beizianos) Bacch. 670 Poen. 1199. 1200 Pseud. 
981, vgl. Truc. 450 (nach 2, eigentlich dochmischen, Dimetem als Liedschlnss Ion. 606 sq.); nach 
paroeniacus Epid. 182 Bud. 218 vgl. Truc. 128 (vgL nach 2 ivixUoi Ion 191); nach Monometer 
Most. 828 vgl. Stich. 8; das Doppelkolon sehr h&ufig unter Anapftsten. Nach daktyl. Tetrameter 
Cas. 887? vgl. Iph. A. 1381. 

6) Nach bacch. Tetrameter Amph. 689. 646. (647) 660. 658 (zwischen Hexameter und Tetnun» 
641) Bacch. 1120; mit Trimeter verbunden Cas. 654. 659 Aul. 169 Poen. 254; mit Dimeter AuL 
165 Bacch. 1127. 1128 Capt. 788. 790 Cas. 649. 658. 662. 665. 678—675. 686. 694—696. 702 (sti- 
chisehe Gruppen zumTheil, s. oben S.16sq.) 831. 840, vgl. 884; (Mst 4. 86 Men. 762—768» Most. 
814. 817. 818. Nach Monometer oder vielmehr nach Pentameter Bacch. 1121. 1189. 1140 Poen. 
268 Bud. 287—289. Nach kaUl. Tetrameter Cas. 868 Men. 582 , nach katal. Dimeter Cas. 668. 
691. 703. 884 (eben S. 16); vgl. Most. 89a Einige dieser Verse olmeDiftrese vor dem Kolon; doch 
sind nicht alle Messungen sicher. 

7) Y^ Plant. Forsch. 268. 



DIE PLAUTINISCHEN CANTICA UND DIE HELLENISTISCHE LYBIK. 61 

Cas. 844. 845; nach einem versus Beizianus Pseud. 1256, nach der Spielart die- 
ses Verses Stich. 15, zwischen anderen mit dem Kolon gebildeten Formen Most. 
891. Einige Abschnitte von Liedern werden von dem Kolon und seinen ver- 
schiednen Verbindungen förmlich beherrscht; so die zuletzt berührten Verse Most. 
890 — 894 (katal. bacch. Dim., 3 cola R., versus R., troch. Dim. + col. R.); über 
den ScUuss der Liedscene Cas. III 6 oben S.49. 58: hier ist das Kolon gradezu 
atichisch angewendet; Aul. 156 — 160: 

sed his legibus, si quam dare vis ducam: 
quae cras veniat, perendie foras feratur [soror]; 
his legibus [quam] dare vis? cedo: nuptias adoma. 
Cum maxuma possum tibi, frater, dare dote; 
sed est grandior natu: media est mulieris aetas. 
eam si iubes, frater, tibi me poscere, poscam. 

Hier sind 4 versus Reiziani, aber der erste und fünfte Vers beginnen baccheisch: 
so wird das baccheische Mass, aus dem der erste Abschnitt des Liedes besteht, 
wieder angeschlagen, wie auch im zweiten Abschnitt durch die beiden Verse 
147. 148. 



4. 

Die Analyse lehrt uns viel, aber sie löst nicht das Problem. Wir können 
80 gut wie alle einzelnen plautinischen Versformen auf ihre griechischen Origi- 
nale zurückführen und doch gibt ihre Gesammtheit ein anderes Bild als irgend 
ein ans bekanntes Gebiet der griechischen Verskunst zu irgend einer Zeit, ein 
anderes auch als die astrophische Lyrik des späteren griechischen Dramas, das 
Grenfellsche Lied eingeschlossen. Wo liegt der charakteristische unterschied? 

Er springt in die Augen, wenn wir die ganze Masse mit der griechischen ver- 
gleichen. Die meisten cantica hatPlautus im kretischen oder baccheischen Tetra- 
meter gedichtet. Päonische Tetrameter gibt es in der Komödie, auch in stichischer 
Verwendung ; Verse in der jüngeren Tragödie, aber keine stichischen Tetrameter. 
Baccheische Verse gibt es in der dramatischen Lyrik; nirgends stichische Tetrameter. 
Da liegt der unterschied. Er erstreckt sich gleichermassen über alle Versarten : 
die Elemente des versus Reizianus treten gelegentlich im griechischen Drama zu- 
sammen, stichisch erscheint der Vers nur bei Plautus; der kretische Dimeter mit 
Kolon und andere combinirte Verse desgleichen« Die jambischen trochaischen 
anapästischen Dimeter und akatalektischen Tetrameter erscheinen als Elemente und 
Gruppen der langen Verse in Komödie und Tragödie, stichisch bei Plautus. 

Der unterschied liegt in Form und Stoff: in der Bildung eigner Versarten 
aus vorhandnen Elementen zu stichischer Verwendung und in der häufigen Ver- 
wendung theils dieser Bildungen theils vorhandner aber selten vorkommender 
Vearsformen. 

Die Erkenntniss, die sich hier auf schliesst , ist entscheidend für die Beur» 



62 FRIEDRICH LEO, 

theilang der plaatmischen Eanstabnng. Wer überhaupt die Dinge bedenkt und 
ihren Znsammenbang sich anschaulich zu machen sucht, musste immer wieder 
sich die Frage vorlegen, ob Naevius und Plautus in der Ausbildung ihrer lyri- 
schen Masse einer metrischen Theorie gefolgt sind oder ob sie als Ausläufer, als 
ein letztes Glied in der lebendigen Bewegung der griechischen Verskunst stan- 
den. Denn dass sie nicht als Barbaien zutappten, um nur so die Fülle der For- 
men aus den Falten des Palliums zu schütteln, dass die plautinische Kunst auf 
Principien beruht, die in. allen seinen Stücken gleichmassig hervortreten, dass 
wir es mit einer Weiterbildung, nicht mit einfacher Uebertragung zu thun ha- 
ben, mit einer Weiterbildung, die das Granze umfasst, nicht das Einzelne Schritt 
für Schritt ergreift, das alles lehrte der Augenschein. Die innere Wahrschein- 
lichkeit spricht dafür , dass ein System von solcher Freiheit der Behandlung 
nicht aus schulmässiger Aneignung fremden Stoffes , sondern aus lebendigem 
Nachschaffen organisch und im Zusammenhang wirkender Formen hervorgegan- 
gen ist^}. Auch der Vorgang des Ldvius, der die Dialogverse (für diese liegt 
die Sache klar) ohne jede Rücksicht auf metrische Lehre frei umgebildet hat, 
musste in dieselbe Richtung weisen. Dagegen haben mich oft scheinbare Spuren 
metrischer Theorie beunruhigt und zweifelhaft gemacht, um so mehr als diese 
auf die varronische, nicht auf die alexandrinische Metrik wiesen *). Jetzt glaube 
ich für das früher Yermuthete den Beweis führen zu können : grade der charak- 
teristische unterschied der plautinisehen von der griechischen Kunst beweist 
dass die plautinische in engem Zusammenhang mit der griechischen Kunstübung 
steht, um die plautinische hier an ihrer Stelle einzuordnen, muss ich weiter 
ausholen. 

Die Geschichte der griechischen Verskunst') verläuft in der Durchbildung 
vorhandner Elemente zu Versen und der Weiterbildung vorhandner Versformen 
zu neuen Vers- und Compositionsformen ; ihre Etappen sind dadurch bezeichnet, 
dass bestimmte Formen stichisch oder strophisch für bestimmte Gattungen fest- 
gelegt werden. Die Elemente stammen aus der griechischen Urzeit, aber sie 
haben bei den einzelnen Stämmen in Cult- und Volkslied eigene Formen ange- 
nommen bevor sie kunstmässig ausgestaltet wurden; dies letzte zum Theil in 
historisch heller Zeit, zum Theil so frühe für uns, dass man an dem Ursprung 
einzelner Formen zweifeln kann oder dass die Eigenschaften einer alten Vers- 
form die Theilnahme eines andern Stammes an der Fixirung des Gebildes be- 
weisen; wie früh der Austausch der Formen begonnen und der eine Stamm aus 
der Kunst des anderen seinen Formenbestand bereichert hat, lehrt vor allen Alk- 



1) Bhein. Mas. 40, 165, Herrn. 24, 294. 

2) Ich meine Tor allem dieBUdimg des troch&iscben Septenara und scheinbar nngriechischer 
Olaoseln. 

3) Was ich in diesem Absatz Yoraosschlcke kann ich des Zusammenhanges wegen, anch mit 
anderen Erörterungen als der gleich folgenden, nicht zurückhalten. Es ist Altes und Neues, aber 
anch vas davon mir gehört nur entwickelt aus Gedanken die von Wilamowitz herrühren. 



DIE FLAÜTINISCHEN CANTICA UND DIB HELLENISTISCHE LYRIK. 63 

man, in dessen Metrik jonische, aolische und dorische Bildungen vereinigt sind. 
Der epische Hexameter^) ist äolischen Ursprungs, denn er löst die Heb an gen 
nicht auf; die Jonier haben ihn ausgestaltet, denn mit der Contraction der Sen- 
kung ist das silbenzählende Princip aufgegeben. Er hatte ursprünglich die 
'Basis' ") , war also ursprünglich ein gesungener Vers ; als er zum Recitations- 
verse geworden war, wurde sein Bau durch die Cäsur gegliedert, und nun hatte 
er ri^v iavtov qyöötv. Die Elegie fand den so gestalteten Vers vor und verband 
mit ihm ein gleichfalls äolisches Doppelkolon, das in der ersten Hälfte wie der 
HeKameter, in der zweiten seinem Ursprung entsprechend silbenzählend behan- 
delt wurde; eine relativ junge strophische Neubildung, der andere vorauflagen 
(den Beweis gibt Alkman), wie ihr die Fülle der anderen folgte. Das erste 
greifbare Beispiel einer neuen metrischen Kunstform, die dadurch hervorgebracht 
worden ist dass ein Dichter eine im Liede vorhandene Form stichisch machte 
und zu einer recitirenden Gattung verwandte, ist der Trimeter. Urformen des 
jambischen Cultliedes liegen vor in den Mystenliedern der Frösche und im Fhal- 
losliede der Acharner: dort besteht das Lied auf Demeter (384) aus 2mal 10 
jambischen metra mit £atalexis, das auf lakchos (397) aus jambischen Strophen 
von 2 katalektischen Trimetern, einem katalektischen Pentameter, einem akata- 
lektischen Trimeter (Schema aabc\ das folgende amöbäische Spottlied (416) aus 
Strophen von 2 katalektischen Dimetern und einem akatalektischen Trimeter 
(Schema aab)] im Fhallosliede (Ach. 263) folgt auf ein jambisches [laxQÖv mit 
£atalexis (das nur die Anrufung des Grottes enthält) ein zweites von 24 metra 
ohne Katalexis, dem sich drei Trimeter anschliessen , und zwar mit Versschluss 
nach dem zweiten; so dass es nicht etwa angeht, die Trimeter mit dem System 
zur Einheit zu verbinden. Das Fehlen der Katalexis drückt diesem Liede den 
Stempel der Alterthümlichkeit auf; denn attisch ist das nicht. Wohl aber findet 
sich dieselbe Form bei Alkman frg. 24: 

(ydx alg iviiQ &yQOLXog oiSi öxaibg (ydSh nagä 6o<pot6iv o'ödh GeööaXbg yivog 
{ybd^ ^E^v6i%ulog oi)Sh noiikip/j ikkä Uagdiov iat^ ixQ&v, 

Der erste Hexameter ist mit der syllaba anceps zu Ende, der zweite Vers hatte 
vielleicht dieselbe Ausdehnung. So hat Alkman auch (wie Anakreon) den aka- 
talektischen trochäischen Tetrameter, im Fartheneion und frg. 68, Alkaios den 
jambischen (Heph. p. 18 W.). Der Trimeter war vor Archilochos auch Uttera- 
risch und bereits in einem recitirenden Gedichte verwendet, im Margites, beige- 
mischt den Hexametern'). Die stichische Verwendung des Trimeter s und des 
trochäischen Tetrameters ist die That des Archilochos, nicht minder als die 
Schaffiing epodischer Formen. Als recitirendes Mass erhielt der Trimeter, in 
Anlehnung an den Hexameter , die Cäsur , der einzige griechische Vers ausser 



1) y. WUamowitz Hom. Unters. 408. 

2) W. Schulze qoaest. ep. 874 sq. 
8) Usener Altgriecli. Versbau 112. 



64 FBIEDBICH LKO, 

dem Hexameter, der mit Cäsur gebaut wird. Ein neues Gebilde stellen die Fest- 
landsjonier den archilochischen Formen cur Seite, die durch viele metra oder 
gleiche cola bis zur Katalexis laufenden Verse; yielleicht gab es solche, wie wir 
sahen, schon in den volksmässigen jambischen Liedern, aber datirbar sind zuerst 
Anakreons glyconeische 'Systeme' ^). Von ähnlicher Art, nur stichisch festgelegte 
Formen, sind sowohl der trochäische wie der von Epicharm stichisch verwendete 
anapästische katalektische Tetrameter. Die jonischen Systeme, die es in die 
Wahl des Dichters stellen, wie lang er die katalektischen Verse werden lassen 
will, haben die Attiker durchgebildet vor allem für die (dorischen) Anapäste und 
diese (nicht den Daktylus) zugleich der Form des jonischen lambus und Trochäus 
unterworfen, deren metra 2 Hebungen haben. Von solcher Art sind die metri- 
schen Neuschöpfungen des attischen Dramas, die wichtigsten ausserdem wohl die 
Ausbildung des Dochmius und der äolischen Verse, mit freier Stellung der Sen* 
kungen (dies gewiss nach volksthümlichen Formen) und Auflösung der Hebungen, 
d. h. keine Neuschöpfungen sondern nur kunstmässige Umbildungen des Vorhand- 
nen; wie ja die metrische Form des attischen Dramas als Granzes aus dem Ge- 
danken entsprungen ist, den jonischen lambus mit der dorischen Lyrik und dem 
lesbischen und jonischen Liede zu einer Einheit zu verschmelzen. 

'Formen werden nicht geschaffen, sondern sie entstehen und wachsen. Der 
schöpferische Künstler erzeugt sie nicht, sondern bildet das üeberkommene ver- 
edelnd um' (Usener Altgriech. Versbau 111). So gilt es bis ans Ende der 
grossen attischen Kunst. Es gilt auch, was die metrischen Formen angeht, für 
den jüngeren Dithyrambus und die spätere Periode des Euripides, sowie für die 
Folgezeit die unter ihrem Einfluss steht; nur scheint in dieser, der hellenistischen 
Epoche die Umbildung der Formen zu stocken. Das einzige Beispiel einer aus 
tragischer Nachwirkung hervorgegangnen Monodie, das Grenfellsche Lied, be- 
wegt sich ganz in den euripideischen Formen; die Glyconeen der delphischen 
Hymnen sind die des Dramas. Die Hymnen zeigen auch sonst, wie Isyllos, keine 
wesentlich neuen metrischen Erscheinungen. Aber doch hat es in den ersten Ge- 
nerationen der hellenistischen Poesie eine in der gewohnten Richtung weiter lau- 
fende, die Formen der Metrik weitergestaltende Bewegung gegeben, die auf den 
Gebieten der poetischen Kleinkunst Gebilde von ähnlichem Verhältniss zur alten 
Poesie hervorgebracht hat, wie es die Formen des Plautus der euripideischen Tra- 
gödie gegenüber aufweisen. 

Von Hephaestion und, soweit sie auf die ältere Lyrik eingehen, den römi- 
schen Metrikem wird in der Kegel ausser dem 'Erfinder' eines Metrums der 
Dichter angeführt, der es stichisch gemacht, Sla föiucta aus ihm componirt hat. 
Diese beiden Epochen erscheinen der metrischen Theorie als die wichtigsten in 



1) Anakr. frg. 76 besteht nicht aus troch&ischen Oktametern, wie ▼. 8 zeigt. Von Alk- 
man könnte man hierherziehn die Dactylen frg. SS. 34, die Kretiker frg. 88, nicht frg. 28. 46, Ton 
Stesichoros frg. 2; aber diese Verse zeigen Beschränkung auf einen bestimmten (wiederkehrenden) 
kleinen Umfang. 



DIE FLAUnNISCHEN CAKTICA UND DIE HELLENISTISCHE LTBIE. 65 

der Geschichte eines Metrums, daneben werden die Verse herausgehoben, die 
überhaupt einmal stichisch gemacht worden sind , wie das 'AvccxQsövtsiov (Heph. 
p. 17, 33 W.), der brachykatalektische jonische Tetrameter (Anakreon, p. 39, 14), 
das jonische sq)d^(u^6Qig (Timokreon, p. 40, 10), das ^SQsxQdtetov {H^eiigruia xairöv, 
p. 33, 5 ; 56, 7), auch wenn sie in der Geschichte der Poesie keine besondere Be- 
deutung haben. Von der ersten Art ist die Angabe über den Trimeter Mar. 
Vict. 133, 30 hoc genere versuum primus u5ms est Homerus in Margiie suOj nee ta- 
rnen totufn Carmen ita digestum perfecit (sondern erst Archilochus), vgl. Atil. Fort. 
286, 3; die verschiednen Angaben bei Hephaestion über die Isolirung und selb- 
ständige Verwendung von cola die zuerst bei Archilochos in epodischen und 
asynartetischen Formen auftreten: 23, 6 tb terQcifistQov elg dtöMlaßov xarakrjX" 
tixövy S nQ&tog ^ihv ix^^Jc^ro yigxikoxog iv in<pdotg' vötsgov dh xal 'AvaxQioav 
TOtko} Tj3f fiBtQ(p xal oXa ^fucta öwdd'tixevj 24, 2 'AXx^iäv dh xal olag 6tQog>äg 
Totkci TcS fierpf} xaxsiiixQTfiev^ 28, 3 Kgaxtvog 8\ iv X)Sv66ev6i öwsxst ain^ ^XQ'^i" 
öaxo {xQonog d' 'AgxiXoxog, nämlich xp nagoiiki^ax^). Im 'Agtöxotpaveiov, das zu- 
erst bei Aristoxenos dem Selinuntier nachzuweisen ist (p. 26 8q.), hat schon 
Epicharm 8Aa dtJo dgaiiaxa geschrieben ; Choeroboscus (ijijy. p. 73, 5) folgt der 
Schablone: iicaidii 8\ öwex&g ai>x(ß ixQij<Jaxo, ixXi^d-ri ^^Q^^itotpivaiov (vgl. 73, 13). 
Von den Metrikern der Derivatentheorie wird das difioigov imxöv angeführt, aus 
dem Sappho dicitur Carmen composuisse continuum pentasyllabum (Mar. Vict. 116. 
120. 162, Ter. M. 2169). 

In dieser Anschauung von der Geschichte der Formen spiegelt sich die 
Geschichte der metrischen Kunst im 3. Jahrhundert; auch dies zu erkennen ge- 
stattet uns die metrische Tradition. In der alexandrinischen Metrik^) herrscht 
die Sitte, die einzelnen Versarten zu benennen nach dem 'Erfinder' oder nach 
einem Hauptvertreter. Die Erfindung ist oft nichts als die stichische Isolirung 
oder Umbildung einer Versart aus der Fülle der klassischen Formen, geschehen 
in der Zeit in der die Grammatiker ihre metrische Theorie ausbauten, durch 
Dichter die zum Theil bald vergessen waren. Fast alle Versnamen die von hel- 
lenistischen Dichtern hergenommen sind bedeuten nicht, dass der Dichter das 
Mass häufig, sondern dass er es stichisch verwendet hat. Den jüngeren Gram- 
matikern war das nicht anschaulich , da sie die Dichtungen , um die sichs han- 
delte, meist nicht mehr kannten; daher so falsche Angaben wie etwa im Ab- 
schnitt des Diomedes über die Versnamen (501, 24) alia ab inventoribus , ut est 
Sapphicum Älcaicum, alia ab iis qui frequentes in Ulis fuerunt , ut sunt Aristopha- 



1) Es ist eine irrige Behauptung Kiesslings (Horaz* I 4 A.) und Leichsenrings (de metris 
graecis quaest. onomatol. , Greifsw. 1888) , dass die bei Varra und Caesius Bassus erscheinende 
metrische Theorie mit dieser Nomenclatur verwachsen sei. Ich habe das schon Herrn. 24, 297, auf 
welche Abhandlung Eiessling sich bezieht, widerlegt und nachgewiesen dass die Metrik des Caesius 
Bassus von der alexandrinischen (Hephaestion), nicht im System aber in einzelnen Ausfuhrungen 
und Namen, abhängig ist. Was ich in jener Abhandlung über die beiden Systeme und ihr Ver- 
b&ltnisB zu einander (darum handelt es sich) ausgeführt habe, besteht vollkommen zu Recht, mag 
man nun die Herleitung aus Pergamon zugeben oder nicht. 

▲hlundlgn. d. E. Qm. d. WIm. sq Göttingeu. PhiL-hisl Kl. N. F. Band 1, t. 9 



66 FRIEDRICH LEO, 

nia Ärchebulia JPhalaecia Äsdepiadia Glyconia] Angaben die doch heate kaum je- 
mand in Zweifel zieht , da die Wichtigkeit des Unterschiedes zwischen häufiger 
und stichischer Verwendung nicht gewürdigt wird. 

Deutlich tritt der Sachverhalt hervor in Hephaestions Abschnitt über den 
choriambischen Hexameter, ^ikixiov genannt*^ p. 31,20: Oikcxos d^ 6 KsQxvQatogy 
elg S}v t^g nXstädog, i^a^idxQp 6wi^rptBV Zkov xoifuia* Tothro dh xal äXa^ovs'ÖBrai 
BiQtptivat Oikixog kiyoyi/' 

xaivoYQdtpov öwd-iösrng trjg 0Mxov, yga^iiatiTcoi^ d&ga q>iQ(a xgbg ifiag. 

tifsvdsrm dd' Jtgh yäg ainov Uififiiag 6 'P68vog ixQi^öaxo iv xb tc3 UsXdxst x&v xalg 
Uxigv^i' nkiflf sl fiii &Qa 6 Oiltxog <ydx &g jcg&xog sigrixiog xb [ihgov Idyat, &11' 
i}g nQonog xoiixq> rcS ^ixgtp [rä] 8Aa noti^iiccxa ygA^ag^ vgl. Caes. B. 263 {hoc Phi" 
licus conscripsit hymnos)^ Mar. Yict. 86 (Phüicium de auctoris nomine). In den 
figurirten Gedichten des Simmias erscheinen die Verse, wie es die Figur ver- 
langt, nur einzeln^); die 6vv^66ig nimmt Philikos für sich in Anspruch') und 
die Benennung erfolgte danach, zum Zeichen dass die gelehrte Welt diese That 
als etwas wesentliches ansah. Bei Simmias ist in den üxiQvyeg wie im niksxvg 
die folgende Zeile der choriambische Pentameter ; für diesen erwähnt Hephaestion 
(31, 17) nur den Kallimachos: xal tc3 nsvxa^dxQp dh K. 5kov sron^fta xbv Bgdyxov 
öwdd'iptev (Ter. M. 1886 sq.). Simmias spielt als Auspräger neuer Liedverse 
eine grosse Rolle. Der choriambische Siebzehnsilbler , den Hephaestion selbst 
(72, 2) aus Anakreon anführt, heisst £i(i[iiax6v (35, 9); Simmias hat den akata* 
lektischen Vers behandelt wie Alkaios und Sappho den katalektischen. Das slg 
Siö'öXkaßov katalektische daktylische Pentametron heisst Zi^iiCsi^ov (23, 3) : es ist 
der Vers ivxskioyv ixi y&Q ^eö^sv xaxanvB'ösv (Aesch. Agam. 105), der bei Ser- 
vius (cent. metr. p. 461, 2) Stesichorium heisst (Stes. frg. 8, 2) und , in äolischer 
Bildung, bei Sappho häufig ist. Im anapästischen katalektischen Trimeter hat 
Simmias Slov noiruLdtiov geschrieben (Heph. 27, 17), das Beispiel ist 'Eöxia äyvä 
in^ ivi,Blvmv ^iöa xoC%(ov. Dies ist ein künstlich hergestellter Vers, er kann 
nur in der Weise entstanden sein, dass Simmias die drei letzten metra des ana- 
pästischen nvlyog von ungleicher Metrenzahl isolirt hat, etwa den Schluss des 
Liedes Hec. 98 — 153: 



1) Häberlin carm. fig. gr. 67 sq. 

2) Auch diese Art sich als Erfinder zu proclamiren stammt aus den Kreisen der attischen 
Kunst: wie Philikos als f'ö^Hnip seiner %aiv6yQatpo9 avv&BCig^ Boiskos seines 6%xdnav9 üt^xos, so 
rühmt sich Kratinos seines i^e^i^rifui %ai.v6v in der Korianno : ävö^sg ngdcxste tbv vo^v i^svgiffuctt 
%aiv& aviintv%tois ävanaiatotg. Die Metriker haben, als ihnen die Musik verloren gegangen war, 
das Kolon mit dem katalektischen glyconeus identificirt (Heph. 33 W. , vgl. Crusius Bhein. Mus. 
43, 197 ff.) ; Hephaestion nennt es p. 56 einen dikatalektischen Dimeter. Dass 6^pLnw7irog die Kata» 
lexis bezeichnet, d. h. die Unterdrückung der Senkung, haben Christ und Crusius richtig erkannt; 
aber ein V4 metron (Crusius p. 201) wird nicht unterdrückt. Vielmehr hat Kratinos in jenen 
Versen die zweite Senkung jedes metrons unterdrückt, wie im paroemiacus und Tetrameter die 

Senkung ?or der Schlusshebung 'eingefaltet' wird. Der Dimeter — 1 uuu.— ist yerdoppelt ein 

Tetrameter mit 4 unterdrückten Senkungen. Wenn man die 'synkopirten' Jamben und Troch&en 
cvfjmtvntroi nennen wollte, so h&tte man an Kratinos einen Vorg&nger. 



DIE FLATJTINISCHEN CANTICA UND DIE HELLENISTISCHE LTBIK. 67 

1\ ÖBt 6* inidslv föfißov XQO^Stfl 

ix xQv6oq>6Qov deiQ^lg vaöfim (leXavavyst, 

Ganz ähnlich verfuhr Boiskos, von dem Heliodor die Kunde übermittelt hat 
(Juba bei Rufin p. 564, Mar. Vict, p. 82) : 

BoiöTcog anb Kv^ixov, Jtavtbg yQag>6i>g arotijftarog, tbv dxrdxo'uv eigiav 6xl%ov 

0oißp xl%rfii d&QOv. 

Der Mann hat den jambischen Octameter 'erfunden': woher hatte er ihn? einen 
akatalektischen Tetrameter, den er mit dem katalektischen hätte verbinden 
können, gab es nicht; er hätte diesen mit demselben Rechte erfinden können 
(s. 0.). Sein Vers ist derselbe wie etwa Ar. Ach. 948 — 952: 

&Xk* & ^ivG)v ßiktv6xB^ vi>v 
d'^Qi^e xal xovtov laßhv 
XQÖößakX Sjtoi ßovkei q>dQGiv 
TCQog Tcivxa 6vxoq>Avxrj[v* 

Was Boiskos gethan hat ist, dass er das 6v6xrifia xad-* b^olorv &vev ägid^fiov 
&Qi6^ivov zu einem xax& 6%i6vv ^sif igid-^ov X6xay(iivov gemacht hat, genau wie 
Alkaios und Horaz den jonischen Dekameter (miserarumsf) behandelt haben (Heph. 
p. 66 sq.). Dies bezeichnet er als öxixog^ er hat also das öiiöxriiia stichisch ver- 
wendet; das ist seine Erfindung. Ungenau berichtet Hephaestion über das 
^AQxeßoiiksLovj OakaCxBLov^ rXvxdwsiov, aber für die ersten beiden ergibt sich der 
Sachverhalt vollkommen aus Caesius Bassus, dessen Darstellung dieser Masse, 
wie ich Herm. 24, 298 sq. nachgewiesen habe , aus derselben alexandrinischen 
Quelle stammt, die auch Hephaestion compilirt hat. Nach Heph. 29, 16 heisst 
der Vers ju — vaj— uu— uu— u— j^ IdgxsßoiikBiov Avi ^AgxBßoiXov xoi^ ®riQaiov notri- 

xov (der nach Suidas Lehrer des Euphorien gewesen sein soll) ;i^^i2<Ta^^i/ov avx^ 
xaxaxÖQcog, dann führt er Beispiele des Kallimachos an und begreift offenbar 
ihn und die Erfinder unter die iv 6wBXBC(f yQd^avxBg xb ^bxqov , die es (ausser 
dem Anlaut) silbenzählend behandelt hätten, während Alkman den Spondeus 
zulasse. Die Sache erhellt deutlich aus Caes. B. 256: Arckebuleus accepit nomen 
versus non quod Archebulv^ eum invenerit] nam Stesichorus et Ibycus et Pindarus 
et Simonides usi sunt eOj sed passim et protniscue; Ärch^bulus autem quia Carmen 
ex hoc uno genere composuit^ Ärchebuleum nominatum est^). Seine That, die ihm 
die grammatische Unsterblichkeit eingetragen hat, ist die stichische Fixirung 
des vorhandenen Verses. — Von dem katalektischen Trimeter, der aus einem 
Antispast und zwei jambischen metra bestehe, sagt Hephaestion (33; 19) nur 
OakaixBvov xakstxat und führt ein Beispiel aus Exatinos an. Caesius Bassus 
sagt (258, 13): hendecasyllabum Phalaecium ex simüi causa y ut pleriquCj a cuUore 



1) Mar. Vict. 126, 7 wieder ungenau wie Hephaestion : non ipso audore edüus, sed ab eo 
freguenter usurpatus. 

9* 



68 FBIKDRICH LEO, 

suOf non inventore, nomen ace^t; das ist ungenau^), aber den Sachverhalt macht 
das Folgende deatlich : nam hie versus apud Sappho frequens est , cuius in V libro 
complures huius generis et coniinuati et dispersi leguntur. Freilich nicht ohne 
weiteres, denn hiemach hat auch Sappho bereits den Vers stichisch angewendet; 
die Aufklärung gibt Caesius 261, 18 (Ter. M. 2845. 2882): Varro Phalaecion 
metrum ionicum trimetrum appellat. Der Vers war ein steigender jonischer Vers 
und Sappho behandelte ihn als solchen; der scheinbar äolische phaläkische hen- 
decasyllabus ist die anaklastische Form, daher erschienen die Verse bei Sappho 
continuati et dispersi (ich kann dies hier nicht verfolgen, auch ist odx ifibg 6 fiv" 
^og). Was Phalaecus gethan hat ist nichts andres als dass er die anaklastische 
Form herausgehoben und auf sich gestellt und so als äolischen Liedvers aus- 
schliesslich stichisch angewendet hat ; mit grossem Erfolge, der namentlich durch 
die römischen Neoteriker fortgewirkt hat. — Den Namen eines (ausser A. P. 
X, 124) verschollenen Dichters trägt das rXvxcavBiav. Die Schollen (Choerob. 
77, 16) verwechseln Glykon mit Leukon, bei Hephaestion lesen wir nur (33, 9) 
tb xaloviisvov rivx6v6tov aitov rXvxavog s{>Q6vtog cevrd, was weder er noch 
ein andrer Metriker geschrieben haben kann (da allen sowohl die Lesbier und 
Anakreon bekannt waren als der Ueberfluss von Glyconeen im Drama), sondern 
ov tov rXvxavog evQÖvtog aiyt6. Hephaestion führt ein aus 3 Glyconeen beste- 
hendes Beispiel an ; was Glykon gethan hat ist klar : er hat das Kolon , das 
einzeln, doppelt und vielfach in den verschiedensten Vers- und Strophenformen 
erschien, als Vers behandelt und dann natürlich die katalektisohe Form nicht 
zugelassen. Glyconeische Lieder im Sinne Glykons hat also für uns erst Seneca 
wieder gedichtet (Herc. 876 und oft), dann Septimius Serenus (Ter. Maur. 2628 
iunctis versibiAS^ das Beispiel ohne Synaphie, vgl. 2669 sq.); nur einmal kommt 
da der Pherecrateus vor, im Herc. Oet. 1060, d. h. in dem an Senecas Fragment 
angedichteten Theile. — Aeschrionion heisst bei Mar. Vict. 106, 12 das aus 2 
katalektischen jambischen Dimetern (fniiafißoi)*) gebildete Metron, dessen sich 
dann auch Kallimachos bedient (epigr. 37, vgl. 39), wenn nicht hier die ana- 
kreontischen oola vorliegen (fg. 92, Heph. p. 18) ; Kksoftdxsiov bei Hephaestion 
36, 1 das akatalektische jonische dimetron a maiore (Mar. Plot. 640, 17, das 
verdoppelte Atil. Fort. 289, 14)'). Die einzigen nach einem hellenistischen oder 
allenfalls in die hellenistische Epoche zu ziehenden Dichter benannten Masse, 
die nachweislich nicht von diesem Dichter zuerst stichisch verwendet worden 
sind, sind die Asclepiadeen^), die beide bei Alkaios (und Sappho) stichisch auf* 



1) Weiter Mar. Viel. 118, 11 appeücOum a Phälaeco gut tllo frequenter usus est, dagegen 
Diom. 509, Ha Phälaeco inventum, 

2) Meineke Anal. Alex. 888 sq. 

8) üeber Kleomachos Leichsenring de metr. gr. 22 sq., Choeroboscus iffjy. p. 80, 6. Das 
Chaeremoniam (frg. Bob. 620, 7 jamb. Pentameter mit überschiessender Silbe, vielmehr Tetrameter 
mit Kj — Kj — J) wird ausdrücklich dem Tragiker sageschrieben. 

4k) ab auctore dictum Diom. 508, 5. 



k 



DIE PLAUTINISCHEN CAKTICA UND DIE HELLENISTISCHB LYRIK. 69 

treten. Diese Benennung scheint in der That eine Höflichkeit gegen den Er- 
neuerer der Versart zu sein. 

Vor allem aber gehört in diese Eeihe das Zanideiov, Sotades hat für 
seine recitirende Dichtung mit bestimmter Vortragsart den katalektischen Tetra- 
meter stichisch festgelegt, der ohne Zweifel auch vordem in jonischen Liedern 
erschien*). Das Gegenstück ist der Galliambus. Hephaestion selbst (38) belegt 
den Vers mit Beispielen aus dem Tragiker und dem Komiker Phrynichos ; Kalli- 
machos hat das Mass stichich in charakteristischer Variation für eine bestimmte 
Gattung ausgebildet. Aber es ist nicht nach seinem Namen benannt worden, 
und auch kein anderes; Callimachium für den choriambischen Pentameter bei 
Mar. Plot. 536, 15 ist eine willkürliche Benennung, obwohl sowohl dieser Vers 
als z. B. der trochäische Pentameter (Heph. 21, 1 ; frg. 115) wohl hätte KaXXi- 
(idxBiog genannt werden können. Es ist danach sehr wahrscheinlich, dass die 
Benennungen von Kallimachos selbst oder seinem Kreise ausgegangen sind; 
sicher , dass keiner der auf jene Weise verewigten Dichtemamen mit Sicherheit 
der Zeit nach Kallimachos angehört. Analog dem Fakkiaiißixöv oder Mi^gqiccKdv 
ist die Benennung ÜQid'XBiov^ die das häufig, auch stichisch, in der dramatischen 
Poesie verwendete Mass in Folge seiner Fixirung für einen bestimmten Inhalt 
erhielt. Diese Fixirung geschah durch Euphronios, der sicher nicht älter als 
Kallimachos war: Choeroboskos 78, 5: ngidicsLov dh ixlijd'ri insidij EixpQÖviog 6 
yQUiifiatixbg i%\ r&v ntoksfi^aimv iv ^AksifiLvdQBCa lyga^sv aCg ügianov tovtm x^ 
lidxQfD' xal &6%BQ xh ldvq>akXLxbv ixki^d'fi inixi^dsiov 5i/ slg xbv ^lövvöov^ ovxm 
%al xh ÜQi&XBiov. 

Andere hellenistische Gedichte halten sich an die vorhandenen stichischen 
Masse: Theokrit hat in Asklepiadeen und dem sapphischen daktylischen Vier-* 
zehnsilbler gedichtet; von Phalaikos gibt es ein Epigramm in katalektischen 
Trimetern (A. P. XIII 5), die bei Archilochos epodisch, bei Alkman stichisch, 
im lakchosliede der Frösche (397) und oft in der Tragödie (vgl. Ion 1463. 4) 
erscheinen. Aber der Trieb neue stichische Formen aufzubringen dauert fort. 
Aus späterer Zeit ist das Epigramm des Philippos auf Aphrodite in Pentametern 
anzuführen (A. P. XIII 1), die aber keine elegischen Pentameter sind, sondern 
daktylische Doppelkola mit Freiheit der Contraction *). Das Epigramm des 
Mesomedes A. P. XIV 63 verwendet stichich den Hinkanapäst uu-— ou— uu— u— , 
ohne katalektische Form (paroemiacus) ; mit der katalektischen der Hymnos auf 
Nemesis (2+2catal., 1 + 1 catal., 2 + 2 catal., 2 + 1 catal. , endlich 7 ohne 



1) Strabo p. 648. — Diom. 610, 88 Sotadet$s vocatur quia Sotades eo plurimum usus est. 

2) XapQs 9€ä natpCr\, Es ist merkwürdig, dass die einzige aus Pentametern bestehende 
Inschrift (Kaibel epigr. 605 IGSI 411) einem Paphier gesetzt ist: Ilafpucvbi Ildiptog vfS' ineb yfj 
XiXvfuci, xanmddg, Xsup^slg xbv ßi6tov ctitpuvov^ nicht unabsichtlich formlose Verse, sondern in 
gezierten Worten die Qrabschrift eines Dichters. Die Inschrift aas der Alvucnii bei Aristot. mirab. 
183 (p. 48 West.) besteht aus einem Hexameter und 5 Pentametern, sie enth&lt eine Weihnng an 
Tlaüifpdiififa (8 tag ft' iddiucaifs n69n Uaifttpdsööa '&ea), die in v. 1 Kvdijpa genannt wird. Hier- 
nach ist es wohl erlaubt den Ursprung dieser Form in Cultliedern der Aphrodite zu sadieo. 



70 FBIEDBICH LEO, 

catal.) , mit Vorwiegen des paroemiacus der Hymnus auf Helios ^). £s ist der- 
selbe Vers, in dem Lokian Tragodop. 87 sq. nnd Diophantos im Epigramm an 
Asklepios^ dichten, entweder alle drei nach einem Vorbilde hadrianiseher Zeit 
oder die beiden letzten nach dem des Mesomedes. Ohne Bedenken darf man in 
diese Keihe die römischen Neoteriker hinzunehmen, die frühen aus der casari* 
sehen wie die späten aus der hadrianischen Zeit ; freilich mit Vorbehalt diese, 
da sie Verse nach metrischer Theorie zuschneiden, jene da die Wahrscheinlichkeit 
überwiegt dass sie lebendigen Beispielen nachdichten. Völlig im Charakter der 
hellenistischen «v^funra sind die reinen Trimeter CatuUs quis hoc poiest videre, 
quis potest pati und phasdus ille : eine bei den Griechen nicht selten erscheinende 
aber absichtslos gebildete Form {iiuv d' ixstvog oi xaraxQot^excu), der CatuU für 
einige Gredichte besonders raschen jambischen Tones ausschliessliche Geltung 
und zugleich eine Freiheit gab (potest pcUi), die im römischen Verse Livi scripUh 
ris ab aevo verpönt, wie im griechischen zu jeder Zeit erlaubt war. Hier wird 
man eine eigne Erfindung des Römers im modern griechischen Stile anzuerkennen 
haben •). 

Wir haben eine durch die Verskunst der hellenistischen Poesie sich hin- 
durchziehende Bewegung beobachtet, die nur scheinbar neue Formen erzeugt, 
in der That vorhandene Versgebilde, oft oder selten in der klassischen Poesie 
auftretende oder auch nach der Analogie vorhandener leise umgebildete, dadurch 
dass ganze Lieder oder Gedichte von der erneuerten Versform beherrscht werden 
mit eigner Lebenskraft ausstattet. Die Dichter die das wagen thun es mit 
grösserem oder geringerem Kunstverstand, daher mit grösserem oder geringerem 
Erfolg ; es sind Spielereien darunter wie das 9Mxiov und Boiöxiov, Gebilde von 
productiver Kraft wie das ^alaixsvov und raXXucfißixöv. Die Zeit, die den 
neugeprägten Formen ihre Namen gab, stand den Urhebern zu nahe um die 
Bedeutung der Gebilde historisch zu würdigen; die ersten alezandrinischen 
Metriker verewigten die einen wie die andern ; Aristophanes von Byzanz oder wer 
sonst das metrische System durchgebildet hat behielt die Namen bei, dasselbe 
that das dem alexandriniscben entgegengesetzte aber auf dieselbe poetische 
Production begründete System der *derivata'. 

An diese Bewegung nun schliesst Plautus, richtiger gesagt schliessen 
Naevius und Plautus unmittelbar an. Die Zeit der Bühnenthätigkeit des Naevius 
reicht von 235 — 204 v. Chr., die des Plautus, mit Spielraum nachgeben, von 
204—184; die Jahre, in denen Naevius seine Verskunst ausgebildet hat, sind die 6 
auf den ersten punischen Krieg folgenden, die Lehrzeit des Plautus dürfen wir 
etwa in das erste Jahrzehnt des hannibalischen Krieges legen. Von Naevius 



1) Jan mos. Script, gr. 462 sq. Das Epigramm des Mesomedes A. Plan. 323 verwendet tro« 
chäische Dimeter in ähnlicher Weise. 

2) Kaibel Rhein. Mos. 84, 210. 

3) Norden de Stilone Ck)sconio Varrone p. 18 adn. 2 leitet die catollische Neaening aas 
grammatischer Lehre her. 



DIE PLAUrmiSCHEN CANTICA UND DIB HELLENISTISCHE LYRIK. 71 

und wahrscheinlich von Plautus kann man sagen dass sie yriQaviS xqi KaXki(idxG} 
inaßdkovxo^ von Plautus dasselbe mit Bezug auf Apollonios Euphorion Erato- 
tosthenes ; die Lebensgrenzen des Naevius fallen etwa , um in alexandrinischen 
Synchronismen fortzufahren, mit denen des Eratosthenes , die des Plautus etwa 
mit denen des Aristophanes von Byzanz zusammen. Daraus will ich nicht 
folgern, dass sie von der Gelehrsamkeit dieser Männer berührt wurden (oben S. 7), 
aber ganz gewiss von den Wellenschlägen des hellenistischen Culturlebens , die 
in Sicilien und Grossgriechenland nicht niedriger gingen als in Asien und Aegypten. 
Ich will nicht weiter davon reden dass Plautus sich in griechische £unst und 
Dichtung hat versenken müssen um zu erreichen was er erreicht hat^); wer 
überhaupt denkt wird nicht anders denken. Freilich ist die ganze erste Periode 
der römischen Dichtung classicistisch ; nur einzelne Komödien (z. B. die Asinaria) 
rühren wahrscheinlich von Zeitgenossen her ; erst mit Ennius beginnt die stoffliche 
Einwirkung der modernen griechischen Poesie. Dass aber Plautus in unmittel- 
barem Zusammenhange Init der poetischen Technik seiner Zeit steht, dafür 
liefern seine metrischen Formen den directen Beweis. 

Der Unterschied der plautinischen Monodien und Gesangscenen von der 
euripideisch-hellenistischen Lyrik liegt, wie wir sahen, in der stichischen Ver- 
wendung solcher Verse, die griechisch nur einzeln, oft oder selten, auftreten 
oder erst aus vorhandenen Elementen zu Versen umgeprägt werden mussten. 
Wir wollen die wichtigsten Formen durchgehen. Die jambischen trochäischen 
anapästischen Octonare sind als stichisches Mass der griechischen Metrik fremd ; 
sie sind (vor Plautus: Naev. trag. 8. 63) aus den attischen nvCyri entwickelt; 
dafür genügt es auf Rhein. Mus. 40, 167 f. zu verweisen*). Wir können aber 
nun sagen, dass der Römer als er seinen Vers bildete genau ebenso verfahren 
ist wie Boiskos als er den jambischen Octameter (S. 67), Kallimachos als er den 
trochäischen Pentameter (S. 69), Simmias als er den anapästischen Trimeter 
bildete (S. 66),* sie haben jeder ein Stück des jambischen, trochäischen, anapästi- 
schen Systems herausgegriffen, als Vers isolirt und ZKu qa^axa daraus gedichtet. 
Als Gegenstück finden wir bei Plautus die Dimeter der gleichen metra auch, wie 
er sie ii b^oCmv und als Clausel setzt, stichisch verwendet'), in Analogie zu 
Glykons glykoneischen Liedern (S. 68) ; ähnliches gilt von einer Anzahl anderer 



1) Plaat. Forsch. 76. 

2) Ich weise darauf hin, dass Amph. 984 sq. das canticam Mercars in jambischen Octonaren 
durch 8 Trimeter, mit Ueberleitung des Satzes von den Octonaren zu den Trimetem, abgeschlossen 
wird. Das erinnert sehr an das Phailoslied der Acharner (}olv ft8&' ijfi&v ^vfiof^'ss beginnen die 
Trimeter, siquidem vos voUis aascuUando operam dare bei Plautus die Senare). 

8) Kiessling Anal. Plaut. (1878). Dem Anakreon schreibt Hephaestion 17, 82 üla oloiuctoc 
aus akatalektischen jamb. Dimetern zu; die Fragmente zeigen Synaphie (ausser dem durch den 
zweimaligen Anlaut va> unsicheren 91) wie Alkman 76. Es verdient Erwähnung, dass Seneca ein 
Lied in stichischen Dimetern hat (Agam. 759—774), wie eine Anzahl in Glyconeen (oben S. 68), 
▼gl. Sen. trag. I 145 A. Der troch&ische Dimeter bildet stichisch das zweite Strophenpaar der 
Parodos der Phönissen, Eiif^mCdBiov bei den Metrikern (Philoxenos bei Atil. Fort. 802, 20). 



72 FBIEDBICH LEO, 

Clausein. Der versus Beizianus ferner ist die Verbindung eines jambischen 
Dimeters mit einem äolischen Kolon ; dieselbe und ähnliche Verbindungen tauchen 
vielfach im griechischen Drama auf , das Besondere der plautinischen Form ist 
lediglich die Isolirung als Vers, die sich daraus ergebende stichische Verwendung 
(oben S. B9). 

Die Hauptformen der plautinischen cantica sind der baccheische und kre- 
tische Tetrameter. Baccheen erscheinen von jeher mit Dochmien verbunden, 
auch mit jonischen jambischen trochäischen äolischen Versen, einaselne metra, 
2, 3, 4 metra , meist xatä fbhgov mit Synaphie ^) ; also auch scheinbare Tetra- 
meter, deren zwei, aber verbundene, Hephaestion aus Aischylos als Beleg anführt 
(p. 43). Charakteristische Beispiele aus der jüngeren Tragödie sind Ion 1446 sq. 
(Wilamowitz Nachr. G. G. 1896, 217), Bakch. 1179: 

tig & ßakovöa ; TtQ&cov ifibv tb yd^ag. 

(uhcaLQ^ 'Ayavri xA]}gofi6<9-^ iv d'tdöoig. 

tig &kka ; %ä Kdöiiov — ti Kdöfiov ; yivsQ'ka 

fiST i(il [isr^ ifii tovö^ i^Lys d^tigdg, s^vxi^g j/ fid' äyga 

(2 iambelegi, 4 bacch., 3 dochm.), Phoen. 1039 (2 Dimeter zwischen trochäischen 
Versen), Ion 190 (2 bacch., 2 iv6nkioi^ Reizianum). Die Baccheen haben meist, 
wie schon die häufigste Verbindung mit Dochmien lehrt, einen leidenschaftlichen 
Ton; in den meisten Fällen können wir natürlich nicht sagen, ob die metra nicht 
eigentlich jambisch sind, da wir die musikalischen Unterschiede nicht fassen 
können. Aber sie bestehen so gewiss zu eignem Recht wie die Päone den Tro« 
chäen gegenüber. Den sichersten Anhalt, übereinstimmend mit der Ueberliefe- 
rung, gibt Hephaestion: rö ßaxxsiccxbv 6Jtdvi6v iöxiv^ &6tB^ sl ocai jcoii tcoxb 
ifiniffov, ijcl ßQccxif Bigiöxsöd'aL^), Der Gebrauch des Masses ist in der jüngeren 
Tragödie nicht seltener geworden als vordem ; am seltensten ist es bei Sophokles, 
in Euripides' späterer Periode wieder so häufig und häufiger als bei Aischylos. 
Aber immer sind es einzelne cola und kleine versprengte Gruppen, die sich 
deutlich abheben; niemals hat es, wie Hephaestion lehrt, Massen von Baccheen 
in der griechischen Poesie gegeben, den plautinischen entsprechend. Die Folge- 
rung ist nun gegeben: Plautus hat einen baccheischen Tetrameter nicht gebildet 
sondern zu stichischer Verwendung dem vorhandenen Formenschatz entnommen, 
wie Sotades den fallenden, Kallimachos den steigenden jonischen. Tetrameter. 
Die Analogie ist vollkommen und die Stellung dieses Verses in der Geschichte 
der griechischen Metrik liegt vor Augen; er kann am deutlichsten die Entwick- 
lungsphase bezeichnen, in die er gehört, die directe Fortsetzung der griechischen 
Lyrik durch die römische. Als Plautus diesen Vers für seine cantica festlegte, 
fühlte er sich als Genossen der Phalaikos Simmias Sotades und dijrfte erwarten 



1) Material bei Rossbach Gr. Metr.' 764 ff. 

2) Der Name hat gewiss einen historischen Qrund, aber was die Metriker über dionysische 
Festlieder in Bakcheen berichten (Choerob. i£i{y. 60, 8 Mar. PL 499, 6 n. a.) hat keine Qew&hr, 
da es dem Namen entnommen sein kann. 



ä 

/" 



DIE PLAUmaSCHEN CANTICA UND DIE HELLENISTISCHE LYBIK. 73 

dass man den baccheischen Tetrameter in der Metrik einmal versus Plautinus 
tituliren würde. Eines geht der Analogie ab, und darin liegt vielleicht der 
unterschied dieser römischen Yersbildung von der griechischen: das Mass hat 
kein i^d'og mehr (wie es das anapästische bei Plautus in der Regel hat) : es dient 
für bewegte Stimmung wie für ruhige Unterhaltung und moralische Betrachtung; 
in ähnlicher Weise farblos wie die Glyconeen der jüngeren Tragödie. 

Auf zwei Stellen der Tragödie mit gehäuften Baccheen muss ich noch ein- 
gehen j obwohl ich damit von der graden Linie dieser Erörterung abweiche. 
Die Stellen folgen im Liede des Opt5| rasch aufeinander (Or. 1418. 1437), ohne 
doch einen Beweis gegen Hephaestion abzugeben ; denn es sind ohne Zweifel 
Jamben, aber in einer langen Folge so entschieden baccheisch gebaute, dass 
ohne die Musik der baccheische Schein vollkommen ist. 6. Hermann und viele 
nach ihm haben den grössten Theil dieser Verse kretisch gemessen; dagegen 
spricht die Composition der ganzen Monodie, die aus Trochäen Jamben Dochmien 
Anapästen und wenigen daktylischen und äolischen Reihen besteht, v. 1416 
beginnt mit 2 Jamben und 1 docbmius, dann folgen Jamben: 

ivä dl dgoiiAdeg id'OQov iQ'OQOV i^fpiTCokoi QQiiysg' 
7CQ06BtnB 8^ &lkog &kkov Tcsöhv iv (pößp, fiij ttg etri dökog, x&- 
döxsL totg ^iv oi totg d* ig &Qxv6tdtav i^rixav&v iiiicXi- 
XBLV Tcatda räv TwäagCd^ 6 ^rQoq)6vrag dgdxcov. 

Es sind 14 jambische metra, die ein dochmius abschliesst wie einer voraufging; 
von den 14 metra ist das erste vollständig, die folgenden 12 sind sämmtlich 

mit Unterdrückung der 2. Senkung rein baccheisch gebildet u , nur das dem 

dochmius voraufgehende löst die erste Hebung auf. v. 1436 folgen auf Anapäste 
2 Dochmien, dann Jamben: 

q)dQsa JtOQq)iiQBttj d&Qa KXxycaLiii^^tQa, 

nQ06Bt7CBv d' X)Qi6tag A&xaivav xÖQav & zfibg nat^ ^ig t%- 
vog xidp dsvff &no6xä6a xh^iiov. 

Auf diese 9 Jamben mit der Messung u folgt noch eine Beihe anderer. Eine 

solche Häufung von Baccheen , die doch keine Baccheen sind , zweimal auf so 
kleinem Baume, ist ein Kunstmittel von augenscheinlicher Absicht. Das Lied, 
in dem es angewendet ist, ist eines der berühmtesten, man kann nicht zweifeln, 
dass in der dramatischen Lyrik dieser Effect nachgeahmt worden ist. Auch 
hier finden wir Plautus mit einer absonderlichen Form in der Continuität der 
modernen griechischen Technik ; das Lied des Menächmus 671 beginnt mit der 
baccheischen Periode: 

ut.hoc utimur maxume more moro molestoque multum, at- 

que uti quique sunt optumi maxume morem habent hunc: cli- 
entes sibi omnes volunt esse multos: bonine an mali sint, id 
haud quaeritant; res magis quaeritur quam clientum fi- 
des cuius modi clueat. sist pauper atque hau malus, ne- 
quam habetur, sin dives malust, is cliens frugi habetur. 

Abhdlgn. d. K. Ges. d. Win. in OOitingen. Phil.-hixt. £]. N. F. Band 1, t. 10 



74 FRIEDRICH LEO, 

Hier haben wir einen Abkömmling der Monodie des Phryx, dies schwerlich in 
selbständiger üebertreibung der euripideischen Form, sondern vermnthlicb einem 
griechischen Nachzügler des Eoripides nachgebildet; aber das Vorhandensein 
solcher Bildungen konnte Plautus darauf fuhren, die echten Baccheen für seine 
Metropöie aufzugreifen und durchzubilden. 

Anders steht es mit den kretischen Tetrametem. Kretiker finden wir zwar 
in der Tragödie nur selten ajigewendet ^) ; ja Aristophanes macht dem Euripides 
einen Vorwurf aus den kretischen Monodien des einen Stückes, das solche ent- 
hielt; aber in der alten Komödie sind die Kretiker häufig, grosse und kleine 
Verse, auch stichisch gefügte Tetrameter (tb leolvd'Qvlfitov tsxQdfiBTQOv Heph. 
41, 4). Mir schienen daher die plautinischen Kretiker eins der sichersten Ar- 
gumente für die Rückführung der plautinischen Polymetrie auf die alte Komödie 
zu sein (Rhein. Mus. 40, 170). Es bleibt aber ein Bedenken in der metrischen 
Behandlung, die Ersetzung der in der attischen Metrik häufigsten Form — uvaj 
durch die dreisilbige — u— in der plautinischen. Dies aus der Natur der kd^vg 
zu erklären , wie es a. a. 0. geschehen ist, fuhrt in die Irre, da in der griechi- 
schen Technik derselbe Gegensatz spielt. Zunächst kann die Seltenheit der 
Kretiker in den erhaltnen Tragödien unser Urtheil nicht mehr bestimmen. Euri- 
pides hat selbst auch in andere Lieder seiner späteren Zeit das Mass eingelassen, 
vgl. Phoen. 1526 (nach choriambischen ionici) riv^ ixl xq&zov &xb %alxaq 6xa- 
(fay^iotg &%aQ%äg ßdXm, Or. 317 (s. u.) *) ; aber auch ohne das ist es mehr als 
wahrscheinlich, dass die jüngere dramatische Lyrik dem Beispiele gefolgt ist, 
über das Aischylos in den Fröschen sich beklagt. Von den delphischen Hymnen 
sind zwei in kretischen Perioden gedichtet "), wie durch Hephaestion schon 
früher ein kretischer Vers aus Jslq>iKA (Choerob. 84, 1) bekannt war; das ist 
freilich durch alten Gebrauch geheiligte Form^). Aber sicher in den Zusammen- 
hang der hellenistischen Technik fuhrt uns wiederum Hephaestions Mittheilung 
p. 42, 1 (nach Anführung päonischer Tetrameter) : Stfifbiag d* ijtsti^devöev iv 
Tttft 7C0iiiiia6i toi>g %kBC6xovg xQffcixoiyg xaQaXafißdvsiv {6ol fi^r aüiTNeog BÜTtmXog 
iy%i6naXog), Wie in diesen Gedichten die Form — v^— , so hat er in einem anderen 
die Form uuuuu vorherrschen lassen, offenbar diese wie jene dem Charakter der 
Lieder entsprechend. Hier haben wir die plautinische Form; Plautus fand sie 
vor, nicht in der hieratischen Poesie, die wir in Delphi finden, sondern in der 
ihr nachgebildeten eines berühmten hellenistischen Verskünstlers ; ihm folgend 
xoiyg nXeC6xovg XQfixixoi)g nagakaiißApsi, 



1) Ueber die cretici in Lyrik und Drama vgl. v. Wilamowitz comm. metr. I 6 sq. 

2) Bei Mar. Vict. 98, 13 heisst EifgmiSsiov der Vers — vj u— — u — v-» — u— was 

natQrlicb Trochäen sein können, wie nolXä y,lv yä xQiipBi Suva Ssi^xav &%ri (vgl. v. WUamowitz 
Her. II 27 Orestie 11 256 sq.). Aber freüich erscheint die Verbindung in der Parodie Ran. 1868 
(oben S. 18). 

8) Die Formen der metra zusammengestellt von Crusius die delph. Hymn. 64. 
4) Vgl. Crusius a. A. 52. 



DIE PULUTINISCHEN CANTIGA UND DIE HELLENISTISCHE LYBIE. 75 

Neben dem Tetrameter hat Plautus stichische Partien die aas diesem Verse 

gebildet sind — u u— — v-»— u~ (oben S. 11), denselben auch einzeln und mit 

Tetrametern vermischt. Welchen metrischen Sinn hat der Vers? Er stellt 
sich zunächst als trochäisch mit unterdrückten Senkungen oder als kretisches 
mit trochäischem Kolon dar. Wenn das die Meinung war, so ist es nicht grie- 
chisch gedacht (oben S. 8) und Plautus hat geirrt wie unsre Metriker, die an 
eine 'katalektische trochäische Tripodie' glauben. Dass er in der That anders 
gedacht hat und uns durch seinen Vers einen wirklichen kretischen Vers der 
späten dramatischen Lyrik ins Licht rückt, lehrt uns die Parodie der euripi- 
deischen Kretermonodie ßan. 1356 : 

&kX & KgUrsg^ ISag xixva^ tä x6^a (^b) Xaßövtag inafLiivats 

rä x&Xd T^ äfiTcdllete xvxloii^evoi xi^ oixiav. 

&lLa ä\ j^ixxvwa Tcatg 'jäQXS^ig TUcXd 

x&g xwi6xag Ixavö"* iXd'ixo) dtä dö^fov navxa%ri. 

Auf einen Spondeus und 7 Kretiker folgt ein trochäischer Dimeter (vgl. S. 74 
A. 2), dann die Verse 

VAA^ sj U U 

U U KJ UUU KJ , 

Hier liegt derselbe Vers vor wie der plautinische in fabrorum potestate dum fui. 
Man könnte unter anderen Umständen die Möglichkeit nicht zurückweisen, dass 
Aristophanes , der v. 1355 dochmisch geschlossen hat, auch "Agxs^tg TucXd habe 
als dochmius fassen wollen ; aber die Periode ist rein kretisch, eingemischt (1357) 
ein richtiges troch. Kolon : das Kolon ^AQxsiitg xaXd kann also nur entweder kre- 
tisch oder trochäisch sein ; da es nicht trochäisch ist , so ist es kretisch , mit 
dem kretischen Kolon zu einem kretischen Verse verbunden. Noch einmal kann 
ich den Vers in der jüngeren Tragödie nachweisen^): Soph. Phil. 201. 210 

&XX i%B xixvov. Xiy Sxv. tpQovxCäag viag* 

üg ovx lieÖQog, &W IvxoTCog &vi^q. 

hier folgt auf —uva^— uuw —u— w— ein jonischer Trimeter, dann Glyconeen; der 
Gedanke an Dochmien liegt fern, es ist der kretische Vers, den Aristophanes 
dem Euripides aufmutzt, von dem es nun sehr wahrscheinlich ist, dass er auch 
sonst iti kretischen Liedern der jüngeren dramatischen Lyrik vorkam. Hiernach 
ist das Kolon — u— c»— als ein dem kretischen Masse an gehöriges Kolon anzu- 
sehen; es verhält sich zum creticus wie der dochmius zum baccheus; dass es 
bei Plautus, auch ausser der Verbindung mit dem kretischen Dimeter, seine 
feste Stelle in kretischen Liedern hat, ist oben S. 11 sq. nachgewiesen. Dann aber 
klärt sich auch der andere Vers auf, der bei Plautus mit dem eben behandelten 
abwechselnd, auch stichisch (Most. 339 sq. 696 sq. Rud. 215 sq.) oder vereinzelt 
erscheint, der Vers — o u— — uuu— nunc dormitum iubet me ire, minime. Das 



1) Ear. Gr. 316 ist atai (and & Zb^) am Anfang nicht abzutrennen , sondern a^r, di^oiulid$s 
& 7CXBQ0ip6Q0i noxviddsg tBal sind 2 Dochmien mit zwischentretendem creticas. Die Strophe 
besteht danach ganz aas Dochmien mit einmal eingesprengtem — u — u. 

10* 



76 FBIEDBICH LEO, 

Kolon —yjuu— ist Überhaupt in der griechischen Metrik nicht nachzuweisen^). 

Plautus hat es auch verdoppelt, in dem S. 13 besprochenen kretischen Liede 

Truc. 120: 

pessuma, mane. 

optume, odio es^. 

Femer hat er es mit — u— u— verbunden, auf eine aus den Versen — u w— 

— u — o— und — u o— — uvAj— bestehende Partie folgend, Most. 344 da iUi quod 

bibcU. darmiam ego iam^ danach doppeltes — w— u~. Er behandelt also die beiden 
cola — u— u— und — c^a^— ganz auf gleichem Fusse. Es ist sehr wahrschein- 
lich, dass wir es auch in dem zweiten mit einem Bestandtheil kretischer Lieder 
zu thun haben, von dem wir nur deshalb aus der griechischen Metrik nichts 
wissen, weil uns kretische Lieder der jüngeren Tragödie nicht zu Gebote stehen; 
die Metriker aber überUefem auch aus den dochmischen Liedern das häufige 

Auftreten der versprengten Stückchen wie — u— , u , u— nicht. Dass Plautus 

eine Clausel wie — uuw— selbst gebildet haben sollte ist gar nicht zu glauben, 
man iande nirgend eine Anknüpfung oder Analogie dafür. 

Dies ist im wesentlichen was im Formenschatze des Plautus von der Art 
der uns überlieferten griechischen Lieder abweicht. Wir haben Alles an das 
Material wie an die hellenistische Technik anknüpfen können. Damit ist das 
Fremdartige der plautinischen Lyrik gehoben und sie erscheint als ein Glied 
in der Kette der griechischen Kunstentwicklung. Der poeta barbarus hatte 
doch ein Kecht sich 9Coti}ri}ff zu nennen und es ist doch keine Ungerechtigkeit 
der Geschichte, dass sie so viele feine Töne hat verklingen lassen und die grob- 
kömige Arbeit des Fremden, der aus dem attischen StofP und den griechischen 
Formen ein neues Mudkdrama von reichem und starkem Elange geschafPen hat, 
bis heute bewahrt. 



n. 

Die Lieder. 

1. 

Es kann nach den Ergebnissen, die wir für die Versformen der plautini- 
schen cantica aus der Analyse und der metrischen Tradition gewonnen haben, 
kein Zweifel sein, dass auch die Lieder und Liedscenen als Ganze in der Conti- 
nuität der griechischen Technik stehen. Mit dieser Erkenntniss kann meine 
frühere Hypothese , dass Naevius und Plautus , als sie die chor- und liedlose 
attische Komödie mit Liedern und Wechselliedern ausstatteten, auf das Vorbild 

1) Dass die byzantinischen Tractate nsgl nod&v den navg — uuu— ^iuU7t6g oder et^6fpiog 
nennen that nat&rlich nichts zur Sache (Stademund A. V. 238, 11; 296, 27). Den xovg — w — i^ — 
nennen sie ^oSdxiuog oder ivtim^Minos, 

2) Von Priscian II 422 anrichtig als jambische Monometer erkl&rt. 



DIB PLAUnNISCHEN CANTICA. UND DIE HELLENISTISCHE LYRIK. 77 

der &Q%aCa xmiipdia zarückgegri£Pen hätten, nicht mehr bestehen. Freilich haben 
nationalrömische Metriker dieselbe Vermuthung ausgesprochen ^) ; aber wenn 
aaeh die Möglichkeit o£Pen bleibt, dass die Herleitung für bestimmte einzelne 
Yersarten zutrifft, so trifft sie für die gesammte Technik und damit auch für 
die Lieder als Kunstgebilde ohne Frage nicht zu. Es war nur eine Divination 
als Wilamowitz aussprach, dass von den Gesängen der neuen Bühne und dem 
neuen Dithyrambus die Brücke zu den Massen des römischen Dramas zu schlagen 
sei'); aber die Thatsachen haben seine Divination bestätigt. 

Denn auch daran kann kein Zweifel bestehen, welches Gebiet der griechi- 
schen Dichtung als Vorbild und Ausgangspunkt der plautinischen Lieder zu 
betrachten und daher mit ihnen in Yergleichung zu ziehen ist. Es ist die junge 
dramatische Lyrik, wie sie sich in der Tragödie nach Euripides fortgebildet hat 
und in anderen Formen und Spielarten (Athen. XIV, 620. 621)') des Bühnen- 
Spiels lebendig war ; ein solches Lied dramatischen Charakters besitzen wir nun 
und es lehrt uns an einem sicheren Beispiele, dass jene Poesie in ihren Versen 
und als Ganzes durchaus in der Tradition der euripideischen Monodie stand. 

Für die Composition der plautinischen cantica sind zwei Eigenschaften in 
erster Linie characteristisch : einmal die Buntheit der Polymetrie, die äusserste 
Freiheit in der Verbindung der Versarten; zwar sind viele cantica metrisch 
einfach, ja vom einfachsten stichischen Bau, aber viele vereinigen auf kleinem 
Baum eine Fülle der verschiedensten Formen. Dieselbe Polymetrie ist charak- 
teristisch für die Lyrik der jüngeren Tragödie ^). Zum andern sind die sämmtli- 
chen plautinischen cantica ohne Besponsion, Plautus kennt keinen strophischen Bau. 
Dasselbe gilt für die Monodien der jüngeren Tragödie, denen die kommatischen 
Scenen folgen^), sowie für den neuen Dithyrambus^). Wir wissen jetzt, dass 
dies kein äusserliches Zusammentreffen bedeutet, sondern dass das Aufgeben 
der strophischen Composition tief begründet ist in der Geschichte der Musik 
und der mit ihr zusammenhängenden Entwicklung der Bühnenlyrik ^. In dem 
völligen Fehlen der &vrajt6doirig und ivaxv%krfii,g in den plautinischen Liedern 
liegt ein vollkommener Beweis für ihren unmittelbaren Zusammenhang mit der 
hellenistischen Technik. 



1) Mar. Vict. p. 78, 22 (Apthonius) und Firmianas (Lactantius) bei Rufin p. 664, 11, beide 
aus Thacomestas (Theomnestus), vgl. Herpa. 24, 298 A. 

2) Hermes 18, 249, vgl. Rhein. Mas. 40, 166 Nachr. d. Gott. Ges. 1896, 232. 
8) V. Wilamowitz Nachr. d. Gott. Ges. 1896, 280, Crusias Philol. 66, 882. 

4) V. Wilamowitz Hermes 18, 248. 

6) Vgl. V. Wilamowitz Her. I 147 Isyllos 161 ff. 

6) Aristot. probl. 19, 16 p. 918l> 18 Sia xl oi fihv v6fioi O'Ön iv &vti6tQ6q>oig ittoioüvroj at 
d^ äHai d}dal at ^jro^iXtt/; — d»& xal ot Si^^gafißoif htsiSii fftifii^riNol iyipovto, oi>%ixi i%oiv9i,9 
^frrurr^d^ovff, ^r^repov 9\ il%ov. — xb d* aiixb atxiov %a\ 9Uxi xu \k\v iatb xf^ <nci2ri}ff o4t% &vx(^ 
cxifo^a^ xii dl xoü %oifo9 &vxüfxif0tpa, Hephaest. p. 66. 

7) Cmsius die delph. Hymnen 118 ff., Th. Reinach Bull, de corr. hell. 18, 386, Gevaert Re- 
vue de rinstr. publ. en Belg. 89 H. 4 (S. 8 ff. des S. A.). 



78 FRIEDRICH LEO, 

Auch eine andere Erwägung fuhrt auf denselben Punkt. In der jüngeren 
Euripideischen Tragödie tritt der Chorgesang mehr und mehr zurück und wird 
durch den Gesang von der Bühne verdrängt; d.h. die Schauspieler werden in 
steigendem Masse an den Gesaugpartien betheiligt ^). Ich glaube nicht, dass die 
griechische Tragödie jemals den Chor aufgegeben hat, wenn es auch wahrschein- 
lich ihre römischen Bearbeiter gethan haben '). Aber dass Gesang und Wechsel- 
gesang auf der Bühne nach Euripides einen noch breiteren Raum eingenommen 
haben als in seinen letzten Stücken, das macht die letzte Entwicklung des Euri- 
pides selbst wahrscheinlich; es liegt in der Natur einer Einwirkung, wie die 
Euripideische Kunst sie auf die Folgezeit geübt hat, dass die charakteristiscben 
Eigenheiten über das erreichte Mass hinausgeführt werden. Bei Plautus finden 
wir die Form des Dramas, die als Endpunkt dieser Entwicklung vorauszusetzen 
ist. Er hat Stücke mit wenigen oder gar keinen zweifellos für Gesang bestimm- 
ten Scenen^); in anderen Komödien aber ist die grosse Mehrzahl der Personen 
an Gesangscenen betheiligt: in der Casina alle ausser dem einen senex und dem 
einen Sklaven (der nur v. 966 durch seinen Anruf das canticum zum Schlüsse 
bringt und gleich in Septenaren weiter spricht), in der Mostellaria alle ausser 
der alten Dienerin und dem Wechsler, im Pseudolus alle ausser dem einen senex, 
dem einen adulescens und zwei Nebenfiguren, im Truculentus alle ausser dem Tru- 
culentus, dem Bauemknaben, dem alten Herrn, in den Bacchides alle ausser Lydus, 
Cleomachus, dem Parasiten. Es ist das Singspiel der zu seiner Zeit lebendigen 
griechischen Bühne, deren musikalische Form Plautus der menandrischen Ko- 
mödie aufgepropft hat. lieber das so erwachsene Kunstgebilde wird dasürtheil 
vielleicht verschieden ausfallen , auch nicht für modernes Gefühl leicht zu fun- 
diren sein; aber gewiss tritt durch diese Erkenntniss Plautus in die vorderste 
Reihe der Zeugen für die Entwicklung der griechischen Liederformen. 

Bei dieser Sachlage müsste ich, um den folgenden Bemerkungen über die 
plautinischen Lieder den Hintergrund zu geben, zuerst von dem Bau der euri- 
pideischen Monodien und xo^^£ handeln. Das würde über die meiner Abhand- 
lung und mir selbst gesteckten Grenzen hinausführen; im allgemeinen muss ich 
auf die Commentare von Wilamowitz verweisen. Aber der Notwendigkeit, einige 
Beispiele anzuführen , die für die junge dramatische Lyrik besonders charakte- 
ristisch sind, kann ich mich nicht entschlagen; sie werden mehr als viele Worte 



1) V. Wilamowitz Hermes 18, 242 Her. I 148. 

2) Bethe Proleg. zur Gesch. d. Theaters 248 ff. Reisch das griech. Theater 268 ff. Dass 
sich Euripides nicht ohne Chor aufführen Hess, hat Robert G. G. A. 1897, 89 dargelegt. Ein lit- 
terarisches Zeugniss von der Existenz des Chors finde ich darin, dass Aristoteles und die peripa- 
tetische Theorie von der Existenz einer chorlosen Tragödie nichts wissen. Die Rolle, zu der der 
Chor in der nacheuripideischen Tragödie gesunken sein muss, tritt uns bei Seneca entgegen; mö- 
gen diese Stücke gespielt worden sein oder nicht, sie sind ein Zeugniss für die Entwicklung. 

8) Vgl. H. Schenkl in der Abhandlung Serta Harteliana p. 104 sq., in der zum ersten mal 
auf die Wichtigkeit des Gesichtspunktes hingewiesen und Fingerzeige für eine eingehende Unter- 
suchung gegeben sind. Weiteres unten. 



DIE PLAUTINISCHEN CANTICA UND DIB HELLENISTISCHE LYRIK, 



79 



dact.-epitr. 
2 tr. 
2 tr. 
2 tr. 



10 tr. 



zur Hlnstration des Hauptsatzes dienen, dem ich Eingang verschaffen möchte: 
dass die plautinischen und diese griechischen Lieder in dieselbe Sphäre der dra- 
matischen Lyrik gehören, dass von Euripides zu Plautus eine directe Richtungs- 
linie führt ^). 

Das berühmteste Lied aus der letzten Zeit des Euripides ist die Arie des 
phrygischen Sclaven Or. 1369 — 1602. Man geht gewiss nicht fehl, wenn man 
dieses Stück unter die Muster der auf Euripides folgenden dramatischen Lyrik 
rechnet. Ich gebe v. 1369 — 1457 ohne die Zwischenreden des Chors (in Trime- 
tem) ; das Folgende hat v. Wilamowitz Orestie 11 258 (v. 1458 — 1472) und Nachr. 
der G. Gr. 1896, 218 (v. 1473—1602) analysirt. 

I 1369 ^AqybIov l^Cfpoq ix d'avcctov niq>Bvyu ßaQßäQOig iv siiuc- 

q(6i xeögatä na6xiS(ov i)nkQ tigaiiva 
^cDQixdg XB tQiyk'6q)0vg, 
q>Q0v8a q>Q0v8aj yä yäj 
ßaQßdQ0i6i ÖQMiiotg. 
1376 aiat. 

%ä qyöya^ iivai, Ttohbv aid-iQ* i^^td^Bvog r\ ic6vxov ^SiacBavhg 
8t; xavQ6xQavog ipcdkaig iUwanf xvxXol %Q'6va\ 
n 1381 *^Xvov IXiQv &H01 fiot 

^QiiyLOv &6tv xal xaXUßmXov ^äag ^Qog tBgbv &g ff öXö^b- 

vov 6xivm 
1385 &QfidxBtov &QiidxBvav ^ilog ßagßdQtp ßo^ 

diä [xb xägl ÖQvid'öyovov S^^ia xvxvonxiQov 
7cccXXo6iivagj jii^dag 6xiiiivoVy 8v6BXivav 
^B6x&v nsgydiKov ^AnoXXmvCmv 
1390 'EqlvAv. öxxoxot 
taXd^cav iaXiiicav 
jdaQiavCa xXd^cov raw^ii^dBog 
[njtoöiivcc, z/ibg Bivixa, 
nia 1395 atXtvov atXivov iQ%äv '8'pi{i/ov 
ßdgßaQOL Xiyov6LVy 

^Aöiddi qxovä, ßa^tXimv 
Zxav al^ut %v^ xaxä yäv ^iq>s6iv 
6tdaQioi6LV Zdida. 
b 1400 ^Xd^ov [stg] dd^ovg, ?v' aCa-' Sxa0xd 6oi Xiyo), 

XiovxBg '^EXXavBg d'öo dtöviim ' xai fiiv 6 6xQaxriXdxag jtaxiiQ 

ixXyiBXOj 
1403 6 Sl natg Zkgofpiovy xaxö^tiug ivi^Q, bis 406: 



4 dochm. 


8 d. 


2 d. 


2 d. 


2 d. 


2 i. 


2 i. 


4 dact. 


«lyc. 


2 an. 


ith. 


2 i. 


2 an. 


2 i. 


3 i. 


6 i. 


4x2 an. 



1) Die Stellen besonders anzugeben, über deren richtige Messung mich Wilamowitz belehrt 
hat, scheint mir überflüssig, da wir das Yerst&ndniss der lyrischen Metrik des Dramas überhaupt 
ihm verdanken. 



3 i. 




3i. 




3 i. 




4i. 




6 i. 




3 i. 1 


an. 


2 i. 1 d. 


14 i. 


1 d. 


2 an. 




2 an. 




2 an. 




2 an. 




6i.? 




4 an. 




2 d. 





80 FRIEDBIGH LEO, 

1407 Iqqov tag i^tft5xot; ngovoCaq 

xaxo^Qyog &v. ol 8% Tcgbg d-gövovg Söo 
(lolövtsg &g iyqyl 6 iro|rfrag IliQig 
1410 ywaixhg^ üfi^a SaxQiiotg 7C6q)VQ^£voif xaytsivoi 

«gov^, 6^(ilv tb xstd'sv 6 dh tb xet^Bv, RXXog &Xlo^€v ä6- 

q>Qay^ivov. 
c 1415 negl dh yövv x^Qccg CxBövovg ißalov ißalov ^Ekivag fift^po, 

&vä S\ dQoiiddeg id-ogov i^ogov a[iq>inolov OQiiyeg, 
d 1420 %Q06Bt%B S* älkog &kkov nsfSiiiv iv q)6ßqi fii{ ng etti äöXog 

x&ööxsi rotg [ihv (yd, totg d' ig &Qxv6xixav (irixaväv 
i^xkixBiv icalda täv TwdaQid'^ 6 [iatQoq)6vtag dgdxoiv. 
IVa 1426 0QvyLoig ixv%ov 0QvyLoi6i vö^oig 
jcagä ßööTQvxov aügav aügav 
^Ekivag ^Ekivag Binayi xvxkG) 
1430 JtTBQivq) ngb nagriidog &66(ov [ßaQßuQoiöi vrf^ottfti/] ^). 
b & Sl klvov iikaxdxff daxxiikoig Bki,66B vrjiid ff lbxo niöm 

1435 6xvkanf Qgvyifov inl xvfißov dydk^xa övttxoktöat XQi^tovöa 

klvqi 

(pdgBa TtoQfpvQBKj d&ga Kkvxat^T^öxga, 

c TiQOfSBliCBv S^ ^Ogiöxag Adxaivav xÖQav & dtbg nat^ %'\g 

1440 i^t^og xidq) dBVQ* dnoöxccöa xkiö^ov , Tlikonog inl 

TtQondtOQog idgav nakaiäg i6xCag^ W Bldfjg 14 i. 

k&yovg i^oiig, &yBi d' äyBi vlv * & d^ iq>BijCBt\ oif TCQÖ^avxig 
1445 &v S^BkkBV 6 dl ö'övBQyog &kk^ ixQa06^ Ihv xaxbg 

9mxB'6g' 9 i. 

oim ixnoöhv ttf, ikk^ &bI xaxol OgvyBg] 3 i. 

Ixkifi^B ä^ &kkov &kko6^ iv öxiyaLöLf xoi)g (ihv iv 6xad'(iot6vv 

htmxolgy 6 i. 

1460 xo'bg 6^ iv H^iögaiöi^ xovg d' ixBtö' ixBt^BV, &kkov äkkotts 

diagiiööag dicoTCgb ÖBönoCvag, 4 i. 2 d. 

Va ^Idalu [i&XBQf fiarap, 2 an. 

6ßQ£(ux ößgifia, alat 3 dact.? 

1455 (povioiv nad^ifav ivöiiov xb xax&v Stcbq iägaxov iägaxov iv 

döiioig xvgdvvmv. 3 an. 1 ith. 

b bis 1472 trochäisch. 

VI 1474 bis Schluss, Jamben Anapäste Dochmien. 

Das Lied ist dadurch besonders geeignet, die Compositionsart zu veran- 
schaulichen, dass die Hauptabschnitte (I bis VI), in sehr ungleicher Ausdehnung, 
durch die Zwischenreden gesondert sind; dadurch ist es auch für dieses Lied 
von vornherein deutlich , dass die inhaltlichen Abschnitte auch metrisch ausein« 



1) Das Glossem von Wilamowitz entfernt. 



DIE PLAUTINISCHEN GAimCA UND DIB HELLENISTISCHE LYBIE. 81 

andertreten. Innerhalb dieser Abschnitte lösen sich wieder metrische Perioden 
aus, von denen ich die am. deutlichsten ins Ohr fallenden notirt habe. Die Viel- 
heit, die Häufung und Abwechselung der Masse erhellt aus der Uebersicht ohne 
Worte; trochäische, jambische, dochmische, anapästische Verse herrschen vor, 
Daktyloepitriten leiten ein, Daktylen und glyconeus werden einmal als Abschluss 
verwendet. 

Das zweite Beispiel, das ich vorführen will, ist die Parodie der euripidei* 
sehen Monodie in den Fröschen, die durch die Verse eingeleitet wird (1329): 

rä ^hv iiikri 6ov tavra' ßo^lofiai d* Itt 

Dass es eine gute Parodie ist , dafür bürgt der Dichter , die unwiderstehliche 
Wirkung beweist es, es ist aber auch im Ganzen wie im Einzelnen, für die Form 
und die Formen , leicht nachzuweisen. Eine gute Parodie ist aber für unsem 
Zweck besonders geeignet, da sie ja keine andere Absicht hat als die typischen 
Eigenschaften der parodirten Grattung grell hervortreten zu lassen; es kann nicht 
wohl anders sein als dass die zur Nachahmung auffordernden, zur Nachwirkung 
bestimmten Eigenheiten des Monodienstils sich hier besonders vordrängen und 
damit uns gleichsam in die folgende Epoche der Grattung mit hineinführen. An 
einem wichtigen Punkte, der Verwendung des kretischen Masses, haben wir oben 
(S. 75) diese Bedeutung der Parodie bereits nachweisen können. 
1 1331 In Nxfxtbg xslacvoipa'^g glyc« 

Spqpi/a, tiva fiot Svötavov üvslqov Tcifixevg i^ &q)avovg 

läida + jrpöfioAov, tjwxäv &ilfVxov i%ovxu^ fuXalvag 7 an. 
1336 Nvxxhg %atSa q>QixAdfi ös^väv b^iv [ii£lavo]v€xv£inova^), 3 d. 

q>6vLa q>6via dsffxöiisvovy iisyiXovg ivvxag i%ovxa, dact.-epitr. (e, d. e.) 

n a &kka fiOij &nq>i7toXoij kv%vov &^axB xAknifSl r' hc notafiav 

8q66ov aQaxB ^iQ^sxs ff vömg^ 10 dact. 

1340 Jag &v d'stov tivHQov iatoxk'66G:}' Im 6 dact. 

7C&VXVB Satfiov. 2 dact. 

b xovi^ ixetv' i&) ^vvoixov, xdds xiga ^sd6a6^B* xhv i- 

kBXXQvöva (lov ^xrvaQTtAöaöa tpQOvSri Fkvxri, 9 tr. 

cl346 Nviiq>aL ÖQBööiyavoij & Mavia, l^iikkaßB» dact.-epitr. (d. e. e.) 

nia iyh S" & xukaiva 2 bacch. 

nQ06i%Qv^ ixv%ov iikovxfig 2 ion. 

SQyoiöi kivov (iBöxiyif äxQaxxov 3 ion. 

BtBlkCfS60V6a %BQOlVy \ 

xkmöx^Qa ytoiov<f\ SiciDg I . 

1350 xvBtpatog Big äyoQäv | o J • 

(pdQovif inodoiiiav» I 

b 6 d' iviitxax ivdicxixi? ig ui^i^a xovfpoxixaig nxBQiiyiov 3 an. 

ixiiatg, ifiol d^ &%i &%Ba TtaxikiiCB^ ddxQva ädxQvd x" dii 



I) Die Interpolation entfernt von Wüamowitz, v. 1356 u. 1862 von demselben erg&nzt. 

Abhdlgn. d. K. Oes. d. Wias. bq Göttingen. Phil.-hltt. Kl. N. F. Bud 1, v. H 



82 FBIEDRICH LSO, 

1366 ö(iiiAt(ov IßaXov IßaXov & tXiiMav. 5 i. 1 dochm. 

IV ikX & KQHtBg^ ISag xixva^ t& r<$|a {td) Xaßdvtsg iTCa- 

fivvcczs rä x&Xd i^ iiixiXlstB xvxXovfUvoi riip 

oixiccv. 1 spond. 7 cret. 2 tr. 

a(ia di /iCxxvwa natg *'AQtB(ivg xaXd 2 cret., col. 

1360 tag xw(6xag Ixovö^ iXd'ita dvä äöfUDv 7tavxa%^. 5 oret. 

V 6i) S' & ^ibg i. 

{xat)j ÖLJCÖQOvg &vi%ov6a \ A ^ 'f 

Xafijcddag öivtatag XBQOtVf 'Exäta^ nagif^vpfov \ (^ A A \ 

ig rXikctigj Zxmg av Biöel^ovtta q>aQd6a. ) 

Die Perioden sondern sich scharf nach Inhalt und Metrum: I der Traum, 
Solisch anhebend und in Daktyloepitriten auslaufend, in der Mitte Anapäste und 
Dochmien, also so bunt wie möglich; II: a) die Absicht der Sühnung, Daktylen 
(mit Systole in ijcoxl'ööa) b) Entdeckung des Diebstahls, Trochäen c) erster 
Hilferuf, Daktyloepitriten; also auf a) und b) vertheilt die in c) vereinigten 
metrischen Gattungen; der Schluss von 11 klingt an den von I an, im übrigen 
sind die metra grundverschieden. lU Erzählung und Klage: a) wieder von 
ganz neuer Art, jonisch-äolisch, im Satze übergehend; b) Anapäste (wohl eigent- 
lich Dochmien) und Jamben dochmisch schliessend : dieser Abgesang erinnert an 
die mittlere Hauptpartie von I wie der von 11 an den Abgesang von I. Nun 
folgt (IV) die Herbeirufung der Kreter und der Artemis, in 14 reinen cretici, 
vorauf ein Spondeus, untermischt 2 trochäische cola, die uns aus der plautinischen 
Technik vertraut sind. Bis hierher hat also jede Periode ihren specifischen metri- 
schen Charakter, die Buntheit der Formen und des ganzen Bildes ist aufs 
äusserste getrieben. Wie aber einzelne Fäden von Periode zu Periode fuhren 
(auch die paar Trochäen in IV erinnern an die in II), so wird das ganze Lied 
durch eine grossere daktyloepitritische Periode (Y Herbeirufung der Hekate, zum 
Leuchten, und üebergang zur That) abgeschlossen, d.h. durch die Versgattung, 
von der kleinere Reihen auch die Perioden I und 11 abschliessen. So bekommt 
das Ganze, zerfetzt und zerfallend wie es ist, noch eine Art von Kundung und 
Rahmen. 

Hier schliesst sich nun (da der Rhesos archaisirt) für unsere Kenntniss un- 
mittelbar das Grenfellsche Lied an, von dem Wilamowitz nachgewiesen hat, dass 
es völlig in diesen Kreis der metrischen Form hineingehört. Es steht auch da- 
rin der aristophanischen Parodie besonders nahe, dass hier wie dort das Lied 
zwar als dramatisch, aber isolirt uns entgegentritt und die Situation der Sin- 
genden aus dem Liede allein hervorgehen muss. Es wird hier recht greifbar, 
wie aus der euripideischen Monodie eine eigne Gattung von der Art der Hila- 
rodie hervorgehen konnte. 

Der erhaltne Theil des Liedes^) zerföllt in 4 metrische Abschnitte, die zu- 



1) Es genügt auf die Erörterungen von Wilamowitz (Nachr. G. 0. 1896, 209) und Grusius 
(Philol. 56, 858) zu verweisen. Crusius' Auffassung von der metrischen Gestalt des Liedes halte 



DIE PULUnKISCHEN CANTICA UND DIE HELLENISTISOHE LTRIK. 83 

gleich Abschnitte des Inhalts and daher durch 7taQdyQaq)oi^) von einander ge- 
trennt sind: I Exposition 11 "Wanderung HE vor dem Hause IV Drohung und Ein- 
lenken. Der 4. Abschnitt setzte sich vielleicht auf der folgenden Columne, von 
der nur die Zeilenanfänge erhalten sind, fort; diese enthielt noch 3 weitere Ab- 
schnitte, wahrscheinlich die letzten^). Von den erhaltenen Abschnitten ist der 
1. 2. und 4. dochmisch-jambisch, mit anapästischen cola die als Ersatz der Doch- 
mien stehen, der 1. durch einen daktylischen Hexameter abgeschlossen ; der dritte 
besteht aus 20 reinen Dochmien, alle durch Wortschluss und mehrere durch 
Freiheit des Yersschlusses gesondert. Dies ist eine wenigstens dem Grade nach 
neue Erscheinung in der dramatischen Lyrik; die stichischen Dochmien treten 
zu den stichischen Partien der plautinischen Lieder, besonders zu den stichischen 
Dimetern und anderen Kurzversen, in eine Art von Parallele. Aber es ist eben 
wie das Ganze nur eine Fortbildung des in der letzten Zeit des Euripides und 
Sophokles Geläufigen; und nicht die Abweichung, sondern die im allgemeinen 
vollkommene Gleichheit der Composition ist es was ins Auge fällt. Wir haben 
also hier in der That das griechische Mittelglied zwischen der euripideischen 
und plautinischen Technik; nur ein kleines Stück, aber eines das von der Jahr- 
hunderte hindurch dauernden productiven Wirkung der euripideischen Lyrik, 
entsprechend der Wirkung seiner ganzen Kunst, redendes Zeugniss gibt. 

Dies ist die Grundlage, auf der die Beobachtung der plautinischen cantica 
vorzunehmen ist; denn die Gesichtspunkte, aus denen ihre Composition zu beur- 
theilen ist, lassen sich nur durch Beobachtung gewinnen. Die Fragestellung ist 
jetzt sehr einfach: wie weit entspricht die Anlage der plautinischen Lieder der 
der euripideischen und des GrenfeUschen Liedes? Es handelt sich dabei haupt- 
sächlich darum, ob die Abschnitte des Inhalts mit denen des Metrums zusammen- 
fallen, ob eine Architectur des Liedes trotz des astrophischen Baues, wie weit 
in der Wahl der metra für die verschiednen Abschnitte eine Absicht, eine Be- 
ziehung der Theile auf einander und aufs Ganze kenntlich ist. Ich kann bei der 
Neuheit der Sache') mich der Aufgabe nicht entziehen, alle einzelnen Lieder vor 



ich durch die Analyse von Wilamowitz für positiv widerlegt and kann mir darum ersparen meine 
Zweifel wider die einzelnen Verse, die Crusias ansetzt, zu begründen. Die S6o atiyiuzi interpun- 
giren den Sinn, die ^aQayQatpog den Inhalt, beide sind je einmal falsch gesetzt. Die Ergänzungen 
der wahrscheinlich vorletzten und letzten Periode des Liedes, die Grenfell und Hunt New classical 
fragments (1897) p. 211 aus einem neuen Reste des Papyrus mittheilen, geben bider für die Form 
dieser Verse keine Sicherheit. 

1) Unrichtig gesetzt zwischen v. 10 und 11 (19 Wil.), wie Qrenfell und Hunt New cl. fr. 
p. 209 bezeugen. 

2) Grenfell und Hunt p. 211. 

3) Die einzige Vorarbeit , die darauf Anspruch macht es zu sein , ist der zweite Theil der 
Klotzschen ^Grundzüge altrömischer Metrik'. Aber mit dem verworrenen und willkürlichen Gerede 
dieser 'Rhythmik' ist gamichts anzufangen^ so wenig wie mit den zu Grunde liegenden metrischen 
Vorstellungen. 

11* 



84 FRIEDRICH LEO, 

den Augen des Lesers zu prüfen ; die einen werden mit wenigen Worten erledigt 
sein, bei anderen wird es nöthig sein zu verweüen '). 

Latinae comoediae chorum non habetU, sed duobus membris tantum constant, di- 
verbio et cantico (Diom. de poem. p. 491, 29). Dieselbe Anschauung liegt in der 
notatio C und DV der palatinisehen Plautusausgabe vor*). Die notatio gebort 
dem 2. Jahrhundert n. Chr. an') und lässt sich als Zeugniss für die ursprüng- 
liche Gewöhnung nicht ohne weiteres benutzen. Mit C sind fast durchweg auch 
die trochäischen Septenarscenen bezeichnet ; es wird mit Recht angenommen dass 
das nur Kecitation zu Flötenbegleitung bedeuten kann, und diese Annahme wird 
durch die Senare Stich. 762 sq., während deren der tibicen trinkt, bestätigt*). 
Ein andres directes Mittel zur Distinction gesprochner und gesungener Verse 
besitzen wir nicht. Da aber der Gesang selbst vielfach bezeugt ist, so sind wir 
berechtigt, die Verse lyrischen Masses als gesungene Verse anzusehn. Das 
Zwischeugebiet der stichischen Dialoge und Monologe können wir für unsere 
Zwecke beiseite lassen, denn in der Composition unterscheiden sie sich, wenig- 
stens für unser Auge , von den sicheren diverbia nicht. Mit dieser Begrenzung 
rede ich von plantinischen cantica. 

Die Monodie hat Plautus mit der jüngeren Tragödie gemein; an die Stelle 
des Chorliedes und des Kommos ist in natürlicher Consequenz die Gesangscene 
unter mehreren Personen (Duett, Terzett, Quartett, im Finale des Persa Quintett) 
■getreten ^). Die etwa 60 cantica theilen sich danach in c. 24 Monodien und c. 36 
Scenen Mehrerer ; doch ist dies keine ausreichende Sonderung, da die Scenen der 
Begel nach mit Monodien beginnen, auch, doch sehr selten (Bacch. 640 Cure. 
147 Epid. 181), mit Monodien schliessen und da einige Monodien in kurze lyri- 
sche Dialoge auslaufen. Einige werden von einzelnen Reden Lauschender nicht 
anders unterbrochen als der Phryx im Orestes durch den Chor. Keines der 
Stücke ist ohne isolirte oder verbundene Monodie. 

Nur der Miles ist ganz xatä 6t£xov gebaut, d.h. er gehört zu den x^i/i^ 
liccta xatä 6xl%ov (iixtd^ &g aC MavdvÖQOV xfofipdiar ttvj (ikv y&Q xsxQdiistQa iv ttp 
aintp TCOLi^iiari, nfj dl tgi^BXQa eigtöxstai (fleph. x, noti^i^, 66). Das bedeutet 
nichts anderes als dass im Miles die metrische Form des Originals , oder viel- 
mehr beider Originale (des nachmenaudrischen ^) ^Aka^^v und eines zweites Stückes) 
im Ganzen , das heisst natürlich nicht so dass sich die Versmasse der einzelnen 



1) Viele der Cantica habe ich schon ihrer einzelnen Yersformen wegen im Zusammenhange 
oder doch zusammenhängende Partien besprechen müssen; auf diese Erörterungen kann ich mich 
in der Folge berufen. 

2) Bergk Kl. Sehr. I 192, Bitschl op. III 1; Klotz Gnmdz. altröm. Metr. 382. 
S) Plaut. Forsch. 14. 

4) Klotz Grundz. altr. Metr. 384. 

5) Sehr schön veranschaulicht das Yerh&ltniss und wenn man will den Uebergang die Scene 
der 'lorarii' mit Philocrates und Tyndarus Gapt. 195 sq., an der Stelle der Parodos, ein wirklicher 
Kommos — wenn die lorarii ein Chor wären. 

6) Plaut. Forsch. 103. 



DIE PLAUTINKCHEN CANTICA UND DIE HELLENISTISCHE LYRIK. 85 

Scenen entsprechen , beibehalten ist. Da nun der Miles unter den datirbaren 
Stücken das älteste ist, so liegt die Versuchung nahe, ihn als das erste Stadium 
einer von da aus bis etwa zu Casina und Pseudolus hinan zu verfolgenden Form- 
entwicklung der plautinischen Komödie zu betrachten. Man könnte dafür noch 
anführen, dass Asinaria und Mercator in der Beschränkung des Lyrischen dem 
Miles am nächsten kommen; im Prolog der Asinaria aber wird Plautus der 
JUaccHS, in dem des Mercator der Minccus Titus genannt ; es wäre wohl begründet, 
wenn man diese Benennungen in Plautus' frühere Periode rücken wollte. Ferner 
haben die als älter datirbaren Stücke Cistellaria Stichus Epidicus (über dessen 
Zeit Vind. Plaut. 6) mit dem (nicht datirbaren) Persa eine Besonderheit der 
lyrischen Anlage, Duett (Terzett) als Eingang des Stückes, gemein, so dass man 
versucht sein könnte hier eine Etappe früherer Entwicklung zu sehen. Aber 
vieles spricht gegen eine solche Construction, vor allem dass die Einführung der 
Gesangkomödie nicht dem Plautus sondern schon dem Naevius gehört. Eine 
Entwicklungsreihe durchführen zu wollen ist sicher aussichtslos. Dagegen hat 
es grosse Wahrscheinlichkeit, die Ungleichheit in Zahl und Art der lyrischen 
Partien, da es sich um lebendige Bühnenverhältnisse handelt, aus den zufalligen 
Personalverhältnissen der dem Dichter für jedes Stück zu Gebote stehenden 
Truppe zu erklären, wie es H. Schenkl in der S. 78 A. 3 angeführten Abhand- 
lung gethan hat. 

Wenn sich aber auch eine Entwicklungsreihe nicht construiren lässt, ist ee 
doch bemerken s wer th . dass der Miles als stichisches Gedicht die Form der via 
xfofipdia wiedergibt, nur dass in dieser der Trimeter überwog und der einzige 
Langvers der troch. Tetrameter war ; die terenzischen Komödien stehen durch 
die Jiäufige Unterbrechung der stichischen Form dem Original femer. Freilich 
dürfen die angeführten Worte Hephaestions (vgl. Mar. Vict, 57) nicht dazu ver- 
führen, der via (Hephaestion setzt Menander statt ihrer) lyrische Masse über- 
haupt abzusprechen^); aber sie waren selten'). Asinaria und Mercator brauchen 
«ich durch ihre vereinzelten lyrischen Partien vom Original nicht zu unterschei- 
den, wie auch Andria und Adelphi nicht durch die ihren; viel weiter aber die- 
sen £>eis zu ziehen verstatten die Fragmente der neuen Komödie nicht, und das 
Verfahren des römischen Dichters illustrirt Caecilius' Plocion. Dass kein Stück 
der neuen Komödie aussah wie etwa Menaechmi Mostellaria Pseudolus Bitdens 
Truculentus Bacchides Casina , dafür bedarf es keines Beweises. Weitere An- 
haltspunkte für die Schätzung der dem Plautus eigenen Compositionsart wird 
die folgende Untersuchung ergeben. 

Die Asinaria hat nur ein einziges Lied, und zwar eine Monodie des Lieb- 
habers, 127 — 138 ; kretische Tetrameter mit einem eingesprengten choriambischen 
Verse (oben S. 46), der die I. Periode (Klagen und Drohungen) abschliesst, 



1) Khein. Mos. 40, 163. 

2) nsQl Timfk. V, 10 D. ij y,lv via %atit tb nXsi^otov atgitpSTai mgl tb l€Cfikßi%6v, mtavCmg 9% 
IkifQOV ^Qov, iv Sl trj naXaiGL nolvpLBXQia xb C7fovdat6ikivov. 



86 FBIEDBIGH LEO, 

während die II. (Anklagen) in einen trocb. Septenar ausläuft, das Mass der dann 
folgenden Rede, für welche das Liedchen auch materiell nur als Einleitung ge- 
dient hat; ganz ähnlich die einleitenden Liedverse Trin. 1115 — 1119 Truc. 209. 
448 Pers. 2B1. Auch der Mercator hat ausser der Scene 111 — 140, die ein- 
zelne troch. Septenare unter die jamb. Octonare und gegen Ende, wo das Duett 
beginnt (134), eine Gruppe von Kurzversen einmischt, nur die Monodie des Lieb- 
habers 336 — 363; sie ist im wesentlichen baccheisch, wird eingeleitet (I —340, 
allgemeine Klagen) durch 2 Tetrameter und 4 anap. Dimeter (oder Trochäen); 
n — 356, die Situation und ihre ünschlüssigkeit, 13 Tetrameter die von 2 troch. 
Octonaren eingefasst werden; III Verzweiflung, 4 Tetrameter und 3 troch. Oc- 
tonare, deren ersten die Tetrameter in ihre Mitte nehmen. Doch ist die G-renze 
von II und III unsicher, da v. 356 schwerlich an seiner Stelle steht und 357. 8 
wohl noch zu U gehören. 

Ein Gegenbild gibt der Curculio, der gleichfalls nur eine Gesangscene 
hat, aber eine solche die dem Stücke gleich nach dem Anfang einen stark lyri- 
schen Charakter aufprägt, die grosse Scene 96 — 157. Sie wird durch die Mono- 
die der Leaena eingeleitet, durch die des Phaedromus geschlossen; die von bei- 
den Liedern eingefasste Partie 110 — 146 bewegt sich meist in Duetten zwischen 
Phaedromus und Leaena (112 — 122; 134 — 139) oder Phaedromus und Palinurus 
(128—133; 140—146); Zwischenverse dieser beiden 110—112. In den Schluss 
von 112 greift Leaena ein, in v. 131 wirft sie ein paar Interjectionen hinein; 
zum eigentlichen Terzett kommt es in lU, sonst bleibt es bei der wechselnden 
Gruppirung einer der beiden Nebenpersonen zur Hauptperson. Die erste Mono- 
die und das erste grössere Duett sind metrisch von ungemeiner Mannigfaltigkeit, 
die folgenden Partien nebst dem Schlussliede einfacher. Die höchste Steigerung 
ist in UI, der Trinkscene, durch das Terzett gegeben; dann schwillt es ab: 
Duette , Monodie. Die Anordnung ist in paralleler F^ge : Monodie Duette Ter- 
zett Duette Monodie. I Leaena , a) — 104, sie begrusst den Wein ; in bunter 
Folge 2 Diphilei (daktylisch), 2 Anapäste 1 iambus, das Kolon — u — u— (die 
Kretiker vordeutend), jamb. Dimeter (vgl. oben S. 14), dann 2 kret. Tetrameter, 
daktylisches Kolon mit jambischem, das zu dem schliessenden (ithyphallisch aus- 
gehenden) synkopirten jamb. Septenar überführt; b) sie sucht den Wein, 6 kret. 
Tetrameter. Das Lied kommt mit seiner Polymetrie der Parodie in den Fröschen 
gleich; in Wahl und Ordnung der metra hat es Aehnlichkeit mit dem Liede des 
Menaechmus 110 sq. Es folgen als Einleitung von II drei jamb. Septenare des 
Phaedromus und Palinurus, entsprechend den dreien der Leaena (in III) 125 — 127. 
Das Duett zwischen Leaena und Phaedromus (Begrüssung) hat in zweimaliger 
Abfolge 1 troch. Dimeter, kret. Vers (1 creticus mit — u — w — , s. S. 13), bacch. Te- 
trameter, kret. Dimeter, wieder troch. (akat.) Dimeter, 2 bacch. Tetrameter, 2 
cola — u — u — , endlich 2 kret. Tetrameter mit ithyphallicus als Abschluss. Die- 
sen Theil heben die Trochäen und Baccheen gegen den ersten ab, den ersten 
gegen diesen die Daktylen, die Kretiker verbinden beide. HI (das Trinken) be- 
ginnt mit der üeberreichung des Kruges, 2 daktylischen cola wie 103 ; sicherlich 



DIE PLAUTINISCHEN CANTICA UND DES HELLENISTISCHE LYRIK. 87 

soll damit an Leaesas Eintrittslied angeknüpft werden ; dann Palinurus und 
Phaedromus in Anapästen, die auch bisher nur im Anfang, v. 98, vorgekommen 
sind und nun für die Duette von Herr und Diener das herrschende Mass wer- 
den; dann Leaena in Jamben wie gleich nach ihrem Liede 110 die beiden Män- 
ner; endlich Berathung des Phaedromus mit Palinurus in 6 anap. Langversen. 
IV letzte Partie der Leaena, Duett mit Phaedromus 134 — 139, wieder Kretiker, 
verbunden mit glyconeischen Versen (oben S. 66), also ein Lied von ähnlicher 
Art wie I und 11 ; es wird durch einen anap. Septenar beschlossen, der es an 
HE und V anknüpft. Denn V (Phaedromus und Palinurus), 140 — 146, ist wieder 
ganz anapästisch (oben S. 28). Endlich VI das naQaKXav6C^vQ(yv des Phaedro- 
mus , in kretischen Tetrametem ^) mit einem aus daktylisch-glyconeischen Versen 
(oben S. 64) bestehenden Abschlüsse, durchaus also an I. 11. IV anknüpfend, so 
dass nach dem allgemeinen metrischen Character der Theile die Anordnung des 
Ganzen ist a ah ah a. 

Nur zwei (resangscenen hat trotz seines grossen ümfanges der Poenulus, 
210—260 und 1174 — 12(X), und zwar stimmt beider Anlage in auffallender Weise 
überein. Die zweite ist oben S. 28 und 36 analysirt. Beide beginnt Adelpha- 
sium mit einer längeren Partie, der eine kürzere der Schwester folgt ; das Quar- 
tett wird vollständig durch die beiden Männer im EQntergrunde, 210 sq. Agora- 
stocles mit Milphio , 1174 sq. mit Hanno. 1174 sq. sind die Abschnitte I und 11 
anapästisch, 11 mit schliessenden Beiziana, III vorwiegend jambisch mit ähnlichem 
Schlüsse ; I gehört den Mädchen , 11 den Lauschern , m beginnen die Mädchen 
und schliessen die Lauscher. Auch in der Scene 210 sq. sind das erste Lied (I) 
und die folgenden Verse der Schwester von einem Metrum, bacch. Tetrametem*). 
Adelphasium erwidert (233) mit 1 Tetrameter , 1 Eeizianus , 1 jamb. Septenar, 
die Schwester wieder mit 4 bacch. Tetrametern, die in freiere baccheische Verse 
auslaufen; dann wird 11 (2^5 — 249) durch kurze Zwischenreden der Lauscher (2 
bacch. Tetr.) abgeschlossen. UI, das Nachspiel, wird gleichfalls durch Milphio 
abgeschlossen, da sein Herr in Schweigen verloren ist; ein Vers ist unsicher 
(251), die übrigen sind Baccheen mit einem jambischen und 2 Beizischen cola. 
Die Unterschiede der Composition sind nur unwesentlich: ein Mass herrscht in 
beiden Liedern vor, die hinzutretenden Elemente sind im ersten untermischt, im 
zweiten beherrschen sie den Schlusstheil ; aber in beiden hebt sich m metrisch 
gegen I. II ab. Die Männer schliessen in der ersten Scene nur 11 und UI ab, 
in der zweiten gehört ihnen U und haben sie, gleichfalls schliessend, in HE brei- 
teren Raum. Aber es ist deutlich wie durch die beiden cantica das Ende an 
den Anfang erinnern will. 

Diese beiden Scenen lehren uns aber noch ein Besonderes, das uns in der 
BeurtheUung der plautinischen Komödie und ihrer Kunstform um einen Schritt 



1) Das naf^iiXavcC^f^Qv der Ecdesiazusen (962) beginnt nur scheinbar kretisch, inderXhat 
troch&isch. 

2) 282 ist dem Zusammenhange fremd. 



88 FRIEDRICH LEO, 

fördert. Gleichviel wie ihre Form im Original gewesen sein mag, sie gehören 
nicht beide derselben attischen Komödie an, sondern die zweite dem KoQxi^dövioSy 
die erste dem mit ihm zusammengearbeiteten Stücke^). Da es non ganz deut- 
lich ist, dass die Scenen als parallele Scenen auf einander berechnet sind, dass 
sie als die eigentlich musikalischen Partien des Stückes eine bestimmte Wirkung 
thun sollen , so haben wir hier einen sicheren Beweis dafür dass, um den zu- 
treffenden Ausdruck zu gebrauchen, die musikalische Composition der Komödie 
von Plautus selbst herrührt. Nun wissen wir, dass diese Gesangscenen in der 
Technik der dramatischen Lyrik des Zeitalters ruhen; und so folgt, wie ich 
meine, mit grosser innerer Wahrscheinlichkeit, dass Plautus mit dem Neuen, das 
eine solche Composition als Ganzes von Menander unterscheidet, sich an eine in 
der griechischen Technik vorhandne Gattung anlehnt; von der nun freilich die 
weitere Kunde versagt. 

Ich habe diese beiden Stücke mit vereinzelten Gesangscenen mehrerer Per- 
sonen vorweggenommen; aber unser Interesse müssen, im Hinblick auf das vor- 
handene griechische Material, zunächst die Monodien erregen. Die meisten sind 
nicht eigentliche Einzellieder, sondern leiten, wie bemerkt, Duette und andere 
Gesangstücke ein oder alterniren mit anderen Einzelliedern ; isolirte Monodien 
haben ausser Asinaria und Mercator nur noch Menaechmi Trinummus Captivi 
Amphitruo Cistellaria Mostellaria, dazu wird man Bacchides (640) Aulularia (713) 
Epidicus (181) rechnen und überhaupt nicht allzuscharf distinguiren wollen ; einige 
kleine Monodien , wie die im Persa und Truculentus , verschwinden vor den 
grösseren Gesangscenen. Eine besondere Stellung aber nehmen die beiden zuerst 
aufgeführten, Menaechmi und Trinummus, dadurch ein dass sie, und zwar nicht 
in vereinzelten Nummern wie Mercator und Asinaria, ausschliesslich Monodien 
haben. 

In den Menaechmi singt der epidamnische Menaechmus zweimal'), Erotium, 
der Alte und Messenio je einmal. Die Composition aller 6 Monodien ist, in ver- 
schiedner Weise und so dass man bei der ersten und letzten an der Vortrags- 
weise des dritten Abschnitts zweifeln kann, dreitheilig. 

Das Lied des Menaechmus 110 — 122 hat zuerst (I) eine metrisch sehr bunte 
jonisch (äolisch)-kretische Periode, dann (11) eine einfache, durch einen troch. 
Octonar (119) eingeleitete, jambische; 2 troch. Septenare, die dann folgen, ge- 
hören inhaltlich noch zu 119. Auf die Zwischenrede des Peniculus folgen noch 
(LH) liedartige Langverse 127 — 134, die aber vielleicht nicht zum Gesänge son- 
dern zur B.ecitation bestimmt sind. Die Abschnitte des Inhalts und des Metrums 
fallen zusammen. 

lieber die Composition des Liedes 351 — 368 (I Anordnung und Betrachtung; 11 
Vorbereitung der Anrede; lU Anrede; Metrum I III wesentlich, II ganz anapästisch, 
die Beimischung von III auf die von I zurückweisend) ist oben S. 28 gehandelt. 



1) Plaut. Forsch. 154 ff. 

2) Der andere spricht ausser der Schlussscene nur in Senaren : H. Schenk! Serta Hartel. 106. 



DIE FLAÜTINISOHEN CJjmCA XJVJ) DIE HELLENISTISCHE LYBIK. 89 

Das zweite, grössere, Lied des MeDaechmns , 671 — 601, besteht gleichfalls 
aus 3 Perioden : I Betrachtung, baccheisch-kretisch ; 11 Erzählung des besonderen 
Falles, anapästisch-trochäisch; III Folgerung, jambisch. I und vielleicht U ent- 
halten grosse Systeme (oben S. 73. 30), der Abgesang besteht aus Dimetern. 

Auch das Lied des senex 753 — 774 hat deutliche Dreitheilung : I über das 
Alter, besondere und allgemeine Klage; 11 Besorgniss über den Buf der Tochter; 
in Yermuthung und Betrachtung über den Anlass. I und HI sind rein bac- 
cheisch (7 und 10 Tetrameter), nur beschlossen wird I durch ein doppeltes Rei- 
zianum (oben S. 60), III d. h, das Ganze durch ein jambisches Kolon; aus 
denselben Elementen nur bunter zusammengesetzt ist II (761 — 764): 1 bacch. 
Tetrameter, 3 mal Dimeter mit Beizianum, schliessend ein Dimeter, der aber 
auch als Beizianum gelesen werden kann. Die Absicht der Composition ist 
ganz deutlich. 

Endlich Messenio 966 — 986. Das Lied beginnt (I) mit der Betrachtung 
über '^ den guten Sclaven, Baccheen mit jambischen cola und einem troch. Sep- 
tenar (973); es folgt (II) die Anwendung auf den eignen Fall 977 — 981, die 
beiden S. 45 analysirten jonischen Verse , 2 jamb. Septenare und als Schluss 
ein Beizianum. Vielleicht schliesst dieses die gesungene Partie ab ; die folgenden 
Verse (III), 1 troch. und 2 anap. Langverse, 2 troch. Dimeter setzen die in II 
ausgesprochenen guten Vorsätze fort. 

Der Trinummus hat ausser zwei anapästischen Monodien, der grossen 
des Charmides, 820 — 842 (oben S. 24), und der kleinen des Lysiteles 1115 — 1119 
(wenige Dimeter, die die Bede in troch. Septenaren einleiten, oben S. 86), die 
beiden aufeinander folgenden Lieder des Lysiteles (223 — 276) und Philto (280 — 
300), die durch ein kurzes Wechsellied in 4 anapästischen Dimetern verbunden 
werden. 

Die Monodie des Lysiteles zerfällt unverkennbar in 3 Abschnitte: I Stel- 
lung der Frage: Liebe oder Solidität? II (237 — 264) tractatio: Amor und sein 
Opfer; III die Folgerung. I hat eine baccheische (die Streitfrage; 9 Tetra-^^^"-^^' 
meter, 1 DimeferjT und einp jambisch-anapästische Periode (Methode der Behand- 
lung; 2 jamb. Septenare, 1 anap. 1 jamb. Dimetef ** das Schlusskolon Adonius 
oder Beizianum, s. oben S. 56); II zerföUt^ gleichfalls in 2 Perioden: Amoris 
artes — 241 (anap. Dimeter, 2 paroemiaci, troch. Dimeter, jambischer Dimeter 
mit Adonius, anap. Dimeter mit paroemiacus) ; das Schicksal des Liebhabers, 
eingeleitet durch 2 anap. Dnneter, beschlossen durch troch. Octonar und Dimeter, 
jamb. Dimeter (doch s. S. 56 A. 9) und versus Beizianus, dazwischen das grosse 
Mittelstück in katalektischen Kretikern, die einen Vers noch unbestimmten Me- 
trums und einen wie 236 (und 240) einschliessen (246. 247). III ist ganz ana- 
pästisch ; nur last die erste Periode (265 — 269) auf 4 Dimeter einen jambisch 
beginnenden Vers folgen, der entweder als Septenar oder Beizianus herzustellen 
ist. Die 2. Periode enthält das oben (S. 26) besprochene anapästische System. 
Jeder der 3 Abschnitte besteht also aus 2 Theilen ; das Characteristische der 
metrischen Anlage ist dass die Anapäste in steigendem Masse eintreten: in I 

Abhdlgn. d. K. Gm. d. Wies, sa Göttingea. Phil.-hist. Kl. N. F. Band 1, t. 12 



90 FRIEDRICH LEO, 

füllen sie die zweite Periode, in 11 die erste überwiegend und beginnen die zweite, 
in m herrschen sie; andrerseits erhält I durch eine baccheische, 11 durch eine 
kretische Versgruppe seinen besonderen Character. II hebt sich durch seine 
Polymetrie nicht nur von III sondern auch von I als Mittelstück hervor. 

Die Monodie des Philto zerfallt ebenso deutlich in 2 Abschnitte: I War- 
nung vor den Schlechten, U Klage um die Schlechtigkeit des Zeitalters; I ist 
metrisch mannigfaltig, II rein anapästisch, das S. 26 besprochene System. Die 
Angleichung an das Lied des Lysiteles, die hierin schon merklich hervortritt, 
wird noch augenfälliger wenn man die metra im einzelnen vergleicht. Philto 
beginnt (280) mit dem Verse, der dem 11. Abschnitt des vorigen Liedes seinen 
Charakter gibt, einem katal. kret. Tetrameter; auch 282 und 284 sind kret. 
Tetrameter ; 281 ist gleich 240 und 247 ; 285 ein Keizianus wie 264. Ausserdem 
enthält die Periode noch 3 jambische Octonare (283. 6. 7) , entsprechend den 
jambischen Elementen des vorigen Liedes. Im ganzen sind mit durchaus kennt- 
licher Absicht in I und II des Philto die metrischen Formen von 11 und HI 
des Lysiteles aufgenommen und variirt, so dass die beiden Monodien, durch 
das kleine im Metrum an Lysiteles anschliessende Wechsellied verbunden, zu 
einer Zweiheit mit deutlicher Gegenwirkung der beiden Theile aufeinander zu- 
sammengeschlossen sind. Auch im Ausdruck ist dieses Verhältniss an einer 
bezeichnenden Stelle markirt : der II. Abschnitt des Philto beginnt haec ego 
doIeOf der III. des Lysiteles h(iec ego quom ago; es sind die beiden anapästischen 
Abschnitte '). 

Gleichfalls mit offenbarer Absicht auf einander berechnet sind in den 
Captivi die über das Stück verstreuten 3 kurzen Lieder des Hegio, 498 — 515; 
781—789; 922—927. Das erste zeigt den alten Herrn in fröhlicher Selbsttäu- 
schung, das zweite in Kummer und Aerger, das dritte ist ein Dankgebet an 
Juppiter nach der Erfüllung seiner kühnsten Wünsche ; jedes bezeichnet eine 
Hauptphase der Handlung, zusammen geben sie die Scala der Stimmungen, durch 
die der passive Hauptträger der Handlung geführt wird. Alle 3 sind vorwie- 
gend baccheisch: das dritte besteht ganz, das zweite fast ganz aus baccheischen 
Tetrametern (in den Schluss greift Ergasilus mit einem Verse ein), nur das 
erste ist, seinem heiteren Character entsprechend, mit anapästischen, trochäischen, 
jambischen Versen vermischt. 

Zu diesen 3 Liedern des einen Hegio kommt das des Tyndarus , auf das 
erste folgend*) aber selbständig anhebend, 516 — 532; I — 526 der gehäufte 
Ausdruck der verzweifelten Angst , jamb. Octonare , zuletzt 2 troch. Verse ; 
n specieller über die Situation und Möglichkeit des Entrinnens, bunter wech- 
selnde troch. und jamb. Verse. Die einzige Gesangscene unter Mehreren ist 
die Einleitung der Handlung, gleich nach der Exposition, durch die lorarii, d. h. 



1) Vgl. Truc. 566. 

2) Aehniich geht dem zweiten Liede Hegios der Monolog des Ergasilus 768 — 780 in wech- 
selndeo troch. und jamb. Langversen voraus. 



DIE PLAUrmiSCHEN CANTICA UND DIK HELLENISTISCHE LTRIE. 91 

deren Führer (v. 216), und die beiden G-efangnen. Der lorarius beginnt (I) mit 
den S. 35 besprochenen jambischen Versen 195 — 200 und fahrt auf den Schmer- 
zenslaut der Gefangenen mit 1 troch. Septenar und 1 Senar wie 200 fort; der 
Inhalt ist specieller und allgemeiner Trost, beide Senare enthalten yv&fuxc. 
n Terzett: a) Uebergang von den Jamben zu cretici (jamb. Octonar, kretische 
cola, s. oben S. 21), Tetrameter, wieder iapib. Dimeter, wieder kret. Tetrameter, 
dann nach kret. Dimeter ein ithyphaÖious ; b) 2 trocSr ^c6)naxe ; c) — 215 kre- 
tisch, mit einer Unterbrechung durch 2 ithyphallici oder 1 troch. Trimeter (vgl. 
S.18A. 2), als Schluss das Kolon — u — u (S. 18). in Duett, im Anfang noch ein 
Commandowort des lorarius; es zerfällt in 3 Theile, im ersten und dritten hat 
Philocrates, im zweiten Tyndarus vornehmlich das Wort, a) wird durch 1 anap. 
Dimeter mit 2 Reiziana eingeleitet, dann zuerst eine Gruppe von 7 kretischen, 
zuletzt von 5 bacch. Tetrametern , zwischen beiden 2 jamb. Octonare ; b) ist 
zuerst anapästisch-jambisch (1 anap. 1 jamb. 1 anap. 3 jamb. cola), dann kretisch 
(5 oder 4 Tetrameter); c) 240 sq. ist ganz trochäisch: 2 Octonare beginnen, 
dann folgen Septenare, die auch durch die folgende Scene dauern. Es lässt sich 
also auch hier nicht mit Sicherheit sagen, an welcher Stelle der Gesang in Rede 
übergeht; das Ethos ist 240 sq. vom vorigen nicht verschieden und v. 239 gibt 
weder metrisch noch im Dialog einen Abschluss. 

Der Amphitruo beginnt gleich nach Mercurs Einleitungsrede mit der 
grossen Monodie des Sosia 153 — 262, an der Mercur im Hintergrunde einen 
gewissen Theil nimmt. Sie wird eingeleitet durch 6 jambische Octonare: Sosia 
fürchtet von der Polizei aufgegriffen zu werden. Dann folgt die S. 38 be- 
sprochene jonisch -baccheische Partie 159 — 179; sie zerfällt inhaltlich in 3 Ab- 
schnitte, deren jeder ionici und Baccheen enthält, der mittlere aber durch die 
stichischen Sotadeen ausgezeichnet ist: I das Schicksal das Sosia bevorsteht 
und Schuld des Herrn daran; II allgemeine Betrachtung über das Los von 
Sklaven reicher Herren (166 — 175); III ein Abgesang des im Hintergrunde 
lauernden Mercur. Es folgen 5 jamb. Octonare, die mit der Selbstanklage Sosias, 
dass er den Göttern noch nicht gedankt habe, den Uebergang zur Erzählung 
seiner Erlebnisse bilden; auch hier folgt, vor dem Beginn des Berichtes, eine 
Zwischenrede Mercurs (185). Dann die Botenrede in 32 Octonaren bis zu dem 
Punct wo die Schlachtbeschreibung einsetzt. Diese, 219 — 247, ist in Kretikern 
gedichtet : I die Aufstellung zur Schlacht , drei Tetrameter , durch einen tro- 
chäischen Septenar (222) abgeschlossen; II die Schlacht, Tetrameter, beginnend 
mit kret. Dimeter H — u — u — , dieser Vers noch einmal 233, schliessend (237) 
das Kolon — u — u; III die Entscheidung, 4 Tetrameter, dann Diineter mit — u— u, 
2 Tetrameter, Dim. + — u— u, Tetrameter und als Abschluss — u— u. Auch auf 
diese Partie folgt eine Zwischenrede Mercurs, aber in jambischen Octonaren 
(248. 9), die den letzten Theil der Erzählung Sosias einleiten; die Octonare 
dieses letzten Theils unterscheiden sich von den früheren durch den Versbau, 
s. Note zu 248—262. 

Der Bau der Scene ist vollkommen durchsichtig. Die Octonare, wahr* 

12* 



92 FRIEDBICH Li:0, 

sclieiBlicli gesprochen y umgeben zwei Gresangpartien , deren erste eine allgemeine 
Betrachtung enthält, die einzige der Scene; die zweite enthält die Schlachtbe* 
Schreibung, den Gipfel der Erzählung. Es sind die beiden durch ihren Inhalt 
zu lyrischer Bewegung drängenden Abschnitte, der eine elegisch der andere von 
epischem Pathos. Beide Lieder werden von Mercur mit einigen Versen aufge- 
nommen, das einemal in einem sicher gesungenen Abgesang, während er sonst 
das Stück hindurch keine unzweideutigen Liedverse , doch 984 sq. wieder einen 
Monolog in jambischen Octonaren mit 3 mitten im Satze anschliessenden Senaren 
hat, den man vielleicht auch als Monodie bezeichnen muss (S.71 A. 2). Ausserdem 
gehört ihm ein Vers nach der Einleitung des eigentlichen Botenberichts. Die Ab- 
sicht dieser Zwischenreden an diesen Stellen ist klar : sie geben dem Träger der 
Scene die nöthigen Pausen zur Erholung. Natürlich thun sie das in dramatisch 
motivirter Weise ; oder richtiger mit der conventionellen Motivirung , die zur 
dramatischen Sitte geworden ist: in der Tragödie ist der Chor dazu da (wie 
beim Liede des Phryx), in der Komödie eine im Hintergrunde lauschende Person*). 

Plautus hat den Botenbericht*) in der Form des Liedes gegeben oder sich 
zum Liede steigern lassen; das ist merkwürdig genug. Wie viel davon er im 
griechischen Original vorgefunden hat können wir nicht sagen. Aber es ist 
deutlich, dass wir uns auch hier am Endpunkte einer bei Euripides beginnenden 
Entwicklung befinden. Auch der Phryger im Orest berichtet nur, wie sonst 
der tragische Bote, das im Hause G-eschehene ; freilich in der ganzen Aufregung 
des dem Schrecklichen entronnenen Schwächlings. Aber bei anderen ITmständen 
und mit anderem Ethos brauchte ja der Dichter nur durch die Erinnerung oder 
den Gregenstand selbst die Stimmung des Erzählenden lyrisch zu erregen. Wie 
zur Vergleichung, und gewiss nicht ohne Absicht, ist das letzte Lied des Am- 
phitruo ein dem Phrygerliede auch in der Situation und Stimmung sich nähern- 
der Bericht des entscheidenden Ereignisses'). Bromia stürzt aus dem Hause 
1053 und beschreibt zuerst ihre Angst in 8 jambischen Octonaren (I) ; es ist 
deutlich, wie das Gegenstück zu Sosias Bede hervortreten soll. Dann {II) erzählt 
sie: 1 jamb., 1 anap., 1 jamb. Octonar, 2 troch, Septenare, dann 4 jamb. Octo- 
nare , auf deren ersten das jambische Gebilde folgt von dem oben S. 37 die 
Rede gewesen ist. Endlich (III) bemerkt sie den am Boden liegenden Amphi- 
truo: troch. Septenar, jamb. Dimeter und weiter Octonare, in denen sich dann 
das Gespräch mit Amphitruo bis 1085 fortsetzt, wo ohne Satzschluss trochäische 
Septenare einsetzen. 

Die Monodie der Alcmene Araph. 633 — 653 hat am Anfang und am Schluss 
allgemeine Betrachtungen, dort (I) über die Verbindung von Unglück mit jedem 



1) Plaut. Forsch. 217 A. Kaibel Elektra 128. Diomedes 491, 26 in canticis una tantum 
debet esse persona aut, si duae fuerint, ita esse debent ut ex ooeulto una audiat nee conloquatur, 
sed secunif si opus fuerit, verba faciat. 

2) V. 201 sed quo modo et verbis qutbus me deceat fdbularier, prius ipse mecum eiiam volo 
hie meditari. sie hoc proloquar. 261 haec sie dicam erae. 

3) Plaut. Forsch. 120. 



DIE PLAUnNISCHEN CANTICA UND DIE HELLENISTISCHE LYBIK. 93 

Glück, hier (IV) über die virttis als höchstes Gut; dazwischen (II) die Anwen- 
dung der ersten Betrachtung auf Alcmenes eigne Person , 637 — 641 , und (III) 
die persönliche Erwägung die zu der Schlussbetrachtung hinüberfuhrt, bis 
647*. Das Metrum geht durch, Baccheen mit katalektischen Dipodien (oben 
S. 15), jambischen cola und Beiziana, von denen eines das Gedicht schliesst. ^ 

lieber das eine Duett des Amphitruo, zwischen Sosia und seinem Herrn, 
651 — 585, ist S. 30 das Nöthige gesagt ; es hat eine baccheische und trochäische 
Hälfte, jene in regelmässigen Tetrametern verlaufend, in eine anapästische Clausel 
auslaufend, diese ein grosses dreigetheiltes System. 

Von den beiden Monodien der Cistellaria leitet die erste, die des Lieb- 
habers, die eigentliche Handlung ein; es ist das anapästische System 203 — 228 
(oben S. 26). Mit v. 228, dem letzten vor der grossen Lücke, kann das 
Lied zu Ende sein ; die Möglichkeit ist aber nicht ausgeschlossen dass die lyri- 
sche Partie sich, vielleicht in den Dialog hinein, fortsetzte. Das Lied der 
Halisca 671 — 703 schliesst mit einem anapästischen System (oben S. 24). Es 
wird eingeleitet (671. 2) und beschlossen (702. 3) durch anapästische Septenare, 
jene nach der Entdeckung des Verlustes, diese nach dem fruchtlosen Suchen die 
Verzweiflung ausdrückend (I und VIII). Nach 672 in 5 baccheischen Tetra- 
metern die Erzählung (II) ; Bitte an die Zuschauer (HI) 2 anap. Octonare ; das 
erste Suchen (IV) bacch. Tetrameter — 687; von neuem (V) ihre Angst (3 anap. 
Dimeter), der Gedanke an den Finder (cretici) — 691; die Absicht weiter zu 
suchen (VI) 3 katal. bacch. Tetrameter — 694. Hier setzen Zwischenreden der 
Lauscher in 2 jamb. Septenaren ein. Dann erneutes Suchen (VII, anap. System) 
und der Schluss. 

Das Stück beginnt mit einem in die Situation einführenden, noch nicht die 
Handlung exponirenden Terzett. Die 3 Personen (Selenium, Gymnasium, die 
lena) werden mit kleinen Einzelpartien (I) eingeführt, auf deren zweite Selenium 
mit ein paar Versen erwidert, in die dritte wirft sie eine Frage ein. Der 
Inhalt sind Höflichkeiten; mit 19 wird ein neuer Ton angeschlagen und die 
Kupplerin durch ein kurzes Gespräch auf ein allgemeines Thema (Verhältniss 
der Hetären und Matronen) gebracht, das sie in längerer Monodie ausführt (11). 
Die kleine Monodie der Selenium zu Anfang besteht aus 3 bacch. und 3 troch. 
Tetrametem, zwischen beiden Gruppen ein bacch. Dimeter mit Beizianum; die 
der Grymnasium ist zu Anfang metrisch unsicher, vielleicht beginnen 2 Baccheen 
und folgen 1 anapästiscbes , dann 1 jamb. und anap. Kolon, zuletzt ein bacch. 
Tetrameter, an den Selenium sich mit 2 gleichen anschliesst. Die Kupplerin hat 
4 trochäische Verse, die beiden ersten mit kretischen cola vermischt. II hat 
baccheische Versgruppen am Anfang , in der Mitte und am Ende : die erste (3 
Tetrameter) wird durch 1 troch. Septenar unterbrochen, die dritte (4 Tetrameter, 
doch der zweite überliefert als Dimeter mit Reizianum, vgl. v. 4) durch einen 
solchen eingeleitet, die erste und zweite (2 Tetrameter) durch einen troch. 
Dimeter abgeschlossen; zwischen der ersten und zweiten stehen 3 anap. Lang- 
verse und 1 jamb. Septenar. Nur die grössere anapästische Gruppe hebt 11 



94 FRIEDRICH LEO, 

merklich gegen I hervor. Mit v. 38 geht die Kupplerin auf ihre persönlichen 
Verhältnisse über, in jambischen Septenaren, in denen dann das Gespräch fort- 
gesetzt wird. 

Wie die Bolle des Lysiteles im Trinummus, so beginnt die des Philolaches 
in der Mostellaria mit einer grossen zur Charakterisirung des Jünglings 
bestimmten Monodie, 84 — 156. Ihr Inhalt ist die Vergleichung der Erziehung 
mit dem Hausbau, des Menschen mit dem Hause. I besteht ganz aus baccheischen 
Tetrametem mit 2 jambischen cola (katal. Dim.), die Perioden auch des Inhalts 
abschliessen : a) Ueberlegung, 6 Tetr. + Kolon, b) Thema, 4 Tetr. + Kolon, c) 
Aufforderung zum Hören, 2 Tetr. 11 das Bild (101 — 117). In diesem Abschnitte 
herrschen cretici: 6 Tetrameter, 4 Dimeter mit Kolon. Ein bacch. Tetra- 
meter mit jamb. Kolon leitet das Ganze ein , als metrischer Nachklang von I ; 
zwei jambische Octonare (103. 104) leiten zu den Kretikern über, ein dritter 
(107) folgt auf den zweiten kret. Tetrameter; zwei troch. Septenare schliessen 
den letzten kretischen Vers (116) ein. Die Theilung des Inhalts ist dreifach, 
in der Weise dass die erste baccheisch- jambische Periode als erster Theil 
erscheint: a) das schöne fertige Haus — 104; b) Vernachlässigung durch den 
Besitzer — 113, alles cretici ausser 107; c) das Haus verkommt, 2 kretische 
2 trochäische Verse verscbränkt. III die Vergleichung ( — 182). Die beiden 
ersten und die beiden letzten Verse sind jambische Octonare; zwischen ihnen 
steht, als die Masse des Abschnittes, eine Gruppe von 7 baccheischen Tetra- 
metem, wieder durch das jambische Kolon geschlossen, das wieder zu einem 
jamb. Octonar überleitet, dem ein troch. Octonar und jamb. Dimeter (oder 6 
Trochäen) folgen. Deutlich ist in den metrischen Elementen die Analogie zu I 
und n a) c), in ihrer Anordnung die Analogie zu IE. Auch hier sind 3 Theile : 
a) Einleitung b) Ausführung c) Abschluss; aber a) und c) bestehen aus je 2 
Versen, wie 11 a) und c) aus je 4. — IV die Anwendung. Herrschend ist wieder 
das kretische Mass, wie in II : 9 Verse von denen 3 Tetrameter, 6 Dimeter mit 
Kolon sind; 2 jamb. Octonare, 1 kret. Tetrameter und 1 troch. Septenar, 3 
jamb. Octonare ; dann wieder 4 kretische Verse, geschlossen durch einen Dimeter, 
und als Schluss des Ganzen 3 troch. Septenare. Der Inhalt entspricht wie das 
Metrum genau dem II. Abschnitt bis 148 ; danach theilt sich a) 133 — 145 (v. 145 
zu vergleichen mit 113) , die Vernachlässigung des Hauses , von b) 146 — 148 
(jambisch), dem rettungslosen Zustande. Als dritter Theil folgt, das Ganze 
abschliessend, c) die Klage über das Verlorene und die Erkenntniss der Schuld. 

Das Lied ist gleichmässig gegliedert in 4 dreigetheilte Abschnitte; die 
metrische Anlage ist genau ab a b^). 

Ausser dieser grossen Monodie hat die Mostellaria noch drei Gesangscenen, 
die eine gleich vor dem Beginn der Handlung (313 — 347), die zweite mitten in 
der Haupthandlung (690—746 und 783—803), die letzte als Einleitung der Kata- 
strophe (858 — 903). Alle drei beginnen mit Monodie und werden zum Duett, 



1) Dies bemerkt richtig Klotz Grandz. altr. Metr. 643. 



DIB PLAUnNISCHEN CANTICA UND DIE HELLENISTISCHE LYHIK. 95 

die erste steigert sich zum Terzett; in der zweiten folgt auf das erste Duett 
zwischen Tranio und Simo ^) nach einem Gespräch in Senaren ein zweites zwischen 
Tranio und seinem Herrn. 

313—347 zerfällt in I Monodie —319, Baccheen mit cola; 11 Duett, in 2 
Gruppen: a) metrisch bunt, cretici, zum Theil katalektisch, mit anapästischen, 
trochäischen, Reizischen cola (nach dem ersten kretischen ein baccheisches?), 
geschlossen durch den Reizianus v. 330 ; b) anapästisch , mit 1 jamb. Dimeter 
(334). m Terzett in den aus 2 cretici mit — u— u— componirten Versen, 
geschlossen durch das 4 mal wiederholte Kolon. Dann als Abschluss des Ganzen 
2 Reizianische Verse, deren erster, an die cola anschliessend, trochäisch beginnt ; 
hier setzt Delphium wieder ein, die das Duett mit Callidamates gesungen aber 
am Terzett nicht theilgenommen hat. Mannigfaltig gemischte metra hat nur 
IIa, das doch im ganzen ein kretisches Lied ist. Die metrische Anlage ist, 
den Hauptmassen (bacch. kret. anap. kret.) nach, ab cb , aber die beiden kreti- 
schen Partien nach Metrum wie nach Inhalt und Ethos sehr verschieden: die 
erste ein Prachtstück weinseliger Hetärenlyrik, ein X(0[ia6ttx6v das sicherlich 
nicht auf römischem Boden gewachsen ist, dessen Muster Plautus schwerlich bei 
Philemon aber gewiss bei einem Griechen gefunden hat, die zweite eine zierlich 
höfliche Begrüssung. 

Die folgende Liedscene (690 — 746) ist ganz kretisch, nur dass die Monodie 
Simos mit Tranios Zwischenversen bis 712 in den mit — u — u— oder — uuu— 
componirten Versen gebaut ist, dann der Uebergang zum Duett bis 717 in Tetra- 
metern mit jenen verbunden, das Duett in Tetrametem (eine Gruppe ist zerstört) 
mit 2 eingestreuten und 1 schliessenden troch. Septenar, auf den zuletzt 4 jamb. 
Octonare und 1 Septenar folgen. Dagegen ist das Duett 783 — 803 ganz in 
Baccheen geschrieben. 

Bunter ist 868 — 903. Zuerst (I) die Monodie des Phaniscus : a) Betrachtung 
über die guten und die schlechten Sclaven: Anapäste, durch einen versus Rei- 
zianus eingeleitet und einen troch. Septenar beschlossen; dann ein beschädigter 
Vers, b) Folgerung für seine Person (866 — 869): 2 beschädigte Verse, 2 anap. 
Dimeter. c) Verhalten der Herren — 873, bacch. Tetrameter, d) Anwendung 
auf den eignen Fall: 2 Reiziana, 1 bacch. Tetrameter, dann unsichere Partie, 
doch wahrscheinlich troch. Septenar, anap. Dimeter, Reizianus; endlich cretici 
mit einem troch. Kolon, abschliessend ein glyconeisches mit ithyphallicus (oben 
S. 52). Nach 2 troch. Septenaren beginnt das Duett , gleichfalls polymetrisch : 
II das Wortgefecht: 4 troch. Dimeter, 1 baccheischer 1 trochäischer 1 anapästi- 
scher Vers, dann die bei Gelegenheit des Reizianum S.61 erwähnte Gruppe 890 — 895, 
in synkopirten Tetr. (S. 19) auslaufend. III Abbrechen des Gefechts und Anklopfen : 
zu Anfang und Ende Anapäste, dazwischen Trochäen und Jamben (der erste 
jamb. Vers (899) unsicher, oben S. 14) ; möglich dass die beiden troch. Septenare, die 
den Uebergang bilden , recitirt werden sollten. Wenn sich auch nicht viele 



1) V. 721^ fällt aas dem Zasammenhang. 



96 FBISDBIGH LEO, 

Formen in Monodie und Duett gradezu wiederholen, fallt doch die Verwandt- 
schaft der metrischen Bildung in beiden Stücken ins Auge; ebenso dass für die 
beiden Scenen 84 und 690. 783 einfachere, für die beiden 313 und 858 mannig- 
faltigere metra gewählt sind. 

Von den 4 Gesangpartien der Aulularia bildet die erste den Beginn 
der eigentlichen Handlung, 120 — 160, Duett der Eunomia und des Megadorus. 
Eine Monodie (I) leitet mit feierlicher Vorbereitung das Gespräch ein; sie ist 
baccheisch, 11 Tetrameter und zuletzt 4 aus Dimeter und jamb. Kolon combi- 
nirte Verse. Das Duett zerfallt in 3 Theile: 11 scherzhaftes Wortgeplänkel, 
bis 141 , ganz jambisch (6 Dimeter 1 Senar) mit einem troch. Septenar als 
Schluss; IV scherzhafter Bescheid, die oben S. 61 besprochene Gruppe von 
versus Reiziani 155—160, deren zweie baccheisch anheben. Zwischen diesen 
beiden metrisch einfachen Partien steht III der Vorschlag Eunomias und sein 
erster Eindruck auf Megadorus, ein metrisch mannigfaltiger, in 3 Versgruppen 
sich sondernder Abschnitt, doch so dass der Uebergang zur dritten mitten im 
Satze geschieht: 2 kretische Tetrameter, nach jedem ein ithyphallicus, dann ein 
anap. Dimeter; 2 bacch. Tetrameter; Anapäste: 4 Dimeter, dann 2 Trimeter, 
die aber unsicher sind (153 ist ein guter Beizianus). IV erinnert an II mit 
seinen jambischen cola, III und IV mit ihren baccheischen an I; die Kretiker 
von ni treten dem baccheischen I entgegen. 

Die Beiziani, die 155 sq. in einer Gruppe auftreten, machen, in singulärer 
Weise, das ganze zweite Duett 416 — 446 aus; ihm geht das Klagelied des 
Congrio vorauf, 406—412, bestehend aus 4 troch. und 1 anap. Octonar, 3 troch. 
and 1 anap. Dimeter, der letzte als paroemiacus schliessend. Die beiden jamb. 
Octonare 413. 414, die an dieser Stelle nicht bleiben können, sind der Satzform 
und dem Inhalt nach Parallele zu 408. 409^). 

Das Klagelied Euclios 713 — 726 ist ein grosses anapästisches System , die 
paar Worte des Lyconides, die sich unmittelbar anschliessen , ein trochäisches: 
über beide ist S. 26 und 30 gehandelt worden. Danach geht das Gespräch in 
troch. Septenaren weiter. 

Die letzte erhaltne Scene beginnt in troch. Septenaren; erst wo Herr und 
Diener sich anreden (818 sq.) setzen Octonare ein, die durch 3 Dimeter 824 sq. unter- 
brochen werden ; der erste verstümmelte Vers (831) war wieder, wie es scheint, 
ein Septenar. Dass der verlorene Schluss des Stückes noch eine Gesangscene 
enthalten hätte, machen die Fragmente nicht wahrscheinlich. 

Der Truculentus hat 5 cantica, darunter zwei isolirte Monodien, die 
das Gemeinsame haben dass sie mit einer lyrischen Partie persönlichen Inhalts 
(209 — 212; 448 — 464) beginnen und recitirend fortfahren, mit Erläuterung der 



1) Die Verse neben 408. 409 beizubehalten geht nicht an, obwohl die Absicht der Variinrng 
nicht einleuchtet Dass die Verse von Plautus herrühren folgt natürlich nicht daraus dass wir 
üague = ita nur ans Plautus kennen. 



DIE PLAUnNISCHEN CAMTICA ÜKD DIE HELLENISTISCHE LYRIK. 97 

Situation und allgemeinen Betrachtangen. Astaphiom singt nur ein paar Verse 
(Reizianum, jamb. Dimeter, 2 bacch. Tetrameter); Phronesium singt I (Los der 
Mütter) anapästische (oder jonische: S. 46 A. 1) Verse, dann U (Aufklärung 
über ihren Zustand) 11 bacch. Tetrameter. 

Die Gresangscenen beginnen alle drei mit Monodie (95.551.711): zwei kurze 
Duette und, im Mittelpunct des Stückes, eine grosse Scene (651), an der sich 
zwei Männer und die beiden Frauen betheiligen. Von den Monodien singt allein 
Astaphium drei, so dass in den Gesangpartien die Soubrettenrolle überwiegt, 
Phronesium und Cyamus je eine, Diniarchus singt nur die beiden Duette mit 
Astaphium: es ist die erste und letzte Gresangscene , äusserlich und innerlich 
parallel. 

95 — 129: zuerst Monodie (—111) aus 2 metrischen Theilen, (95 — 101 jonisch, 
102 — 111 anapästisch, oben S. 43), die sich aber inhaltlich nicht sondern; Auffor- 
derung an die Hausgenossen als Anlass zur Betrachtung (I), an diese knüpft 
Diniarchus beiseite stehend an, mit 2 paroemiaci, dann schliesst Astaphium mit 
einem anap. Septenar ab (11). Bis hieher (114) singt sie vor dem Hause stehend; 
nun geht sie weiter und Diniarchus hält sie. Es folgt das kleine Duett in Kre- 
tikem mit jambischen, trochäischen, anapästischen cola, beschlossen durch 2 Rei- 
zianische Verse (oben S. 13 u. s.) : das Vorspiel (III) bis 123 , die Begrüssung 
(IV) bis 129; IV von m metrisch gesondert, die anapästischen und ßeizianischen 
Verse, nur ein kretischer (127) zwischen beiden Gruppen. 

711 — 729 : Astaphium singt vor der Thür zu Phronesium hinein (I), 1 anap. 
Octonar, 6 bacch. Tetrameter, auf deren zweiten aber wieder ein anapästischer 
Vers folgt. Diniarchus greift ein, Beginn des Gresprächs (II), Frage und Andeu- 
tung (III), Erzählung (IV). Die metra sind bunt: 11 jamb. Octonar, 2 bacch. 
Tetrameter (der zweite zweifelhaft), Senar; HI: 2 kret. Tetrameter, zwischen 
ihnen ein Senar; IV: 2 trochäische, 2 (?) jambische Langverse. Nur 11 erinnert 
an I; Jamben sind in 11. III. IV enthalten. 

Die grosse Scene 551 — 630 wird durch die Monodie des Cyamus eröffnet 
(I). Phronesium Astaphium Stratophanes sind bereits auf der Bühne, da er mit 
seiner pompa anlangt; er singt, von ihnen bemerkt (548 sq. 576) aber ohne sie 
zu erblicken, bis 574: a) Aufforderung an die Träger: 2 bacch. Tetrameter; 
b) 553 — 558 Thorheit des verliebten Herrn: Anapäste mit 1 bacch. Tetrameter 
nach dem ersten Octonar (doch sind die folgenden Verse zweifelhaft) ; c) Cyamus 
macht sich die Thorheit zu nutze : Trochäen , 2 Octonare 5 Septenare , dann 5 
Anapäste mit Katalexis; d) Hetärenart: 1 anap. Dimeter, 2 bacch. Verse (Tetr., 
Dim. + jamb. Dim.?), troch. Octonar; e) der vorliegende Fall: 5 Anapäste mit 
Katalexis, 1 bacch. Tetrameter. In allen Theilen ausser c) sind Baccheen, in 
allen ausser a) Anapäste; diese Masse überwiegen ausser im Mittelstück ; Anfang 
und Schluss klingen aneinander. 

Cyamus fährt in troch. Septenaren fort, und in diesen vollzieht sich die 
Begrüssung (Phronesium 577) und Uebergabe der Geschenke. Dieses Zwischen- 
stück wird man als recitirt ansehen ; aber freilich kommen die Septenare sowohl 

Abhdlgn. d. K. Om. d. WIm. su OMtingen. PlüL-hict. £1. N. F. Band 1, -r. 13 



98 FRIEDRICH LEO, 

in der Monodie als immer wieder in der folgenden Oesangscene vor, wie sie dann 
auch wieder 629. 630 das Ganze abschliessen. 

Es beginnt ein kleines Terzett (II), Uebemahme der Geschenke mit Wort- 
gefecht, 581 — 587 : Phronesium hat einen jamb. Dimeter (581) und anap. Octonar 
(583), Cyamus (582. 5) und Astaphium (584) kretische Tetrameter, dann beide im 
Wechselgespräch 2 troch. Septenare. Die metra sind durchaus verschieden von 
der Monodie, nur der anapästische Vers erinnert an sie. Dann kommt (III) Duett 
zwischen Phronesium und Cyamus: a) ihr Dank an Diniarchus 588 — 592, b) Ver- 
spottung des Stratophanes — 602. Das Ganze ist kretisch, mit Trochäen verbun- 
den: a) 4 kret. Tetrameter, in ihrer Mitte 2 troch. cola; b) troch. Septenar, 
Dimeter, 2 Septenare, 5 kret. Tetrameter, nach deren erstem (unsicheren) noch 
ein troch. Octonar. Es folgt (IV) Terzett zwischen Stratophanes, Cyamus, Phro- 
nesium: Losfahren des Stratophanes gegen Cyamus (603 — 606), gegen Phrone- 
sium (607 — 611), beide weisen den Angriff zurück, der miles scheint besiegt 
( — 618) : alles Anapäste. Endlich (V) Duett zwischen Cyamus und Stratophanes : 
jener provocirt wieder, dieser greift an und schlägt ihn in die Flucht: Trochäen 
(2 Sept. 1 Oct.), cretici (4 Tetr.), Trochäen (1 Sept., 2 Oct., 2 Sept). 

Das charakteristische Element der Monodie sind Baccheen, der Scene Kretiker; 
Trochäen verbinden das Ganze. Die Anapäste von I herrschen in IV; die Ele- 
mente von m und V stimmen genau überein, U hat eine etwas buntere Mischung. 

Der Buden s hat drei Gesangscenen, alle drei durch Monodien eingeleitet, 
die erste (185 — 289) durch eine grosse der Palaestra und eine kleine der Ampe- 
lisca, an die sich ein Duett und dann ein Terzett schliesst ; die zweite (664 — 681), 
in der Hauptsache Monodie der Palaestra, läuft in ein kurzes Terzett Trachalios 
mit den beiden Mädchen aus (das Ganze in Kretikem mit einer Clausel), die 
dritte (906 — 962) nach dem grossen Liede des Gripus in ein Duett zwischen ihm 
und Trachalio. 

185 — 289 ist eine zusammenhängende Folge lyrischer Scenen die als solche 
der gleichfalls die Handlung einleitenden Gesangpartie Cas. 144 sq. am nächsten 
kommt; von ähnlicher Art sind Cure. 96 sq. Bacch. 612 sq. Das Lied Palaestras 
(I) 185—219 ist metrisch bunt. Es beginnt a) nach einem allgemeinen Satz 
über Menschenschicksal mit ihrer persönlichen Klage über die Ungerechtigkeit 
der Götter (bis 197) ; der 2. und 3. Vers sind lückenhaft, aber es scheinen vorzu- 
liegen 2 Reiziani, 6 Anapäste, Reizianus, 2 paroemiaci; dann setzen Baccheen 
ein (4 Tetrameter), 2 Reiziani, 1 bacch. Tetrameter, jambische Clausel. b) bis 
203, dem Herrn gilt die Strafe ; sein Verlust, auch Ampelisca scheint ertrunken : 
ein anap. Septenar hebt an, dann cretici (mit cola). c) bis 216, Ausmalung ihrer 
traurigen Lage, schliesst mit dem Gedanken an die Eltern : 2 bacch. Tetrameter, 
2 jamb. Dimeter (dann in Ä zwei unleserliche Verse) , cretici und zwar 3 mal 
abwechselnd je zwei Tetrameter mit einem Dimeter + colon ; abschliessend diese 
letztere Form mit anapästischer Clausel. d) ist ein kurzer Abgesang wie b) im 
Verhältniss zu a): ein troch. Octonar und ein jamb. Septenar fassen einen paroe- 
miacus mit Reizianum ein. — Ampeliscas Klagelied (U) 220 — 228 besteht aus 



DIE PLAUTINISCHEN GANTICA UND DIE HELLENISTISCHE LYBIK. 99 

anap. Langversen: 6 Octonaren und 4 Septenaren. Dann das Duett (UI): a) 
das erste Hören, Furcht und Hoffnung, in den 4 oben (S. 57) besprochnen äoli- 
schen Versen ; das grosse Mittelstück b) 233 — 252, Erkennung Freude Berathung, 
in kretischen Tetrametem; c) sie erblicken den Tempel: künstlich wird durch 
einen kret. Dimeter über ein Reizianum von den Kretikern zu Jamben überge- 
leitet (1 Dimeter 1 Senar). Es sind nur wenige Verse , wie die einleitenden. 
Vor dem Beginn des Terzetts spricht dann Palaestra 3 Verse , deren letzter 
sicher ein troch. Septenar ist. IV beginnt wieder a) mit Baccheen (vgl. I), die 
in einen jamb. Septenar auslaufen: 259 — 265, Frage und Begrüssung. Es folgen 
wieder b) cretici, 14 Verse (deren letzte beide vielleicht schon Baccheen sind): 
Auskunft und Bitte. Der Abschluss des Ganzen (die Aufnahme) ist wieder bun- 
ter: c) 3 bacch. Tetrameter, 1 jamb. Octonar, 2 jamb. cola mit Reizianum, 2 mal 
bacch. Tetrameter mit einer Clausel die vielleicht mit dem Schluss von I a iden- 
tisch ist. Ohne Zweifel soll diese Schlusspartie die metrische Erinnerung an I 
erwecken und so das Ganze durch Anfang und Ende zusammenziehn. 

Wie diese Scene den Anfang des ersten Haupttheils der eigentlichen Hand- 
lung bildet, so die zweite grössere Gesangscene (906 — 962) den Anfang der 
Schlusshandlung. Ich habe sie oben S. 24 analysirt. Sowohl die Monodie ( — 937) 
als das Duett zerfällt in 3 Theile (labe, Habe); sowohl I a c als 11 a c sind 
metrisch einfach (I a Baccheen mit einigen Anapästen, 11 a Jamben, I c wie II c 
Anapäste), sowohl I b als II b, die beiden Mittelstücke, mannigfaltiger, I b durch 
den Wechsel trochäischer und anapästischer Formen , U b durch Verwendung 
kretischer und glyconeischer Verse, nur an dieser Stelle des Ganzen. Die Aehn- 
lichkeit der Anlage wird besonders herausgehoben durch die beiden anapästischen 
Partien I c und 11 c. 

Wie die Cistellaria beginnen Epidicus Persa Stichus mit Gesangscenen, und 
zwar Epidicus und Persa mit exponirenden Sklavenduetten, Stichus mit Duett 
wie Cistellaria mit Terzett von Frauen. 

lieber die Eingangscene des Epidicus ist S. 9 sq. 30 ausreichend gehan- 
delt, ich will nur die Abschnitte notiren die der Inhalt und zum Theil das Me- 
trum an die Hand gibt; denn die wechselnden Lang- und Kurzverse gestatten 
ausser an einigen oben besprochenen Stelle verschiedene metrische Gruppirung: 
— 12 — 28 — 38 — 49 — 60 — 66 — 71 — 80. Das letzte trochäische System 
nimmt Epidicus mit 4 Septenaren auf; dann folgt seine Monodie (oben S. 13), 
deren Stellung nach statt vor dem Duett eine Seltenheit, aber grade im Epidicus 
(wie S. 84 nachzutragen) auch den beiden folgenden Gesangscenen eigen ist. 

Von den 3 übrigen Gesangscenen leiten 166 sq. und 320 sq. die beiden folgenden 
Acte ein , 526 sq. bezeichnet die Höhe der Handlung. 166 — 188 ist ein Duett 
zwischen den beiden Alten , zu dem Epidicus mit einem eignen Liede hinzutritt. 
Dieses Lied wird in A und P zur folgenden Scene gezogen und dadurch bewie- 
sen, dass das Duett mit v. 180 zu Ende ist. Wenn also nach v. 188 Liedverse 
ausgefallen sind, so gehörten sie dem Epidicus; wahrscheinlich aber sind nur 
Septenare verloren, die das Gespräch der beiden Alten einleiteten. 166—178 

13* 



100 JBIJGDBICH LEO, 

beginnt Apoecides (I) ndt einer kleinen Monodie, deren 8 kurze Perioden (a) 2 
trochäische b) 2 kretische c) ein anapästischer Vers mit jambischem Kolon) jede 
durch einen ithyphallicus abgeschlossen werden. Das dann folgende Duett (11) 
besteht gleichfalls aus wenigen Versen: 5 kretischen Tetrametem, deren letztem 
ein Senar voraufgeht und 2 jamb. Octonare folgen. Endlich das Liedchen des 
Epidicus (UI)y das oben S. 35 besprochen ist, fast ganz jambisch. So hängt 11 
mit m durch die Jamben, mit I durch die Kretiker zusammen ; wenn a Trochäen, 
b Kretiker, c Jamben bedeutet, so ist das Schema nach den vorwiegenden Massen 
oJ, bc, c. 

Ganz parallel ist die Scene 320 sq. angelegt : hier g^ört das Duett, zu dem 
Epidicus dann hinzutritt, statt der beiden alten den beiden jungen Freunden. 
I — 328, ungeduldiges Warten des Liebhabers, Schelten des Freundes auf Epi- 
dicus: 4 kret. Tetrameter, die auf S. 36 erwähnten Jamben, troch. Septenar, 
kret. Trimeter mit ithyphallicus als Clausel. 11 —336, Vertheidigung des Freun- 
des gegen den Zorn des Liebhabers: 1 troch., 2 jamb. Octonare, zu anap. Sep- 
tenar sich steigernd, 1 unsicherer troch. Septenar, jamb. Octonar, 1 unsicherer 
Vers (Senar?), Septenar. I zeichnet sich durch die cretici, U durch den anap. 
Vers aus, die in I in die Mitte genommenen Jamben und Trochäen herrschen 
in n. lieber die folgenden Verse des Epidicus s. oben S. 52. 

Die letzte Gresangscene, 526 — 546, hat wieder die häufigste Form: Monodie, 
dann Duett; über dieses (11. XU) habe ich S. 51 das Nöthige gesagt. Das Lied 
der Philippa beginnt mit 1 troch. Octonar, die beiden nächsten Verse sind kre- 
tische Tetrameter; dann folgen 2 unsichere Verse, über die ich meine Ver- 
muthungen noch nicht begründen kann, endlich 2 jamb. Octonare. Von m ist 
der grössere zweite Theil trochäisch wie der Eingang von I; HE beginnt mit 2 
kret. Tetrametem (538 sq.), wie sie in I auf den Anfang folgen; die Jamben sind 
I, die Anapäste Xu eigenthümlich. 11 ist ganz glyconeisch. Ueber m muss indes- 
sen bemerkt werden, dass die als trochäisch bezeichnete Partie zum grossen Theil 
mehrdeutig ist, die Möglichkeiten hier durchzusprechen scheint mir ohne Nutzen. 

Das Sklavenduett im Eingange des Persa beginnt mit 2 parallel gebauten 
Monodien, dann folgt das Gespräch in 3 Abschnitten, deren mittlerer metrisch 
hervorgehoben, der erste und dritte mehrfach gegliedert ist; über das Einzelne 
ist S. 32 gehandelt. Die Monodie der Sophoclidisca 168 — 182 mit einer kurzen 
Zwischenrede der Lemniselenis ist ganz anapästisch, 7 Langverse 6 Dimeter 2 
Langverse; die des Sagaristio 251 sq. beginnt mit 4 lyrischen Versen (1 kret. 
Dim., 2 bacch. Tetram., ein lückenhafter Vers der mit ithyphallicus schliesst), 
wie die andern S. 86 genannten, worauf wechselnde troch. und jamb. Langverse 
folgen, durch einen ithyphallicus beschlossen wie die einleitende l^Tische Gruppe ; 
daran knüpft sich ein kleines Duett : 2 anap. Langverse fassen 4 trochäische ein, 
1 jamb. und 1 troch. Dimeter schliessen ab. 

An der grossen Schlussscene 753 — 857 nehmen 5 Personen Theil, die in 
zwei Partien alle fünf zu Worte kommen: 789 — 802 (IV) und in der Schluss- 
partie 843 sq. (VU). Eingeleitet wird das Ganze durch eine Monodie des Toxi- 



DIE PLAUTINISGHEN GANTICA UND DIE HELLENISTISCHE LYBIK. 101 

Ins (I): a) Gebet, 4 anap. Octonare; b) AskündigaDg des Gelages, 4 anap. Oc- 
tonare zwischen deren erstem und zweitem eine kretisch - anap. Gruppe steht 
(Tetram. mit paroem. zweimal, der 2. paroem. unsicher). Dann 11 Terzett: a) 
Einleitung des Gelages 763 — 769 , b) das Gelage — 776 , alles anap. Langverse, 
wie auch III die Verse des Dordalus allein und lY sein erstes Scharmützel mit 
jedem der fünf, auslaufend in das S. 25 berührte System. Als Steigerung und 
Gipfel der Scene folgt (V) der Tanz Paegniums 803—818 als Terzett zwischen 
ihm, Dordalus und Toxilus (oben S. 16. 43), zuerst kretisch (2 Tetrameter zwi- 
schen 2 Trimetern, in die Clausel —u — u auslaufend), dann baccheisch, und zwar 
7 Tetrameter, deren zweiter katalektisch und von 2 katal. Dimetern gefolgt ist, 
der dritte von 4 solchen oder 2 jamb. Dimetern, der fünfte von 1 katal. bacchei* 
sehen und 1 troch. Dimeter, endlich der letzte, an alles diesem Abschnitt Yor- 
aufgegangene erinnernd, von der anapästischen Clausel. An diese metrische Aus- 
gelassenheit knüpft sich (VI) die Fortsetzung des Gelages an, mit Verspottung 
und jonischen Tänzen, in trochäischen Septenaren (819 — 842), deren Ethos also 
ohne Frage xoQdaxixdnatov ist; man darf aber doch nur annehmen dass sie reci« 
tirt wurden, ein gutes Beispiel für diese Gattung des ^canticum', da der Tanz 
durchaus Musikbegleitung verlangt *). Endlich kommt der (v. 833 — 842 vorberei- 
tete) letzte Angriff auf Dordalus (VII), an dem sich nacheinander Sagaristio 
Toxilus Paegnium Lemniselenis betheiligen: a) 843 — 860 Anapäste, vor den bei- 
den letzten metra 2 Beiziana, zuletzt ein troch. Octonar; b) 2 troch. Septenare, 
den Abschluss einleitend; c) Dordalus erklärt sich besiegt und geht unter dem 
Hohn der Andern: 3 jamb. cola, dann Baccheen; aber der Abschluss ist durch 
die Ueberlieferung verdunkelt. Wenn wir das Ganze übersehen, so finden wir 
am Anfang in der Monodie und am Schluss im Quartett einige melaische Varia- 
tion, in der Mitte, von den herrschenden Anapästen (und troch. Septenaren) flan- 
kirt , ein durch metrische Mannigfaltigkeit stark hervorgehobnes Tanzterzett. 
Man hat dieser Composition gegenüber einige Sicherheit, sich auch von dem Ge- 
sammteindruck, den das Finale durch Musik und Tanz hervorbringen sollte, eine 
richtige Vorstellung zu machen. 

Der Stichus hat gleichfalls eine, freilich in Worten kurze Tanzscene am 
Schlüsse , gleichfalls ein grosses Duett im Eingang , eine Monodie mit an- 
schliessendem Wechselgesang 274 — 330. Das erste Duett beginnt (I) mit den 
Beden der beiden Schwestern über ihre Gattentreue 1 — 8 (oben S. 55); n sie 
nehmen Platz und die Schwester klagt über das Verhalten des Vaters 9 — 17: 
1 Beizianus, Spielart des Rdzianus 5 mal , 2 cola , dann die ersten Anapäste (2 
paroemiaci); III das grosse anapästische System (oben S. 25) mit Fortsetzung 
und Schluss des Gespräches. Der Anfang des Systems (18. 19) greift inhaltlich 
in n über. I hat keine Anapäste, II bildet deutlich die Vermittelung. Es mag 
noch daran erinnert werden, dass das Stück in seiner letzten lyrischen Partie 
wie in seiner ersten versus Reiziani hat, freilich von überaus verschiednem Ethos. 



1) Die nächste Yergleichong geben die Septenare Gas. 798 sq. mit dem hymenaeos. 



102 FRIEDRICH LEO, 

Die Monodie des Pinacinm (I) 274 — 306 erinnert an die des Sosia, darch 
die Erscheinung als Bote, die Langverse, die Zwischenrede des Grelasimas; durch 
diese ist a) abgesondert, die Freude nnd Eile ( — ^287); dann b) er hält ein und 
kehrt wieder um, abgeschlossen durch Senar (300); c) er besinnt sich nnd läuft 
zur Thnr (308). Nun folgt (ü) ein Duett mit Gelasimus, das in ein Terzett mit 
ihm und Panegyris ausläuft, das Ganze ein grosses anapästisches System, über 
das S. 25 gehandelt ist. Vor dem Eintreten der Panegyris ins Gespräch fin- 
det Katalexis statt, man hat also die Freiheit das Terzett als dritten Ab- 
schnitt des Ganzen zu bezeichnen. 

Persa und Stichus haben nicht nur mit Cistellaria und Epidicus die lyrische 
Anfangsscene , auch mit den noch nicht berührten Pseudolus Casina Bacchides 
die lyrische Schlussscene gemein ; d. h. sie sind die einzigen Stücke, die mit Ge- 
sangscenen beginnen und schliessen. Nun ist der Persa nicht nur einem Stücke 
der mittleren Komödie nachgebildet, sein Schlussakt ist auch, als Erbtheil der 
iQjala^ ein organischer Bestandtheil des Originals^) und dessen lyrisclie Form 
muss für das Original vorausgesetzt werden. Eben so gewiss ist es, dass der 
Schlussakt des Stichus nicht aus dem menandrischen Originale stammt, sondern 
aus einer dem Persa gleichartigen Komödie^); alle Wahrscheinlichkeit ist also 
dafür, dass die metrische Form des Stichus, nicht der des Persa, sondern der 
Gattung der auch der Persa entstammt angeglichen ist, d.h. der fi^tfij xaiuadia 
oder vielmehr einer der in ihr lebendigen Formen. Weiter dürfen wir freilich 
nicht gehen; jeder Schritt, der über Persa und Stichus hinaus die mit lyrischem 
Anfang oder Ende versehenen Stücke auf die Composition der 'itd^t^ zurückführen 
wollte, dürfte in die Irre führen. 

Die noch übrigen drei Stücke heben sich durch ihren Beichthum an lyri- 
schen Partien vor allen anderen hervor: Pseudolus Casina Bacchides. 

Die 5 Gesangscenen des Pseudolus haben sämmtlich am Anfang eine 
Monodie: 674. 905. 1246 des Pseudolus, 133 des Ballio, 1103 des Harpax. Von 
Ballios grosser Scene 133—229 kann man nicht wissen, wie weit sie zur Becita- 
tion, ob vielleicht nur die erste Periode ( — 141, mit ithyphallicus schliessend) zum 
Gesänge bestimmt war, wie vermuthlich die Zwischenreden der Lauscher. Die 
beiden Hanpttheile (I — 172 Anrede an die Sclaven, 11 an die Mädchen) zerfal- 
len der eine in 3, der andere in 5 Abschnitte, wie Usener Greifsw. Progr. 1866, 
4 — 7 sie zerlegt hat; zwischen II b und c ist ein kürzeres, zwischen c und d 
ein längeres Zwischenspiel des Calidorus und Pseudolus eingelegt. Dann folgt 
230 — ^240 ein anapästisches Duett (mit jambischer Clausel) zwischen diesen beiden 
(in), 241 — 264 Terzett (IV). Die Anapäste von HI schliessen an die metra vou 
L n an, ebenso die Trochäen, mit denen IV beginnt: 4 akat. Dimeter (Ballio 
will gehen). Dann bringt das Terzett neue Elemente, Baccheen und Kretiker. 
Calidorus und Pseudolus rufen dem BaUio nach, verlegen ihm den Weg, rufen 



1) ▼. Wilamowitz ind. schol. Gotting. 1893/94 p. 22. 

2) Plant Forsch. 152. 



DIE PLAUTINISCHEN CANUCA UND DIE HELLENISTISCHE LYRIK. 103 

ihm wieder nach; hier ist etwas wie Responsion: zweimal ein troch. Octonar 
und B bacch. Tetrameter, als Abgesang 1 Octonar mit 2 Tetrametern (243 — 2B7), 
Dann bricht Calidorus in Klagen aus, Ballio lässt sich bewegen zu halten : dies 
sind kretische Verse mit einem ithyphallicus als Abschluss des Ganzen. Das 
grosse baccheische Mittelstück, durch 3 trochäische Langverse gegliedert, wird 
also durch eine trochäische und eine kretische kleinere Periode umfasst. 

574 — 603 ist bis 593 Monodie des Pseudolus. Sie wird eingeleitet und ab- 
geschlossen durch je 2 anapästische Langverse: a) Freude über den gefundenen 
Kriegsplan, d) Ankündigung des Harpax. Dazwischen stehen zwei Abschnitte, 
die beide metrisch mannigfaltig sind: b) 576 — 583 Betrachtung und Allgemeines 
über die Kampfbereitschaft: trochäische (oben S. 14) anapästische baccheische 
Verse, die ersten 4 zweimal Langvers mit Kolon, die letzten 4 zwei anap. Oc- 
tonare, die zwei bacch." Tetrameter einschliessen ; c) — 591 Kriegsplan und Sie- 
geszuversicht : eine trochäische, eine anapästische Gruppe, durch einen ßeizianus 
abgeschlossen; dann, die beiden Gruppen reflectirend, ein trochäischer Septenar 
und anapästischer Dimeter. Dann erscheint Harpax mit einer Einführung in 
Anapästen, Pseudolus schliesst, die neue Situation ergreifend, mit Anapästen ab, 
die vielleicht in ein Reizianum auslaufen . 

Dagegen ist 905—950 ein grosses Duett mit kurzer Monodie vorauf. Diese 
(I) besteht aus anap. System, in 2 paroemiaci ausgehend (S. 25 A. 2) und 3 Oc- 
tonaren, mit deren letztem (912) das Duett beginnt. Dieses zerlegt sich in eine 
Einleitung (II) : Anapäste, die 2 jamb. Langverse einfassen ; m Aufforderung zu 
handeln 919 — 922: jamb. Octonar, dann Kretiker (2 Tetrameter mit dem ihnen 
zugehörigen Kolon — u — o) in ithyphallicus auslaufend; IV Prahlerei Simias, 
von 930 an unter Beifall und Bewunderung des Pseudolus: a) 6 jamb. Dimeter; 
b) 5 kret. Tetrameter, bei deren letztem Pseudolus einsetzt, 1 anap. Dimeter mit 
Keizianum; c) 4 kret. Tetrameter mit Reizianum (935*). Inhaltlich gehört V 
hiermit zusammen, auch metrisch dadurch dass die erste Gruppe von 3 Versen 
(2 anap. 1 troch. Septenar) durch ein Reizianum abgeschlossen wird. Aber im 
übrigen besteht diese ganze Schlusspartie aus Anapästen wie die einleitende Mo- 
nodie und überwiegend II; nur als Clausel der ganzen Scene tritt, nachdem den 
letzten katalektischen Langvers ein paroemiacus aufgenommen hat, zuletzt ein 
ithyphallicus ein. Es sind also 2 grosse anapästische Stücke, die das kretisch- 
jambisch-kretische Mittelstück einfassen. 

1103 — 1135 hat nach der Monodie des Harpax ( — 1121) ein nicht viel kür- 
zeres Terzett, Die Monodie (I) zerfällt in 2 Abschnitte: a) — 1115, Betrachtung 
mit Nutzanwendung, metrisch bunt : 2 anap., 2 bacch. Octonare, 1 troch. Septenar 
mit kret. Dimeter, dann kretisch-trochäische cola, ein unsicheres Kolon (anap.?), 
wieder kretischer Dimeter; dann 3 synkopirte jamb. Tetrameter (oben S. 20), 
deren letztem ein ithyphallicus voraufgeht ; b) die gegenwärtige Lage und Ab- 
sicht : hier treten reine kretische Verse ein , 3 Tetrameter 1 Trimeter , dann 1 
anap. Octonar und 1 Septenar. Es wird also wie 574 sq. die Monodie durch je 
2 anap. Langverse eingefasst. Hierauf (II) geht Harpax auf das Haus zu, mit 



104 FRIEDRICH LEO, 

Wortea die für den Kuppler bestimmt sind (1122. 3), kret. Dimeter wie 1108 
und 1111 und troch. Septenar, der die beiden folgenden des Ballio und Simo 
einleitet ; dann 6 bacch. Tetrameter Ballios, dem Simo seeundirt. Auch in wird 
durch Harpax eingeleitet, mit eben so viel metra wie 1122. 3, wahrscheinlich 
auch hier 1 kret. Dimeter, dem 2 trochäische folgen ; dann ein trochäisches Sy- 
stem Ballios (oben S. 30). Man sieht dass das Terzett zwar metrische Anklänge 
an die Monodie hat, aber doch durchaus von ihr geschieden ist: hier überwiegen 
Kretiker und Jamben, dort Baccheen und Trochäen. 

Ueber 1246—1284 ist S. 41, über 1285—1385 S. 57 gehandelt worden. 

Die Casina ist ein zweigetheiltes Stück: die erste Handlung, die Losung, 
von der die KXriQOiiiievoi den Namen hatten, ist v. 423 zu £nde; die folgenden 
Scenen bereiten die zweite Handlung vor, die Zweimännerhochzeit, eine durchaus 
den Character der Atellane tragende Farce. Diese Handlung beginnt v. 621« 
Der erste Theil, bis zu diesem Verse gerechnet, hat zwischen dem exponirenden 
Dialog und der Haupthandlung eine grosse Gesangscene, die sich durch Monodie 
(Cleostrata, mit einem Zwischenverse der Pardalisca), Duett (C. und Myrrhina), 
Monodie (Lysidamus) und Duett (C. und L.) hindurchzieht, durch die Figur der 
Cleostrata zusammengehalten. Sie reicht von 144 bis 251. I Monodie der Cleo- 
strata — 162, polymetrisch: 3 baccheische Tetrameter beginnen; die Zofe, die im 
zweiten Theil des Stückes eine Hauptrolle spielen soll, setzt mit 2 cretici und 
ithyphallicus , ihrem einzigen Verse, ein; Cleostrata fährt fort: troch. Dimeter, 
ithyphallicus , 7 cretici, 1 troch. Septenar, dann wieder 2 bacch. Tetrameter, 
wieder kret. Tetrameter, 2 trochäische cola (das zweite unsicher) mitßeizianum; 
wieder 1 bacch. Tetrameter, troch. Septenar, doppeltes ßeizianum als Abschluss. 
Baccheen Kretiker Trochäen bilden den wesentlichen Bestand. 11 — 182, Myrrhina, 
einige monodische Verse, Anfang des Duetts (Begrüssung und Frage). Sie be- 
ginnt anapästisch, fährt mit einem kret. Tetrameter fort, der an I erinnert und 
in vorbereitet. Dann ein jamb. Eolon und, als Beginn der Wechselrede, einige 
anapästische ; dann 3 mal das doppelte Reizianum (mit dem I abschloss), zwischen 
1 und 2 ein Senar, zwischen 2 und 3 ein anap. Dimeter; endlich ein anap. Oc- 
tonar und vielleicht ein jambischer Vers. Also auch hier Polymetrie; die Ana- 
päste in ähnlicher Vertheilung wie die Baccheen in I; Jamben statt der Trochäen 
in I ; nur der kretische Vers und die Reiziana mit I gemeinsam. Alles Folgende 
ist einfacher nach Wahl und Vertheilung der metra. III — 202, Klage und Ent- 
gegnung. Auf der Grenze steht ein bacch. Tetrameter, der letzte baccheische 
Vers, an I erinnernd und vielleicht noch zu II zu rechnen; er wiederholt dring- 
licher die vorige Frage und kann also inhaltlich zu U wie, einleitend, zu TTT 
gehören. Danach besteht III aus 13 kret. Tetrametern, zwischen deren 9. und 
10. eine Gruppe von 4 troch. Dimetern steht ; also die Anordnung einfach ab a. 
Die metrischen Elemente, Kretiker und Trochäen, sind die in I herrschenden, 
in n fehlenden ; danach ist es wahrscheinlich dass auch der baccheische Vers zu 
Anfang zu lU gehört, das somit den metrischen Bestand von I, aber in grossen 
geordneten Perioden, wiederspiegelt. IV Rath der Myrrhina, Abschied: ganz 



DDE PLAümnSGHEN CAKTICA UND DIE HELLENISTISCHE LYRTK. lOB 

anapästisch, also an 11 erinnemd wie in an I. Die nnn folgende (V) Monodie 
des Lysidamns, 217 — ^228, ist gleichfialls ganz in Anapästen geschrieben. Das 
Duett beginnt (VI, Einleitung) mit 3 jamb. Octonaren; dann 4 kret. Tetrameter 
und vor dem kretisch - trochäischen Schlussverse (237) wieder ein jamb. Octonar. 
Vn (die Vorwürfe) besteht aus troohäischen Langversen wie V aus anapästi* 
sehen. Y VI YII sind also in der Weise geordnet, dass nur das Mittelstück 
einige metrische Mannigfaltigkeit zeigt. 

Diese Gesangpartie fuhrt durch ihre immerhin ungewöhnliche Ausdehnung 
eine Art von Grleichgewicht zwischen den beiden Hälften des Stückes herbei. 
Denn die zweite kleinere, 621 — 1018, ist ein Singspiel, nur unterbrochen durch 
die Senarscene 759 — 797 und die nach dem Duett gesprochenen Senare 847 — 854, 
beschlossen durch die Septenare 963 sq.; denn die Septenarscene 798 — 814 ent- 
hält das Hochzeitslied ; aUe anderen Scenen sind ausgesprochen lyrisch : eine 
Monodie der Soubrette leitet ein — 629; Duett mit Lysidamus — 719; Olympio 
Citrio — 723; Olympio Lysidamus — 758; nach den Senaren Olympio Lysida- 
mus , recitirend und singend , — 814 ; Monodie der Pardalisca — 821 ; Terzett 
— 834 ; Olympio Lysidamus — 854 ; Terzett der Frauen (zu vergleichen nur das 
der Cistellaria) — 874; Monodie des Olympio — 891; Olympio Cleostrata (mit 
Zwischenreden der Myrrhina) — 936; Monodie des Lysidamus — 962. 

So steht die zweite Hälfte der Casina ganz allein unter den Plautinischen 
Stücken als förmliche Gesangsposse. Diese Beobachtung legt es nahe, eine 
Frage, die ich schon PI. Forsch. 151 (vgl. 189) aufgeworfen habe, wieder ins 
Auge zu fassen, die Frage nach dem Verhältniss der Casina zu ihrem Original. 

Der grotesk possenhafte Charakter jener zweiten Handlung stimmt durchaus 
nicht zu dem was wir von der neuen attischen Komödie haben und wissen; es 
ist auch unter den plautinischen Stücken mit possenhaften Scenen keine dieser 
derben Verkleidungskomik ähnliche Erfindung. Wir müssten das gelten lassen, 
da Diphilos in so vielen Punkten sich der fi^tfi^ zuneigt, von deren Stofifen und 
Art wir mit minderer Sicherheit urtheilen können; aber wir wissen aus Prolog 
und Epilog der Casina (65. 1013) einmal dass Plautus selbst das Stück und 
seine Handlung ganz wesentlich umgestaltet hat, zum andern dass die Erfindung, 
mit der Diphilos das Stück weitergeführt hat, mit der bei Plautus erscheinenden 
sich nicht wohl vereinigen lässt. Bei Diphilos war Casina die Tochter des 
Alcesimus und der Myrrhina, sie wurde erkannt und Euthynicus, ihr Liebhaber, 
heirathete sie; das zeigt mit Sicherheit eine Entwicklung in dem uns geläufigen 
Stile der Komödie, den ja auch für Diphilos der Rudens belegt. Ich sehe nicht 
ab wie diese Entwicklung neben der Verkleidungsposse hätte bestehen können ; 
Euthynicus musste auftreten, die ivayvi&Qiöig der Casina musste sich vorbe- 
reiten und vollziehen, schwerlich konnte sie selbst hinter der Scene bleiben, 
während sie jetzt selbst hinter der Scene persönlich nicht in Betracht kommt. 
Plautus hat sein ganz neues Motiv an Stelle des oft behandelten attischen 
gesetzt ; darauf führt jede neue üeberlegung. Nun sind wir gewöhnt, in solchem 
Falle der 'Contamination' ausschliesslich , wie Terenz es an die Hand gibt , au 

Abhdlgn. d. K. Oet. d. WIm. iv O«ttinff0B. PliU.-hl8t. KI. N. P. Band 1, t. 14 



106 FRIEDBICH LEO, 

Ergänzung aus einer anderen attischen Komödie zu denken. Aber diede Be- 
schränkung ist doch nur eine selbstgemachte; jetzt, wo das Grenfellsche Lied 
uns den Gredanken an die Fülle untergeordneten komischen Bühnenspiels wieder 
nahe rückt, wird man sich erinnern, dass auf Plautus und seine Zeitgenossen 
auch andere Anregungen wirkten als die der Litteratur und der Technitenbühne ; 
vor allem von griechischer Seite die q>k'6axsgj von römischer die Atellane. Nun 
stimmt, wie gesagt, die Verkleidungsposse der Casina nicht zu den Stoffen und 
dem Ton der via xo)^a>d^a, aber sie stimmt vortrefflich zur Atellana. Von der 
kunstmässig gewordenen Atellana kann man grade das mit Bestimmtheit sagen, 
dass sie in Stoff und Ton mit der alten volksmässigen zusammenging; Pomponius 
und Novius dienen also direkt zur Vergleichung. Nun kennen wir von ihnen 
Titel wie Maccus virgo, Prostibulum, Sponsa Pappi, die theils sicher theils mit 
Wahrscheinlichkeit den verkleideten Maccus anzeigen ; und Verse wie Pomp. 57 R. 
vocem deducas oportet^ wt videantur mulieris verba, 67 periij nan puelltd<isL nwnquid 
abscondidisü inter ncUes? (womit man Gas. 902 — 914 vergleichen mag); auch unter 
den Phlyakenvasen stellt die sog. Antigene *) dar wie ein als Weib verkleideter 
Mann ertappt wird. In diese Sphäre gehört die von Plautus der Casina einge- 
fügte Erfindung. Dass aber die italische Volksposse damals in Rom lebendig 
war lehren nicht nur die bekannten und oft besprochnen Zeugnisse, auch Plautus 
selbst bezeugt es, durch seinen Namen Maccus^) sowohl wie durch die Verse 
Cure. 150 fite causa mea ludii barbari^ stissüite obsecro und Rud. 535 wo Char- 
mides fragt quid si aliquo ad Judos me pro Manduco locem? und auf die Frage 
quapropter? antwortet: quia pol clare crepito dentibus] die Identität des Manducus 
und Bossennttö bezeugt Varro de 1. 1. 7, 95 •). 

Der Gedanke an die Atellana gibt zwei Möglichkeiten an die Hand : Plautus 
kann einen ihm geläufigen Atellanenstoff verarbeitet, er kann aber auch die 
Erfindung der Posse selbst gemacht haben. Wenn man aber in diesen Rich- 
tungen dem Gedanken nachgeht, so findet man bald dass er in die Irre fuhrt; 
denn auch jenes Possenspiel der Casina wurzelt in griechischem Boden wie seine 
metrische Form und die gesammte plautinische Kunst. Nicht die griechischen 
Wörter 728 sq. zeigen das *), auch nicht die Attica discipUna 652 , deren Erwäh- 
nung zwar in einem attischen Stück von selbst gegeben aber doch auch in einer 
dem attischen Stück eingefügten Partie vollkommen natürlich war; eher Hector 
Ilius 995 , der hymenaeus 798 sq. , vor allem aber die tragische Parodie im 
Anfange 621 sq. ^). Dem Diphilos kann diese nicht mehr zugeschrieben werden, 
aber auf ein griechisches Original führt sie mit Bestimmtheit. Wenn man aber 



1) Welcker A. D. III 504, Heydemann Arch. Jahrb. I n. t, Völker Rhinth. fragm. 21, A. Körte 
Arch. Jahrb. VIII 88. 

2) Plaut. Forsch. 75. Marx bei Paaly-Wissowa II 1917 meint es liege 'ein Wortwitz des 
Prologsprechers' vor. Ich kann diesem Gedankengange nicht folgen. 

3) Plaut. Forsch. 75. 

4) Plaut. Forsch. 95. 

5) Plaut. Forsch. 120. 



DIS PIAUTINISCHEN CANTICA tTND DIE HELLENISTISGHE LTBIE. 107 

auch für die alte volksmässige Atellana hilarotragödisclie Stoffe voraussetzen 
wollte, würde doch der Stoff um den es sich hier handelt mit tragischer Parodie 
gar nichts zu thun haben ; dass aber komische Erhebung des Tons sich von 
selbst in Parodie der enripideischen Tragödie umsetzt , das ist nur auf griechi« 
schem Boden zu erwarten. 

Die der Atellana nächstverwandte Gattung sind die unteritalischen ^Atkx^g. 
Die enge Zusammengehörigkeit der beiden hat zuletzt Bethe^) nachdrücklich 
betont, an ihr kann, wenigstens soweit das Stoffliche in Frage kommt, kein 
Zweifel sein (gar sehr an der Herleitung der Atellana von den q>kiiax6g). Die 
litterarische Ueberlieferung zwar bezeugt vornehmlich paratragödische Stoffe, 
aber die Fülle der possenhaften Darstellungen aus dem Leben liegt in den 
Phlyakenvasen vor*). Wir dürfen was uns über die Stoffe der Atellana bekannt 
ist auf die tpXiiaxsg übertragen'). 

lieber die Form lässt sich nicht mit derselben Sicherheit reden. Die paar 
Fragmente Rhinthons gestatten so wenig einen Schluss wie die zahlreichen des 
Pomponius und Kevins, da die litteraturfähige Atellana ihre Form nicht an die 
alte Atellana sondern an die ausgehende palliata angelehnt hat. Für die 
ursprüngliche Volksposse bezeugt Livius VII 2 nach Varro Gesang und Tanz; 
und auch für die g)Xvaxsg ist die Wahrscheinlichkeit, dass das Singspiel unter 
ihnen einen breiten Raum einnahm, von vorn herein gross. Auf eine solche 
griechische Gesangposse, in der lyrischen Behandlung der tkagtpdCa und ^layrndia 
verwandt, weist die wie der Stoff singulare Form des Ausganges der Casina hin. 

Die Scenen 621 — 758, Monodie der Fardalisca mit anschliessenden Duetten, 
die durch die Figur des Lysidamus zusammengehalten werden wie 144 — 261 
durch die der Cleostrata, habe ich S. 46 — 49 behandelt. Die Abtheilung nach 
inhaltlich und metrisch sich sondernden Perioden ist wie in allen übrigen cantica ; 
einige der auch sonst geläufigen Versarten sind reichlich verwendet. Aber 
besondere Eigenheiten dieser Lieder heben sich unverkennbar heraus : 1) die 
jonischen Gruppen und Verse (S. 46 ff.), 2) die ungewöhnlich zahlreichen bacch. 
Dimeter, akatalektische und katalektische (diese singulär), mit Reizianum (S. 16), 
3) die stichischen Reiziana 749 sq. (S. 61) , 4) das jambische System 710 sq. 
(S. 33, 37) mit den voraufgehenden dactylischen Tetrametern. Diese Eigen- 
heiten zusammen geben den Scenen einen ganz besonderen, augenscheinlich dem 
lasciv ausgelassenen Singspiel besonders angemessenen Charakter. 

Durch den Hymenäus der auf die Braut Wartenden vorne und durch 8 
Senare hinten, die sich ohne Satztrennung anschliessend), von der Umgebung 

1) Proleg. zur Qesch. d. Theaters 293 ff. 

2) HeydemaDn Arch. Jahrb. I, danach besonders A. Körte Arch. Jahrb. YIII, 61, Reisch das 
griech. Theater 311. 

8) Auf Dieterichs Pulcioella kann ich noch w&hrend der Correctur verweisen; besonders auf 
das 4. Kapitel und die Anmerkung auf S. 85. 

4) leb bedaure v. 862 — 854 die falsche handschriftliche Personen verth eilung beibehalten zu 
haben, obwohl das Richtige Loman angegeben und üssing ausgeführt hat. Natürlich gehört v<ih 
dem Lysidamus, quid negotist dem Olympio und so weiter. 

14* 



108 FBIEDBICH LBO, 

gelöst sind Monodie, Terzett und Duett 815—846. Fardalisca, neben den beiden 
Matronen mit der Braut erscheinend , singt das Braatfuhrerlied (I) : a) 815 
jonisch 816 jambisch (kretisch? S. 49) 817 ithyphallicns, b) Anapäste: 2 Octonare 
und Dimeter , beschlossen durch ithyphallicus ; d. h« 2 kurze Perioden , die eine 
jonisch-jambisch, die andere anapästisch, beide auf dasselbe Schlusskolon aus- 
gehend. 11: a) Olympio und Lysidamus, jamb. Septenar, versus Reizianus, 
2 bacch. Tetrameter, also drei neue Rhythmen ; dann setzt Pardalisca ein mit anap. 
Dimeter und ithyphallicus, d. h. genau so wie ihr Lied geschlossen hat. Es 
kann wohl keine Frage sein, dass sie hier die Schlussmelodie des BrauÜiedes 
wiederholt oder variirt: der Weg den der Dichter dem Componisten vorgezeichnet 
hat, die Art der musikalischen Abwechslung und Bückweisung, das gesteigerte 
schelmische Ethos, Alles liegt hier einmal so deutlich vor dass man meint die 
Scene singen zu hören, b) wieder Baccheen (Dimeter mit Beizianum, Tetra- 
meter), in die Pardalisca nun einstimmt, durch jambisches Kolon (katal. Dimeter) 
abgeschlossen, dann der Abschied: VcUäe. Ite tarn. Ite. lam wleie^ für dessen 
Messung doch wohl nur zwei Möglichkeiten vorliegen: entweder, wie in der 

adnotatio angegeben, u u— u — u — v-» (oben S. 16) oder, mit syllaba anceps im 

Kolonschluss, ^ w— — u — u— w. Die zweite Möglichkeit empfiehlt sich durch 

den ithyphallicus, der so die beiden Perioden von 11 ebenso wie die beiden von 
I abschliesst; um so mehr als auch 840 tene hanc Icmpadem. Immo ego hanc 
tenebo unter derselben Voraussetzung dieselbe Messung zulässt, auch hier die 
Periode abschliessend, m Lysidamus und Olympio mit der stummen Braut; 

a) wieder Baccheen, und zwar 2 Tetrameter auf deren jeden der katal. jamb. 
Dimeter folgt: dieselbe Verbindung die im Terzett dem Abschiedsverse vorauf- 
ging; ein in jambisches Kolon ausgehender bacch. Trimeter (oben S. 22) und als 
Schluss derselbe Vers der 11 abschliesst. Die metrische, das heisst in diesem 
Falle gewiss die musikalische Verwandtschaft von UI mit 11 ist so deutlich 
wie die von II mit I. Der Ausgang des Duetts und Abgesang der Scene beginnt 

b) mit anap. Dimeter (vgl. I b II a) und bacch. Tetrameter (11 a b HI a) und 
endigt in 4 cola: 2 jambische wie in II b lU a und, von ihnen in die Mitte 
genommen, 2 Reiziana (vgl. 826. 831) ; das 4. Kolon führt im Satze oder, wenn 
man will , mit dem Auftact zu dem Satze , zu den Senaren über. Mit Bezug 
auf die Buntheit wie auf die Besonderheit der metra ist auch diese Scene nur 
mit wenigen plautinischen zu vergleichen. Dabei ist die Anordnung von bemer- 
kenswerther Einfachheit: drei zweigetheilte Gruppen, die sich äusserlich schon 
durch die Personen, innerlich durch die metra aufs deutlichste sondern. 

Nach den Senaren beginnt das Finale: das Terzett der Frauen, dann 
Olympio und Lysidamus, beide über ihre Schande klagend, Olympio sie den 
Frauen unter ihrer lebhaften Theilnahme berichtend. Das Terzett (I) 855 — 874 
beginnt einfach: bacch. Tetrameter mit denen sich die Frauen ablösen, die eine 
wirft einen troch. Septenar dazwischen. In der längeren Partie der Cleostrata 
wird das Metrum mannigfaltiger, Kretiker, wie es scheint auch Anapäste treten 
neben die Baccheen, aber das Einzelne ist durch die Verstümmelung der Hand- 



DIE PLAXTTINISCH^ CANTICA UlfD DIB HELLENISTISCHE LTRIE. 109 

Schriften unkenntlich. Der Schluss ist kretisch (Dimeter mit Kolon) mit Bei- 
zianam. U Olympio : a) 8 anap. Langverse , c) 2 dergleichen , die durch das 
Zutreten der Frauen unterbrochen werden; dazwischen b) von mannigfaltigerer 
Bildung: 3 kret. Tetrameter, zwei unsichere Verse, der eine durch Verstumme- 
lung (der zweite vielleicht dakt. Tetrameter mit £eizianum), dann kret. Dimeter 
mit Kolon und ithyphallicus (oben S. 18 A. 3). III die Frauen setzen ein, 3 ßei- 
ziani, der erste trochäisch, 2 jamb. Dimeter. Das Folgende ist stark verstümmelt, 
der Inhalt meist kenntlich aber das Metrum oft vieldeutig. Olympio fängt an 
zu erzählen, zuerst von seinem verunglückten Suchen nach dem Schwerte, 
stockend und mit beständiger Nachhilfe der Frauen ; hier finden wir Anapäste 
(901), Kretiker mit -u-u- (906 sq.), Trochäen (909 sq.), Jamben (913), ein 
troch. Kolon zum Schluss (914). IV zusammenhängende Erzählung : troch. Lang- 
verse, nur die kosende Rede des jungen Gatten in bewegteren Massen: ein 
langer und ein kurzer katalektischer jambischer Vers, ein bacch. Tetrameter. 
Nach den Trochäen beginnen (V) wahrscheinlich v. 925 jambische Septenare, in 
denen die Erzählung zu Ende geht. Die Scene schliesst mit dem trochäischen 
Heizianus und vielleicht 2 jonischen Tetrametem, s. oben S. 49. Endlich erscheint 
Lysidamus und singt das Lied (VI), dessen metra ich S. 53 behandelt habe. 
Es beginnt mit Daktylen und läuft in eine grosse glyconeische Versgruppe aus. 

Soweit sich aus der Wahl und Anordnung der metra ein Schluss auf die 
musikalische Behandlung eines antiken Gedichtes ziehen lässt, ist dieser zweite 
Theil der Casina als Ganzes durchaus und im Einzelnen nachweislich in vielen 
Stücken vom der übrigen plautinischen Lyrik verschieden; die Analyse der 
poetischen Composition wird durch die der metrischen lediglich bestätigt. 

Am nächsten der Casina kommen in der Gestaltung der lyrischen Partien 
die Bacchides, die überhaupt am reichsten mit Gesangscenen ausgestattet 
sind. Dass dem so ist würde noch deutlicher hervortreten , wenn der Anfang 
erhalten wäre ; denn die Fragmente des verlorenen Theiles ergeben mit Sicher- 
heit zwei Monodien (frg. 1. 2 und 17) und ein oder zwei lyrische Gespräche 
(frg. 8. 12). Nach dem erhaltenen Anfang ist bis v. 611, d. h. bis zum Ende 
des ersten Theiles der Handlung, keine lyrische Scene; dann setzt eine grosse 
ein, 612 — 670 (Monodie, Duett, Monodie), in der durch die Gegensätze von Klage 
und Jubel die activen Träger der Handlung zur Vorbereitung ihres zweiten 
Theiles zusammengeführt werden. Die Höhe dieser zweiten Handlung wird 
durch eine grosse Monodie mit Duett bezeichnet (925 — 996) ; vollendet wird sie 
in der folgenden Senarscene. Dann kommt das Nachspiel, 1076 — 1206, in dem 
die Niederlage der Väter und der Triumph der Hetären vorgeführt wird, und 
dieses ist von Anfang bis zu Ende lyrisch; Ruhepausen für die Sänger geben 
nur die troch. Septenare 1117— 1119 und 1141 — 1148. Aber es ist nur ein Nach- 
spiel, das dazu da ist die Consequenzen der Handlung in recht grellen Farben 
auszumalen, und hat als solches am meisten Aehnlichkeit mit dem Ausgange 
des Pseudoltts, einige mit dem des Fersa und des Stichus, während für die 
Casina grade das charakteristisch ist, dass der zweite Theil der Handlung selbst 



110 FBIEDBICH LEO, 

als Singspiel erscheint. Auch das haben die Bacchides mit der Casina äasser- 
lieh gemein, dass die Liedscenen in der Mitte der £omödie mehrere Gesang- 
stücke zusammenfassen. Es liegt danach nahe für den verlorenen Anfang etwas 
ähnliches anzunehmen; und wer noch einmal die Fragmente zu ordnen unter- 
nehmen will wird gut thun, in dieser Richtung einen Versuch zu machen. 

Zunächst 612—670. Das Lied des Mnesilochus (I) 612—624 besteht aus 
Selbstanklagen, deren Grund erst in den letzten 3 Versen angegeben wird ; dann 
tritt Pistoclerus hinzu (U) und es gibt ein kurzes Wechsellied, das in trochäische 
Langverse (628 — 639) ausgeht, zuerst Octonare und Septenare wechselnd; den 
9 letzten fehlen in der TJeberlieferung bis auf 1 Septenar die Schlüsse. Das 
Metrum ist sehr bunt : 4 troch. Octonare mit anapästischer, 2 anap. Dimeter mit 
jambischer Clausel; 2 bacch. Tetrameter, 2 mal — u— u— , 4 kretische Dimeter 
mit demselben Kolon; dann Zwischenworte des Pistoclerus (anapästischer 
Dimeter) und Wechsellied in 4 paroemiaci; endlich dieselben troch. Langverse 
mit denen die Monodie begonnen hat ; also ohne die jamb. Clausel 4 verschiedene 
metrische Gattungen in 15 Versen, aber in Gruppen geordnet, nicht Verse ver- 
schiedener Gattungen in einander gemischt; die Folge ist abcdba, Chrysalus 
kommt hinzu und singt sein Lied (III) ehe er die beiden anredet, 640 — 670, 
Das Lied ist dreigetheilt : a) Chrysalus rühmt sich seiner Thaten — 648; b) er 
zeichnet sein Ideal des klugen Sklaven — 661 ; c) er kommt auf den vorliegenden 
Fall, erblickt seinen Herrn und redet ihn an. Wie in anderen Fällen finden wir 
die allgemeine Betrachtung in der Mitte des Liedes; dieser Abschnitt ist auch 
durch mannigfaltigere und bewegtere Masse ausgezeichnet, a) beginnt jubelnd 
mit anap. Octonar und Septenar, fahrt erzählend fort mit troch. Octonar, über- 
leitendem Doppelkolon — u— w— , 1 kret. Tetrameter ; dann 2 mal das Doppelkolon 
und 2 kret. Tetrameter (oben S. 12) ; b) beginnt gleichfalls mit kretischem Tetra- 
meter und führt in bunter Mischung kretische trochäische jambische cola fort, 
abschliessend 2 ßeiziana (s. oben S. 19). c) geht weiter in Kretikern, führt 
über zu Jamben und schliesst mit anapästischem Dimeter und Reizianum. Als 
Ganzes ist das Lied in der Hauptsache kretisch, vermischt hauptsächlich mit 
Trochäen ; Anapäste nur als Einleitung und Abschluss. Das bedeutet doch wohl 
einen ausgelassenen Tanzrhythmus. 

92B — 996 grosse Monodie des Chrysalus ( — 978) mit kleinem Duett. Die 
Monodie besteht ganz aus Langversen, I aus jamb. Octonaren mit 2 troch. Sep- 
tenaren (der drittletzte Vers ist unsicher) als Abschluss ; dem Inhalt nach a) 
— 931 Chrysalus vergleicht seinen Sieg mit dem der Atriden; b) — 944 Pro- 
phezeiung von Trojas Untergang; c) Anwendung des Vergleichs auf die ein- 
zelnen Personen. Die trochäischen Verse bereiten den 11. Abschnitt vor, der 
von den drei fata handelt; er beginnt und schliesst mit trochäischen Systemen 
( a) 16 und c) 14 metra, oben S. 30 sq., das zweite als System nicht ganz sicher), 
die in ihrer Mitte b) 8 jamb. Octonare haben ; auf den fünften folgt 1 Octonar 
mit 3 troch. Septenaren, interpolirte Verse wie 937 — 940 und 973 — 977. Der 
Uebergang des Metrums zum schliessenden System findet mitten im Satze statt. 



DIE PLAUTINISCHEN CANTICA UND DIE HELLENISTISCHE LYRIK. 111 

Ein jamb. Octonar verbindet die Monodie mit dem Duett (III), das oben S. 31 
analysirt ist. Sie hat eine sich scharf heraushebende Mittelgruppe b) von jam- 
bischen und glyconeischen Versen, (oben S. 49), während a) ein grosses troch. 
System mit 2 Katalexen ist und c) als erste Hälfte ein ebensolches kleineres 
hat, worauf eine jamb. Gruppe besonderer Art mit Reizianum (S. 36) das Ganze 
abschliesst. Die Absicht der Composition liegt deutlich vor : HI hat die grösste 
Aehnlichkeit mit 11 durch die Ueberein Stimmung von III a c mit 11 a c ; in 
dieser Umrahmung wird der Gegensatz von HE b gegen 11 b um so fühlbarer. 

Das Nachspiel 1076—1206 habe ich S. 27 im allgemeinen vorgeführt und die 
beiden einleitenden Lieder (I. II) und das schliessende Quartett (V), die alle 
durchweg aus anapästischen Systemen bestehen , eingehend besprochen. Das 
Duett der Alten (III), 1104 — 1116, beginnt mit 5 anap. Septenaren (BegrüssuDg) 
und schliesst mit 1 anap. Dimeter, die Hauptmasse (die gegenseitige Klage) 
ist kretisch: 7 Tetrameter, deren mittelster die Form Dimeter mit — ouu— hat. 
Das Duett der Hetären (IV), 1120 — 1140*, an dem sich die beiden Alten zu 
Anfang und Ende antwortend und anrufend, sonst mit einigen Zwischenversen 
betheiligen, besteht aus baccheischen Versen mit Beimischung des Keizianum 
(gleich 1120 Tetrameter mit diesem; dann 1121*. 1139. 1140» Monometer, 1127. 
1128 Dimeter mit demselben) und des katal. jamb. Dimeters (1129 nach bacch. 
Dimeter wie es scheint) und eines versus Reizianus (1124), dessen Kolon ebenso 
wie die übrigen Reiziana als innere Senkung die Kürze hat; die übrigen Verse 
sind bacch. Tetrameter, nur gegen Ende ist ein katal. Dimeter (1137, oben S. 15) 
eingestreut. Das gafize Nachspiel hat also eine sehr einfache und durchsichtige 
Anlage : von anapästischen Partien eingefasst mit dem so häufigen Widerspiel 
dieser beiden Versarten ein vorwiegend kretisches und ein vorwiegend bacchei- 
aches Stück ; die Anordnung ab c a. Nach der Scene der beiden Alten und vor 
dem Finale stehen eine kleinere und eine grössere Gruppe trochäischer Septenare, 
die also IV einfassen; offenbar als Rnhepunkt die eine nach die andere vor 
einer langen und anstrengenden Gesangleistung. Wenn man ferner beobachtet, 
wie in IV die beiden Alten nur mit wenigen Worten eingreifen, so wird man 
finden dass an die Sänger zwar grosse aber gleichmässig berechnete und aus- 
geglichene Forderungen gestellt werden. 

2. 

Eine Fülle verschiedenartiger Formen ist an uns vorübergezogen : ganz 
oder fast stichische Lieder, Lieder die in grossen stichischen Gruppen metrische 
Gegensätze in sich zeigen, polymetrische Lieder die entweder in Gruppen 
geordnet die einzelnen metra aufeinander folgen lassen oder bunt die verschie- 
denartigen Verse mischen ; Erscheinungen deren jede schon aus den mitgetheilten 
Proben der jüngeren dramatischen Lyrik der Griechen zu belegen ist. Allen 
diesen Liedern ist ein Ordnungsprincip gemein , die Eintheilung in metrische 
Perioden die zugleich Perioden des Inhalts sind. Es ist das einzige Ordnungs- 



112 FBIEDBICH LEO, 

princip das, für uns kenntlich, in allen Liedern herrsckt. In vielen Fällen 
erkennen wir eine berechnete Yertheilong und Parallelisimng der Versarten 
und Perioden. über das Lied hin oder einen beabsichtigten Gegensatz, wie besonders 
baccheischer und kretischer Partien, in manchen Liedern und Scenen einen durch- 
geführten symmetrischen Aufbau; gewiss bemerkenswerthe Momente, die wei- 
tere Untersuchung verdienen. Aber wenn man das Durchgehende und gleich- 
massig Wesentliche, das die Massen Zerlegende und Fügende zu fassen sucht, 
so bietet sich nichts anderes als das Princip der Perioden, die zugleich metrische 
und Lihaltsperioden sind ; was diese belebte und zu organischen Theilen einer 
künstlerischen Einheit machte war die musikalische Composition — et canere 
nobis non licet haec cantica. Es ist aber dasselbe Ordnungsprincip , das auch 
in der euripideischen und hellenistischen astrophischen Lyrik herrscht, und auch 
hier als das einzige für uns kenntliche, und aus demselben Grunde. In diesem 
Nachweise liegt also der sichere Beweis für die unmittelbare Fortsetzung der 
in den euripideischen Monodien und dem Grenfellschen Liede für uns repräsen- 
tirten jünger^i dramatischen Lyrik durch Plautus. Hinfort muss Plautus, wie 
er es bisher für unsere litterarische Kenntniss von der vda xaiiqifdia gewesen ist, 
auch für die dramatische Lyrik der hellenistischen Epoche als unsere Haupt- 
quelle erscheinen. 

Diese Untersuchungen müssen nach unten und nach oben fortgesetzt werden: 
nach unten vor allem dadurch dass die Zusammenstellung, Verbindung, Ueber- 
leitung der verschiedenen Versarten mit- und untereinander untersucht wird, 
wofür die Grundlage auch erst durch entsprechende Untersuchung der griechi- 
schen metra (nicht durch Redensarten von rhythmischer Metabole und Epimixis 
alloiometrischer Reihen) gewonnen werden muss. Ich enthalte mich diesmal, auf 
diese Dinge einzugehen und das Material vorzulegen das ich bereit habe, da ich 
diese Abhandlung nicht zu einem Buche werden lassen will. Nach oben muss 
weitergegangen werden zur Untersuchung der Composition dieser Komödien, 
wobei der Anfang wird sein müssen, die Theorie der 5 Akte^), die jeder rich- 
tigen Erkenntniss im Wege ist, auf das Mass zu beschränken das ihr zukommt. 
Ueber den Zusammenhang der cantica mit dieser Composition der Stücke selbst 
will ich zum Schlüsse ein paar Bemerkungen versuchen. 

Wir haben gesehen, das Cistellaria Epidicus Persa Stichus mit einer Lied- 
scene beginnen, während die erste Scene sämmtlicher übrigen Stücke (auch des 



1) Plaut. Forsch. 205 ß. Ich hätte dort die Angabe bei Diomedes de poem. 491, 20 ver- 
wenden sollen: menibra eomoediarum sunt triaf diverhium eanticum chorus. tnembra comoediae 
diversa sunt, defimto tarnen numero eonünentur a quinque usque ad decem. Hier ist membrum 
fiiQos in doppeltem Sinne angewendet, zuerst im aristotelischen, dann in dem seit Philon und 
Aristophanes von Byzanz nachweisbaren iJ^igog octiM. Die Worte (sie stehen in dem Anhang der 
Abhandlung, in dem Sueton citirt wird) geben den Beweis, dass die von Yarro für Terenz durch- 
geführte Theorie wenigstens für die griechische Komödie (bis v. 29 wird nicht von der römischen 
sondern von der Komödie im allgemeinen gehandelt) auch später, also wahrscheinlich auch von 
Yarro nicht anerkannt war. 



DIE FLAÜTINISCHEN CANTICA UND DIB HELLENISTISCHE LYBIK. 113 

Terenz) in Senaren geschrieben ist, wäre es ajxch nur die Einleitungsrede nach 
dem Trolog' (Menaechmi , Truculentus) oder der *Prolog' selbst (Amphitruo, 
Mercator). Dieser letzten Kategorie muss man , doch mit einer Einschränkung, 
den Epidicus zurechnen, der seinen Trolog' verloren hat (Plaut. Forsch. 179), 
mit der Einschränkung nämlich dass die 'Prologe' von Amphitruo und Mercator, 
als von handelnden Personen gesprochen, materiell zum Stücke gehören, der ver- 
lorene des Epidicus vom Stücke gelöst war: auf solche Trologe' aber folgt der 
Regel nach eine Senarscene oder -rede. Jene 4 Stücke haben also eine beson- 
dere Eingangsform, die gewiss nicht zufällig so geworden ist, sondern histori- 
schen Grund und ihr Vorbild in einer Form haben muss die im griechischen 
Drama lebendig war. Nun hat kein erhaltenes griechisches Drama nach Aischy- 
los' Hiketiden und Persern lyrischen Anfang ausser dem ßhesos, der auch mit 
Chorgesang beginnt, und dem 'einzigen Stücke das, wie jene 4, ein lyrisches 
Zwiegespräch zu Anfang hat, der aulischen Iphigenie. Wieder ist es Euripides' 
letzte Periode, an deren Erzeugniss die besondere Erscheinung sich von selbst 
anknüpft. Die Frage ob man, da Persa und Stichus ins Spiel kommen (oben 
S. 102), hier die mittlere Komödie als Brücke zwischen Plautus und Euripides 
ansehen darf, will ich nur berühren. 

Nicht an sich charakteristisch , verglichen mit den erhaltnen Dramen , ist 
der lyrische Schluss (Bacchides Casina Persa Pseudolus Stichus), der, abgesehen 
vom Auszugsliede, in Tragödie und Komödie häufig ist ; selten nur bei Euripides, 
die meisten Fälle in der späteren Periode (Medea Troades Elektra Phoenissen 
Bakchen). Aber neben den plautinischen Komödien , die mit Gesangscenen 
beginnen, steht eine andere Gruppe, die das erste canticum unmittelbar nach 
der Eingangsscene , sei diese nun Dialog oder Monolog, und zwar vor dem 
Beginne der eigentlichen Handlung hat, also im ngökoyog: Amphitruo Curculio 
Menaechmi Mostellaria Poenulus Pseudolus Trinummus Truculentus ; auch der 
Mercator gehört in diese Reihe, nur dass in ihm die Handltmg gleich nach der 
Eingangsrede beginnt. Es ist also fast die Hälfte der Stücke, um die es sich 
handelt. Wenn wir tms nach der analogen Erscheinung, also nach lyrischen 
Partien im jcgöXoyogj im attischen Drama umsehen, so finden wir sie bei Aristo- 
phanes unter besonderen Bedingungen : Pac. 82 (Parodie) Av. 209 (Herbeirufung 
des Chors) Thesm. 101 und Ran. 209 (Parachoregeme) ; bei Aischylos nur im 
Prometheus, bei Sophokles nur in der Elektra. Unter den Tragikern ist es 
wieder Euripides, dem die Form eigen ist*), und zwar in der älteren Periode 
(Medea Hippolytos Hecabe, vgl. Andromacha) wie in der jüngeren (lo Elektra 
Phoenissen). 

In einer anderen Gruppe beginnt die eigentliche Handlung mit einem can- 
ticum, sei es das erste des Stückes (Aulularia Captivi Casina Rudens Stichus, 
vgl. Mercator) oder das zweite (Cistellaria Mostellaria Stichus). Das ist die 
Stelle an die wenigstens bei Euripides der Regel nach die jcägodog des Chors 



1) V. Arnim de pro!. Earip. arte p. 99. 

Ablidlffn. d. K. Oet. d. Win. n CMttiagea. P]iU.-bi0t. Kl. N. F. Band 1, t. 15 



114 FBIEDBICH LEO, 3IIE PLAXminBCHE27 CAJmCA. XJSD DOS EZLLENB3TISCHE LYBUL 

gebort. Entsprechend finden sicli eefar häufig die cantica an den Stellen der 
^doi^iia , d. h. unmittelbar nach den A.ktschlÜBsen , zwar nicht als Zwischenakt, 
aber, wie wir sagen dürfen, an die Zwischenaktmusik (Pseud. 573) anschliessend 
als Beginn eines neuen Theiles der Handlung. Im Amphitruo beginnt das zweite 
canticum (Duett, 551) den zweiten Akt, das vierte (1053) den letzten, das dritte 
(633) steht als richtige Monodie in der Mitte der grossen Scene. Die erste und 
dritte Monodie Hegios (Capt. 498. 922) leitet neue Akte ein, die zweite (781) 
kommt in die begonnene Scene hinein. Im Epidicus leitet das zweite canticum 
(166) den zweiten, das dritte (320) den dritten Akt ein, in der oben berührten 
parallelen Anordnung, das vierte (526) tritt auf der Höhe der Handlung mit 
dem Auftreten der entscheidenden Person während des Aktes ein; ähnlich im 
Pseudolus die drei inneren cantica (574. 905. 1103). Das letzte canticum der 
Mostellaria (858) eröffiiet die Katastrophe, wie das letzte in Poenulus (1174) 
und Trinummns (1115; das vorletzte, 820, Aktanfang), wie Aul. 713 Baech. 925 
Rud. 906 sei es die Katastrophe sei es den zweiten Haupttheil der Handlung 
einleiten. Im Truculentus steht die Monodie der Phronesium (448) im Eingange 
des Aktes, dessen Höhe dann das grosse canticum v. 551 bildet ; auch das letzte 
steht in der Mitte des Aktes, wie unter verschiedenen Bedingungen und mit 
Terschiedener Wirkung Most 690 Aul. 406 Bacch. 612 Rud. 664 Cist. 671, das 
letzte eine Monodie. Bemerkenswerth ist dass die 5 Monodien der Menaechmi 
sämmtlich mitten in den Akt gelegt sind. 

Es scheint dass der Chor, der für die Kunstform der Komödie noch als 
er zu existiren aufgehört hatte bestimmend gewesen ist, auch auf das Verhält- 
niss der cantica zur allgemeinen Composition der plautinischen Komödien Einflnss 
geübt hat. Hier fehlen die Mittelglieder; aber die Analyse der Stücke kann 
vielleicht den Weg zu ihrer Ergänzung öflhen. 



Inhalt. 

Seit«. 

Einleitung 3 

I. Die Verse. 

Eolometrie 6 

1. Jamben Trochäen Anapäste. 

Clausein 8. 17. 22 

Dochmien 16 

Synkope 19 

Systeme: anapäatische 23 

trochäische 29 

jambische 33 

2. lonici 37 

3. Grlyconeen 49 

4. Zusammenhang der plautinischen und hellenistischen Formen- 

bildung • 61 

n. Die Lieder. 

1. Analyse der plautinischen Cantica. 

Composition der Lieder in der jüngeren dramatischen Lyrik 

der Griechen 76 

Miles (stichisch) 84 

Asinaria 85 

Mercator 86 

Curculio 86 

Poenulus 87 

Menaechmi 88 

Trinummus 89 

Captivi 90 

Amphitruo 91 

Cistellaria • 93 

\/Mostellaria 94 

Aulularia 96 

Truculentus 96 

Rudens 98 

Epidicus 99 

Persa 100 

Stichus 101 

Pseudolus 102 

Casina 104 

Bacchides 109 

2. Zusammenhang der cantica mit der Composition der Komödien 111. 



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